Lachs, Nüsse, Oliven und Tomaten sind wertvolle Omega-3-Fettsäuren-Quellen.

Herzgesundheit im Fokus: Omega-3-Fettsäuren in der Ernährung aus medizinischer Sicht

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Inhaltsverzeichnis

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen in Deutschland zu den häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle, so das Robert-Koch-Institut. Trotz erheblicher Fortschritte in Diagnostik, Therapie und Versorgung stellen sie weiterhin eine der zentralen Herausforderungen für das Gesundheitssystem dar.

Diese Entwicklung ist nicht die Folge eines einzelnen Faktors, sondern Ausdruck komplexer demografischer, medizinischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge.

Mit zunehmender Lebenserwartung wächst der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung. Da viele kardiovaskuläre Erkrankungen altersassoziiert auftreten oder im höheren Lebensalter an Bedeutung gewinnen, verschiebt sich die Krankheitslast entsprechend.

Gleichzeitig haben verbesserte medizinische Möglichkeiten dazu geführt, dass akute Ereignisse häufiger überlebt werden und chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen über längere Zeiträume behandelt werden müssen.

Auswirkungen im Alltag

Aktuelle Versorgungsanalysen zeigen zudem, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht nur medizinisch relevant sind, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf Lebensqualität, funktionelle Leistungsfähigkeit und soziale Teilhabe haben können (Quelle: Deutscher Herzbericht 2025).

Dies betrifft nicht ausschließlich ältere Menschen: Auch bei jüngeren Altersgruppen gewinnen kardiovaskuläre Risikofaktoren und frühe Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems an Bedeutung, ohne dass daraus zwangsläufig unmittelbar Erkrankungen resultieren.

Vor diesem Hintergrund rückt die differenzierte Betrachtung von Herzgesundheit stärker in den Fokus.

Die Herzgesundheit in Deutschland

Ein zentraler Bezugspunkt für die Einschätzung der Herzgesundheit in Deutschland ist der regelmäßig veröffentlichte Deutsche Herzbericht. In der aktuellen Ausgabe 2025 zeigen ausgewertete Daten zur Häufigkeit, Verteilung und Entwicklung, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin die häufigste Todesursache in Deutschland darstellen. Rund ein Viertel aller Todesfälle lässt sich auf kardiovaskuläre Erkrankungen zurückführen. Besonders häufig genannt werden dabei chronische koronare Herzkrankheit, akuter Myokardinfarkt sowie Herzinsuffizienz.

AltersabhängigkeitViele Erkrankungen – insbesondere koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen – treten mit zunehmendem Lebensalter deutlich häufiger auf
Komplexe UrsachenlageHerzgesundheit steht im Zusammenspiel von demografischer Entwicklung, medizinischer Versorgung und individuellen Risikoprofilen
Neue PerspektivenBiologische, ernährungsbezogene und lebensstilassoziierte Faktoren rücken in den Blick

Insgesamt zeichnen die aktuellen Daten ein Bild hoher medizinischer Relevanz und einer komplexen Ursachenlage. Der Deutsche Herzbericht unterstreicht, dass Herzgesundheit nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern im Zusammenspiel von demografischer Entwicklung, medizinischer Versorgung und individuellen Risikoprofilen steht.

Insbesondere biologische, ernährungsbezogene und lebensstilassoziierte Faktoren rücken dabei in den Blick. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen im Hinblick auf ihre Rolle im menschlichen Stoffwechsel und damit auch im Zusammenhang mit der Herzgesundheit.

Fettsäuren und das Herz: Welche Rolle ungesättigte Fettsäuren im Körper spielen

Fettsäuren sind ein zentraler Bestandteil des menschlichen Stoffwechsels und erfüllen im Organismus vielfältige strukturelle und funktionelle Aufgaben. Neben ihrer Rolle als Energieträger sind sie wesentliche Bausteine von Zellmembranen und beeinflussen deren physikalische Eigenschaften, etwa Fluidität und Durchlässigkeit. Diese Eigenschaften sind insbesondere für Gewebe mit hohem Stoffwechselumsatz von Bedeutung, zu dem auch der Herzmuskel zählt, ebenso wie das Gehirn und die Netzhaut des Auges.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht werden Fettsäuren unter anderem in gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren unterteilt. Zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren gehören die sogenannten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die sich in ihrer chemischen Struktur und ihren Stoffwechseleigenschaften unterscheiden. Einige dieser Fettsäuren gelten als essenziell, da sie vom menschlichen Körper nicht selbst gebildet werden können und über die Ernährung zugeführt werden müssen.

Im Fokus: EPA und DHA

Im Zusammenhang mit der Herzgesundheit stehen seit mehreren Jahren vor allem die langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Beide Fettsäuren sind strukturelle Bestandteile von Zellmembranen und kommen unter anderem in Geweben mit hoher funktioneller Aktivität vor. Ihre Einbindung in Zellmembranen kann Einfluss auf membranabhängige Prozesse nehmen, etwa auf Signalübertragungen, enzymatische Reaktionen oder die Regulierung der Blutgefäße und der Blutgerinnung. Studien betonen außerdem die Beteiligung von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren an entzündungshemmenden Prozessen im Körper: „Während die Omega-3-Fettsäuren eher zur Produktion entzündungshemmender Fetthormone beitragen, dienen die Omega-6-Fettsäuren oft als Vorstufen für die körpereigene Synthese von entzündungsfördernden Fetthormonen“ (Quelle: gesundheitsforschung-bmftr.de).

In der ernährungswissenschaftlichen Diskussion wird berücksichtigt, dass Fettsäuren nicht isoliert wirken, sondern im Zusammenspiel mit weiteren Nährstoffen, genetischen Faktoren und individuellen Stoffwechselbedingungen stehen. Der aktuelle Stand der Forschung legt allerdings die Annahme nahe, dass eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren mit einem geringeren Risiko für koronare Ereignisse einhergeht und die mehrfach ungesättigten Fettsäuren damit eine positive Wirkung auf die Herzgesundheit entfalten können.

Wie gut sind wir mit Omega-3-Fettsäuren versorgt?

Mit der Bedeutung, die Omega-3-Fettsäuren nachweislich für den menschlichen Stoffwechsel haben, geht die Frage einher, wie gut die Bevölkerung mit den mehrfach ungesättigten Fettsäuren versorgt ist. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für alle Altersgruppen eine Zufuhr von mindestens 250 mg der langkettigen Fettsäuren EPA und DHA pro Tag und weist darauf hin, dass vor allem für sie positive gesundheitliche Effekte nachgewiesen seien.

Vorhandene Daten deuten darauf hin, dass ein großer Teil der Bevölkerung nicht optimal mit Omega-3-Fettsäuren versorgt ist. Ein zentraler Marker ist der Omega-3-Index. Er beschreibt den Anteil der langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) in den roten Blutkörperchen. Er gilt als geeigneter Marker für die längerfristige Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren und wird häufig herangezogen, da er weniger kurzfristigen Schwankungen unterliegt als klassische Blutfettanalysen.

Im Allgemeinen wird ein Omega-3-Index im Bereich von 8 bis 11 Prozent als Zielbereich definiert. Werte unter 4 Prozent gelten als sehr niedrig, 4 bis 6 Prozent als niedrig und 6 bis 8 Prozent als moderat. Für Deutschland zeigt der Omega-3-Index einen durchschnittlichen Wert von 5,5 Prozent und damit eine insgesamt nicht ausreichende Versorgung.

Mögliche Ursachen

  • Die in westlichen Ländern verbreitete Kost enthält häufig nur geringe Mengen an fettreichem Seefisch, einer zentralen Quelle für EPA und DHA
  • Ein vergleichsweise hohes Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren, das die Zusammensetzung der Fettsäuren im Körper beeinflussen kann

Empfohlenes Verhältnis

Als günstiges Verhältnis der verzehrten Omega-3-und Omega-6-Fettsäuren wird maximal 1:5 angegeben, noch besser 1:2 (Quelle: gesundheitsforschung-bmftr.de).

Mediziner und Ernährungswissenschaftler stimmen darin überein, dass höhere Omega-3-Index-Werte in der Regel nur erreicht werden, wenn über einen längeren Zeitraum größere Mengen an EPA und DHA zugeführt werden. Dabei gehen sie davon aus, dass eine ausreichende Versorgung nur über die übliche Ernährung für viele Menschen schwer erreichbar ist. Die gezielte Einnahme hochwertiger Supplemente kann hier eine bewusste Ernährung sinnvoll ergänzen.

Wie lässt sich ein ausgeglichener Omega-3- und Omega-6-Haushalt erreichen?

Ein ausgewogener Fettsäurenhaushalt hängt von der Zusammensetzung der aufgenommenen Fette ab. In der normalen Ernährung liefern verschiedene Lebensmittel unterschiedliche Arten von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Während pflanzliche Quellen vor allem Alpha-Linolensäure (ALA) enthalten, kommen die langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) in fettreichen Seefischen wie Hering, Makrele, Lachs oder Thunfisch vor. Da der Körper ALA nur in geringem Umfang in EPA und DHA umwandeln kann, wird eine direkte Zufuhr dieser langkettigen Fettsäuren über die Nahrung empfohlen, insbesondere wenn eine niedrige Aufnahme von fettreichem Fisch typisch ist (Quelle: loges.de).

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Fischmahlzeiten

Gesundheitsexpertinnen und – experten nennen als Orientierung häufig ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche, um den Bedarf an EPA und DHA über die Ernährung zu decken.

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Pflanzliche Alternativen

Wer aus Ernährungsgewohnheiten oder aus ethischen Gründen wenig oder keinen Fisch verzehrt, kann auf pflanzliche Alternativen zurückgreifen.

Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Algenöl liefern EPA und DHA in direkt verwertbarer Form.

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Günstige Öle

Eine bewusste Auswahl von Lebensmitteln mit einem günstigen Fettsäureprofil – etwa Rapsöl oder Leinöl, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind – kann dazu beitragen, das Verhältnis auszugleichen.

Auch das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren spielt eine Rolle für die Fettsäurenzusammensetzung im Körper. In Deutschland liegt dieses Verhältnis häufig deutlich über den empfohlenen Werten von maximal 1:5. Eine bewusste Auswahl von Lebensmitteln mit einem günstigen Fettsäureprofil – etwa Rapsöl oder Leinöl, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind – kann dazu beitragen, dieses Verhältnis auszugleichen und die Umwandlung von ALA in länger kettenförmige Omega-3-Fettsäuren nicht zusätzlich zu belasten.

Mit einer Ernährung, die regelmäßig Fisch oder pflanzliche Omega-3-Quellen beinhaltet, lässt sich der Bedarf sinnvoll unterstützen. Menschen mit speziellen Ernährungsformen, wie Vegetarier oder Veganer, oder Menschen, deren Bedarf angepasst betrachtet werden sollte – etwa Schwangere oder stillende Mütter – kann eine individuelle Abklärung der Omega-3-Versorgung über eine Blutuntersuchung hilfreich sein. Eine sinnvolle Versorgung sollten gemeinsam mit Ärztinnen oder Ärzten abgestimmt sein, insbesondere, wenn gesundheitliche Voraussetzungen berücksichtigt werden müssen oder Medikation eingenommen werden.

Herzgesundheit als Zusammenspiel vieler Faktoren

Herzgesundheit entsteht im Zusammenspiel vieler Faktoren – Alter, Lebensstil, Ernährung und individuelle Voraussetzungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie medizinische Versorgung. Aktuelle Daten zeigen, dass Omega-3-Fettsäuren in diesem Zusammenhang zunehmend Beachtung finden, nicht zuletzt, weil ein großer Teil der Bevölkerung eher niedrig versorgt ist.

Wer weiß, welche Rolle Fettsäuren im Körper spielen und wie die eigene Ernährung zusammengesetzt ist, kann Zusammenhänge besser einordnen. Eine ausgewogene Ernährung und sachliche Information bilden dabei eine sinnvolle Grundlage – individuelle gesundheitliche Fragen sollten jedoch immer im Vordergrund stehen.

Auf einen Blick

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben eine zentrale Herausforderung
  • Omega-3-Fettsäuren können gesunde Prozesse im Körper unterstützen
  • Die Versorgung in Deutschland ist oft nicht optimal
  • Bewusste Ernährung und individuelle Beratung sind der Schlüssel