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Wie Sie mit Ihren Pflegekunden über das Sterben sprechen

11.01.2017

Seit Ende letzten Jahres ist das Hospiz- und Palliativgesetz in Kraft getreten. Hierdurch sollen Ihren Pflegekunden mehr und bessere Beratungsangebote zur Verfügung stehen. Außerdem sollen die verschiedenen Aspekte einer umfassenden Palliativpflege enger vernetzt werden. Dies betrifft vor allem Ihre Vorgesetzten, die Kooperationsverträge schließen und bestehende Konzepte anpassen müssen. Als Folge dieser Veränderungen werden Sie sich als Fachkraft häufiger und intensiver als bisher mit Ihren Pflegekunden über das Thema „Tod und Sterben“ unterhalten. Lesen Sie hier, worauf Sie bei diesen Gesprächen besonders achten sollten.

 

 

Ermöglichen Sie ein selbstbestimmtes Lebensende

Durch das neue Gesetz sollen Ihre Pflegekunden die Möglichkeit erhalten, ihr Lebensende selbstbestimmt zu planen. Und dies beinhaltet mehr als nur das Ausfüllen einer Patientenverfügung. Es geht darum, Ihre Pflegekunden im Voraus auf mögliche Symptome wie etwa Atemnot oder Schluckstörungen aufmerksam zu machen, oder mit Ihnen Notfallsituationen, z. B. das Auftreten eines Krampfanfalles, durchzusprechen. Diese vorausschauende Kommunikation kann z. B. Krankenhauseinweisungen ersparen.

Sprechen Sie das Thema aktiv an

Damit Ihr Pflegekunde die Rahmenbedingungen für sein Lebensende selbst bestimmen kann, ist es notwendig, dass er sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzt. Hierzu soll ihn Ihre Einrichtung/Ihr Pflegedienst anregen.

Viele von Ihnen würden wahrscheinlich antworten: „Aber das machen wir doch schon. Wir fragen jeden Pflegekunden nach seiner Patientenverfügung. Wenn er bisher keine verfasst hat, raten wir ihm, dies nachzuholen, und bieten ihm unsere Unterstützung an.“ Sie müssen jedoch zugeben, dass Sie Ihre Pflegekunden danach nur noch selten auf das Thema ansprechen würden. Schließlich sei es ja ein sehr persönliches Thema.

Vermeiden Sie gut gemeinte, aber falsche Rücksichtnahme

In der Praxis führt diese Vorsicht jedoch häufig dazu, dass Angehörige im Akutfall schnelle Entscheidungen treffen müssen, ohne genau zu wissen, was der Betroffenen möchte und was nicht. Die Folge: Ihr Pflegekunde wird immer wieder ins Krankenhaus eingewiesen und verstirbt im schlimmsten Fall dort und nicht in seiner vertrauten Umgebung. Diese Situation kann mit sehr viel Leid und Schmerzen verbunden sein.

 

Schauen Sie auch auf dem YouTube Kanal von Altenpfleger Alexander Musse vorbei.  Im folgenden Video teilt er seine Erfahrungen mit dem "Abschiednehmen" von Bewohnern mit:

 

 

Flechten Sie die Gespräche in alltägliche Handlungen ein

Sie als Pflegekraft haben hierbei eine besondere Rolle. Sie haben täglich Kontakt und können das Gespräch immer wieder auf das Thema bringen – sozusagen in kleinen Teilschritten. Ihr Pflegekunde hat die Möglichkeit, über das Gesagte nachzudenken und am nächsten Tag noch einmal nachzufragen. Nutzen Sie als Gesprächseinstieg alltägliche Gelegenheiten, wie etwa die Krankenhauseinweisung der Nachbarin, das Versterben von Bekannten oder die Arbeiten auf dem Friedhof.

Beispiel: Die Pflegekraft beginnt das Gespräch: „Ihre Tochter hat mir erzählt, dass sie gestern den ganzen Nachmittag auf dem Friedhof war und das Grab schon für Weihnachten umgestaltet hat. Ist das ein Familiengrab?“

Pflegekundin: „Ja, dort liegen meine Eltern, mein Bruder mit seiner Frau und mein Mann.“
Pflegekraft: „Haben Sie Ihren Mann vor seinem Tod gepflegt?“

Pflegekundin: „Ja, es war schrecklich. Er hatte Krebs und hatte immer solche Schmerzen.“
Pflegekraft: „Das wünscht man wirklich keinem. Zum Glück gibt es da heute bessere Möglichkeiten.“

Anschließend kann die Pflegekraft das Thema auf die Wünsche der Pflegekundin bringen.

Stellen Sie die richtigen Fragen

Flechten Sie in Ihre Gespräche nach und nach die Fragen aus der folgenden Übersicht ein und dokumentieren Sie diese. Führen Sie diese Gespräche in lockerer Reihenfolge und fassen Sie die Kernaussagen nach einigen Wochen zusammen. Besprechen Sie sie mit Ihrem Pflegekunden und je nach Wunsch und Situation mit dem Bevollmächtigten oder den Angehörigen.

Wichtig: Bevor Sie hiermit beginnen, stimmen Sie sich immer mit Ihren Vorgesetzten ab. So vermeiden Sie Überschneidungen.

Übersicht: So erfahren Sie mehr über die Wünsche Ihres Pflegekunden in Bezug auf sein Lebensende

Flechten Sie folgende Fragen nach und nach in die Gespräche mit Ihrem Pflegekunden ein:

  • „Was ist Ihnen wichtig?“
  • „Welche Maßnahmen sollen durchgeführt werden (z. B. Wiederbelebung, Magensonde) und welche lehnen Sie ab? Ist dies abhängig von der jeweiligen Situation?“
  • „Kennen Sie die Behandlungsmöglichkeiten für Ihre Erkrankung (z. B. COPD) und haben Sie diese verstanden?“
  • „Wer soll für Sie entscheiden, wenn Sie es nicht mehr können? Kennt diese Person Ihre Wünsche? Haben Sie darüber gesprochen?“

Fazit: Nehmen Sie Ihren Pflegekunden den Schrecken

Durch die beschriebene Vorgehensweise hat Ihr Pflegekunde die Gelegenheit, sich immer nur für kurze Zeit mit seinem eigenen Lebensende zu beschäftigen. Hierdurch und indem Sie im Gespräch von einem allgemeinen Thema ausgehen, fühlt er sich außerdem weniger bedrängt. Manche Pflegkunden haben auch das Bedürfnis, mit jemandem über den eigenen Tod zu reden. Durch Ihr Vorgehen signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft, die die Person bestimmt dankbar annimmt.

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