Injektionen

Worauf es beim Spritzen ankommt
Injektionen
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Inhaltsverzeichnis

In der Alten- wie auch in der Krankenpflege ist die Gabe von Medikamenten fester Bestandteil des Tagesablaufes. Dies kann sowohl in Form von Tabletten, aber auch durch Injektionen mit einer Spritze und Kanüle geschehen. Hierfür ist es wichtig, die verschiedenen Injektionsarten zu kennen und über die richtige Vorbereitung und Verabreichung der Flüssigkeit informiert zu sein. Nur so kann die Injektionslösung schnellstmöglich wirken.

Unter einer Injektion versteht man im medizinischen Kontext die Verabreichung einer sterilen, flüssigen Substanz in einen Organismus mittels einer Spritze und einer Kanüle. Dabei wird der Magen-Darm-Trakt umgangen, da die Flüssigkeit direkt unter die Haut, in das Gefäßsystem oder in das Gewebe injiziert wird. Dieser Vorgang wird auch parenterale Verabreichung genannt.

Was sind Vor- und Nachteile der Injektion?

Charakteristisch für eine Injektion ist der kurze Zeitabstand zwischen ihrer Verabreichung und Wirkung, wodurch sie sich von der meist länger andauernden Infusion unterscheidet. Auch das Anwenden manuellen Drucks bei der Medikamentenverabreichung ist ein Merkmal der Injektion. Weitere Vorteile sind zudem:

  • schneller Wirkungseintritt
  • lokale Wirkung
  • kein Wirkstoffverlust
  • exakte Dosierbarkeit
  • Steuerung der Wirkungsdauer und des Wirkungseintritts

Durch die parenterale Verabreichung von Medikamenten durch eine Injektion haben Ärzte und medizinisches Fachpersonal die Option, auch bewusstlosen Patienten Arzneimittel zu verabreichen. Zudem lassen sich Magen-Darm-Beschwerden vermeiden, da Patienten die Medikamente nicht oral einnehmen müssen.

Daneben gibt es aber auch Nachteile durch die Injektion mit Spritze und Kanüle, wie zum Beispiel:

  • allergische Reaktionen
  • Unverträglichkeitsreaktionen
  • Infektionsgefahr
  • Eingriff in die Unversehrtheit des Patienten

Zudem kann eine Injektion nicht rückgängig gemacht werden. Anders ist das zum Beispiel bei der oralen Einnahme von Medikamenten durch das rechtzeitige Entleeren des Magens. Viele der genannten Komplikationen lassen sich aber durch die richtige Vorbereitung und Durchführung der Injektion vermeiden.

Injektion: Die richtige Vorbereitung

Egal welche Injektion der Arzt oder das medizinische Fachpersonal durchführt: Eine richtige Vorbereitung ist das A und O, um Komplikationen zu vermeiden. Das gilt sowohl für die häusliche bzw. ambulante Pflege als auch Pflegemaßnahmen in einer Einrichtung. Hierzu zählt auch, dass alle wichtigen Utensilien bereitliegen, egal ob der Pfleger dem Patienten eine Thromboseprophylaxe, Insulin oder Schmerzmittel spritzt. Hierzu gehören:

  • sterile Einmalspritzen, Fertigspritzen, Injekts oder Pens
  • Injektionslösung, Aufziehkanüle, Injektionskanüle, Zylinderampullen
  • Schnellverband, Zellstofftupfer
  • Desinfektionsspray
  • Einmalhandschuhe
  • Kanülensicherheitsbox

Eine fertige Spritze besteht meist aus einer Einmalspritze, einer Aufziehkanüle sowie einem Verbindungssystem, welches beides abdichtet. Dieses bezeichnet man als Leuer-Lock-System.

Bei der Injektion von Medikamenten ist eine sterile Arbeitsweise sehr wichtig, um Infektionen zu vermeiden. Hierfür müssen nicht nur die Utensilien immer steril sein, sondern auch die betroffene Einstichstelle. Zudem stellt das Tragen von Einmalhandschuhen und Desinfizieren der Hände eine hygienische Grundlage dar, die vor allem auch dem eigenen Schutz dient.

Ein wichtiger Bestandteil der Injektion ist die Aufklärung des Patienten. Zudem sollte sich der Pfleger entsprechende Informationen über den Patienten einholen. Dies ist insbesondere wichtig, wenn es sich um die erste Injektion handelt oder um einen neuen Wirkstoff, auf den der Patient beispielsweise allergisch reagieren könnte.

Zudem ist es relevant, mit dem Patienten abzusprechen, inwieweit er Injektionen verträgt, um ihn anschließend entsprechend zu lagern. Manche Patienten können keine Spritzen sehen und kollabieren, sodass eine vorherige Absprache Aufklärung verschafft.

Subkutane Injektion: Medikamente unter die Haut applizieren

Bei der subkutanen Injektion wird die Flüssigkeit direkt in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Am besten lässt sich diese Art der Injektion an einer Körperstelle vornehmen, an der die Haut flexibel und durch Fett gepolstert ist. Dies ist zum Beispiel am Bauch oder im Bereich des Oberschenkels der Fall, da dort die Unterhaut besonders dick ist.

Die subkutane Injektion ins Unterhautfettgewebe eignet sich für die Verabreichung von Medikamenten, die möglichst gleichmäßig abgebaut werden sollen. Das ist beispielsweise Insulin bei Diabetes oder auch Heparin, da sich das Arzneimittel im Bereich der Unterhaut langsam und homogen verteilen kann. Bei dieser Injektionsart ist es wichtig, durch eine sichere Technik bei der Verabreichung Fehler zu vermeiden. Falsch gesetzte Medikamente können schwerwiegende Folgen haben können.

Durchführung der subkutanen Injektion

Für die subkutane Injektion benötigt man eine Kanüle mit einem Außendurchmesser von 0,4 bis 0,5 mm und einer Länge von 12 bis 25 mm. Bei der Therapie von Diabetes kommen Insulin-Pens zum Einsatz, die noch feinere und kürzere Kanülen haben.

Oftmals werden bei der Injektion Fertigspritzen verwendet oder die Flüssigkeit aus einer Ampulle aufgezogen. Hierbei ist es wichtig, dass sich keine Luft in der Spritze befindet. Es gibt auch Medikamente, bei denen vorher eine Trockensubstanz aufgelöst werden muss, die anschließend mit einer Spritze aufgezogen werden. Die folgenden Schritte helfen bei einer schmerzfreien Durchführung der subkutanen Injektion.

  • Hände desinfizieren
  • Fertigspritze vorbereiten oder Injektionslösung mit Kanüle aufziehen
  • Einmalhandschuhe anziehen
  • Einstichstelle mit einem Alkoholtupfer desinfizieren und einwirken lassen
  • Mit Zeigefinger und Daumen an der desinfizierten Stelle eine Hautfalte bilden
  • Kanüle senkrecht in einem 90 Grad Winkel in die Hautfalte einführen
  • Bei einer Länge von 12 bis 25 mm der Injektionskanüle in einem 45 Grad Winkel einführen
  • Flüssigkeit langsam injizieren
  • Nach Abschluss Spritze 5 bis 10 Sekunden im Gewebe belassen, um Rückfluss zu vermeiden
  • Kanüle entfernen und Hautfalte loslassen
  • Einstichstelle mit einem Tupfer komprimieren
  • Bei Nachblutungen ein Pflaster anbringen, ein Verband ist nicht notwendig

Als Einstichstelle eignen sich am besten die Außenseiten von Oberarm oder Oberschenkel, der Bereich ober- oder unterhalb des Schulterblattes sowie die Bauchdecke zwischen Bauchnabel und Darmbeinstachelhöhe. Dabei ist es wichtig, 2 cm um den Nabel freizulassen. Bei sehr schlanken Patienten, bei denen sich keine Hautfalte bildet, gilt es, die Haut für die Injektion zu spannen und nur wenige Millimeter einzustechen.

Fehlerquellen bei der subkutanen Injektion

Generell kommt es bei der subkutanen Injektion nur selten zu Komplikationen, insbesondere bei der korrekten Ausführung des Vorgangs. Dennoch ist es essenziell, bestimmte Fehlerquellen zu vermeiden. So zum Beispiel das richtige Aufziehen der Substanz aus der Ampulle und das anschließende Verabreichen.

Bei der subkutanen Injektion entstehen häufig Hämatome. Diese treten vor allem dann auf, wenn das Medikament immer an der gleichen Stelle injiziert wird. Daher sollten die Einstichstellen regelmäßig gewechselt werden, beispielsweise durch eine Rotationsmethode. Ebenso sollte man nach der Injektion vermeiden, den Tupfer in schnellen, reibenden oder kreisenden Bewegungen über die Einstichstelle zu bewegen. Dies begünstigt die Bildung von Hämatomen.

Eine weitere Komplikation ist eine intramuskuläre Injektion, die unerwünschte Folgen haben könnte, da sich die komplette Menge des Arzneimittels schneller im Muskel verteilt. Dies geschieht beispielsweise, wenn die Hautfalte zu früh losgelassen wird. Sie kann leicht durch späteres Loslassen vermieden werden.

Zurückziehen des Spritzenstempels: Aspiration bei subkutanen Injektionen

Die Aspiration ist bei der subkutanen Injektion sehr umstritten. Normalerweise überprüft man vor der eigentlichen Injektion mithilfe der Aspiration, dem Ansaugen des Blutes durch ein kurzzeitiges Zurückziehen des Spritzenstempels, ob sich die Nadel in einem Blutgefäß befindet. Wenn dies der Fall ist, färbt sich die Injektionslösung in der Spritze rot. Die Injektion von Insulin könnte dann zu schweren Komplikationen führen, da sich der Wirkstoff zu schnell verbreiten würde.

Kritiker sehen bei der subkutanen Injektion keinen Grund für das Durchführen einer Aspiration, da es im Fettgewebe ohnehin keine größeren Gefäße gibt. Zudem besteht ein zu großes Risiko, umliegendes Gewebe mit der Aspiration zu beschädigen. Befürworter sehen aber genau in diesen wenigen venösen Gefäßen im subkutanen Fettgewebe die Notwenigkeit für die Aspiration. Im Zweifelsfall ist es angebracht, sich individuellen medizinischen Rat einzuholen.

Intramuskuläre Injektion: Medikamente in den Muskel applizieren

Unter der intramuskulären Injektion versteht man die Verabreichung eines flüssigen Arzneimittels in einen Muskel. Das geschieht mittels einer Fertigspritze oder Spritze sowie einer Kanüle. Das häufigste Anwendungsgebiet der intramuskulären Injektion ist bei Impfungen und der Vergabe von Depotpräparaten. Grund dafür ist, dass so der Magen-Darm-Trakt umgangen wird. Der Körper kann dadurch die Eiweiße und Zucker, welche die meisten Impfstoffe enthalten, besser aufnehmen.

Hierfür eignen sich besonders der Oberschenkelmuskel (= Musculus gluteus medius) oder der Schultermuskel (= Musculus deltoidus). Bei einer Impfung wird bei Erwachsenen häufig die Außenseite des Oberarms, bei Kleinkindern die Außenseite des Oberschenkels gewählt. Auch die Injektion einer Flüssigkeit in den Gesäßmuskel ist eine beliebte Variante.

Da ein Muskel sehr gut durchblutet ist, wird bei einer intramuskulären Injektion das verabreichte Medikament schneller vom Körper aufgenommen, als beispielsweise bei der subkutanen Injektion.

Durchführung der intramuskulären Injektion

Wie bei anderen Injektionen, Infusionen und Punktionen liegt auch bei der intramuskulären Injektion der größte Wert auf einem hygienischen und strukturierten Arbeiten. Hierfür ist nicht nur die Aufklärung des Patienten wichtig. Auch die richtige Desinfektion und ein rasches Entsorgen des infektiösen Materials in einen vorgesehen Abwurfbehälter sind von Relevanz.

Die Wahl der Kanülenlänge richtet sich nach dem Körperbau des Patienten. Sie kann zwischen 25 und 70 mm betragen. Bei Neugeborenen eignen sich 15 mm Kanülen. Die folgenden Schritte helfen bei der richtigen intramuskulären Injektion:

  • Positionierung des Patienten
  • Hände desinfizieren
  • Injektionsstelle festlegen
  • Einweghandschuhe anziehen
  • Injektionsstelle desinfizieren
  • Steriles Aufziehen des Medikaments aus Ampulle
  • Spritze schnell und senkrecht bis in den Muskel einstechen, eventuell Haut dafür spannen
  • Langsame Injektion der Lösung zur Schmerzvermeidung
  • Kanüle schnell entfernen
  • Injektionsstelle mit Tupfer komprimieren
  • Bei Nachblutung Pflaster anbringen

Anschließend ist es wichtig, sich nach dem Befinden des Patienten zu erkundigen und die Utensilien richtig zu entsorgen oder zu lagern.

Mögliche Fehlerquellen bei der intramuskulären Injektion

Eine mögliche Fehlerquelle ist die Wahl einer zu kurzen Injektionskanüle, insbesondere bei adipösen Patienten. Dies kann eine Fehlinjektion zur Folge haben, bei der die Flüssigkeit in das subkutane Fettgewebe injiziert wird. Dabei kann es zu einer Wirkstoffanflutung und Gewebeschwund kommen.

Durch eine falsche Lokalisierung der Einstichstelle können Nerven oder andere Gefäße verletzt werden. Zudem besteht dann das Risiko, auf Widerstand zu stoßen. In diesem Fall handelt es sich um Knochenhaut. Die Lösung ist dann, die Spritze vor der Injektion des Medikaments ca. einen Zentimeter wieder zurückzuziehen.

Bei der intramuskulären Injektion raten Experten dazu, eine Aspiration durchzuführen, um sicherzustellen, dass kein Blutgefäß getroffen wird. Dies könnte zu einer Hämatombildung im Muskel und weiteren Komplikationen führen. Eine Ausnahme bilden die Injektionen von Impfstoffen. Hier sollte auf die Aspiration im Sinne von Stress- und Schmerzreduktion verzichtet werden.

Welche weiteren Injektionsarten gibt es?

Die verschiedenen Injektionsarten erhalten ihre Bezeichnung durch das Gewebe, in das injiziert wird. Am häufigsten werden Medikamente über die subkutane und intramuskuläre Injektion verabreicht.

Intravenöse Injektion nur durch den Arzt

Zudem gibt es die intravenöse Injektion, bei der der Arzt die Substanz in eine größere Vene, wie zum Beispiel die Vena mediana cubiti in der Ellenbogengrube, injiziert. Häufig wird als Injektionsstelle auch die Vene auf dem Handrücken genutzt. Diese Injektionsart kommt zum Einsatz, wenn eine schnelle Wirkung erwünscht ist. Die intravenöse Injektion darf aber nur von einem Arzt vorgenommen werden.

Interarterielle Injektion

Zudem gibt es intraarterielle Injektionen, bei denen der Wirkstoff über die Arterie verabreicht wird. Da diese Injektionsart mit höheren Risiken verbunden ist, kommt sie auch nur in Ausnahmefällen zum Einsatz, wie zum Beispiel bei der Verabreichung eines Kontrastmittels im Rahmen einer Angiografie. Weitere Injektionsarten sind:

  • intrakardiale Injektion
  • intraartikuläre Injektion
  • Intradermale Injektion

Die intrakardiale Injektion in das Herz wird vor allem zur Verabreichung von Adrenalin bei einem Herzstillstand genutzt. Die intraartikuläre Injektion in ein Gelenk ist eine Möglichkeit der Verabreichung von Schmerzmitteln oder Cortison bei Entzündungen, beispielsweise in der Schulter. Bei Allergietests kommt die intradermale Injektion zum Einsatz, bei der der Arzt die Injektionslösung direkt unter die Haut injiziert.

Injektionen und Spritzen verabreichen: Wenn Praxis und Theorie aufeinandertreffen

Injektionen und Spritzen sind aus dem Pflege-Alltag nicht wegzudenken. Während einige spezifische Injektionen, beispielsweise in die Vene, nur vom Arzt vorgenommen werden dürfen, gehören Thrombosespritzen oder Infusionen zu den regelmäßigen Aufgaben in der medizinischen Pflege.

Damit Injektionen für den Patienten schmerz- und komplikationslos verlaufen, ist ausreichend Übung ebenso wichtig wie theoretisches Wissen rund um Hygiene, Vorbereitung und die eigentliche Durchführung der Injektion.