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Respektieren Sie immer das Selbstbestimmungsrecht

18.12.2017

Das Recht auf Selbstbestimmung ist bereits im Grundgesetz verankert: Artikel 2 Absatz 1: (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

Wenn Sie Ihre demenziell erkrankten Pflegekunden betreuen, stoßen Sie hier natürlich schnell auf Fragen und Diskussionen. Dabei muss das gar nicht schwierig sein. Wie in der Diskussion um Probleme und Ressourcen in der Pflegeplanung richten Sie auch hier Ihren Blick weg von den Defiziten, die die Demenz mit sich bringt.

Ein Blick in die MDK-Prüfanleitung stationär verrät in den Ausführungen zur Frage 16.4, dass es auch dem MDK hier nicht um komplizierte ethische Diskussionen geht, sondern darum, dass Sie sich über die folgenden Fragen Gedanken machen:

  • Welche Möglichkeiten hat Ihr Pflegekunde, Selbstbestimmung auszudrücken?
  • Wie äußert sich das? Hier sind insbesondere auch non-verbale Ausdrucksformen zu berücksichtigen.
  • Wie können Sie ihm Raum lassen, um selbst zu bestimmen? Das beinhaltet auch die Frage, inwieweit Sie es zulassen können, wenn der Pflegekunde pflegerische Handlungen ablehnt.

Die Grundsätze der Selbstbestimmung in der Pflege

Damit Sie eine gute Note vom MDK bekommen, ist es vor allem wichtig, dass Sie in der Pflegedokumentation gezielt Informationen darüber platzieren, an welchen Stellen Ihr demenziell erkrankter Pflegekunde in der Lage ist, Selbstbestimmung zu äußern, und wie Sie damit umgehen. Beachten Sie dabei die folgenden Grundsätze:

Grundsatz 1: Schreiben Sie in Ihrer Pflegeplanung konsequent die Ressourcen auf, die Ihr Pflegekunde im Bereich der Selbstbestimmung noch hat.

  • Kann er z. B. seine Kleidung selbstständig wählen oder sich sein Essen auswählen, wenn Sie es ihm zeigen?
  • Kann er durch Abwehr ausdrücken, dass er nicht jetzt, sondern evtl. später gewaschen werden möchte?

Grundsatz 2: Nutzen Sie konsequent den Pflegebericht, um zu notieren, wenn Ihr Pflegekunde selbstbestimmt Entscheidungen getroffen hat. Beispiel für einen Eintrag im Pflegebericht:

Herr Müller hat heute Morgen abwehrende Handbewegungen gemacht, als ich ihn pflegen wollte. Auch nach einem ruhigen Gespräch hat er weiterhin nonverbal deutlich gemacht, dass er dies nicht möchte. Ich habe es später, gegen 11 Uhr, noch einmal versucht, und dann hat er sich versorgen lassen und dabei viel geredet und gelacht.

Grundsatz 3: Verknüpfen Sie Transparenzkriterien zur Selbstbestimmung und zum Wohlbefinden sinnvoll miteinander. Orientieren Sie sich an den Formulierungshilfen auf Seite 9. Denn wenn Ihr Pflegekunde Unbehagen ausdrückt, will er mit ziemlicher Sicherheit gerade nicht das, was Sie wollen. Notieren Sie diese Verhaltensweisen und Ihre Reaktionen darauf in Ihrem Pflegebericht. Beschreiben Sie, dass Sie die Selbstbestimmung im Hinblick auf das Wohlbefinden bewusst respektieren.

Grundsatz 4: Nutzen Sie, sofern vorhanden, biografische Informationen über die individuellen Gewohnheiten Ihres Pflegekunden. Beispiel: Wenn ein Mensch Zeit seines Lebens immer im Bett gefrühstückt hat, wird er ungehalten reagieren, wenn Sie ihn in den Speisesaal bringen. Lassen Sie dem Pflegekunden seine Gewohnheiten, und beobachten Sie seine Reaktionen darauf. Wenn es ihm sichtlich gut damit geht, belassen Sie die Maßnahme so, wie sie ist.

Grundsatz 5: Wenn Sie die Selbstbestimmungsfähigkeiten Ihrer Pflegekunden nicht beachten, kann es sein, dass sie sich zurückziehen, passiv werden, und / oder herausforderndes Verhalten zeigen. Lassen Sie also so viel Raum wie möglich, wenn Ihre demenziell erkrankten Pflegekunden pflegerische Handlungen ablehnen. Wenn Sie an Grenzen stoßen, wenn z. B. Verwahrlosung droht, führen Sie eine ethische Fallbesprechung durch, und dokumentieren Sie die Ergebnisse sorgfältig. Damit erreichen Sie nicht nur etwas für den Menschen – Sie punkten auch beim MDK.

Praxistipp: Je detaillierter Sie dokumentiert haben, wenn ein Pflegekunde z. B. pflegerische Handlungen ablehnt, desto besser können Sie im Rahmen von MDK- und Heimaufsichtsprüfungen argumentieren, wenn Ihr Pflegekunde einmal nicht „wie aus dem Ei gepellt“ aussieht. Natürlich gibt es hier Grenzen. Aber die Füße Ihrer demenziell erkrankten Pflegekunden müssen nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit „nach Lavendel duften“

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