Zwei Ärzte posieren in Berufsbekleidung Rücken an Rücken

Berufsbekleidung in der Pflege: BP-Qualitätscheck nimmt Passform, Material und Wäsche unter die Lupe

© magnific | magnific.com
Inhaltsverzeichnis

Die Kleidung von Pflegekräften ist täglich den unterschiedlichsten Belastungen ausgesetzt. Daher reicht es nicht, beim Kauf solcher Kleidung nur auf einen angenehmen ersten Eindruck und eine passende Farbe zu achten. Die Berufskleidung muss sich in der Pflege unter realen Bedingungen und auch noch nach häufigen Wäschen bewähren.

Der Qualitätscheck macht Anforderungen vergleichbar

Der Kölner Berufsbekleidungshersteller Bierbaum-Proenen (BP) bündelt in seinem Qualitätscheck für Berufsbekleidung sechs Prüfbereiche:

  1. Material
  2. Verarbeitung & Konstruktion
  3. Passform & Ergonomie
  4. Normen & Sicherheit
  5. Wäschetauglichkeit & Lebensdauer
  6. Nachhaltigkeit & Lieferkette

Eine Checkliste mit 26 Punkten übersetzt diese Bereiche in Fragen, die sich direkt an einem Musterstück prüfen lassen. Beim Vorgehen nach dieser Checkliste soll verhindert werden, dass ausschließlich ein angenehmer erster Eindruck ausschlaggebend für den Kauf ist.

Ausschlusskriterien – Wann der Kauf auf keinen Fall sinnvoll ist

Es gibt klare Ausschlusskriterien, bei denen der Kauf eines Produkts selbst dann ausgeschlossen werden sollte, wenn Preis, Verarbeitung und Tragekomfort überzeugen können. Wenn zum Beispiel bestimmte Größen nicht verfügbar sind, scheidet das Modell für eine einheitliche Teamausstattung aus. Schließlich müssen alle Beschäftigten mit passend sitzender Kleidung ausgestattet werden.

Auch wenn die im jeweiligen Arbeitsbereich vorgegebenen Schutzanforderungen nicht nachweislich erfüllt werden können oder das genutzte Waschverfahren die geforderte Schutzwirkung beeinträchtigen kann, fehlt eine wesentliche Voraussetzung für den Kauf der betreffenden Kleidungsstücke.

Die Kleidung muss alle typischen Bewegungen in der Pflege mitmachen

Berufskleidung muss Bücken, Strecken, Hocken und Greifen ohne Einschränkungen zulassen. Während zu enge Kleidung unkomfortabel ist und Druckstellen verursachen kann, können zu weite Modelle verrutschen und die Arbeitsabläufe behindern. Passende Schnitte und Modelle für einen unterschiedlichen Körperbau sind daher für eine ergonomische Ausstattung des gesamten Pflegeteams wichtig.

Unterschieden werden sollte zwischen Kurz-, Normal- und Langgrößen und echten Damenpassformen. Diese sollen unter anderem Besonderheiten bei Hüfte, Schulter, Schrittlänge und Oberlänge berücksichtigen.

Welches Material ist am besten geeignet?

Es gibt nicht ein „bestes Material“ für sämtliche Pflegebereiche. Letztendlich haben alle Fasern ihre individuellen Vor- und Nachteile:

Faser / MaterialartVorteileNachteile und mögliche Grenzen
Baumwollehoher Tragekomfort, atmungsaktiv und hautfreundlichweniger abrieb- und formstabil als synthetische Fasern, trocknet vergleichsweise langsam, kann bei häufigem Waschen stärker einlaufen
Polyesterformbeständig, wäschestabil und schnelltrocknendkann als reines Material bei körperlicher Arbeit unangenehm wirken, da es Feuchtigkeit weniger gut transportiert als Naturfasern
Stretchfasern wie Elasthan oder Elastolefinerhöhen die Dehnbarkeit und können gezielt an stark beanspruchten Bewegungspunkten eingesetzt werdenEin hoher Stretchanteil gewährleistet allein noch keine Bewegungsfreiheit, auch Schnittführung, Rücksprungkraft und Wäschebeständigkeit müssen stimmen.
Maschenwaren wie Jersey oder Interlockmeist weicher und elastischer als klassische Webwaren, gut für Shirts, Polos und flexible Einsätze geeignetDie Qualität hängt stark von Formstabilität, Pillingneigung, Rücksprungkraft und Beständigkeit gegen häufiges Waschen ab.
Mischgewebekönnen den Komfort von Baumwolle mit der Form- und Wäschebeständigkeit von Polyester sowie der Beweglichkeit von Stretchfasern verbindenDas Mischungsverhältnis allein ist kein Qualitätsnachweis; Konstruktion, Flächengewicht und Eignung für das vorgesehene Waschverfahren bleiben entscheidend.
TENCEL™ Lyocellbesonders weich und atmungsaktiv, wird laut BP zunehmend in hochwertiger Pflege- und Medizinbekleidung eingesetztAuch bei dieser Faser müssen die Formstabilität und Wäschetauglichkeit des konkreten Kleidungsstücks geprüft werden.

Praxis-Check vor der Teambestellung

Vor der Bestellung von Arbeitskleidung für das gesamte Team bietet sich ein Praxis-Check an, bei dem mehrere Personen des Pflegeteams einzelne Musterteile unter Alltagsbedingungen testen und darauf achten, ob die folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Beim Bücken und Strecken darf nichts einschneiden oder hochrutschen.
  • Bund, Seitennähte und Taschen dürfen im Sitzen weder drücken noch die Bewegungsfreiheit beeinträchtigen.
  • Alle im Pflegealltag benötigten Utensilien müssen sich sicher verstauen lassen und in verschiedenen Positionen leicht erreichbar sein.
  • Ärmel, Hosenbeine und Stretchzonen dürfen sich nicht unangenehm verdrehen oder verrutschen.

Nach einer Probewäsche sollten Maße, Farbe, Nähte und Verschlüsse erneut geprüft werden. Nur wenn die Kleidungsstücke auch danach noch überzeugen können, sollten sie in die engere Auswahl kommen.

Gute Pflegekleidung muss sich als Gesamtsystem bewähren

Wie gut Pflegekleidung wirklich ist, lässt sich nicht an einem besonders weichen Stoff oder anderen einzelnen Merkmalen beurteilen. Wichtig ist, dass sämtliche Eigenschaften im Pflegealltag zuverlässig zusammenspielen. Nur so kann das Kleidungsstück als Ganzes dauerhaft unter realen Arbeitsbedingungen überzeugen. Indem Musterteile im Vorfeld strukturiert geprüft werden, wird die Gefahr von Fehlbestellungen reduziert und die Akzeptanz der Kleidung bei den Angestellten erhöht.