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In 3 einfachen Schritten zur Sturzrisikoerfassung

28.04.2017

In der Pflegedokumentation müssen Sie im stationären Bereich für jeden Pflegekunden das individuelle Sturzrisiko erfassen und bei Bedarf entsprechende Maßnahmen planen. Im ambulanten Dienst gilt dies nur im Rahmen des Pflegeauftrages, ansonsten müssen Sie nur zur Prävention beraten.

 

 

Vermeiden Sie übervorsichtige Einschätzungen

Viele Fachkräfte sind sich bei der Einschätzung noch unsicher und glauben nach wie vor, dass sie zu allen möglichen Risikofaktoren eine Prophylaxe planen müssen.

Beispiel: Herr Habicht trägt trotz leichter Kurzsichtigkeit keine Brille. Er hat eine Versteifung des rechten Beins und nimmt 12 verschiedene Medikamente ein. Er geht sicher am Rollator und unternimmt regelmäßige Spaziergänge in der Umgebung. Zudem kann er seine Fähigkeiten gut einschätzen. Daher hat er kein erkennbares Sturzrisiko.

Schätzen Sie das Risiko realistisch ein

Dennoch würden viele Pflegekräfte bei Herrn Habicht Prophylaxen planen. Der Grund: Die Kurzsichtigkeit, die Bewegungseinschränkung und zahlreichen Medikamente sind Risikofaktoren für Stürze. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie das Risiko schnell und einfach einschätzen. Das Beispiel der sturzgefährdeten Pflegekundin Frau Maier erläutert die Umsetzung.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: In 3 Schritten zur Risikoeischätzung

1. Nutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand.

Einschätzung: Ist Ihr Pflegekunde Ihrer Meinung nach sturzgefährdet?

Erläuterung: Beantworten Sie diese Frage immer zuerst, denn vermutlich können Sie das Risiko intuitiv sehr treffgenau einschätzen.

Beispiel: Frau Maier ist sturzgefährdet, da sie immer wieder Dinge vom Boden aufhebt, obwohl sie leicht das Gleichgewicht verliert.

2. Begründen Sie Ihre Einschätzung anhand Ihrer Beobachtungen.

Einschätzung: Warum? Warum nicht? Wie begründen Sie Ihre Einschätzung?

Erläuterung: Wie bewegt sich Ihr Pflegekunde und welches Risiko ergibt sich konkret daraus?
Hinweis: Beschreiben Sie die Bewegungsabläufe möglichst genau.

Beispiel: Die Pflegekundin geht schwankend kann und unvermittelte Bewegungen kaum ausgleichen. Sie kann sich zwar nach vorn beugen, hat aber nicht mehr die Kraft, sich wieder aufzurichten.

3. Suchen Sie nach weiteren Risikofaktoren.

Einschätzung: In der unteren Reihe sind zur Auffrischung für Sie die wichtigsten Sturzrisikofaktoren aufgezählt. Gehen Sie sie einzeln durch und prüfen Sie, ob sie auf Ihren Pflegekunden zutreffen. Falls ja, entscheiden Sie, ob sie die Sturzgefahr beeinflussen.

Erläuterung: Wie und warum beeinflusst der jeweilige Faktor konkret das Sturzrisiko? Warum trifft der Risikofaktor zwar auf den Pflegekunden zu, hat aber dennoch keine Auswirkung auf ein mögliches Sturzrisiko?

Beispiel: Ihre kognitiven Einschränkungen führen dazu, dass Frau Maier ihre Fähigkeiten falsch einschätzt. Sie wartet nicht auf Hilfe, sondern hebt die Gegenstände selbst auf. Sie ist zwar inkontinent, wechselt ihre Einlagen aber selbst, ohne dass sie hierbei das Gleichgewicht verliert. Entsprechend birgt dieser Faktor kein Sturzrisiko.

Mögliche Sturzrisikofaktoren

  • kognitive Einschränkungen/Depressionen
  • Probleme mit der Körperbalance, Veränderungen des Gangbildes, Sensibilitätsstörungen
  • eingeschränkte Bewegungsfähigkeit
  • Augenerkrankungen oder eine Fehlsichtigkeit
  • Probleme mit der Ausscheidung (z. B. Inkontinenz)
  • Erkrankungen, die zu Schwindel und/oder kurzzeitiger Ohnmacht führen können (z. B. Unterzuckerung, plötzlicher Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen)
  • Angst vor Stürzen
  • Hilfsmittel (z. B. Rollator) und Nutzung dieser Medikamente
  • komplizierte Kleidung, ungeeignete Schuhe

Planen Sie nur sinnvolle Maßnahmen

Die Hauptursache für Stürze besteht bei Frau Maier durch die Fehleinschätzung ihrer Kräfte und ihrem Bedürfnis nach
Selbstständigkeit. Geeignete Maßnahmen sind in diesem Fall regelmäßige Erinnerungen daran, dass sie mit dem Aufheben warten soll. Außerdem könnte eine Greifhilfe ihr das Bücken ersparen. Gängige Prophylaxemaßnahmen wie etwa sicheres Schuhwerk und Stolperfallen müssen Sie in diesem Fall nicht planen, da dies nichts mit der aktuellen Sturzgefahr zu tun hat.

Fazit: Haben Sie keine Angst vor Fehleinschätzungen

Wenn Ihr Pflegekunde stürzt, obwohl Sie kein Risiko festgestellt hat, haben Sie seine Fähigkeiten nicht unbedingt falsch eingeschätzt. Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie alle Eventualitäten voraussehen. Das steht ebenso im Expertenstandard „Sturzprophylaxe“, der ein allgemeines Lebensrisiko einräumt. Hiermit ist gemeint, dass sich nicht alle Stürze verhindern lassen.

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