Verlag & Akademie

Wie Sie die Realität Ihrer Pflegekunden ernst nehmen

31.07.2020

Bestimmt kennen Sie es auch, dass Ihre demenziell veränderten Pflegekunden den Wunsch äußern, nach Hause zu ihrer Mutter zu gehen, oder Angst haben, dass der Vater schimpft, wenn sie zu spät kommen. Sie denken, dass ihre Eltern noch leben, obwohl diese meist schon vor Jahrzehnten verstorben sind.

Sie als Profi wissen, dass Ihr betroffener Pflegekunde sich nicht mehr an die Realität erinnern kann. Und selbstverständlich gehen Sie davon aus, dass Ihre Vermutung, die Eltern wären schon tot, der Wahrheit entspricht. Ebenso, wie Ihr Pflegekunde in diesem Moment fest daran glaubt, diese würden noch leben. Möglicherweise denken Sie jetzt: „Aber mein Pflegekunde hat die Demenz – nicht ich.

Realität ist nicht immer das, wofür wir sie halten

Auch wir scheinbar orientierten Menschen erinnern uns aus dem eigenen Blickwinkel an die Vergangenheit und sind überzeugt davon: „Das war so!“, etwa wenn wir mit Familienmitgliedern frühere Erlebnisse austauschen. Vermutlich erzählt jeder der Beteiligten ein und dieselbe Geschichte etwas anders.

Dabei haben alle recht und sich gleichzeitig auch eine eigene Erinnerung erschaffen. Im Nachhinein lässt sich meist nicht klären, welche Version stimmt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass Sie am Ende des Gesprächs immer noch sicher sind, dass Ihre Erinnerung die richtige ist. Denn da es kaum möglich ist, eine fest im Gehirn abgespeicherte Erinnerung zu verändern, werden Sie bei Ihrer eigenen Version bleiben.

Demenzerkrankte haben eine andere Realität als Sie

Von demenzerkrankten Pflegekunden verlangen aber viele Pflegekräfte genau dieses Umdenken: Die Betroffenen sollen von ihrer Auffassung abrücken und das glauben, was die Pflegekraft für real hält. Fragen Sie nicht auch manchmal, wie einer demenziell veränderten Person das gelingen soll, obwohl sie einen großen Teil ihrer kognitiven Fähigkeiten verloren hat?

Dies gelingt, weil Ihre demenziell veränderten Pflegekunden eine besondere Fähigkeit haben: Sie können das Spannungsfeld zwischen verschiedenen Realitäten weitaus besser aushalten als wir scheinbar orientierten Menschen. Sie leben häufig in mehreren Realitäten gleichzeitig, in Kindheit, Erwachsenen- und Seniorenalter. Und sie nehmen dies hin, ohne sich hierdurch irritieren zu lassen. Die Irritation entsteht erst dann, wenn Familienangehörige oder Pflegekräfte Diskussionen über „richtig und falsch“ anzetteln.

Beispiel: Frau Jung weiß, dass sie 2 Enkelkinder hat. Gleichzeitig fühlt sie sich aber als Mutter von Mitte 30, die alle ihre Pflichten als Hausfrau und die Versorgung ihrer 3 Kinder souverän erledigt. Die Pflegekraft hingegen sieht eine 90-jährige, pflegebedürftige alte Frau die inkontinent ist und ständig die notwendige Pflege abwehrt. Diese beiden Auffassungen prallen aufeinander, als die Pflegekraft Frau Jung umkleiden möchte und diese sich heftig wehrt.

Versuchen Sie, die Sichtweise Ihrer demenzbetroffenen Pflegekunden verstehen 

Wenn Sie versuchen, sich in Frau Jung hineinzuversetzen, können Sie sich möglicherweise vorstellen, wie sie sich fühlt, wenn eine fremde Frau sie plötzlich ausziehen will. Es ist denkbar, dass sie Angst bekommt, weil sie dieses Verhalten merkwürdig oder sogar als Bedrohung empfindet. Wenn die Pflegekraft die Sichtweise von Frau Jung nachvollzieht, erkennt sie die Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens. Denn sie begreift vermutlich schnell, dass es keinen Sinn hat, Frau Jung davon zu überzeugen, dass ihre Inkontinenzeinlage gewechselt werden muss. Damit sie die Pflege überhaupt durchführen kann, ist es wichtig, dass sie sich auf die Realitätsebene von Frau Jung begibt und aus dieser Perspektive heraus handelt.

Fazit

Im Umgang mit Ihren Demenzbetroffenen ist es wichtig, dass Sie eine Technik anwenden, die zu Ihrem individuellen Pflegekunden, zu Ihnen und zu der jeweiligen Situation passt. Entscheidender als die richtige Technik ist jedoch, dass Sie die Sichtweise der demenziell veränderten Person ebenso ernst nehmen wie Ihre eigene.

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Qualitäts-Management aktuell

1 x in der Woche finden Sie in unserem kostenlosen E-Mail-Newsletter PPM Qualitäts-Management aktuelle Tipps zur Qualitätssteigerung.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Palliativpflege heute

News und Praxistipps für eine professionelle Palliativpflege – speziell für Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Menschen mit Demenz professionell pflegen

Wichtige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung bei Demenz. So bewältigen Sie als Pflegefachkraft die speziellen Herausforderungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Nein, Danke

Nie mehr den Überblick verlieren!

Holen Sie sich Hilfe für Ihre stationäre Pflege!

In nur 15 Minuten über das Wichtigste informiert sein.

  • Pflegekokumentation
  • Mitarbeiterführung
  • Haftungsrecht
  • Nein, Danke

    Nein, Danke