Verlag & Akademie

Verhindern Sie Fehler bei der Medikamentenapplikation

25.12.2020

In einer Pflegeeinrichtung kommt eine Pflegekraft zu einer Patientin ins Zimmer mit Medikamenten in der Hand. Auf die Frage, warum sie gleich mehrere Medikamente zusammen zerkleinert und mischt, antwortet sie: „Das macht doch nichts. Das kommt doch sowieso im Magen wieder zusammen.“ Ist das ein Fehler?

Gemeinsames Zerkleinern mehrerer Medikamente ist ein Applikationsfehler

Das Vermischen mehrerer Präparate miteinander im Mörser entspricht der Herstellung eines neuen Präparates und dies ist nach dem Arzneimittelgesetz verboten. Denn bei einem Gemisch aus verschiedenen Medikamenten können giftige chemische Reaktionen entstehen, Dies machen sich die wenigsten Pflegekräfte bewusst, wenn sie aus Zeitgründen alle Medikamente gleichzeitig durch die Magensonde verabreichen.

Sind Sie sicher, dass Ihre Fachkräfte bei der Medikamentenapplikation durch die Magensonde rechtssicher handeln? Im Folgenden ist eine Verfahrensanweisung abgebildet, durch die Sie Ihren Mitarbeitern die korrekte Medikamentengabe über die PEG näherbringen.

So erreichen Sie, dass Ihre Mitarbeiter den Standard umsetzen

Erörtern Sie den Standard mit Ihren Mitarbeitern während einer kurzen Schulung. Verdeutlichen Sie, dass Komplikationen im Zusammenhang mit einer Magensonde wie Erbrechen oder Magenschmerzen durch eine falsche Medikamentengabe entstehen können.

Besprechen Sie die Medikamente, aller Bewohner mit Magensonde und prüfen Sie, ob Sie noch weitere Informationen von der Apotheke benötigen. Verabreden Sie mit Ihren Wohnbereichsleitung, dass diese sich stichprobenartig von der korrekten Applikation der Medikamente überzeugen (mindestens 1 Stichprobe pro Woche zu unregelmäßigen Zeiten).

Verfahrensanweisung zum Vorgehen bei der Applikation von Medikamenten

  • Zerkleinern Sie Medikamente immer einzeln und vermischen Sie sie nicht.
  • Mörsern Sie Medikamente immer erst direkt vor der Applikation, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.
  • Spülen Sie die Sonde vor und nach der Medikamentengabe mit 50 ml und zwischen den einzelnen Medikamenten mit 5–10 ml Flüssigkeit. Am besten eignen sich hierfür abgekochtes Leitungswasser oder stilles Wasser aus Flaschen.
  • Verabreichen Sie zunächst die flüssigen Medikamente. Verdünnen Sie diese mit Wasser, damit Ihr Bewohner sie besser verträgt.
  • Verabreichen Sie anschließend die festen bzw. suspendierten (in Wasser zerfallenen) Medikamente, da diese langsamer durch die Sonde fließen.
  • Lösen Sie feste Medikamente am besten gleich in der Spritze auf. Legen Sie dazu die Tablette in die Spritze und ziehen Sie diese anschließend mit Wasser auf. Dieses Vorgehen mindert den Wirkstoffverlust. Schütteln Sie die Spritze vor und während der Applikation gut durch, damit sich der Arzneistoff nicht absetzt und den Spritzenauslauf verstopft.
  • Bitten Sie den Arzt zu prüfen, welche Medikamente es auch in flüssiger Form gibt, um die Anzahl der zu zerkleinernden Tabletten so gering wie möglich zu halten. Möglicherweise gibt es auch Suppositorien mit dem entsprechenden Wirkstoff.

Hinweise zu einzelnen Darreichungsformen

Fragen Sie im Einzelfall bei der Apotheke nach, und lassen Sie sich bescheinigen, ob und wie Sie das einzelne Medikament am besten zerkleinern.

Tabletten: Sie sind zur Applikation durch die Sonde geeignet, wenn sie nach kurzer Zeit in kaltem Wasser zerfallen. Der Fachbegriff hierfür heißt „Suspendierbarkeit“.

Kapseln: Sie zerfallen nicht in Wasser, doch den Kapselinhalt können Sie je nach Medikament mit Wasser aufschlämmen, sodass er gleitfähiger wird.

Tipp: Wenn Kapseln magensaftresistent überzogene Pellets enthalten, vermischen Sie diese bei Verabreichung über eine Magensonde mit einer leicht sauren Flüssigkeit (etwa Apfelsaft). Hierdurch verhindern Sie, dass sich der Überzug vorzeitig löst.

Achtung: Fragen Sie immer bei der Apotheke nach, ob Sie die jeweilige Kapsel öffnen dürfen. Falls dies nicht erlaubt ist, muss der Arzt ein alternatives Medikament verordnen.

Weichkapseln: Diese können Sie in warmem Wasser auflösen. Dies kann bis zu eine Stunde dauern. Alternativ können Sie die Kapseln aufschlitzen oder anstechen und den Kapselinhalt herausdrücken oder -kratzen und in Wasser suspendieren. Allerdings besteht hierbei die Gefahr des Wirkstoffverlustes.
Achtung: Fragen Sie auch hier in der Apotheke nach.

Filmtabletten und Dragees: Begründung: Der Überzug wird nur bei einem bestimmten pH-Wert gelöst, sodass das Medikament erst im Darm seine Wirkung entfaltet.

Retardtabletten: Diese dürfen Sie grundsätzlich nicht über die Sonde verabreichen, da das Retardierungsprinzip durch die Zerkleinerung zerstört wird. Ausnahme: Kapseln, die Retardpellets enthalten, können Sie öffnen, nicht aber die Pellets weiter zerkleinern.

Brausetabletten: Diese sind grundsätzlich zur Verabreichung durch die Magensonde geeignet. Achten Sie aber darauf, dass die Kohlensäure vollständig entwichen ist, bevor Sie die in Wasser aufgelöste Tablette verabreichen.

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