Effektive Hygiene im Pflegewesen

Hygiene im Pflegewesen ist eine Grundvoraussetzung.
Effektive Hygiene im Pflegewesen
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Inhaltsverzeichnis

Im Pflegebereich ist Hygiene unerlässlich, um Infektionen und Krankheiten vorzubeugen. Gerade ältere oder erkrankte Menschen sind für Infektionen anfällig und müssen daher geschützt werden. Zugleich geht es darum, dass die Pfleger sich selbst schützen. Die Pflegestandards in der Hygiene geben vor, wie das Hygienemanagement aussehen sollte und welche Anforderungen an die Hygiene, etwa im Bereich der Desinfektion, vorliegen.

Was versteht man unter Hygiene im Pflegewesen? 

Hygiene lässt sich als Lehre von der Verhütung von Krankheiten, aber auch von der Festigung und Erhaltung der Gesundheit verstehen. Ihre Ziele bestehen darin, sowohl die körperliche als auch die seelische, geistige und soziale Gesundheit zu erhalten sowie Krankheiten vorzubeugen. Dies ist in der Pflege essenziell. Im Umgang mit pflegebedürftigen Personen passiert es schnell, dass diese sich aufgrund ihres schwachen Immunsystems beim Pflegenden anstecken.

Darüber hinaus beschäftigt sich die Hygiene im Pflegewesen damit, die Einflüsse der Umwelt auf die menschliche Gesundheit zu überprüfen und Maßnahmen zu ergreifen, wo diese nötig sind, um das Wohlergehen des Patienten zu fördern.

Teilbereiche der Hygiene:

  • Individualhygiene (z. B. Körperpflege und Ernährung)
  • Sozialhygiene (die Hygiene einer größeren Personengruppe, etwa in einem Pflegeheim)
  • Umwelthygiene (hygienische Einrichtungen sowie korrekter Umgang mit Umwelteinflüssen wie Pollen)

Hygiene in medizinischen Einrichtungen

In medizinischen Einrichtungen umfasst die Hygiene alle drei eben genannten Teilbereiche. Bei der persönlichen Hygiene sind Körperpflege sowie der korrekte Umgang mit Medikamenten sehr wichtig, während zur Sozialhygiene Unfallverhütung und der korrekte Umgang mit Patienten gehören. Die Umwelthygiene in Pflegeheimen und anderen medizinischen Einrichtungen umfasst beispielsweise die Abfallentsorgung. 

Pflegepersonal sollte sich insbesondere mit der Verhütung und Bekämpfung von Infektionen befassen und mit den Maßnahmen für korrekte Desinfektion und Sterilisation vertraut sein. Auch Grundwissen in den Bereichen Infektiologie, Mikrobiologie und Arzneimittel ist empfehlenswert. 

Neben der Gesundheit der pflegebedürftigen Personen spielt die Krankenhaushygiene, die auch in Pflegeheimen angewendet wird, eine wichtige Rolle für den Arbeitsschutz des Personals. Dabei dienen die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut (KRINKO) als Orientierung.

KRINKO gibt unter anderem vor, dass ein Hygieneplan mit verbindlichen Leitlinien und Empfehlungen zu erstellen ist. Dieser dient der Infektionsprävention, dem Schutz der Mitarbeiter und dem Schutz der Patienten. Er verbessert zudem die Behandlungsqualität.

Aufbau eines Hygieneplans laut KRINKO:

  • Gefährdungsanalyse
  • Präventionsmaßnahmen mit Verfahrensanweisungen, Verhaltensnormen und Schulungen
  • Maßnahmenstrukturen mit Basismaßnahmen wie Schutzkleidung und Händedesinfektion sowie gefährdungsspezifischen Maßnahmen

Warum ist Hygiene im Pflegebereich wichtig? 

Die besondere hygienische Bedeutung im Pflegebereich erklärt sich unter anderem dadurch, dass hier eine erhöhte Infektionsgefahr besteht. Das gilt insbesondere in stationären Pflegeeinrichtungen, wo verschiedene Pfleger, Patienten und Besucher jeweils ein Risiko für Infektionen darstellen. 

Eine Kombination aus verschiedenen Faktoren macht pflegebedürftige Personen zu einer Risikogruppe für Infektionen:

  • Höheres Lebensalter
  • Vorhandene Krankheiten
  • Schlechter Allgemeinzustand
  • Multimorbidität
  • Einseitige Ernährung
  • Medikamente, die das Immunsystem beeinträchtigen

Die Verhütung von Infektionskrankheiten ist auch in der ambulanten Pflege ein wichtiges Thema. Pflegende sind eventuell selbst Überträger von Krankheitserregern. Außerdem können sie die Gesundheit der Patienten gefährden, wenn sie hygienische Grundsätze missachten.

Wichtig

Das Pflegepersonal sollte darauf achten, die gewählten Hygienemaßnahmen mit dem Bedürfnis nach Geborgenheit sowie dem Recht auf Würde und Privatsphäre der Patienten zu vereinen.

Hygiene zum Selbstschutz in der Pflege

Zum Selbstschutz von Pflegepersonal ist es zunächst einmal wichtig, den Regeln der grundlegenden persönlichen Hygiene zu folgen. Regelmäßige Körperpflege, häufiges Händewaschen und die Vermeidung von Kontakt mit möglichen Erregern sind hier die grundlegenden Regeln.

Der Schwerpunkt liegt auf der Händedesinfektion. Diese sehr einfache Maßnahme ist mit Abstand am effektivsten in der Hygiene und sorgt dafür, dass sich zahlreiche Infektionen durch Desinfektionsmittel wortwörtlich im Keim ersticken lassen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es fünf Indikationen, die eine Händedesinfektion nötig machen. Darüber hinaus ist das gründliche Händewaschen (mindestens 30 Sekunden) wichtig, um bei der Pflege stets hygienisch vorzugehen.

Situationen, in denen die Händedesinfektion angebracht ist:

  • Vor dem Kontakt mit dem Patienten
  • Vor aseptischen Tätigkeiten 
  • Nach dem Kontakt mit ansteckendem Material oder potenziell ansteckenden Flüssigkeiten
  • Nach dem Patientenkontakt
  • Nach dem Kontakt mit Oberflächen in der Nähe eines Patienten

Darüber hinaus ist es in der Pflege ganz leicht möglich, Infektionen mithilfe von Barrieren vorzubeugen. Dazu gehören Einmalhandschuhe, Schürzen und ein Mundschutz. Zudem ist es empfehlenswert, Flächen, auf denen viele Keime vorhanden sind, regelmäßig mit Desinfektionsmittel zu behandeln. Dazu gehören insbesondere die Toilette, die Türklinken, Lichtschalter und auch Fernbedienungen.

Hygiene zum Fremdschutz in der Pflege

Pfleger sind sowohl in stationären als auch in ambulanten Einrichtungen dafür zuständig, die Patienten, andere Pflegende und Besucher zu schützen. Der sogenannte Fremdschutz basiert auf gründlicher Hygiene und passenden Maßnahmen: 

  • Auch hier steht das Händewaschen und die Anwendung von Desinfektionsmittel an erster Stelle.
  • Wichtig ist es zudem, beim Husten und Niesen der Verbreitung von Krankheitserregern vorzubeugen.
  • Barrieremaßnahmen dienen dem Selbstschutz ebenso wie dem Fremdschutz.

Bei der ambulanten Pflege ist in den Bereichen Küche und Badezimmer besondere Sorgfalt angesagt. Regelmäßige Desinfektion der Flächen sowie das mindestens einmal wöchentliche feuchte Wischen der Böden sind wichtige Maßnahmen.

Wichtig

Es gilt darüber hinaus, sich mit den genutzten Instrumenten zu beschäftigen. Ideal ist es, Einmal-Instrumente zu nutzen. Wiederverwendbare Pflegeinstrumente müssen korrekt desinfiziert werden, wofür es in der Pflegeeinrichtung einen eigenen Raum gibt. Nur entsprechend ausgebildetes Personal darf die Instrumente desinfizieren.

Krankheitserreger in Krankenhäusern und Pflegeheimen

In stationären Pflegeeinrichtungen gibt es eine Vielzahl an Krankheitserregern, deren Ausbreitung das Pflegepersonal durch hygienische Maßnahmen vorbeugen muss. Besonders gefährlich sind dabei die sogenannten multiresistenten Erreger, die sich speziell im Krankenhausumfeld wohlfühlen.

Es handelt sich dabei vor allem um das Methicillin-resistente Bakterium Staphylococcus aureus (MRSA). Dieses ist auf der Haut sowie auf den Schleimhäuten von vielen gesunden Menschen vorhanden und überträgt sich leicht. Normalerweise werden wir davon nicht krank. Wenn allerdings eine Antibiotika-Resistenz der Bakterien vorliegt, was in einer Pflegeeinrichtung, wo viele Antibiotika genommen werden, schneller passiert, dann stellt die MRSA-Infektion eine schwere Gefahr dar.

Achtung

Im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung ist die Gesundheit des Personals im Küchen- und Lebensmittelbereich essentiell. Ansonsten können sich über das Essen Krankheiten wie Typhus, Cholera, Salmonellen oder Gelbsucht verbreiten. 

Was versteht man unter Hygienemanagement in der Pflege?

Die Verantwortung für das Hygienemanagement liegt beim Betreiber einer Praxis, eines Krankenhauses oder einer Pflegeeinrichtung. Natürlich tragen auch die Pflegemitarbeiter Verantwortung, aber letztendlich ist die oberste Instanz ausschlaggebend.

Zu den Themen, die gemanagt werden wollen, gehören Arbeitsschutz, Personalhygiene, Einsatz von Desinfektionsmittel, Umgebungshygiene, Medizinprodukte, Arzneimittel, patientenbezogene Hygiene, Hygiene bei Haus- und Heimbesuchen sowie der Umgang mit infektiösen Patienten.

Dafür spielt der Hygieneplan eine wesentliche Rolle. Er legt das geplante Hygienemanagement fest und gibt unter anderem vor, wer wofür zuständig ist, wer wofür qualifiziert ist und welche Regelungen zur Infektionsprävention bei Patienten gelten.

Inhalte eines Hygieneplans für das Hygienemanagement:

  • Arbeitsschutz: arbeitsmedizinische Betreuung, Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungen und Schulungen sowie konkrete Schutzmaßnahmen
  • Persönliche Hygiene: Händehygiene, Händewaschen, Arbeitskleidung, persönliche Schutzausrüstung, Vorgaben zu langen Haaren und Piercings
  • Einsatz von Desinfektionsmittel: erforderliche Mittel und Festlegung ihrer Anwendung im Reinigungs- und Desinfektionsplan
  • Umgebungshygiene: Risikobewertung von Flächen, Flächendesinfektion, Umgang mit Trinkwasser und Umgang mit Abfall
  • Medizinprodukte: Einkauf und Beschaffung von Medizinprodukten, Anforderungen an Räume und Personal, Risikobewertung der Produkte, Aufbereitung und Validierung der Aufbereitungsprozesse
  • Arzneimittel: Lagerung, Vorgaben zu kühlpflichten Medikamenten, Infusionen und Injektionen, Umgang mit Mehrdosenbehältnissen sowie mit Salben und Tropfen
  • Patientenbezogene Hygiene: Hautdesinfektion, Blutabnahme, Injektion, Infusionen, Punktion, Wundversorgung, Entfernen von Fäden und Klammern, Anlage und Pflege von Harnblasenkathetern, Pflege von Sonden
  • Hygiene bei Haus- und Heimbesuchen
  • Korrekter Umgang mit infektiösen Patienten

Was ist die Hygieneverordnung in der Pflege?

In jedem Bundesland gibt es eine eigene Hygieneverordnung, die unter anderem vorgibt, wie Pflegepersonal beim Hygienemanagement vorzugehen hat. Die Unterschiede sind vor allem in den Ansprechpartnern und in der Entsorgung von Abfällen zu finden.

Im Zweifelsfall ist es stets die richtige Entscheidung, beim zuständigen Gesundheitsamt nachzufragen. Dabei gilt es, sich für das Amt im jeweiligen Bundesland zu entscheiden, das auch über ortstypische Regelungen Bescheid weiß.

Was sind die Hygieneanforderungen im Pflegebereich? 

Im Pflegebereich gibt es eine Vielzahl an Hygieneanforderungen, die sich in der jeweiligen Hygieneverordnung nachlesen lassen und die im Hygieneplan der Pflegeeinrichtung festgehalten sowie bei Bedarf angepasst werden.

Anforderungen an die Hygiene im Pflegebereich:

  • Basishygiene
  • Hygienische Gebäude, Räume und Ausstattung
  • Reinigung, Desinfektion und korrekte Aufbereitung von Medizinprodukten
  • Händehygiene
  • Hautdesinfektion
  • Reinigung von Flächen, Fußböden und Gegenständen
  • Aufbereitung von Medizinprodukten und sterilen Objekten
  • Wäschehygiene
  • Hygienische Bekleidung
  • Umgang mit Lebensmitteln
  • Abfallbeseitigung
  • Umgang mit Haustieren
  • Schädlingsprophylaxe und -bekämpfung
  • Umgang mit Trinkwasser
  • Erste Hilfe
  • Infektionsschutzgesetz
  • Schutzimpfungen

Pflegepersonal muss die jeweils geltenden Hygieneanforderungen für jeden dieser Bereiche kennen. Dabei gilt grundsätzlich, dass mehr Hygiene immer besser ist als weniger. Zugleich ist aber auch wichtig, die Würde des Patienten zu respektieren. Wenn dieser das Gefühl hat, dass das Pflegepersonal ihn wie einen zu desinfizierenden Gegenstand behandelt, ist keine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich.

Welche Hygieneregeln gelten für Besucher in Pflegeheimen und Krankenhäusern?

Bei Haus- und Heimbesuchen sind die Hygienevorschriften in der Pflege generell entspannter. In der ambulanten Pflege ist das Infektionsrisiko geringer und geht meist ausschließlich vom Pfleger aus, der durch Personalhygiene entsprechend vorbeugen kann.

Wichtig

Der Pfleger sollte Familienmitglieder, Mitbewohner sowie Besucher über Hygienemaßnahmen im Umgang mit der pflegebedürftigen Person in ihrem Zuhause aufklären. Dabei spielt das Händewaschen die wichtigste Rolle.

Deutlich wichtiger ist das Thema Hygiene in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Hier sind die zahlreichen Besucher ein weiteres Risiko für Infektionen, die sich unter den Patienten schnell ausbreiten können. Außerdem ist es möglich, dass Besucher sich anstecken, weshalb Wunden oder Verletzungen jedenfalls abgedeckt werden müssen.

Besucher sollten darauf hingewiesen werden, dass sie sich die Hände vor und nach dem Besuch mit Desinfektionsmittel säubern müssen. Je nachdem, an welcher Krankheit der pflegebedürftige Besuchte leidet, ist auch ein Mund-Nasen-Schutz wichtig.

Das Pflegepersonal ist hier in der Verantwortung, gemäß der KRINKO-Vorgaben Empfehlungen auszusprechen und Besucher entsprechend vorzubereiten. Schulungen sind eine weitere Möglichkeit, das Wissen über die richtige Hygiene beim Krankenbesuch zu verbreiten.

Fazit: Hygienevorschriften zum Selbst- und Fremdschutz beachten

Sowohl für das Pflegepersonal als auch für Führungskräfte in der Pflege, für Besucher und für die Patienten selbst ist es essenziell, sich mit den Grundvorschriften der Hygiene zu befassen. Nur so ist es möglich, gefährlichen Infektionen vorzubeugen, Resistenzen zu vermeiden und dadurch Pfleger, Besucher und Patienten zugleich zu schützen.

Insbesondere in stationären Pflegeheimen und in Krankenhäusern besteht die Gefahr, dass sich ein Krankheitserreger schnell verbreitet. Simple Hygienemaßnahmen wie die korrekte Händedesinfektion tragen dazu bei, dieses Risiko zu umgehen.

Weitere Maßnahmen beinhalten beispielsweise die Nutzung von Barrieremaßnahmen, den besonders vorsichtigen Umgang mit Lebensmitteln und die sogenannte Umgebungshygiene. Diese Vorschriften gelten selbstverständlich auch für die ambulante Pflege.

In jedem Bundesland gibt es eine eigene Hygieneverordnung für die Pflege, die auf den KRINKO-Vorgaben aufbaut. Zudem erstellen Pflegeeinrichtungen ihren eigenen Hygieneplan, um das Hygienemanagement umzusetzen. Es gilt, sich ausführlich mit diesen Dokumenten auseinanderzusetzen und deren Inhalte penibel umzusetzen – zum Wohle aller.