Verlag & Akademie

Risikomanagement im Pflegeheim

04.03.2016

Kennen Sie auch diese Menschen, die immer behaupten: „Ich hab es ja kommen sehen“, oder: „Das musste ja so kommen“, wenn erst­ was Schlimmes passiert ist? Ich bin dann leicht genervt und denke mir, warum derje­nige dann nicht früher reagiert und einen Hinweis gegeben hat.

Erfassen Sie als Einrichtung alle „Vorbote“ für schlimme Ereignisse systematisch. Wenn Sie dann noch handeln, „bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“, haben Sie im Nu ein umfassendes Risikomanagement etab­liert. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Sie müssen sich keine Kommentare mehr von Mitmenschen mit hellseherischen Fähigkeiten anhören.
  • Die Prüfinstanzen werden von einem sys­tematischen Risikomanagement beein­druckt sein.
  • Sie erfüllen bereits die Anforderungen der neuen ISO 9001:2015, welche einen pro­fessionellen Umgang mit Risiken verlangt.

 

 

Verschaffen Sie sich einen Überblick über mögliche Risiken
Jede Einrichtung hat, je nach Organisations­struktur, Lage oder auch personellen Res­sourcen, verschiedene Risiken. Vielleicht arbeiten Sie hervorragend mit der örtlichen Pflegeschule zusammen, und Fachkräfte­mangel ist für Sie kein Thema. Oder Sie ha­ben in den letzten Jahren viel Konkurrenz in Ihrer Umgebung bekommen, so dass Sie immer schwerer Pflegekunden und auch Pflegepersonal gewinnen. Sicherlich gibt es allgemeine Risiken, die auf fast alle Unter­ nehmen zutreffen, z. B. Pflegerisiken der Pflegekunden.

Stellen Sie sich eine individuelle Risikomat­rix für Ihr Unternehmen zusammen. Hierzu erfassen Sie,

  • wo Risiken entstehen,
  • wie konkret diese aussehen,
  • welche Risiken akzeptabel sind und
  • ab wann Sie reagieren möchten.

 

Schritt für Schritt zur individuellen Risikomatrix


Muster: Risikoma­trix:

Bereich: Kundenaquize

Risiko: zu wenig Neukunden

Kennzahl / Indifikator: Neubelegung dauert länger als 5 Tage

Grenzwert: 7 Tage

Ist-Wert: …

Reaktion bei Abweichungen / Zuständigkeit / Maßnahme: …

 

1. Schritt: Tragen Sie in der Spalte „Bereich“ alle Berei­che / Prozesse Ihrer Einrichtung ein. Von der Kundenakquise über den Führungsstil bis hin zu pflegerischen Risiken Ihrer Pfle­gekunden. Nehmen Sie hier noch keine Be­wertung der einzelnen Bereiche vor. Je klein­schrittiger Sie hier Ihre Bereiche und Prozesse eintragen, desto leichter fällt es Ihnen später, die konkreten Risiken und Kennzahlen zuzuordnen.

2. Schritt: Tragen Sie in der Spalte „Risiko“ ein, welche Risiken hier auftreten könnten. Damit Ihre Matrix nicht zu unübersichtlich wird, be­ schränken Sie sich hier (zumindest am An­ fang) auf die Risiken, deren Auswirkungen die schlimmsten Folgen für Ihre Einrichtung haben.

3. Schritt: Tragen Sie in der Spalte „Kennzahl / Indika­tor“ ein eindeutiges und messbares „Symp­tom“ für das jeweilige Risiko ein.

4. Schritt: Tragen Sie in der Spalte „Grenzwert“ einen festgelegten Wert ein. Überlegen Sie hier realistisch, ab welchem Wert Sie reagieren müssen und wie Sie dies gewährleisten.

5. Schritt: In der Spalte „Ist-­Wert“ notieren Sie den ak­tuellen Wert. Besprechen Sie hier gemein­sam im Leistungsteam: Wer ist in welchen Abständen für die Aktualisierung welcher Daten zuständig?

6. Schritt: Wie Sie den Weg von der Feststellung, dass ein Ist­-Wert Ihren festgelegten Grenzwert über­ oder unterschreitet, gestalten, hängt vom jeweiligen Risiko und Ihrer Organisa­tionsstruktur ab. Am Anfang ist es empfeh­lenswert, Abweichungen und geeignete Gegenmaßnahmen im Leitungsteam zu besprechen. Mit der Zeit werden Sie hierin Routine entwickeln, sodass nicht immer das ganze Leitungsteam anwesend sein muss, sondern nur die betreffenden Mitar­beiter.

Nicht alle Fehler fallen auf oder haben gravierende Folgen
Wahrscheinlich fallen Ihnen und Ihren Mit­arbeitern 1.000 Dinge ein, die in den einzel­nen Prozessen schiefgehen könnten. Alles können Sie nicht in Ihre Risikomatrix mit aufnehmen. Sonst wird sie zu unübersichtlich, und allein die ständige Erhebung der „Ist­-Werte“ würde jeden Rahmen sprengen. Beschränken Sie sich daher zunächst auf die Fehler, die den größten Schaden anrichten, unabhängig davon, wie hoch die Auftritts­wahrscheinlichkeit ist.

So bewerten Sie die Risiken für Ihr Pflegeheim
Um Risiken zu bewerten, gibt es zahlreiche Instrumente. Unterschieden wird grund­sätzlich zwischen qualitativer oder quantita­tiver Bewertung. Quantitativ meint hier zu beurteilen, inwieweit das Ziel verfehlt wor­den ist, gemessen in Geld und der Eintritts­wahrscheinlichkeit. Für den Dienstleis­tungsbereich besser geeignet ist die qualitative Bewertung von Risiken.
Hier werden die Ursachen – und Wirkungs­beziehungen eines Risikos bewertet. Be­ währte Instrumente hierzu sind z. B. das Ishikawa ­Diagramm (Ursache-Wirkungs­-Diagramm), die FMEA­Methode oder auch die Fehlerbaumanalyse. Machen Sie sich mit einer der genannten Methoden vertraut, und probieren Sie es einfach mal aus, wenn Sie sich bei der Bewertung eines Risikos unsicher sind.

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