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Für alle Schreibtischtäter: Wenn Sie sich bei der Arbeit zu wenig bewegen

02.04.2018

Wer stundenlang vor dem Computer sitzt, muss über kurz oder lang mit einer Quittung – in Form von Rückenschmerzen – rechnen. Dagegen helfen ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz, die richtige Sitzhaltung und immer wieder Bewegung.

Auch bei sitzenden Tätigkeiten haben Ihre Kollegen und Sie Anspruch auf einen gesundheitsgerecht eingerichteten Arbeitsplatz. Dazu definiert die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) konkrete Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze.

Ergonomischen Anforderungen gelten auch für die wachsende Zahl der Telearbeitsplätze. Das sind laut der ArbStättV „vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat.“

Wichtig für gesunde Bildschirmarbeit sind z. B. ergonomisch gestaltete Stühle und Tische und eine gute Beleuchtung am Arbeitsplatz. Das Merkblatt in der Heftmitte zeigt, wie die gesundheitsförderliche Haltung am Schreibtisch aussieht. Mit der folgenden Checkliste können Sie prüfen, ob Ihr Arbeitsplatz rückenfreundlich ein gerichtet ist.

Tipp: Ihr Arbeitgeber muss Ihnen eine Fußstütze und einen Manuskript halter zur Verfügung stellen, wenn das erforderlich ist, damit Sie eine ergonomisch günstige Position einnehmen können (6.1 (7) ArbStättV).

Abwechslung ist wichtig: Sorgen sie für Sitz-Steh-Dynamik

Trotz aller guten Ratschläge: Die eine perfekte Haltung gibt es nicht. Perfekt ist nur der Wechsel, denn ideal für unseren Rücken ist die Bewegung. Dem Körper tut es gut, wenn er seine Haltung ändern kann und nicht erstarrt verharren muss.

Deshalb ist es auch keine Lösung, den Schreibtisch durch ein Stehpult zu ersetzen. Ob Sie bei der Arbeit überwiegend sitzen oder stehen: Hauptsache ist, sie tun es dynamisch. Wie beim Sitzen sollten sie auch im Stehen ihre Körperhaltung ändern können.

Dafür eignet sich eine Fußstütze, auf die sie den linken und den rechten Fuß abwechselnd stellen können. Wechseln Sie diese Haltungen – wie beim Sitzen – spätestens alle zwanzig Minuten.

Tipp: Verzichten Sie auf Drucker an den Arbeitsplätzen, richten Sie stattdessen Drucker an zentraler Stelle ein. Damit entlasten Sie nicht nur die Arbeitsräume, sondern sorgen mit wenig zusätzlichem Zeitaufwand dafür, dass Ihre Kollegen sich regelmäßig bewegen.

Überlegen Sie gemeinsam mit den Kollegen, welche Tätigkeiten diese auch stehend erledigen können, beispielsweise lesen, kurze oder lange Texte schreiben oder telefonieren. Viel hängt auch davon ab, welche Software sie einsetzen. So fällt es im Stehen leichter, in der Textverarbeitung einen Brief zu schreiben, als mit der Maus pixelgenaue Bewegungen im Grafikprogramm auszuführen. Die meisten Mitarbeiter werden keine Mühe haben, im Stehen zu lesen oder zu telefonieren.

Tipp: Sorgen Sie dafür, dass nicht nur Sie selbst, sondern auch die Vorgesetzten mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn alle sichtbar Sitz-Steh-Dynamik praktizieren, haben Sie es viel leichter, diese auch den anderen Mitarbeitern zu vermitteln.

Laptops nicht als Dauerlösung einsetzen

So komfortabel es ist, mit Laptop, Tablet oder auch Smartphone überall arbeiten zu können: Keines dieser Geräte eignet sich als Dauerlösung. Die unmittelbare Verbindung von Tastatur und Bildschirm am Laptop führt automatisch zu einer verkrampften Haltung des Oberkörpers.

Tipp: Um sich nicht zu überlasten, sollten Poweruser unter Ihren Kollegen sich angewöhnen, häufiger sogenannte Mikropausen von wenigen Sekunden einzulegen, in denen sie die angestrengte Haltung aufgeben und Hände und Arme entspannen. Auch wenn sie während der Arbeit über etwas nachdenken, sollten sie die Finger von Maus und Tastatur nehmen.

Außerdem sind die Tasten in der Regel aus Platzgründen weniger ergonomisch aufgebaut als bei separaten Tastaturen. Natürlich sind „mobile devices“ dank ihrer Rechenleistung vollwertige Computer, aber am Arbeitsplatz müssen sie mit separater Tastatur und Maus sowie möglichst auch einem größeren Monitor ausgestattet werden.

Sollten Sie Mühe haben, diesen Sachverhalt Kollegen oder Vorgesetzten zu vermitteln, berufen Sie sich auf die Bildschirmarbeitsverordnung. Deren Anhang legt zweifelsfrei fest:

  • Das Bildschirmgerät muss frei und leicht drehbar und neigbar sein.
  • Die Tastatur muss vom Bildschirmgerät getrennt und neigbar sein, damit die Benutzer eine ergonomisch günstige Arbeitshaltung einnehmen können.
  • Die Tastatur und die sonstigen Eingabemittel müssen auf der Arbeitsfläche variabel angeordnet werden können.

Tipp: Müssen Sie gegenüber der Unternehmensleitung Maßnahmen vertreten, die mit Kosten verbunden sind, weisen Sie darauf hin, dass unter ungesunder Bildschirmarbeit der Unternehmenserfolg leidet.

Selbst wenn Sie es nicht mit offensichtlich erkrankten Kollegen zu tun haben, kann allein die falsche Körperhaltung am Bildschirm dazu führen, dass Mitarbeiter sich dauerhaft schlechter konzentrieren können und dadurch weniger leistungsfähig sind. Präventiver Aufwand ist also in jedem Fall gerechtfertigt.

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