Pflegegrad 3

Zentrale Fakten und Leistungen auf einen Blick
Pflegegrad 3
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Inhaltsverzeichnis

Nach der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade erfolgte auch für Menschen mit „schweren Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit“ eine Einstufung mit den passenden Leistungen. Pflegebedürftige mit diesen Einschränkungen können ihren Alltag meist nur durch umfangreiche Unterstützung meistern. Sie sind jedoch in der Lage einige Aufgabe selbstständig zu erledigen.

Was sind die Bedingungen und Voraussetzungen für den Pflegegrad 3?

Die Voraussetzungen für die Einstufung in Pflegegrad 3 unterscheiden sich in einigen Punkten von den anderen Pflegegraden. Auch hier weist das neue Prüfungsverfahren „Neue Begutachtungsassessment (kurz: NBA)“ die Pflegebedürftigen mit Hilfe von 6 Modulen dem richtigen Pflegegrad zu. Diese Module zeigen mit verschiedenen Gewichtungen, wie selbstständig der Pflegebedürftige ist und wieviel Hilfe er benötigt.

Welche Bereiche werden begutachtet?

  1. Mobilität 10%
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten 15%
    1. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  3. Selbstversorgung 40%
  4. Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen 20%
  5. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte 15 %

Die genannten Gewichtungen werden schließlich mit Punkten bewertet, die sogenannten „Pflegegradpunkte“. Diese reichen von 0 (keine Beeinträchtigung der Selbstständigkeit) bis 100 (schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit).

Allgemeine Voraussetzungen für Pflegegrad 3:

  • Mindestens 47,5 Pflegegradpunkte
  • Eine neue Antragsstellung ist nicht nötig

Pflegegrad 3: Beispiel für einen Pflegebedürftigen

Damit der Pflegebedürftige die Leistungen des Pflegegrads 3 von der Pflegeversicherung bekommt, muss er bestimmte Alltagskompetenzen aufweisen – oder eben nicht. Hierbei sind Pflegebedürftige mit einer Demenz und ohne zu unterscheiden:

Pflegebedürftige ohne kognitive Einschränkungen

Die körperlichen Einschränkungen der Pflegebedürftigen wirken sich auf alltägliche Abläufe aus. So sind sie zwar in einigen Situationen nicht ganz unselbstständig, aber trotzdem auf Hilfe angewiesen. Die Pflegebedürftigen können sich zum Beispiel mit Unterstützung vom Pflegedienst oder Angehörigen fortbewegen oder anziehen. Auch die Körperhygiene können sie teilweise selbstständig übernehmen. Pflegebedürftige die vorher in die Pflegstufe 2 eingestuft wurden, erhalten nun den Pflegegrad 3.

Pflegebedürftige mit kognitiven Einschränkungen

Vor der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade war es für demenzkranke Personen mit wenig körperlichen Einschränkungen schwierig, eine höhere Pflegebedürftigkeit zu erreichen. Seit 2017 werden demenzkranke Pflegebedürftige mit Pflegestufe 1 sofort mit dem Pflegegrad 3 eingestuft. So bekommen sie mehr Leistungen, die auf deren Situation angepasst sind. Auch wenn sie körperlich nicht schwer eingeschränkt sind, bedarf es einer umfangreichen Betreuung durch die Auswirkungen der Demenz. Diese können zum Beispiel dazu führen, dass der Pflegebedürftige vergisst zu Essen und zu Trinken, was so kontinuierlich beobachtet werden muss.

Pflegegrad 3: Welche Leistungen stehen Ihnen zu?

Auch der Pflegegrad 3 beinhaltet keine eingeschränkten Leistungen - lediglich die Höhe der finanziellen Unterstützung variiert. Im Folgenden sind die verschiedenen Pflegeleistungen aufgelistet:

Pflegegeld und Pflegesachleistungen für Pflegegrad 3

Pflegegeld

Ist eine häusliche Pflege durch Angehörige oder Bekannte gegeben, kann diese mit bis zu 545 Euro pro Monat von der Pflegekasse unterstützt werden. Dabei gibt es keine Vorgaben, für welche Hilfsmittel die Pfleger das Geld benutzen sollen.

Pflegesachleistung

Bei der Pflegesachleistung handelt es sich um eine ambulante Pflege. Das heißt, Pflegebedürftige bekommen häusliche Unterstützung von gelernten Pflegekräften. Die Pflegekassen übernehmen dies mit einem Betrag von 1.298 pro Monat. Nimmt der Versicherte die Pflegesachleistung nicht ganz in Anspruch, zahlt die Pflegekasse teilweise das Pflegegeld aus.

Pflegegrad 3: Höhe des Betreuungs- und Entlastungsbeitrags

Pflegebedürftiger aller Pflegegrade und in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen einheitlichen Entlastungsbetrag. Dieser beträgt 125 Euro pro Monat und kann benutzt werden für zum Beispiel:

Merke

Wenn der Entlastungsbetrag im Kalenderjahr nicht aufgebraucht wurde, kann der Rest im darauffolgenden Jahr benutzt werden. Für die Kostenerstattung der Entlastungsleistungen müssen die Rechnungen bei der Pflegekasse eingereicht werden. Beantragt der Versicherte eine Abtretungserklärung, wird direkt über die Pflegeversicherung abgerechnet.

Pflegehilfsmittel für Pflegegrad 3

Damit auch die häusliche Pflege professionell gestaltet werden kann, benötigen Pfleger einige Hilfsmittel für den Alltag des Pflegebedürftigen. Hierbei sind zwei Arten von Hilfsmitteln zu unterscheiden:

Technische Pflegehilfsmittel

Dabei handelt es sich meistens um größere Hilfsmittel, die für eine Anschaffung zu teuer wären. Auf eine Ausleihung dieser Pflegehilfsmittel haben Versicherte Anspruch laut SGB XI § 40, müssen jedoch einen Eigenanteil von 10%, jedoch maximal 25 Euro leisten. Technische Pflegehilfsmittel sind zum Beispiel:

  • Rollstuhl
  • Badewannenlift
  • Prothesen

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

Bestimmte Pflegehilfsmittel, die tagtäglich verbraucht werden, können von der Pflegekasse mit 40 Euro pro Monat erstattet werden. Welche Hilfsmittel dies beinhaltet, zeigt das Pflegehilfsmittel-Verzeichnis. Hier sind einige Beispiele:

  • Bandagen
  • Gehhilfen
  • Inhalationsgeräte

Kostenübernahme bei Pflegegrad 3

Bei Kurzzeitpflege

Unter dem Begriff „Kurzzeitpflege“ versteht man eine kurzzeitige stationäre Behandlung eines Pflegebedürftigen. Dies kann unter anderem eine Reha-Maßnahme sein, aber auch Infektionen für die medizinische Hilfsmittel gebraucht wird. Die Kurzzeitpflege unterstützt die Pflegekasse mit 1.612 Euro und bis zu 56 Tagen pro Kalenderjahr.

Achtung

Zusätzlich können Versicherte einen Zuschuss von 3.224 Euro und bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege beantragen, wenn die Verhinderungspflege nicht genutzt wird. Außerdem bekommen sie die Hälfte des Pflegegeldes (450,50 Euro) ausgezahlt.

Bei der Verhinderungspflege

Auch eine häusliche Pflege von Angehörigen oder Bekannten ist möglich. Diese können jedoch nicht ohne Pause und Ausfälle ihre Zeit investieren und brauchen ab und an einen Ersatz. Falls dies für einen anstehenden Urlaub oder Arztbesuch benötigt wird, kann die Verhinderungspflege genutzt werden. Hier stellt die Pflegekasse eine Ersatzpflegeperson von einem Pflegedienst. Diese übernimmt die Pflege für den Zeitraum der Abwesenheit, damit der Pflegebedürftige trotzdem Unterstützung bekommt.

Die Pflegekassen steuern hier maximal 1.612 Euro für 42 Tage pro Kalenderjahr bei. Außerdem zahlt sie die Hälfte des Pflegegelds (272,50 Euro) während der Zeit aus.

Bei teilstationärer Pflege

Die teilstationäre Pflege ergänzt eine häusliche Pflege von Angehörigen sowie ehrenamtlichen Helfern und umfasst Tages- sowie Nachtpflege. Dies unterstützt die Pflegekasse mit bis zu 1.298 Euro pro Monat. Falls diese tagsüber nicht in der Lage sind, den Pflegebedürftigen zu unterstützen, kann dieser für die Zeit in ein Pflegeheim gebracht werden.

In der Nacht ist es ebenso nicht möglich, ständig auf Abruf zu sein und dadurch Schlafmangel zu riskieren. Dies kann gesundheitliche Folgen für den Pfleger haben, was sich folglich auch negativ auf den Pflegebedürftigen auswirkt.

Alle zetralen Leistungen finden Sie hier zusammengefasst:

Pflegegrad 3: Weitere Ansprüche im Überblick

Häusliche Pflege

Für die häusliche Pflege haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 einige Ansprüche, die von der Pflegekasse unterstützt werden. Einige Leistungen wurden bereits erwähnt, weitere gibt es wie folgt:

  1. Zuschuss für Wohnraumanpassung
  2. Förderung für Bewohner von Wohngruppen oder WGs
  3. Beratung und Beratungsbesuche
  4. Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Helfer

Wenn die Wohnung nicht behindertengerecht ist und umgebaut werden muss, bezuschusst dies die Pflegeversicherung einmalig mit bis zu 4.000 Euro. Wohnraumanpassungen können zum Beispiel ein barrierefreies Bad sein oder ein Treppenlift. Pflegebedürftige, die in einer Wohngruppe wohnen bekommen diesen Betrag ebenso. Bis zu vier pflegebedürftige Mitbewohner erhalten zusätzlich eine einmalige Zahlung von 2.500 Euro und monatlich 214 Euro für eine Organisationskraft.

Vollstationäre Pflege

Können sich Angehörige nicht um die pflegebedürftige Person kümmern, muss diese in einem Pflegeheim professionell betreut werden. Für die Pflegeheimkosten bekommen die Versicherten Unterstützung in Höhe von 1.262 Euro pro Monat. Diese Summe ist meist jedoch nicht ausreichend für eine Deckung der gesamten Kosten.

Daher ist müssen die Bewohner auch einen pflegebedingten Eigenanteil leisten, der sogenannte „einrichtungseinheitliche Eigenanteil“. Dieser ist für die Pflegegrade 2 bis 5 gleich.

Mehr Leistungen mit Pflegegrad 3

Der Pflegegrad 3 ist für demenzkranke Pflegebedürftige, die zuvor nur in die Pflegestufe 1 eingestuft wurden, eine Chance auf eine umfangreichere Grundpflege. Diese sind eine Erweiterung zur vorherigen Pflegestufe und bieten in Form von Entlastungsleistungen, Sachleistungen und Pflegeleistungen mehr Unterstützung für die kognitiven Einschränkungen der Person. Auch Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen können mit den Geldleistungen ausreichend versorgt werden.