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So strukturieren Sie eine umfassende Pflegevisite

24.05.2019

Pflegevisiten sind eine der Hauptaufgaben einer PDL, denn nur im Rahmen einer Pflegevisite erhalten Sie den umfassenden Einblick in die Pflege und Betreuung, die notwendig ist, um Defizite aufzudecken.

Definition „Pflegevisite“

Eine Pflegevisite dient im Rahmen des Qualitätsmanagements der Erhebung und Bewertung des Ist-Zustandes eines Bewohners. Dies bedeutet, dass es sich um eine Begutachtung des Bewohners und dessen Pflegedokumentation handelt. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf dem PDCA-Zyklus (Plan – Do – Check – Act).

Hierbei unterscheidet man zwischen 2 Formen der Pflegevisiten. Die regelmäßige Visite dient der kontinuierlichen Überprüfung des Pflegezustandes und der Pflegedokumentation des Bewohners. Die anlassbezogene Pflegevisite kommt in einer bestimmten Situation zum Tragen: z. B. geplante Höherstufung, Beschwerde des Bewohners oder seiner Angehörigen usw. Eine Pflegevisite dient nicht nur der Bewertung der Arbeit eines einzelnen Mitarbeiters. Sie dient der Qualitätssicherung für Ihre gesamte Einrichtung.

Ziele der Pflegevisite

Eine Pflegevisite hat verschiedene Ziele. Natürlich muss neben der Zufriedenheit und dem körperlichen Zustand des Bewohners die Pflegedokumentation überprüft werden. Ziel ist es, die Qualität der Pflege zu erhöhen oder beizubehalten. Weiterhin müssen die Individualität der Pflege und Betreuung sowie die Zufriedenheit der Bewohner sichergestellt werden.

Wer führt eine Pflegevisite durch?

Eine Pflegevisite dient als Instrument im Rahmen der Qualitätssicherung für Ihre Einrichtung. Da Sie als PDL für die Pflegequalität Ihrer Einrichtung verantwortlich sind, fällt es somit in Ihren Aufgabenbereich. Die PDL kann diese Aufgabe zwar delegieren, aber dennoch sollten immer wieder stichprobenartige Kontrollen durch die PDL durchgeführt werden. Diese Möglichkeiten haben Sie zur Organisation von Pflegevisiten:

1. Durchführung durch PDL

Bei kleinen oder mittleren Einrichtungen (bis ca. 70 Pflegeplätze) ist es üblich, dass die PDL selbstständig die Pflegevisiten durchführt. Es kommt natürlich auch immer auf die interne Aufgabenverteilung Ihrer Einrichtung an. Ein klarer Vorteil ist, dass Sie als PDL einen engen Bezug zu den Bewohnern und deren Pflegedokumentationen haben. Als nachteilig ist zu nennen, dass diese Vorgehensweise sehr zeitaufwendig ist. Denn nach der Pflegevisite müssen Auswertungsgespräche mit den Bezugspflegefachkräften geführt werden.

2. Durchführung durch WBL

Von Einrichtungen mittlerer Größe ist bekannt, dass die WBL regelmäßige Pflegevisiten durchführt. Die PDL führt stichprobenartige Pflegevisiten durch und gleicht diese mit denen der WBL ab.

3. Durchführung durch Pflegefachkräfte

In großen Einrichtungen wird die Strukturierung der Pflegevisiten im Team geregelt. Hierbei überprüfen die Pflegefachkräfte sich gegenseitig. Die WBL koordiniert diesen Ablauf und führt stichprobenartige Pflegevisiten durch. Die PDL wird über die Auswertungen informiert. Es ist aber immer zu bedenken, dass die PDL dessen ungeachtet noch immer die Hauptverantwortung für den reibungslosen Ablauf trägt. Diese Möglichkeit der Pflegevisite setzt allerdings ein sehr hohes Maß an Fachkompetenz der Pflegefachkräfte voraus.

Tipp: Nehmen Sie die Schulung zum Thema „Pflegeplanung und Pflegevisite“ mindestens 2-mal jährlich in Ihren Fortbildungsplan auf. Ich empfehle Ihnen, die Schulung selbst durchzuführen, da Sie am besten wissen, was Sie von Ihren Mitarbeitern erwarten.

Wer sollte an der Pflegevisite teilnehmen?

Es ist von Vorteil, sowohl die Bezugspflegefachkraft teilnehmen zu lassen als auch Auszubildende im Rahmen ihrer Ausbildung.

Wie oft sollte eine Pflegevisite durchgeführt werden?

Eine direkte zeitliche Vorgabe dazu ist nirgendwo festgeschrieben. Sie könnten also eine „regelmäßige“ Kontrolle selbst definieren. Ich empfehle Ihnen, dass Sie als PDL jeden Bewohner mindestens 2-mal jährlich visitieren und bei wichtigen Anlässen wie z. B. Beschwerden. Sie können aus zeitlichen Gründen zwischen einer großen und einer kleinen Visite unterscheiden. Die Grundlage für die große Visite ist in diesem Fall immer die MDK-Prüfanleitung. Eine kleine Visite kann zwischendurch durch die WBL durchgeführt werden. Hier sollte der Schwerpunkt auf dem körperlichen Zustand des Bewohners, den Expertenstandards und der Zufriedenheit des Bewohners liegen.

Übersicht über die geplanten Pflegevisten

Zum Ende eines jeden Jahres sollten Sie sich selbst eine Übersicht für die geplanten Pflegevisiten anlegen. Dadurch verlieren Sie zum einen nicht den Überblick, und zum anderen haben Sie einen Nachweis für Prüfinstanzen, wann Sie die Pflegevisiten geplant haben.

Informieren Sie den Bewohner

Es ist unerlässlich, den Bewohner über die anstehende Pflegevisite zu informieren. Ich empfehle Ihnen, dies individuell, je nach Krankheitsbild, zu tun. Es gibt Bewohner, die wünschen, über solche Termine sehr frühzeitig informiert zu werden. Optimal ist es, wenn Sie dem Bewohner auch den Termin auf einen kleinen Zettel schreiben. Erläutern Sie Ihrem Pflegekunden genau, was eine Pflegevisite ist und welches Ziel Sie damit verfolgen. Erklären Sie, wie die Visite ablaufen wird.

Tipp: Sollte ein Bewohner dies ablehnen, lassen Sie es sich von diesem abzeichnen. Die Pflegedokumentation können Sie dennoch visitieren.

Planen Sie den Ablauf der Pflegevisite im Voraus

Die Durchführung einer Pflegevisite sollten Sie für Ihre Einrichtung standardisieren. Halten Sie fest, wer wie oft eine Pflegevisite durchführt. Des Weiteren sollten Sie niederschreiben, wie mit den erlangten Informationen umgegangen wird und wie der Ablauf für eine ausführliche Pflegevisite ist. So könnten Sie einen Ablauf gestalten:

So führen Sie Schritt für Schritt eine Pflegevisite durch

1. Schritt: Vorbereitung aller Unterlagen

Bereiten Sie zuerst alle Unterlagen vor, die Sie für die Visite benötigen. Hierzu gehören die vollständige Pflegedokumentation, jegliche Protokolle und der Archivordner des Bewohners. Diesen benötigen Sie, um den Verlauf von Assessments nachvollziehen zu können. Eine Pflegevisite notieren Sie auf einem eigens dafür angefertigten Protokoll. Dieses erhalten Sie bereits als Vorlage bei Anbietern von Dokumentation. Ich empfehle Ihnen aber, ein eigenes Protokoll zu erstellen, da eine individuelle Einschätzung durch die Vorlage kaum möglich und der Platz für Notizen eingeschränkt ist.

2. Schritt: Begutachtung des Bewohners

Begutachten Sie nun den Bewohner. Legen Sie Ihr Augenmerk auf Hautläsionen, Dekubitus, Dehydratationsanzeichen, Inkontinenzversorgung usw. Vergessen Sie aber nicht, den Bewohner vorher nach seinem Einverständnis zu fragen! Ich empfehle Ihnen, die Pflege des Bewohners selbst durchzuführen. So haben Sie einen genauen Einblick in die Ressourcen und Probleme des Bewohners.

3. Schritt: Befragung des Bewohners

Befragen Sie den Bewohner nach seiner Zufriedenheit. Hierfür können Sie die MDK-Prüfanleitung als Grundlage nutzen. Fragen Sie aber nicht nach einer Vorlage ab, sondern integrieren Sie die Fragen in ein Gespräch.

4. Schritt: Prüfung der Pflegedokumentation

Überprüfen Sie nun die Pflegedokumentation, ob diese mit dem Ist-Zustand des Bewohners korreliert. Kontrollieren Sie, ob Probleme, Risiken und Ressourcen erkannt wurden und individuelle Pflegemaßnahmen erstellt und durchgeführt werden. Achten Sie auf die Vollständigkeit von Protokollen (z. B. Trinkprotokoll, Bewegungsprotokoll). Auch hierfür sollten Sie ebenfalls die Prüfanleitung des MDK nutzen.

5. Schritt: Führen Sie ein Auswertungsgespräch

Wenn Sie nun die Visite erstellt haben, werten Sie diese mit der Bezugspflegefachkraft aus. Dies tun Sie in einem 4-Augen-Gespräch. Gehen Sie Schritt für Schritt die Visite durch, und erläutern Sie Auffälligkeiten und Defizite. Lassen Sie sich die Pflegevisite von Ihrem Mitarbeiter unterschreiben, und geben Sie ihm eine Kopie als Hilfestellung für die Überarbeitung. Das Original heften Sie in einem dafür vorgesehenen Ordner ab, mit dem Vermerk, bis wann die Überarbeitung erfolgen muss.

Werten Sie die Pflegevisiten aus

Erstellen Sie eine Statistik, in der Sie Auffälligkeiten in der Pflegedokumentation des Bewohners festhalten. Diese sollten Sie im Rahmen einer Teamsitzung auswerten und im Anschluss umgehend Maßnahmen einleiten.

Beispiel: Frau Müller, der PDL des Pflegeheimes „Sonnenschein“, fällt bei mehreren Pflegevisiten auf, dass das Thema „Sturzprophylaxe“ nicht fachlich korrekt behandelt wird. In der nächsten Teamsitzung erklärt sie die am häufigsten festgestellten Defizite. Die PDL organisiert umgehend eine Schulung zum Thema „Sturzprophylaxe“.

Planen Sie genügend Zeit ein

Eine ausführliche Pflegevisite benötigt Zeit. Planen Sie pro Pflegevisite ca. 2–3 Stunden ein. Achten Sie darauf, dass Sie nicht durch Anrufe oder ungeplante Gespräche gestört werden. Solche Zwischenfälle rauben kostbare Zeit. Mit der Zeit wird eine Pflegevisite mehr und mehr zur Routine, und der zeitliche Aufwand wird geringer.

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