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Übergriffige Angehörige - So reagieren Sie in schwierigen Situationen souverän und angemessen

01.02.2019

Angehörige von demenzerkrankten Bewohnern können Ihre ganze Wohngruppe durcheinanderbringen. Besonders dann, wenn sie sich gegenüber ihren eigenen Angehörigen oder auch anderen Mitbewohnern respektlos verhalten. Deshalb sollten Sie rechtzeitig reagieren – zum Schutz der Menschen mit Demenz, aber auch für ein besseres Miteinander in Ihrer Einrichtung.

„Manche Angehörige sind aber auch wirklich schwierig.“ Sicher hören Sie diese Aussagen auch in Ihrem Team immer wieder. Gerade bei diesen Angehörigen müssen Sie dann aber Professionalität an den Tag legen und entspannt bleiben. Trotzdem gibt es immer wieder Angehörige, die alle Beteiligten ratlos machen.

Beispiel: Herr Müller fällt aus dem Rahmen

Seit dem Einzug besucht Herr Müller seine demenzerkrankte Ehefrau fast jeden Tag. Sein Verhalten während dieser Besuche wird immer schwieriger. Er nörgelt ständig mit seiner Ehefrau lautstark herum, weist sie ständig zurecht und stört sich an ihrem Verhalten bei den Mahlzeiten. Während einer der letzten Mahlzeiten hat er seine Frau die Nase zugehalten, damit sie die passierte Kost schluckt. Sein Kommentar dazu: „Wenn du nicht essen willst, machen wir es eben so.“

Nicht nur der Umgang mit seiner Frau ist mehr als fragwürdig, sondern er beschwert sich auch über die Manieren anderer Mitbewohner oder versucht, anderen anwesenden Angehörigen noch Ratschläge in die gleiche Richtung zu geben. Bisher hat er von den meisten Angehörigen zwar Kontra bekommen, aber mittlerweile scheint die Stimmung zu kippen. In der letzten Woche hat eine andere Angehörige im gar mit einer Anzeige gedroht. Gewirkt hat das alles nicht. Herr Müller macht weiter wie bisher.

Ergreifen Sie die Initiative

Angehörige wie Herr Müller kosten Sie viel Energie und Zeit. Vielleicht haben Sie bei solch unbelehrbaren Angehörigen auch schon gedacht, dass sich Gespräche nicht mehr lohnen. Aber natürlich ist der erste Schritt eine Unterredung unter vier Augen.

7 Schritte für ein konstruktives Gespräch

  1. Wählen Sie für das Gespräch einen neutralen Ort. Das kann die Situation schon einmal entspannen, weil der Ort des Konfliktes nicht direkt im Blickfeld ist. Wählen Sie vielleicht einen Spaziergang oder einen ruhigen Raum in der Nähe.
  2. Bereiten Sie sich gut vor. Rechtzeitig vor dem Gespräch sollten Sie sich die problematischen Situationen mit dem Angehörigen noch einmal deutlich machen. Wichtig ist auch, im Vorfeld eventuelle positive Aspekte seiner Besuche herauszuarbeiten. Ohne Herrn Müller die Möglichkeit zur eigenen Stellungnahme zu geben, könnte das Gespräch eventuell eskalieren.
  3. Machen Sie deutlich, dass Sie durchaus auch die positiven Aspekte der Besuche wahrnehmen und wertschätzen.
  4. Beschreiben Sie die Situation und fragen Sie den Angehörigen, wie er sich in der Situation gefühlt hat und was ihn zu seinem Verhalten bewegt hat. Denn meist stehen eigene Ängste im Vordergrund. So könnte z. B. herauskommen, dass er denkt, alle kümmern sich um seine Frau und niemand nimmt seine Bedürfnisse wahr.
  5. Lassen Sie ihn erzählen und fragen Sie dann vorsichtig nach.
  6. Versuchen Sie im Gespräch, die Gründe für das Verhalten des Angehörigen herauszufinden. Ist der vielleicht persönlich stark belastet, hat er Scham- oder Schuldgefühle oder versucht er, mit dem Verhalten seine Trauer zu kompensieren. Er sollte das Gefühl bekommen gesehen zu werden, um dann gemeinsam an einer Lösungsfindung zu arbeiten.
  7. Verdeutlichen Sie, wie Sie das Verhalten sehen. Erklären Sie, wie sein Verhalten bei den anderen Angehörigen und Bewohnern – aber auch beim Pflege- und Betreuungspersonal – ankommt und welche Auswirkungen es hat. Äußern Sie dann die konkrete Bitte einer Veränderung des Verhaltens.

So könnten Sie es formulieren

Am letzten Freitag haben Sie Herrn Bauer lautstark gesagt, dass er vernünftig essen soll, da ihm die Hälfte aus dem Mund fällt. Herr Bauer war danach ziemlich durcheinander und ist seitdem nur noch schwer zu bewegen, in den Speiseraum zu kommen. Mit Ihren Äußerungen haben Sie den Mitbewohner Ihrer Frau gekränkt. Ich bitte Sie, diese in Zukunft zu unterlassen. Sonst ist es nicht mehr möglich, dass Sie an den Mahlzeiten im Speiseraum teilnehmen.

Geben Sie eine Veränderungschance

Zum Abschluss des Gesprächs sollten Sie dem pflegenden Angehörigen die Möglichkeit anbieten, Hilfestellung von Ihnen zu bekommen. Vielleicht können Sie auch verabreden sich in 3 Wochen wieder zusammenzusetzen, um zu schauen, ob sich die Situation verbessert hat. Ziel kann sein, zu prüfen, wie er sich fühlt und ob es im Alltag entspannter geworden ist.

Im Ernstfall müssen Sie hart durchgreifen

Sollte der Angehörige sich weiter unangemessen und übergriffig verhalten oder gar seine Angehörigen schädigen oder Gewalt anwenden, müssen Sie durchgreifen. Zunächst ist es wichtig, den Schaden von Ihrem demenzkranken Bewohner abzuwenden, indem Sie den Angehörigen auffordern, die Tätigkeit sofort zu unterlassen oder unter Umständen sogar die Wohngruppe zu verlassen.

Wenn sich diese Situationen wiederholen, sollten Sie eine Anregung beim Amtsgericht für Bestellung eines Betreuers in Betracht ziehen. Im Falle einer Körperverletzung (z. B. wenn der Mensch mit Demenz geschlagen wird) greifen Sie selbstverständlich sofort ein und erstatten Anzeige.

Fazit

Natürlich verbessert sich durch ein intensives Gespräch mit schwierigen Angehörigen die Situation nicht immer. Es ist aber ein erster Schritt. Und der deutlich bessere Weg, als die Situation sofort eskalieren zu lassen. Wichtig ist, dass Sie die von Ihnen beobachteten Situationen registrieren und die Maßnahmen zum Schutz Ihrer demenzerkrankten Bewohner dokumentieren. So haben Sie für eventuelle Interventionen eine gute Grundlage.

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