Verlag & Akademie

So setzen Sie das Schmerzmanagement erfolgreich in die Praxis um

05.12.2018

Ihre Mitarbeiter sind in Verbindung mit dem Arzt für die Bedarfserhebung einer Schmerzbehandlung zuständig. Diese Aufgabe wird bereits mit Hilfe der Schmerzerfassung durchgeführt. Ferner sollen Beobachtungen über die Schmerzsituation an den Arzt weitergeleitet und seine Anordnungen umgesetzt werden. Ganz wichtig ist es, dass die Medikamente genau zu dem Zeitpunkt verabreicht werden, wie der Arzt es angeordnet hat.

Unter Berücksichtigung der Standardkriterien sollten Ihre Mitarbeiter nun kundenindividuelle Maßnahmen planen und umsetzen. Der Expertenstandard bietet Ihnen im Kern 3 Möglichkeiten der Intervention.

  1. die medikamentöse Behandlung
  2. die pflegerische Behandlung,
  3. die Beratung und Anleitung der Pflegekunden

Eine effektive medikamentöse Behandlung ohne Ihre Mitarbeiter gibt es nicht

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führen Schmerzen, die über 4 / 10 auf der Numerischen Rangskala (NRS) liegen, zu Funktionseinschränkungen. Die WHO empfiehlt im Übrigen einen Stufenplan zur Auswahl von Analgetika. Dieser sieht Folgendes vor:

  • Für leichte Schmerzen werden Nichtopioide eingesetzt (WHO Stufe 1).
  • Für mittelstarke Schmerzen werden schwache Opioide und ggf. adjuvante (= Medikamente, die ihre Indikation eigentlich außerhalb der Schmerztherapie haben) Schmerzmittel eingesetzt (WHO Stufe 2) und
  • starke Schmerzen werden mit starken Opioiden (in Kombination mit Nichtopioiden und adjuvanten Medikamenten) behandelt.

Vielleicht können Sie den behandelnden Arzt davon überzeugen, nach diesem Stufenplan vorzugehen.

Praxistipp: Erstellen Sie im Qualitätszirkel eine Tabelle der bei Ihnen gängigsten Schmerzmedikamente und adjuvanten Medikamente. Unterteilen Sie diese Tabelle in Präparat, Wirkstoff, Wirkungsweise, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen. Erläutern Sie die Tabelle Ihren Pflegefachkräften im Rahmen einer internen Schulung.

Das A und O ist aber immer noch die Beobachtung der Wirkungsweise der Medikamente auf den Pflegekunden. Sie sollte schlüssig im Pflegebericht dokumentiert sein. Dieser Pflegebericht ist die Argumentationshilfe für die Kommunikation mit dem behandelnden Arzt.

Achten Sie bei der Beobachtung nicht nur auf Wechsel- und Nebenwirkungen. Berücksichtigen Sie ebenfalls die Beobachtung des Schmerzverlaufs. Stellen Sie sich dabei folgende Fragen: Sind die Schmerzen morgens stärker als abends? Sind die Schmerzen vor allem nachts präsent? Wenn Sie solche Schmerzspitzen entdecken, reicht es manchmal aus, das Medikament zu anderen Zeiten zu geben, um diese Schmerzspitzen wieder abzuflachen. Natürlich müssen Sie auch hier Rücksprache mit dem Arzt halten und sich von ihm eine entsprechende Anordnung geben lassen und diese dokumentieren.

Pflegerische Maßnahmen zur Schmerzlinderung

Der Nationale Expertenstandard zum Schmerzmanagement bietet einige unterschiedliche pflegerische Methoden, um Schmerz zu lindern. Darüber hinaus können pflegerische Maßnahmen helfen, die Neben- und Wechselwirkungen der medikamentösen Therapie bei Ihren Pflegekunden zu lindern.

Folgendes ist für Sie wichtig zu wissen: Pflegerische Maßnahmen können lediglich eine Ergänzung zur medikamentösen Schmerzbehandlung sein – niemals ein Ersatz. Untersuchungen haben gezeigt, dass mit Hilfe pflegerischer Maßnahmen durchaus positive Effekte erzielt werden können. Nutzen Sie diese vielseitigen pflegerischen Maßnahmen zum Wohle Ihrer Kunden.

Welche Effekte das sind, können Sie hier sehen:

Emotionale / psychische Auswirkungen

Weniger:

  • Emotionale Belastung
  • Müdigkeit
  • Angst

Mehr:

  • Stärkung von Bewältigungsstrategien
  • Kontrolle über Schmerzen
  • Wohlbefinden
  • Hoffnung
  • Schlagqualität
  • Lebensqualität

Körperliche Auswirkungen

Geringe(r) / niedrige(r):

  • Herzfrequenz
  • Blutdruck

Mehr:

  • Stimulation des sympathischen Nervensystems
  • Muskelentspannung
  • Sauerstoffzufuhr
  • Freisetzen von endogenen schmerzreduzierenden Substanzen

Hinweis: Wenn Sie diese Effekte bei Ihren Kunden beobachten, dokumentieren Sie dies im Pflegebericht

Um diese positiven Ergebnisse zu erzielen, können Sie folgende pflegerischen Maßnahmen zur Schmerzlinderung durchführen:

Oberflächliche Wärmeanwendung

Sie können Wärmflaschen, Wickel, Auflagen und Bäder anwenden. Prüfen Sie aber im Einzelfall, ob die Indikation einer ärztlichen Anordnung vorliegt (z. B. Wickel). Der Effekt ist, dass Ihre Pflegekunden für die Dauer der Maßnahmen eine herabgesetzte Schmerzsensibilität haben. Oberflächliche Wärmeanwendungen können Sie bei Gelenkschmerzen, Rücken- und Muskelschmerzen anwenden. Nicht anwenden sollten Sie Maßnahmen wie Wärmflaschen, Wickel und Auflagen auf bestrahlten Körperstellen. Achten Sie zudem darauf, dass es nicht zu Verbrennungen und Hautirritationen kommt. Bei Pflegekunden mit Hypotonie sollten Sie auf Bäder verzichten.

Oberflächliche Kälteanwendung

Kälteanwendungen können Sie und Ihre Mitarbeiter mit Eisbeuteln, Gel-Packs, Umschlägen und Wickeln durchführen. Die Effekte bestehen zum einen in einer verminderten Sensibilität für Schmerz und zum anderen in einer anästhesierenden Wirkung. Anwenden können Sie diese Maßnahmen bei Schwellungen und Prellungen, akuter rheumatischer Arthritis, Kopfschmerzen und Gelenkbeschwerden. Achten Sie auch hier darauf, dass Sie keine Hautirritationen verursachen. Absolut kontraindiziert sind Kälteanwendungen bei peripheren vaskulären Erkrankungen.

„Zentral wirkende Maßnahmen“

Mit „zentral wirkenden Maßnahmen“ sind Maßnahmen gemeint, die zu Ablenkung und Entspannung führen. Die Zielsetzung solcher Maßnahmen ist größtmögliche Muskelentspannung und Angstfreiheit. Die Planung solcher Maßnahmen sollten Sie nach individuellen Vorlieben und biografischen Angaben vornehmen. Maßnahmen können sein: Musik, Film und/oder Fernsehen.

Die pflegerische Beratung rundet Ihr Schmerzmanagement ab

Nicht selten haben Ihre von chronischen Schmerzen geplagten Pflegekunden Angst vor Medikamenten. Zum einen befürchten sie Nebenwirkungen und zum anderen haben sie Angst, abhängig zu werden. Manche Pflegekunden gehören noch einer Generation an, in der die Auffassung vorherrscht, „man müsse Schmerzen aushalten“. Andere wiederum haben Angst davor, ständig höhere und härtere Dosen schlucken zu müssen.

Diesen Ängsten entgegenzutreten ist Ihre Aufgabe im Rahmen eines wirksamen Schmerzmanagements. Beraten und schulen Sie Ihre Pflegekunden. Erläutern Sie ihnen die Wirkungsweisen und Nebenwirkungen von Schmerzmitteln. So können Sie die Einstellung Ihrer Pflegekunden zu Schmerzmedikamenten positiv beeinflussen. Nutzen Sie hierzu das Material, das bereits Grundlage Ihrer Mitarbeiterschulung war.

Bereiten Sie z. B. die Informationen zu dem Medikament, das der Pflegekunde einnimmt, auf. Erstellen Sie auf einem DIN-A4-Bogen eine Tabelle mit den Spalten „Wirkung“, „Nebenwirkung“ und „Wechselwirkung.“ Lassen Sie unter der Tabelle ein Feld frei für Angaben, wie der Patient selbst Nebenund Wechselwirkungen lindern kann. Wählen Sie mindestens die Schriftgröße 16, laminieren Sie den DIN-A4- Bogen und händigen Sie ihn dem Patienten aus.

Die folgende Musterpflegeplanung zeigt Ihnen, wie Ihr Pflegeplan aussehen kann, damit Sie die wichtigsten Merkmale des Nationalen Expertenstandards berücksichtigen.

Bedenken Sie, dass Ihre Pflegekunden oft hilflos im Umgang mit Medikamenten sind. Die Erklärungen der Hausärzte sind oft unzureichend. Erschwerend kommt hinzu, dass die Beipackzettel für ältere Menschen kaum zu entziffern sind – weil die Schriftgröße zu klein ist. Und die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind Ihren Kunden in der Regel gänzlich unbekannt. Seien Sie also ein verlässlicher Partner Ihrer Pflegekunden und nutzen Sie Ihr Wissen über Schmerzmedikamente zum Wohle der Kunden.

Muster: Pflegeplanung bei Schmerzproblematik

Problem: 

Frau Meyer leidet an starken Rückenschmerzen, stechenden Schmerzen mit einer Intensität von 6 / 10 auf der NRS. Die Schmerzen sind nachts am schlimmsten, deshalb schläft Frau Meyer schlecht und fühlt sich tagsüber müde und abgeschlagen. Frau Meyer kann genaue Angaben über ihren Schmerzverlauf und die Schmerzintensität machen.

Ziele

  • Frau Meyer hat Schmerzen von 3 / 10 auf der NRS und kann nachts durchschlafen.
  • Alternativ: Frau Meyer hat nachts einen erholsamen Schlaf und kann tagsüber am Leben teilhaben.
  • Alternativ: Frau Meyer kennt Wirkungen und Nebenwirkungen ihrer Medikation und nimmt die Mobilisationsmaßnahmen an.

Maßnahmen

Medikamentengabe 3-mal täglich nach ä.V. Frau Meyer bekommt zur Nacht auf eigenen Wunsch eine Wärmflasche. Wöchentliche Kommunikation mit dem Hausarzt im Rahmen der Visite. Dort werden Beobachtungen hinsichtlich der Wirkungsweise der Medikation weitergegeben. Frau Meyer wird immer wieder vom Personal über die Wirkung und Nebenwirkungen des Medikamentes informiert. Tagsüber werden Mobilisationsmaßnahmen (Transfer- und Gehtraining) durchgeführt, um die Kundin zu ermüden und so eine bessere Nachtruhe sicherzustellen.

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