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Ethische Fallbesprechungen in den Pflegealltag integrieren

04.09.2019

Sie als PDL und Ihre Mitarbeiter erleben in Ihrem Berufsalltag regelmäßig Situationen, in denen richtig und falsch nicht eindeutig sind bzw. es unterschiedliche Meinungen innerhalb des Teams gibt. Zudem sind in der Hektik ein konzentriertes Gespräch und die nachhaltige Klärung mit allen Beteiligten kaum möglich. Viele Pflegeteams berufen bei schwierigen Fragestellungen daher eine ethische Fallbesprechung ein und profitieren nach dieser strukturierten Bearbeitung der Fragestellung von den Ergebnissen.

So läuft eine ethische Fallbesprechung ab

Die so genannte Nimwegener Methode ist aktuell die bekannteste strukturierte Vorgehensweise für ethische Fallbesprechungen. Hierbei führen die an dem Fall Beteiligten die Fallbesprechung durch, um eine notwendig Entscheidung zu treffen.

Hier ein Beispiel für ein Durchführungsprotokoll für die ethnische Fallesprechung:

Name des Bewohners:
Datum:
Moderation:
Protokollführer:
Teilnehmer:

1. Problembenennung

  • Was ist der Anlass für das Gespräch? Welches Problem soll mit welchem Ziel bearbeitet werden?
  • Welche Frage soll durch die Fallbesprechung beantwortet werden?

2. Medizinische Fragen

  • Welche Diagnosen / medizinische Vorgeschichte sind / ist bekannt?
  • Welche Maßnahmen sind möglich / geplant?
  • Wie könnte die Prognose ohne die Maßnahmen lauten?
  • Wie könnte sich die Prognose durch die geplanten Maßnahmen verändern?
  • Könnten die Maßnahmen schaden?
  • Wie könnten sich positive und negative Auswirkungen zueinander verhalten?

3. Pflegerische Gesichtspunkte

  • Wie sieht die pflegerische Situation des Bewohners aus?
  • Gibt es zurzeit besondere pflegerische Probleme?
  • Welche Aspekte der bestehenden Pflegeplanung sind in Bezug auf die Ausgangsfrage relevant?
  • Welche Maßnahmen sind derzeit geplant?
  • Mit welchem Ziel sollen sie durchgeführt werden?

4. Psychologische Gesichtspunkte

  • Was ist über das psychische Befinden des Bewohners bekannt?
  • Was ist über die religiöse oder weltanschauliche Einstellung des Pflegekunden bekannt?
  • Möchte der Bewohner seelsorgerisch oder spirituell begleitet werden?
  • Welche Erwartungen hat der Bewohner an die pflegerische und medizinische Versorgung?
  • Welche Erwartungen hat die Familie / haben weitere Bezugspersonen?
  • Welchen Einfluss hat die derzeitige Situation auf die Lebensqualität des Bewohners?
  • Welche Maßnahmen sind in Bezug auf das Ausgangsproblem möglich und wie könnten sie sich auf das Wohlbefinden des Bewohners auswirken?

5. Selbstbestimmung des Bewohners

  • Ist der Bewohner einwilligungsfähig?
  • Falls nicht: Was ist sein mutmaßlicher Wille? Woher ist dieser bekannt?
  • Liegt eine Patientenverfügung / eine Vorsorgevollmacht vor? Was beinhaltet sie?
  • Versteht der Bewohner seine Situation? Wie bewertet er sie?
  • Welche Werte und Einstellungen des Bewohners sind in diesem Zusammenhang wichtig?

6. Absprachen und weiteres Vorgehen

  • Ist die Ausgangsfrage gleich geblieben, nachdem die Gesprächspartner sich über die Fragen ausgetauscht haben? Falls sich im Gespräch herausgestellt hat, dass es um eine andere Fragestellung geht: Wie lautet die eigentliche Frage?
  • Sind alle zur Entscheidung wichtigen Informationen bekannt?
  • Welche Maßnahmen entsprechen am ehesten dem (mutmaßlichen) Willen des Bewohners?
  • Zu welchem Ergebnis kommen die Beteiligten des Gespräches?
  • Wie soll in Zukunft mit dem Problem / der Fragestellung umgegangen werden?
  • In welchen Situationen sollte es eine weitere Fallbesprechung geben?

Wie Sie die ethische Fallbesprechung einführen

Ethische Fallbesprechungen dauern mindestens 1 Stunde und erfordern eine hohe Konzentration von allen Beteiligten. Zudem sind Terminabsprachen und etwas Vorbereitung erforderlich. Dieser Aufwand schreckt Ihre Mitarbeiter möglicherweise ab, frei nach dem Motto: „Bitte nicht noch eine Besprechung!“ Wenn Sie hingegen erreichen möchten, dass Ihre Mitarbeiter das Instrument gern und kontinuierlich nutzen, ist es wichtig, dass der organisatorische Aufwand für den Einzelnen gering bleibt und Ihre Mitarbeiter gleichzeitig einen Nutzen in der Sache erkennen. Hierbei unterstützt Sie die folgende schrittweise Implementierung.

1. Schritt: Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über die geplante Methode

Stellen Sie das Instrument „ethische Fallbesprechung“ zunächst in einer Mitarbeiterbesprechung vor. Starten Sie in den darauffolgenden Wochen 1–2 Probedurchläufe pro Team. So erkennen Ihre Mitarbeiter, dass es sich hierbei um eine praktikable Problemlösungsmethode handelt. Außerdem haben sie die Gelegenheit, Verbesserungsvorschläge zu Ablauf und Inhalt zu machen. Entsprechend erhöht sich die Akzeptanz der Methode. Führen Sie die Fallbesprechung erst nach dieser Einführungsphaseoffiziell ein.

2. Schritt: Lassen Sie Moderatoren ausbilden

Die Rolle des Moderators ist es, für die Einhaltung des strukturierten Ablaufschemas zu sorgen und dafür, dass jeder zu Wort kommt. Achten Sie darauf, dass der Moderator nicht gleichzeitig Bezugspflegekraft des besprochenen Bewohners ist. Falls Sie die ethische Fallbesprechung fest in Ihrer Einrichtung implementieren möchten, lassen Sie 1–2 Mitarbeiter zu Moderatoren ausbilden. Diese Ausbildung gibt die notwendige Sicherheit.

3. Schritt: Regen Sie die Fallbesprechung an

Prüfen Sie bei schwierigen Fragestellungen, ob eine ethische Fallbesprechung einberufen werden soll. Entscheidend ist, dass das Problem so gravierend ist, dass Sie und Ihre Mitarbeiter es im Alltag nicht hinreichend lösen können. Wichtig ist, dass jedes Teammitglied das Recht hat, eine ethische Fallbesprechung vorzuschlagen. Zwischen Vorschlag und Durchführung sollte höchstens 1 Woche liegen. Zu Beginn ist es Ihre Aufgabe als PDL, die Durchführung anzuregen, bis Ihre Wohnbereichsteams selbst daran denken.

4. Schritt: Verteilen Sie die Organisation auf viele Schultern

Legen Sie den Termin fest und verteilen Sie die Organisation auf verschiedene Mitarbeiter:

  • Der Moderator ist ausschließlich für die Moderation der Besprechung zuständig.
  • Die Bezugspflegekraft des Bewohners fügt die wichtigsten Informationen unter den entsprechenden Stichpunkten schon vorab ins Protokoll ein und stellt sie in der Besprechung vor.
  • Der Protokollführer schreibt das Protokoll direkt während der Besprechung mit.
  • Ein anderer Mitarbeiter übernimmt Terminabsprachen und Organisation (Raum, Getränke).

5. Schritt: Führen Sie die Fallbesprechung in ruhiger Atmosphäre durch

Wichtig ist, dass möglichst viele der beteiligten Pflegekräfte, Angehörigen, Leitungskräfte und sonstigen Mitarbeiter an der Besprechung teilnehmen und jeder zu Wort kommt. Dies ist die Aufgabe des Moderators.

Fazit

Es gibt nicht nur eine Lösung – auch die ethische Fallbesprechung ist kein Wundermittel, denn manchmal lassen sich Fragen auch hierdurch nicht hinreichend klären oder es kommt kein Kompromiss zustande. Die strukturierte Auseinandersetzung mit dem Thema unterstützt die einzelnen Teilnehmer jedoch in jedem Fall dabei, den eigenen Standpunkt zu überdenken. Vor allem kommt es den Bewohnern zugute, wenn alle an einem Strang ziehen.

Weitere Informationen zum Thema Leitung stationär finden Sie in Stationäre Pflege aktuell.

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