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Auch am Telefon unterliegen Sie der Schweigepflicht

17.02.2017

Beispiel: Eine Pflegekraft erhält in einer stationären Einrichtung für Menschen mit Demenz an einem Morgen einen Anruf vom Sohn eines Bewohners. Dieser möchte wissen, wie es dem Vater geht. Die Pflegekraft kennt den Sohn nicht und ist daher unsicher, inwieweit sie dem Anrufer Auskunft geben darf.

Stationäre Pflege aktuell

Sicherlich werden auch Sie während Ihrer Dienstzeit immer wieder mit telefonischen Anfragen durch Angehörige oder Bekannte eines Ihrer demenzerkrankten Bewohner konfrontiert. Häufig beantwortet man diese ohne große Überlegung. Doch wissen Sie genau, was Sie auf solche Fragen antworten müssen und ob Sie überhaupt eine Antwort geben dürfen?

Diese Regeln sollten Sie bei Telefonauskünften stets einhalten

Im Grunde gelten natürlich bei Telefonaten dieselben Regeln zur Schweigepflicht wie auch bei direkten persönlichen Anfragen. Da Sie den Anrufer bei einem Telefonat aber nicht sehen können, ist hier noch einmal erhöhte Vorsicht geboten: Vielleicht ist die Person, mit der Sie zu sprechen vermuten, gar nicht am anderen Ende der Leitung. In der folgenden Übersicht finden Sie eine hilfreiche Zusammenstellung der wichtigsten 10 Regeln für das Verhalten bei telefonischen Auskünften.

 

Übersicht: 10 Regeln zur Schweigepflicht am Telefon

1. Antworten Sie nur, wenn Sie den Anrufer an seiner Stimme erkennen und ganz sicher sind, dass es sich um die angegebene Person handelt.

2. Geben Sie nur Auskunft an Personen, die dazu autorisiert sind, Informationen zu erhalten. Dies sind in der Regel nur Bevollmächtigte und Betreuer in den ihnen zugesprochenen Bereichen. Wenn ein Betreuer z. B. nur die Vermögenssorge hat, dürfen Sie ihm keine Auskunft über den Gesundheitszustand geben. Alle anderen Verwandten dürfen keine Auskunft erhalten, es sei denn, Ihr Bewohner oder sein Betreuer/Bevollmächtigter hat Ihnen zuvor dazu die schriftliche Erlaubnis erteilt.

3. Selbst im 1. Moment simpel anmutende Fragen über das Befinden des Bewohners dürfen Sie nicht beantworten.

4. Wenn Sie von sich aus Angehörige informieren müssen, z. B. wenn Ihr Bewohner ins Krankenhaus eingewiesen werden soll oder Änderungen der Versorgung anstehen, geben Sie auch diese Informationen nur an die berechtigten Personen weiter. Weiteren eventuell im Haushalt befindlichen Personen gegenüber haben Sie eine Schweigepflicht.

5. Sprechen Sie nicht auf den Anrufbeantworter. Sie wissen in der Regel nicht, wer diesen abhört oder ob Sie tatsächlich die richtige Nummer gewählt haben. Bitten Sie stattdessen grundsätzlich um Rückruf.

6. Achten Sie beim Telefonieren darauf, dass kein 3. mithört, d. h. dass sich keine fremde Person im Stationszimmer befindet.

7. Geben Sie keine personenbezogenen Daten, z. B. Adressen oder Telefonnummern, von Angehörigen weiter.

8. Schalten Sie bei Telefonaten immer nur dann auf Lautsprecher, wenn Sie den Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung zuvor darüber informiert haben, dass ab jetzt jemand mithört.

9. Verfahren Sie selbstverständlich ebenso bei Anfragen über Kollegen, z. B. ob sie noch bei Ihnen auf der Station oder in der Einrichtung arbeiten oder wann diese das nächste Mal zum Dienst erscheinen. Geben Sie auch hier keine persönlichen Telefonnummern heraus.

10. Bei Unsicherheiten über den Anrufer, sein Anliegen oder Ihre Auskunftsbefugnis bitten Sie den Anrufer immer um ein persönliches Gespräch in Ihrer Einrichtung. Alternativ lassen Sie sich die Telefonnummer des Fragestellers geben und leiten diese an den Betreuer oder Bevollmächtigten weiter, wenn der Anrufer es wünscht.

 

Wie Sie eine Einverständniserklärung von der Schweigepflicht entbindet

Um die Kommunikation am Telefon zu erleichtern, bitten Sie Ihren Bewohner bzw. den Betreuer oder Bevollmächtigten, eine entsprechende Einverständniserklärung auszufüllen, wem Sie welche Auskünfte geben dürfen. Mit dieser sind Sie auf der sicheren Seite.

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