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Das Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept existiert seit nunmehr 70 Jahren und hat noch jeden Trend in der Pflege überdauert. Jeder Auszubildende in einem Pflegeberuf dürfte sehr früh Bekanntschaft mit dem Konzept gemacht haben. Das nicht ohne Grund, denn Bobath hat sich bis heute sowohl in der Pflege als auch im Feld der Ergo- und Physiotherapie als erfolgsversprechendes Konzept bewährt. Insofern lohnt es sich in der ambulanten und stationären Pflege immer, die Ideen des Bobath-Konzeptes in den Pflegeplan von Hemiplegikern mit einzubauen.

Definition: Bei dem Bobath-Konzept handelt es sich um ein auf Erfahrungen gestütztes Konzept. Es fußt auf der Grundbeobachtung, wie Spastiken beeinflusst werden können. Es kommt vor allem bei der Behandlung von Hemiplegie zur Anwendung und betrifft somit sowohl die stationäre als auch die ambulante Pflege. Das Bobath-Konzept ist nicht zu verwechseln mit einer Behandlungsmethode. Die Definition „Konzept“ schließt also aus, dass Bobath nach festgelegten und vorgeschriebenen Pflegetechniken, Methoden und Übungen zu erfolgen hat.
Sehen Sie sich zur besseren Ansicht hier ein Youtube-Video an, in dem das Bobath-Konzept erklärt wird.

Die zwei Grundlagen des Bobath-Konzepts

Das Bobath-Konzept beruht auf zwei wesentlichen Grundlagen: 1. Funktionsmodell des Gehirns Das Bobath-Konzept geht davon aus, dass das Gehirn von sich aus keine Reize produziert sondern auf Reize reagiert. Der Körper nimmt die Reize über die Sinnesorgane und Rezeptoren wahr und verarbeitet sie entsprechend. Diese Verarbeitung zieht dann eine Reaktion nach sich.

Beispiel: Der Druck an eine bestimmte Stelle eines mit starrer Spastik gelähmten Armes kann vom Gehirn so verarbeitet werden, dass es zur Entspannung der Spastik kommt.

2. Entstehung der Spastik Hier geht es vor allem um die Veränderung der Muskelspannung (Muskeltonus). Eine Läsion des zentralen Nervensystems (ZNS) kann zu einer Veränderung des Muskeltonus im Bereich der betroffenen Körperanteile führen. Bei einem gesunden Menschen variiert der Muskeltonus z. B. beim Gehen zwischen Anspannung und Entspannung. Dies geschieht unbewusst, wird also nicht bewusst gesteuert. Eine Hemiplegie führt zu einer grundlegenden Änderung: Der Tonus geht sowohl in der Anspannung als auch in der Entspannung in wesentlich höhere Extreme. Diese Maximalwerte, die dabei erreicht werden, sind vom Hemiplegiker, weder bewusst noch unbewusst, nicht mehr beeinflussbar. Er hat so keinen Zugriff mehr auf erlernte Bewegungsmuster wie z. B. Gehen.

Daraus resultieren die beiden Grundsätze für die Pflege und Therapie nach dem Bobath-Konzept:

  • Regulierung des Muskeltonus
  • Anbahnung von funktioneller Bewegung auf der betroffenen Seite

Die wesentlichen Pflege- und Therapieziele beim Bobath-Konzept sind immer die weitgehende Wiederherstellung der Selbständigkeit, die weitgehende Wiederherstellung der Unabhängigkeit und die Teilhabe in allen Lebensaktivitäten. Ein weiteres Ziel ist die Vermeidung oder zumindest Linderung von Schmerzen, die infolge von Spastiken auftreten können. Hier haben Sie eine Schnittstelle zum nationalen Expertenstandard Schmerzmanagement (akut und chronisch).

Wesentliche Merkmale des Konzepts

Das Bobath-Konzept folgt einer bestimmten Pflegephilosophie. Diese ist sehr gut in folgenden Leitgedanken abgebildet, mit denen Sie in der Praxis sehr gut arbeiten können:

  • Korrekt ausgeführte Pflege ist Therapie.
  • Falsch ausgeführte Pflege kann Fortschritte verhindern oder erheblichen Schaden anrichten.
  • Jede Handlung mit dem Pflegekunden ist Input.
  • Rehabilitative Pflege heißt „Fördern durch Fordern“ und „Hilfe zur Selbsthilfe“.
  • Die Belastbarkeit des Hemiplegikers ist geringer als die des Gesunden.
  • Kleine Teilziele sind schneller und leichter erreicht als große Fernziele.
  • Lob und Erfolgserlebnisse motivieren und spornen an.
  • Tadel, Misserfolg und Gleichgültigkeit entmutigen und frustrieren.
  • Angehörige sind keine Störenfriede, sondern Partner und Helfer bei der Pflege.

Diese Leitgedanken dürften zudem auch mit Ihrem Pflegeleitbild korrespondieren!

Das sind die Eckpfeiler in der Versorgung

Das Bobath-Konzept arbeitet mit folgenden Prinzipien:

  • physische Pflege

Bei der klassischen Pflege von Hemiplegikern geht es darum, die betroffene Seite wieder bewusst zu machen und es geht um die Vermeidung von (weiteren) Spastiken bzw. deren Verschlimmerung. Anbei ein paar Beispiele, die Sie auch als Formulierungshilfe für den dokumentierten Pflegeprozess nutzen können: 1. Maßnahme: Bobath-Lagerung

  • Bewusstmachung der betroffenen Seite über äußere Wahrnehmung wie Augen und Haut sowie innere Wahrnehmung über den taktilen Reiz.
  • Regulation des Muskeltonus zur Vermeidung bzw. Verschlimmerung einer Spastik durch Vermeidung eines spastischen Musters.
  • Erzielen von Schmerzfreiheit, vor allem durch ungewohnte Muskeldehnung, unangenehmen Auflagedruck und ungünstige Stellung der betroffenen Schulter.
  • Die Lagerung muss für den Pflegekunden zwingend angenehm sein, damit er sich nicht nach Ihrem Verlassen des Zimmers wieder entlagert.

2. Spitzfußprophylaxe

  • Verzicht auf eine Fußstütze. Diese provoziert durch den permanenten Druck auf den Fußballen eine Streckspastik im Bein.
  • Führt zudem zum Reflex des Beinanwinkelns. Das wiederum ist für das Wiedererlernen des Gehens vollkommen kontraproduktiv: Der Pflegekunde wird unwillkürlich bei jedem Sohlendruck das Bein anwinkeln.
  • Vermeidung von Auflagedruck durch die Bettdecke.
  • Sitzen im Stuhl bzw. Rollstuhl. Die zur Verkürzung neigende Wadenmuskulatur wird in einer für die Streckspastik hemmenden Stellung verlängert.

3. Kontrakturenprophylaxe der Hand

  • Dem Pflegekunden besser keine Gegenstände (Rollen, Binden) in die Hand geben. Dies führt nur zum Dauerreiz des Faustschlusses.
  • Arbeiten Sie temporär lieber mit dem Igelball. Dieser fördert die Sensorik der betroffenen Hand. Durch den temporären Einsatz verhindern Sie den dauerhaften Reiz zum Faustschluss.

4. Aufrichthilfen

  • Verzicht auf Bettgalgen. Durch die große Anstrengung beim Hochziehen wird die Spastik nur gefördert!
  • Es besteht die Gefahr, dass die betroffene Seite nicht eingesetzt und somit auch nicht wahrgenommen wird.
  • Es entsteht in der Folge ein völlig falsches Bewegungsmuster, was weitere Fortschritte in der Mobilität verhindert.

5. Anti-Dekubitusmatratze

  • Setzen Sie keine allzu weichen Matratzen ein. Diese fördern die Immobilität und damit auch die Kontrakturgefahr.
  • Nutzen Sie AD-Matratzen, die sensorische und taktile Reize beim Hemiplegiker fördern.

6. Sitzen im (Roll-)Stuhl / am Tisch

  • Das Gesäß berührt die Rückenlehne des (Roll-) Stuhls.
  • Die Füße stehen parallel und hüftbreit auseinander auf dem Boden – nicht auf den Fußstützen!
  • Die Rückenstreckung fördern Sie durch ein kleines, festes Kissen unterhalb der Lendenwirbelsäule.
  • Die Arme werden gestreckt auf dem Tisch gelagert.
  • Ein Kissen dient der Abpolsterung von Rumpf und Tischkante.
  • Die Schulter der betroffenen Seite ist weit vorgezogen und der Arm gestreckt.

Kernmaßnahmen, mit denen Sie dauerhaft Erfolge erzielen

Mit diesen Kernmaßnahmen erzielen Sie bereits dauerhafte und nachhaltige Erfolge Psychische Betreuung Der von Hemiplegie betroffene Mensch ist vor allem am Anfang in einer emotionalen Notsituation. Von jetzt auf gleich ist die gewohnte Selbständigkeit einer Hilfebedürftigkeit gewichen. Bei nicht wenigen Betroffenen bleibt eine erhebliche psychische Beeinträchtigung hängen. Deshalb ist vor allem bei der Kommunikation ein empathisches Vorgehen unabdingbar. Bringen Sie dem Pflegekunden Wertschätzung, ehrliches Interesse und Zuwendung entgegen. Zudem muss immer mit dem Pflegekunden und nicht über den Pflegekunden gesprochen werden. Das sollten Sie auch anderen an der Versorgung (Angehörigen) Beteiligten immer wieder einschärfen. Achten Sie zudem darauf, dass Sie sich beim Sprechen mit dem Pflegekunden auf einer Ebene befinden – also nicht stehen und sich über das Bett bzw. den Rollstuhl beugen. Umgebungsgestaltung Gehen Sie davon aus, dass der von Hemiplegie betroffene Pflegekunde seine „kranke“ Seite nicht wahrnimmt. Dies nennt man das „Neglectphänomen“, Sie dürften das aus Ihrer Pflegepraxis hinreichend kennen. Achten Sie deshalb darauf, dass das Lebensumfeld so gestaltet ist, dass sämtliche Verrichtungen über die betroffene Seite vorgenommen werden. Das fördert die Wahrnehmung der betroffenen Seite beim Pflegekunden. Diese Maßnahmen können Sie ergreifen:

  • Stellen Sie den Nachttisch auf die betroffene Seite. So muss der Pflegekunde immer über die betroffene Seite langen, um an Gegenstände zu kommen.
  • Auch die Notrufklingel (stationär) oder ggf. den Hausnotrufknopf (ambulant) so legen, dass der Pflegekunde über die betroffene Seite greifen muss, um diesen zu erlangen.
  • Besucher bzw. Gesprächspartner setzen sich immer an die betroffene Seite und sprechen von dort den Pflegekunden an. Gleiches gilt natürlich auch für Sie!
  • Den Fernseher stellen Sie ebenfalls so hin, dass der Pflegekunde über die betroffene Seite schauen muss. Damit er sich nicht dem Kopf verrenkt, reicht ein 30-Grad-Winkel.
  • Sollte das Bett mit der Längsseite an der Wand stehen, stellen Sie es so, dass die „gesunde“ Seite an der Wand ist.

Beschäftigung und Lernen Auch der Hemiplegiker hat ein Recht auf eine erfüllte Tagesstruktur und Teilhabe an der Gesellschaft. Gerade beim radikalen Fall von Selbständigkeit in die Hilfebedürftigkeit entsteht ein großes Loch. Denn gewohnte Aktivitäten können kaum oder nicht mehr ausgeübt werden. Hier kommt vor allem der sozialen Betreuung eine große Rolle zu: Diese sollte in Zusammenarbeit mit Ihnen Biografiearbeit betreiben und anhand der noch vorhandenen körperlichen und kognitiven Fähigkeiten in Verbindung mit der individuellen Aufmerksamkeitsspanne Beschäftigungsmaßnahmen entwickeln und durchführen. Die Beschäftigung sollte auch eine therapeutische Wirkung haben, sie kann sich mit Maßnahmen der Mobilitätsförderung und wenn notwendig mit der Förderung des Sprachzentrums befassen. Gerade an dieser Stelle ist eine multiprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Pflege und sozialer Betreuung – aber auch externen Therapeuten- für den Pflegekunden Gold wert! Hier sind einige Beispiele:

  • Memory – fördert die Kognition.
  • Großteilige Puzzles mit Motiven, die für den Pflegekunden individuell bedeutsam oder interessant sind. Ebenso können Sie mit 3D-Puzzles arbeiten, dies fördert noch mehr das räumlich-konstruktive Denken.
  • „Mensch Ärgere Dich nicht“ – dieser Spieleklassiker geht immer und fördert vor allem den Spaßfaktor.
  • Gruppenangebote zum Basteln, Handwerken und zu Handarbeiten – hier kann hervorragend der Einsatz der betroffenen Seite (Hand / Arm) trainiert werden.
  • Vorlesen – sorgt vor allem für Ablenkung und fördert die Aufmerksamkeit.
  • Radio oder Fernsehen nicht als Dauerreiz einsetzen. Besser ist es, mit dem Pflegekunden bzw. seinen Angehörigen gezielt Sendungen, Filme oder Serien aussuchen, die den Kunden auch vorher interessiert haben.
Wichtig sind bei der Beschäftigung vier Aspekte: Die Ablenkung, das Wiederfinden eines Lebenssinns, die Teilhabe an der Gesellschaft und die Förderung der Mobilität und Kognition.

Kommunizieren Mit einer gelungenen Kommunikation schaffen Sie die Grundlage für eine gute Beziehung zwischen Ihnen und dem Pflegekunden. Diese gute Beziehung führt dazu, dass sich der Pflegekunde wohl fühlt, wenn er mit Ihnen in Interaktion ist. Aufgrund seiner Gesamtsituation ist dieses Wohlfühlen ein ganz wichtiger Aspekt, ist doch die Gefühlslage des Hemiplegikers – vor allem in der noch frischen Phase – von Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Wut, Trauer und ähnlich heftigen negativen Gefühlen geprägt.

Bei Pflegekunden, deren Sprachzentrum nicht betroffen ist, wird es Ihnen leichtfallen, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Schwieriger wird es bei Aphasikern. Diese verstehen ganz genau, was Sie zu ihnen sagen, können sich aber kaum verständlich machen. Das führt zu Gefühlen wie Unsicherheit, Angst, Wut und Ungeduld. Die dann unwirsche Reaktion dürfen Sie niemals persönlich nehmen. Strahlen Sie eine ehrliche Wärme, Geduld und Empathie aus. Sie können dem Aphasiker auch eine Brücke über eine Schreibtafel o.ä. bauen, mit der er sich artikulieren kann. Sie können alternativ mit dem Kunden auch Signale für „Ja“, „Nein“, „Weiß nicht“ ausmachen und diese im Team kommunizieren. Damit haben Sie bereits ein kleines Fundament zur erfolgreichen Kommunikation gelegt. Bedenken Sie für den Fall, dass der Aphasiker insgesamt Fortschritte bei der Artikulation macht, dass es dennoch Schwankungen in der Tagesform gibt, frei nach dem bekannten Satz: „Zwei Schritte vor, einer zurück“. Hier weitere Kommunikationstipps:

  • Arbeiten Sie mit Bildern, Fotos und Piktogrammen. Sie können den Aphasiker als Antwortmöglichkeit auf diese tippen lassen.
  • Fordern Sie den Aphasiker niemals zum Sprechen auf („Sagen Sie mal...“). Damit zerstören Sie möglicher Weise Ihr gutes Verhältnis zum Pflegekunden.
  • Niemals „Kindersprache“ anwenden! Der Aphasiker versteht Sie sehr gut – er kann nur nicht so antworten, wie er gerne möchte.
  • Vermeiden Sie für den Pflegekunden zu sprechen. Helfen Sie nur mit Füllwörtern oder Lauten, wenn Sie das Gefühl haben, dass es nicht anders geht. Sie können ggf. Hilfestellung leisten, indem Sie eine Anfangssilbe oder Anfangswort vorgeben. Vertrauen Sie hier einfach auf Ihre Erfahrung. Wenn der Pflegekunde konzentriert versucht, ein Wort zu finden bzw. zu artikulieren und es nicht schafft, ermutigen Sie ihn zu stoppen. Lassen Sie es ihm vielmehr an einem anderen Tag versuchen (siehe „Tagesform“).
  • Arbeiten Sie im Einzelfall mit kurzen, klaren Sätzen, die dem Aphasiker eine einfache Antwort ermöglicht. Vermeiden Sie allzu offene Fragen. Dies würde eine umfassendere Antwort verlangen, die der Aphasiker aber nicht geben kann. Er würde wieder in Frustration verfallen.

Bobath in der stationären Altenpflege

In der vollstationären Kurzzeit- und Langzeitpflege haben Sie die Möglichkeit, das Bobath-Konzept in den gesamten Pflegeprozess eines Pflegekunden voll zu integrieren. Diese Möglichkeit haben Sie durch die 24-Stunden-Betreuung im Heim und durch die multiprofessionelle Aufstellung des gesamten Teams. Wenn das Bobath-Konzept bei allen Mitarbeitern in Fleisch und Blut übergegangen ist, stellt die Anwendung keinen Zeitfresser dar. Im Gegenteil, in der langfristigen Wirkung werden Sie feststellen, dass die Versorgung Ihrer Hemiplegiker wesentlich einfacher und somit auch zeitsparender erfolgt. In weniger Pflegezeit erreichen Sie somit mehr Effekte. Installieren Sie unbedingt die Unternehmenskultur der multiprofessionellen Pflege. Nutzen Sie die Ressourcen, die Sie bei Ihren Kollegen in der sozialen Betreuung haben und nutzen sie die Kompetenzen der Therapeuten, die von außen zu Ihnen ins Haus kommen. Installieren Sie Fallbesprechungen und Übergaben, an denen alle an der Versorgung Beteiligten teilnehmen können. Ein Beispiel in der Pflegeplanung kann so aussehen:

Beispiel: Pflegeplanung im stationären Bereich

Probleme / RessourcenPflegezieleMaßnahmen
Aufgrund eines Apoplexes mit Hemiplegie nimmt der BW die rechte Körperhälfte nicht mehr wahr. Im rechten Arm besteht eine leichte starre Spastik.
  • BW wirkt bei den wahrnehmungsfördernden Maßnahmen mit.
  • BW nimmt die betroffene Seite wahr und bezieht sie in die täglichen Aktivitäten mit ein.
  • Die Spastik verschlimmert sich nicht.
  • Alle Handlungen der Pflege und Betreuung werden von der betroffenen Seite herausgeführt. Das Zimmer ist entsprechend eingerichtet, die Möbel entsprechend gestellt.
  • Bei allen Tätigkeiten wird der BW aufgefordert, die betroffene Seite mit einzubeziehen.
  • Bobath-Lagerung alle 90 bis 120 Minuten.
  • Leichte Massagen des betroffenen Arms während der Grundpflege.
  • Zweimal wöchentlich Übungen mit der Physiotherapie (lt. Rezept).
  • Tägliche Übungen mit der hauseigenen Ergotherapeutin (vgl. Dokumentation soziale Betreuung).
  • Hinzu kommen sämtliche erforderliche Prophylaxen, wie mindestens Dekubitus- und Kontraktur. Ihre Maßnahmen zeichnen Sie im Durchführungsnachweis sowie auf den Indikationsformularen wie z.B. Lagerungsprotokoll, Einfuhrprotokoll usw. ab. Im Pflegebericht dokumentieren Sie wie gewohnt die Erfolge und Misserfolge Ihrer Maßnahmen. Somit schaffen Sie sich eine Grundlage für die Evaluation des Pflegeplanes.

    Bobath in der ambulanten Altenpflege

    In der ambulanten Pflege sind Sie an die Umsetzung Ihrer Leistungskomplexe zur Körperpflege, Mobilität, Ernährung / Flüssigkeit und Ausscheidung gebunden. Wenn der hemiplegische Pflegekunde nur die Körperpflege gebucht hat, können Sie die Versorgung nach dem Bobath-Konzept auch nur auf diesen Leistungsbereich beschränken. Dennoch können Sie mit Hilfe der Umsetzung der Leitgedanken für Ihren Pflegekunden viel erreichen und das sogar in der im Tourenplan vorgegebenen Zeit. Zudem können Sie die pflegerische Beratung und Anleitung nach § 45 SGB XI durchführen. Diese Schulung pflegender Angehöriger ist für Ihren Pflegedienst zumindest bei einigen Kassen vergütungsfähig. Informieren Sie sich hier bei Ihrem Trägerverband oder direkt bei den Pflegekassen. Wenn Ihr Pflegedienst solche Rahmenverträge mit der einen oder anderen Kasse abgeschlossen hat bzw. dem beigetreten ist, können Sie die Anleitung zur Pflege von Hemiplegikern abrechnungsfähig durchführen. Darstellung im dokumentierten Pflegeprozess Der dokumentierte Pflegeprozess ist ein sehr gutes Werkzeug, um die individuellen Maßnahmen zur Umsetzung des Bobath-Konzeptes darzustellen. Dadurch dokumentieren Sie nebenbei auch Ihre hervorragende Prozess- und Ergebnisqualität. Bei der Darstellung in der Pflegedokumentation gibt es allerdings Unterschiede zwischen dem stationären und dem ambulanten Bereich: Im ambulanten Bereich kommt es darauf an, welche Leistungskomplexe mit dem Pflegekunden vereinbart wurden. Das fängt schon bei der Problemformulierung an: Im ambulanten Dienst reicht es nämlich, nur die vereinbarten Leistungskomplexe sowie die möglichen pflegerischen Risiken in die Formulierung von Problemen und Ressourcen aufzunehmen. Sie können es sich aber einfach machen: Wenn Sie einen Hemiplegiker in der Versorgung haben, können Sie immer das Mobilitätsproblem beschreiben, welches dann auch als Ursache für die Inanspruchnahme von Leistungskomplexen aus den Bereichen Körperpflege, Mobilität, Ernährung / Flüssigkeit und Ausscheidung gilt.

    Im Beispiel kann das so aussehen:

    Probleme / RessourcenPflegezieleMaßnahmen
    Der Pflegekunde ist immobil und auf den Rollstuhl angewiesen. Aufgrund seiner starren Spastik im linken Arm und einer schlaffen Lähmung des linken Beines kann er Transfers und Lagewechsel nicht ohne fremde Hilfe vornehmen. Er ist zudem dekubitusgefährdet (Hinterkopf, Schultern, Wirbelsäule, Steiß, linke Ferse, linker Ellenbogen), kontrakturgefährdet in den Gelenken der linken Körperhälfte sowie pneumoniegefährdet.
  • BW wirkt bei den wahrnehmungsfördernden Maßnahmen mit.
  • BW nimmt die Betroffene Seite wahr und bezieht sie in die täglichen Aktivitäten mit ein.
  • Die Spastik verschlimmert sich nicht.
  • (Je nach Leistungskomplex erfolgt die handlungsleitende Beschreibung der Maßnahmen inklusive der Prophylaxen zzgl. folgender Maßnahmen im Sinne des Bobath-Konzeptes):
  • LK Körperpflege: Sämtliche Maßnahmen erfolgen von der betroffenen Seite aus. Der Pflegekunde wird aufgefordert, seine betroffene Seite zu nutzen, z.B. Halten des Waschlappens, Eintauchen der Hand in das Waschwasser.
  • LK Mobilität und Ausscheidung: Vgl. Maßnahmen zur physischen Pflege - nutzen Sie die individuell passende Formulierung.
  • Essen / Trinken
    Bei Schluckstörungen Andickung von Flüssigkeit, Nutzen von Hilfsmitteln (Wärmeteller, Teller mit Rand, rutschfeste Unterlage, gebogener Löffel / Gabel, mundgerechte Zubereitung usw.).
  • Sollten Sie nach dem Strukturmodell der „entbürokratisierten Pflegedokumentation“ arbeiten, nutzen Sie zur Problembeschreibung das Themenfeld 2 „Mobilität und Beweglichkeit“ und für den Pflege- und Therapieplan den Ablaufplan. Das Vorgehen ist unabhängig von der Versorgungsform ambulant, teilstationär und stationär.

    Hinweis: Die Arbeit mit Hemiplegikern ist nicht selten abhängig von der Tagesform und der jeweiligen Stimmungslage. Sie können das genauso im Pflegeplan formulieren. Damit wird der Pflegeplan glaubwürdig und gewinnt wegen seiner Praxisnähe an Akzeptanz bei den Kollegen.

    Fazit

    Das Bobath-Konzept ist unheimlich bereichernd für die Arbeit mit Hemiplegikern und Tetraplegikern. Sie können bei der konsequenten Umsetzung nachhaltige Pflegeerfolge erzielen. Es geht nicht darum, vorgefertigte Maßnahmen und Anordnungen umzusetzen. Vielmehr geht es um ein Grundverständnis in der pflegerischen und therapeutischen Art, welches das Fundament für eine erfolgreiche und nachhaltige Art mit den betroffenen Pflegekunden ist. Zudem transportiert das Bobath-Konzept auch eine Haltung, die von Verständnis, Geduld und Empathie geprägt ist. Vor allem diese Haltung macht Ihre Pflege und Betreuung zu etwas ganz Besonderem!

    Diesen Artikel schrieb für Sie:

    Birger Schlürmann

    Birger Schlürmann ist examinierter Altenpfleger, TQM-Auditor, Heim- und Pflegedienstleiter sowie systematischer Coach. Er ist als Unternehmensberater im Sozialwesen bei der Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. Herr Schlürmann ist Chefredakteur für "Rechtssicher handeln in der Pflege" und Autor von Fernkursen für die ppm-Akademie.