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Demenz: „Danke, dass Sie mit Opa seine Katze suchen“

13.05.2019

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Der Umgang mit Demenzkranken ist selbst für langjährige Pflege-Vollprofis an manchen Tagen ein Drahtseilakt. Wahrscheinlich kommt Ihnen die folgende Situation aus dem stationären Bereich bekannt vor.

Der alleinerziehende Vater einer pubertierenden Tochter und Pflegefachkraft Klaus Voß macht gerade den neunten Spätdienst in Folge. Mal wieder sucht Herr Meier überall seine Katze Pandora – mit Vorliebe im Materiallager, Frau Schulze-Vogelhals räumt den Speisesaal nach ihren eigenen Vorstellungen um und Herr Rattenhuber brüllt den ganzen Flur zusammen. Voß spürt, wie die Spannung in seinem Kopf steigt und möchte am liebsten auch laut losbrüllen. Mühevoll reißt er sich zusammen und schenkt Frau Schulze-Vogelhals ein gewinnendes Lächeln, als sie die Blumenerde aus der Yucca-Palme auf zwei Tischen verteilt und die Erde mit Mineralwasser begießt.

Ein kleines Dankeschön kann weiterhelfen

An dieser Stelle wird es Zeit, dass jemand danke sagt. Die Heimleitung, die die Personalengpässe kennt und nicht zu verantworten hat. Die im Hochsommer mit ein paar Eis auf Station kommt und sich in dieser Form beim Pflegepersonal bedankt. Oder die Tochter von Frau Schulze-Vogelhals, die zu Herrn Voß sagt „vielen Dank dafür, dass Sie immer die Ruhe bewahren und nie Ihr Lächeln verlieren. Ohne Sie wäre das Leben meiner Mutter viel dunkler“.

Der Stressfaktor von Pflegekräften, die auf einer Station viele Demenzkranke versorgen, ist ungleich höher als der Kollegen, die auf Stationen arbeiten, wo schwere körperliche Einschränkungen die Arbeit hart machen. Ich selber habe mich zu meiner aktiven Zeit irgendwann von einer demenzlastigen Station auf eine „Knüppelstation“ versetzen lassen. Aber mir war die Arbeit, die von der körperlichen Belastung her eher dem Kanalbau ähnelte viel lieber. Denn ich konnte mit fast allen Bewohnern normal kommunizieren, konnte Absprachen treffen, meine Entschuldigungen wurden verstanden, wenn ich mal Dinge vergessen habe oder Absprachen nicht einhalten konnte. Die körperliche Belastung war nichts gegen den ständigen Stress im Umgang mit 15 - 20 demenzkranken Bewohnern auf einen Haufen.

Demenz in der ambulanten Pflege

Auch in der ambulanten Pflege ist die Belastung hoch, wenn die Kollegen mit demenzkranken Patienten zu tun haben. Am schlimmsten ist es, wenn diese Menschen noch allein leben. Die ambulanten Leser unter Ihnen kennen wahrscheinlich das folgende Beispiel sehr gut:

Die Pflegefachkraft Jeannette Berger hat auf ihrer Tour zwei demente Patienten, die alleine in ihren jeweiligen Wohnungen leben. Die Demenz ist noch nicht all zu sehr fortgeschritten, doch es reicht allemal, um den Herd nicht auszustellen, mit Hilfe der angestellten Kaffeemaschine die Wohnung abzufackeln oder Klopapier mit der Bild-Zeitung zu verwechseln, was zu respektablen Überschwemmungen mit Befeuchtung der unten liegenden Wohnung führen kann. Jedes Mal, wenn Jeannette Berger die Wohnungen der beiden Patienten verlässt, sitzt ihr die Angst im Nacken, dass irgendwelche Katastrophen passieren können. Vor allem jetzt, wo bei einem Patienten die Nachbarin, die sonst nach dem Rechten sieht, 3 Wochen auf Kegelfahrt ist.

Die Pflegekraft nimmt diese Angst nicht nur mit auf die Tour zu den folgenden Patienten sondern verliert so vielleicht die Konzentration im Straßenverkehr. Sie nimmt die Angst auch mit nach Hause, baut somit Spannung auf, die sich erst wieder am nächsten Tag löst, wenn die Kollegen berichten, dass alles in Ordnung ist.

PDL: Auch Sie sollten sich bedanken

Auch hier wirkt ein Dankeschön vom Inhaber des Pflegedienstes wahre Wunder. Und zwar ein Dankeschön von dieser Sorte: Die Pflegekraft wird ins Büro des Chefs eingeladen, er bietet ihr einen Platz an, schaut in ihre Augen und sagt: „Ich möchte Ihnen meinen aufrichtigen Dank dafür aussprechen, was Sie auf Ihrer Tour mit den beiden Patienten aushalten müssen. Wir arbeiten zusammen mit der PDL bereits daran, die missliche Situation zu verändern, damit Sie und Ihre Kollegen nicht mehr diese Ängste ausstehen müssen. Auch wir fühlen uns nicht gut mit der Situation. Deshalb noch einmal Frau Berger…Dankeschön für Ihre Leistung. Wir wissen wirklich, was wir an Ihnen haben. Und wenn Sie über die Situation reden möchten, kommen Sie direkt zu mir. Mein Ohr ist immer offen.

Auch von Kollegenseite kann ein Dankeschön Wunder wirken. Das kann zum Beispiel so klingen: „Mensch Jeannette…ich könnte das nicht so aushalten wie Du. ich bin stolz auf Dich. Und ich danke Dir von Herzen, dass Du die Tour immer fährst. Ich hätte zu viel Angst davor.

So gelingt die Angehörigenarbeit

Und nicht zuletzt geht auch ein Dankeschön von der Nachbarin aus unserem Beispiel oder von den Angehörigen runter wie Öl. „Danke Frau Berger, dass Sie das auf sich nehmen. Danke dafür, dass Sie sich so sehr kümmern, dass es im Haushalt nicht zu gefährlichen Situationen bei meinem Vater kommen kann. Wir sehen, was Sie leisten und wir arbeiten daran, dass Sie hier bald eine einfachere Situation vorfinden.

Hinter dem Ganzen steckt das Gefühl für die betreffenden Pflegekräfte, in ihrer Angst und auch ihrer Not wirklich wahrgenommen zu werden. Wenn sich Vorgesetzte, Angehörige und auch Kollegen einfach nur zwei Minuten Zeit nehmen und aufrichtig „Danke“ für den ganzen Einsatz sagen, rettet das diesen Pflegekräfte oft eine gesamte Woche. Das kann sich im Falle von Frau Berger so anfühlen:

Mich macht die Angst oft wahnsinnig. Aber das Dankeschön vom Chef neulich und der Blumenstrauß von der Nachbarin nach ihrer Kegelfahrt haben gut getan. Ich habe auch das Gefühl, dass sich an der Situation bald etwas ändert. Aber das Schönste ist das Gefühl, nicht allein gelassen zu sein.

Dem ein oder anderen dürfte das wahrscheinlich bekannt vorkommen. Deshalb – seien Sie immer gut und respektvoll miteinander. Ein Dankeschön tut nicht weh, sondern heilt beim Empfänger so manche Wunde.

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