Verlag & Akademie

Die richtige Schmerzskala für Ihre Pflegekunden

25.06.2019

Zur Einschätzung von Schmerzen sind Schmerzskalen in der Palliativpflege zwischenzeitlich unverzichtbare Instrumente geworden. Denn es gibt wohl kaum eine schlimmere Vorstellung, als unter starken Schmerzen zu leiden, und niemand beurteilt sie richtig. Zwischenzeitlich gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Schmerzerfassungsinstrumenten, die Sie bei Ihren Pflegekunden einsetzen können. Aber nicht jedes Instrument und jede Schmerzskala eignet sich gleich gut für jede Personengruppe.

Sehr häufig werden in der Palliativversorgung zur Schmerzerfassung so genannte Schmerzskalen eingesetzt. Ihr Vorteil liegt dabei klar auf der Hand: Sie sind rasch und ohne große Mühe einsetzbar und der Erfolg der eingeleiteten Therapie ist schnell evaluierbar. Häufig genutzte Schmerzskalen sind z.B. die VAS Schmerzskala und die BESD Schmerzskala. Die nachfolgende Übersicht zeigt Ihnen, welche Schmerzskala sich wann und für welchen Pflegekunden eignet.

 

Skala

Beschreibung

Besonders geeignet für

 

Verbale Rating-Skala (VRS)

 

Selbsteinschätzungsskala:

Es werden dem Betroffenen 5 Wortkombinationen
vorgegeben. Er soll diejenige Kombination aussuchen, die seinen Schmerz am
besten widerspiegelt. Folgende Wortkombinationen werden verwandt:
0 = kein Schmerz
1 = leichter Schmerz
2 = mittelstarker Schmerz
3 = starker Schmerz
4 = sehr starker Schmerz
5 = maximal vorstellbarer Schmerz

 

Patienten, die orientiert sind, aber sich nicht lange konzentrieren können. Sehbehinderte Personen, da kein Hilfsmittel benötigt wird. Personen, die unter motorischen Einschränkungen leiden.

 

Visuelle Analog-Skala (VAS)

 

Selbsteinschätzungsskala:

 Auf einer 10 cm langen Linie angelegt. Der Anfangspunkt wird mit „kein Schmerz“ betitelt, der Endpunkt mit „stärkster vorstellbarer Schmerz“.

Nun kann der Betroffene auf der Linie angeben, wo seine Schmerzintensität gerade liegt. Mit Hilfe eines Lineals kann die Schmerzstärke dann genau ermittelt werden.

Die Anzahl der cm entspricht der
jeweiligen Schmerzstärke.

 

Betroffene, die nicht mehr gut mit Zahlen umgehen können und für die eine Numerische Skala weniger gut geeignet ist.

Ältere und auch schon kognitiv beeinträchtigte Menschen. Es hat sich gut bewährt, die Skala bei älteren Menschen vertikal zu nutzen. Sie ähnelt dann in ihrer Form einem Fieberthermometer.

 

Numerische Analog-Skala (NAS)

 

Selbsteinschätzungsskala:

Grundsätzlich gleich aufgebaut wie die VAS. Auf einer 11 cm langen Linie werden die einzelnen Schmerzstufen mit einem Abstand von 1 cm mit einem Zahlenwert von 0–10 unterteilt. 0 entspricht hier „kein Schmerz“, 10 ist „stärkster vorstellbarer Schmerz“.

Die jeweilige Zahl entspricht der
jeweiligen Schmerzstärke.

 

Für Patienten, die orientiert
sind
und eine Verbindung von den Zahlen zur Schmerzstärke herstellen
können.

 

Smiley-Analog-Skala (SAS) 

 

Selbsteinschätzungsskala:

Sie besteht aus 5–6 Smiley-Gesichtern, die den aktuellen Schmerzzustand wiedergeben sollen.

Der Betroffene wählt das Gesicht aus,
das seinem eigenen Schmerzempfinden am nächsten kommt.

 

Gut in der Altenpflege einsetzbar.

Demenzerkrankte Menschen
können mit Hilfe dieser Skala noch lange eine aussagekräftige Auskunft über ihren aktuellen Schmerz geben. Gut bei Kindern ab dem 3.–4. Lebensjahr einsetzbar

 

Beurteilung von Schmerz bei Demenz
(BESD)

 

Fremdeinschätzungsinstrument: 

Am effektivsten in Form eines
Beobachtungsbogens. Es wird das Verhalten des Betroffenen von einer außenstehenden Person (meist einer Pflegefachkraft) beobachtet und in einem vorgegebenen Fragebogen dokumentiert. Bestimmte Beobachtungen zu Atmung, Gesichtsausdruck, Körpersprache und Trost sind einem Punktwert von 0–2 zugeordnet.

Am Ende werden die erreichten Punkte zusammengezählt. Der Score (maximal 10 Punkte) gibt dann Auskunft über die Schmerzintensität.

 

Gut einsetzbar bei demenziell
erkrankten Personen
, die sich verbal nicht mehr über ihr eigenes Schmerzempfinden äußern können.


Bei demenziell erkrankten Personen sollte das Schmerzinstrument nur eines von mehreren Mitteln sein, um eine umfassende Schmerzerfassung durchzuführen.

 

Hinweis: Grundsätzlich sollten Sie es Ihrem Pflegekunden ermöglichen, seine Schmerzen mit Hilfe einer für ihn geeigneten Schmerzskala selbst zu bestimmen. Schmerz ist immer ein individuelles Empfinden und Erleben. Selbst, wenn sie den Pflegekunden seit geraumer Zeit behandeln, so kann nur der Betroffene selbst um die Stärke seiner Schmerzen wissen. Die Schmerzeinschätzung mit Hilfe eines Fremdeinschätzungsbogens ist immer abhängig von der einschätzenden Person. Es kann daher vorkommen, dass vorhandene Schmerzen nicht oder nicht in ausreichender Form festgestellt werden.

Weitere Informationen zum Thema Schmerzskalen und Expertenstandards in der Pflege finden Sie in "Palliativpflege heute".

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