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Sprachverlust bei Demenz: 5 Tipps für gute Kommunikation

30.09.2019

Eine Pflegekundin Frau Pachel sagte: „Geben Sie mir mal den Stein zum Fingerwischen.“ Eigentlich wollte sie sagen: „Geben Sie mir die Seife“, doch ihr fiel das richtige Wort nicht ein. Bestimmt kennen Sie Ähnliches auch aus Ihrem Pflegealltag und wissen, wie verzweifelt demenzerkrankte Personen häufig versuchen, ihren Sprachverlust auszugleichen. In diesem Artikel erhalten Sie Anregungen, wie Sie Ihre Pflegekunden am besten dabei unterstützen können.

Warum die Sprache so anfällig ist

Der Spracherwerb dauert mehrere Jahre und unser Wortschatz entwickelt sich lebenslang weiter. Im Verlauf der Demenz erfolgen die Sprachausfälle schleichend. Zunächst vergisst Ihr Pflegekunde Wörter, die er im Alltag selten benutzt. Häufig verwendete Ausdrücke bleiben hingegen noch lange erhalten. Dies sind etwa:

  • Wörter und Ausdrucksweisen, die man sozusagen im Schlaf beherrscht, wie etwa Grußformeln oder Sprichwörter
  • Schimpfwörter, die Ärger ausdrücken
  • Fachbegriffe aus dem Berufsleben
  • individuelle sprachliche Angewohnheiten und Ausdrucksweisen, z. B. Dialektwörter oder Redewendungen, die der Betroffene immer wieder benutzt hat

Wie Ihre Pflegekunden den Sprachverlust ausgleichen

Grundsätzlich gehen Demenzbetroffene je nach Persönlichkeit und Stadium der Erkrankung unterschiedlich mit Wortfindungs- und Sprachstörungen um. So umschreibt der eine wortreich, ein anderer spricht kaum noch. In der folgenden Übersicht sind die häufigsten demenzbedingten Auffälligkeiten beschrieben.

Übersicht: Ausgleichsstrategien bei Sprachverlust

Ihr Pflegekunde umschreibt fehlende Worte mit Platzhaltern.

  • „das Kaffeeding“ anstelle von „Kaffeetasse“
  • „das Zeug zum Kehren“ anstelle „von Besen“

Er benutzt Oberbegriffe.

  • „die Frau“ anstelle von „der Arzt“
  • „das Haus“ anstelle von „Supermarkt“

Er benutzt Wörter mit ähnlichem Klang.

  • „Ich will diese Dose nicht anziehen“ anstelle von „Ich will die Hose nicht anziehen“

Er vertauscht die Begriffe für ähnliche Gegenstände.

  • „Ich decke den Stuhl“ anstatt „Ich decke den Tisch“
  • „Gib mir die Vase“ anstelle von „Gib mir das Glas“

Er benutzt viele Fürwörter, um die fehlenden Wörter zu ersetzen.

  • „Es war keiner da, weshalb wir das machen mussten.“
    Erklärung: Dieser Pflegekunde hatte lebenslang eine gewählte Sprache, dennoch fehlen ihm nun die einzelnen Wörter. Er meint, dass kein Bus kam und er deshalb laufen musste.

Er entwickelt Eigenkreationen.

  • „Die Plunze muss wurzeln.“
    Erklärung: Hiermit meint die Pflegekundin, dass ihr schlecht ist.

Demenz: Diese 5 Tipps erleichtern Ihnen die Kommunikation

Für Ihre demenziell veränderten Pflegekunden ist es grundsätzlich schwieriger, Gedanken, Bedürfnisse oder auch körperliche Beschwerden in Worte zu fassen. So unterstützen Sie sie dabei:

1. Bleiben Sie geduldig: Lassen Sie der Person Zeit, ihre Gedanken zu sammeln und die richtigen Worte zu finden. Falls Sie hingegen bemerken, dass Ihr Pflegekunde ein bestimmtes Wort sucht, unterstützen Sie ihn, indem Sie es aussprechen.

2. Reden Sie langsam: Damit Ihr Gegenüber Ihnen antworten kann, muss er Sie verstehen können. Reden Sie daher langsam und in kurzen Sätzen.

3. Fragen Sie vorsichtig nach: Gaukeln Sie nicht Verstehen vor, wenn Sie Ihren Pflegekunden in Wirklichkeit nicht verstehen. Fragen Sie besser nach:

  • Wenn Sie das Gesagte insgesamt nicht verstehen, helfen oft Fragen wie „Wie meinen Sie das?“ oder „Ich verstehe es noch nicht ganz. Könnten Sie es mir noch anders erklären?“. Sie müssen nicht alles genau verstehen.
  • Wenn Sie einzelne Wörter verstehen, können Sie vorsichtig versuchen, den restlichen Sinn der Botschaft herauszufinden, etwa durch „Was wollten Sie nicht?“, „Was haben Sie gemacht?“ oder „Wer wollte es nicht?“.
  • Zum besseren Verständnis können Sie auch fragen: „Ist das gut oder schlecht?“ Möglicherweise versucht Ihr Pflegekunde, Ihnen daraufhin mehr zu erklären, sodass Sie aus dem Gesagten weitere Informationen erhalten.

4. Achten Sie auf die Körpersprache: Blenden Sie den Ton am besten für einige Sekunden aus und beobachten Sie die Mimik, Gestik und Körperhaltung Ihres Pflegekunden. Hierdurch erkennen Sie seinen Gemütszustand. Dieser wiederum kann Ihnen helfen, das Gesagte zu interpretieren. Wenn Ihr Pflegekunde etwa lächelt und sehr aufrecht und locker steht, müssen Sie nicht wissen, was er genau sagt, sondern können entgegnen: „Das freut Sie aber.“

5. Berücksichtigen Sie die Biografie: Wenn Sie Ihren Pflegekunden nur vage verstehen, konzentrieren Sie sich auf einzelne Schlüsselwörter. Möglicherweise ergeben sie einen Zusammenhang mit dem Alltag Ihres Pflegekunden oder früheren Erlebnissen.

Tipp: Das Wichtigste ist, dass Ihr Pflegekunde sich verstanden fühlt

Für Ihren demenziell veränderten Pflegekunden sind Wortfindungsstörungen besonders belastend, wenn er hierbei unter Zeit- oder Leistungsdruck gerät. Vermitteln Sie daher auch dann Ruhe und Geduld, wenn Sie es eilig haben. Sie schaffen dadurch eine Atmosphäre, in der sich Ihr Pflegekunde verstanden fühlt.

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