Haarwäsche und Rasur in der Altenpflege: So funktioniert es

Haarwäsche und Rasur sind Bestandteile der Altenpflege. Beides trägt zum Wohlbefinden des Patienten bei und sollte ernst genommen werden.
Haarwäsche und Rasur in der Altenpflege: So funktioniert es
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Inhaltsverzeichnis

Wichtige Bestandteile der Körperpflege in der Altenpflege sind die Haarwäsche und die Rasur. Viele pflegebedürftige Personen können sich nicht mehr selber die Haare waschen oder den Bart rasieren, sodass geschultes Pflegepersonal das übernehmen muss. Beides ist etwas sehr Intimes, bei dem ein enger Kontakt zwischen Pfleger und Pflegebedürftigem besteht. 

Sowohl bei der Haarwäsche als auch bei der Rasur kann man viel falsch machen. Dies sollte aber niemanden davon abhalten, sich diesen Aufgaben zu verweigern. Schließlich ist alles erlernbar und ein pflegebedürftiger Mensch ist sehr dankbar, wenn sich ihm jemand annimmt und mit Geduld und Einfühlungsvermögen die Körperpflege übernimmt. 

Haarwäsche in der Altenpflege: Was muss beachtet werden?

Insbesondere bettlägerige Pflegebedürftige empfinden eine regelmäßige Haarwäsche als sehr angenehm. Durch das viele Liegen können die Haare verknoten oder liegen platt am Kopf an und werden strähnig. Doch auch Pflegepatienten, die nicht nur liegen, mögen das frische Gefühl am Kopf und die Gewissheit, keine fettigen Haare zu haben.

Am besten wird die Haarwäsche mit dem Duschen oder Baden verbunden. Falls das nicht möglich ist, kann sie auch im Bett durchgeführt werden. Dafür gibt es spezielle Haarwaschwannen, in die der Pflegepatient seinen Kopf legen kann. Der Pfleger kann dann mit einem Krug oder einem speziellen Wassersack mit Duschkopf, der im Fachhandel für Pflegeprodukte erhältlich ist, das Wasser über den Kopf des zu Pflegenden gießen. Von der Duschwanne geht ein Schlauch ab, über den das Wasser in einen bereitgestellten Eimer läuft.

it ein wenig Übung und der Unterstützung mehrerer Kissen sowie der richtigen Ausrichtung des Pflegebetts kann die Haarwaschwanne im Bett zwischen Matratze und dem Kopf des Pflegebedürftigen platziert werden. Tipp: Polstern Sie die Ausbuchtung der Haarwaschwanne mit einem Handtuch, da es sonst zu Schmerzen im Nackenbereich kommen kann. Falls Sie keine teure Wanne kaufen wollen, können Sie auch eine normale Waschschüssel verwenden. Die richtige Platzierung im Liegen erfordert ein wenig Übung, ist aber erlernbar. 

Körperpflege: 6 Tipps für die Haarwäsche

  1. Wenn Sie die Haare des Pflegebedürftigen im Bett waschen, sollten Sie das Bett gründlich mit Handtüchern abdecken, um zu verhindern, dass das Bett nass wird und ggf. eine Haarwaschwanne verwenden.
  2. Prüfen Sie die Temperatur des Wassers selber mit der Hand, bevor Sie es dem Pflegebedürftigen über den Kopf gießen. Fangen Sie langsam an und fragen Sie ihn, ob die Temperatur für ihn so in Ordnung ist. 
  3. Geben Sie dem Pflegepatienten beim Einarbeiten des Shampoos eine Kopfmassage. Das wird in der Regel als angenehm empfunden. 
  4. Trocknen Sie die Haare nach dem Waschen so schnell wie möglich, um zu vermeiden, dass sich der Pflegebedürftige erkältet oder friert.
  5. Frisieren Sie den Pflegepatienten so, wie er es gerne mag. Verzichten Sie bei bettlägerigen Patienten auf Haarnadeln, da diese durch den Druck auf den Kopf beim Liegen schmerzen oder sogar verletzen können. 
  6. Gewähren Sie dem frisch Frisierten einen Blick in den Spiegel, damit er sein Erscheinungsbild überprüfen kann. 

Kann der Pflegebedürftige noch in der Dusche sitzen, erleichtert das die Haarwäsche natürlich. Achten Sie in diesem Fall auf einen gut geheizten Raum und trocknen Sie die Haare des Patienten nach dem Duschen schnell ab, um Erkältungen zu vermeiden. Für das Waschen der Haare in der Dusche gelten dieselben Tipps wie für das Haarewaschen im Bett - es ist sogar weniger umständlich für Sie, wenn sich Körperpflege und Haarwäsche in der Dusche verbinden lassen. 

Respektieren Sie die Wünsche des Pflegebedürftigen

In der Regel ist es nicht nötig, die Haare des Pflegebedürftigen jeden Tag zu waschen. Wenn dies aber vor der Pflegebedürftigkeit seine Routine war und ihm frische Haare immer sehr wichtig waren, sollten Sie diese Routine aus Respekt - sofern möglich - beibehalten.

Frisieren Sie die Haare des Pflegebedürftigen nach seinen Wünschen. Kurzhaarfrisuren sind praktisch, aber nicht jeder mag das und das sollte auch berücksichtigt werden. Leidet der Patient unter Haarausfall, setzen Sie ihm (auf Wunsch) ruhig eine Mütze oder einen Hut auf, um die kahlen Stellen am Kopf zu verdecken.

Besonders ältere Frauen mögen es, gelegentlich von einem Frisör frisiert zu werden. Vereinbaren Sie für sie Termine für Frisörbesuche oder lassen Sie einen mobilen Frisör ins Haus kommen. Diesen können Sie auch einbestellen, wenn Sie selber mit der Haarwäsche in der Altenpflege überfordert sind.

Wenn der Pflegebedürftige noch selber etwas zur Haarwäsche beitragen kann, gewähren Sie ihm diese eigene Aktivität. Kann er sich beispielsweise noch selber die Haare kämmen, geben Sie ihm einen Kamm und halten Sie ihm einen Spiegel hin. Diese sogenannte aktivierende Pflege ist gut für das Selbstbewusstsein des zu Pflegenden und unterstützt zudem seine noch vorhandenen motorischen Funktionen. 

Rasur in der Altenpflege

Die Rasur bei Männern ist etwas, die für viele Pfleger erst einmal ungewohnt ist. Zu groß ist die Angst jemandem aus Versehen bei der Bartpflege mit dem Rasiermesser oder Rasierhobel ins Gesicht zu schneiden. Berücksichtigen Sie bei der Rasur wie auch bei der Haarwäsche die alten Angewohnheiten des zu Pflegenden. Trug er immer gerne Bart und hat sich nur die Kanten gestutzt, können Sie dies für ihn übernehmen. Hat er sich täglich glattrasiert mit Rasiermesser oder Rasierhobel und darauf immer viel Wert gelegt, sollten Sie dies wenn möglich beibehalten. 

Wenn pflegebedürftige Männer noch einige Schritte der Rasur oder Bartpflege selber ausführen können, wie zum Beispiel mit dem Rasierpinsel den Rasierschaum auf die Barthaare aufzutragen, dann lassen Sie sie das selber machen. Andernfalls können Sie das übernehmen. Achten Sie darauf, Kosmetikprodukte für Männer zu nutzen, die die Haut im Gesicht pflegen und gut riechen. 

Nassrasur oder elektrisch?

Hat sich der Pflegebedürftige immer elektrisch rasiert, können Sie das beibehalten. Bei der elektrischen Trockenrasur ist die Wahrscheinlichkeit geringer, jemanden zu schneiden als bei der Nassrasur. Außerdem geht sie schneller als die Nassrasur. Bei Patienten mit Parkinson oder einer Blutgerinnungsstörung sollten Sie diese Variante in jedem Fall wählen. 

Viele ältere Männer bevorzugen die Nassrasur. Sie erfordert mehr Übung vom Pfleger und dauert ein wenig länger. Während die Trockenrasur meist in etwa fünf Minuten oder weniger erledigt ist, werden für die Nassrasur mindestens 10 Minuten fällig. Beide Zeitangaben beziehen die anschließende Hautpflege mit ein. Rasieren Sie vorsichtig und ohne Druck und achten Sie darauf, möglichst immer eine scharfe, frische Klinge im Rasiermesser oder Rasierhobel zu benutzen. So reduzieren Sie die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen. 

Die Hautpflege nach der Rasur nicht vergessen

Pflegen Sie die Gesichtshaut nach der Rasur mit Rasierwasser. Wenn der Pflegepatient Bart trägt, können Sie die Barthaare nach dem Stutzen mit Bartöl pflegen. Die Bartpflege sollte an den alte Gewohnheiten des Pflegebedürftigen ausgerichtet werden. Insbesondere bei Ihren Angehörigen wissen sie ja, was diese früher mochten. 

Wenn der Pflegebedürftige noch eigenständig sitzen kann, können Sie die Rasur im Gesicht auch im Sitzen durchführen anstatt im Bett. Besprechen Sie mit Ihrem Patienten, was angenehmer für ihn ist. 

Altenpflege: Auch bei Frauen kann Rasur ein Thema sein

Auch bei Frauen kann das Thema Rasur in der Altenpflege präsent sein. Wünscht sich eine Frau eine Intimrasur, rasierte Achseln oder enthaarte Beine, sollten Sie als Pfleger diesem Wunsch möglichst nachkommen und mit einem Rasierer die Haare entfernen. Respektieren Sie dabei die Intimsphäre der Seniorin und lassen Sie den Rest des Körpers bedeckt, während Sie die gewünschten Stellen enthaaren. Eine Intimrasur kann auch aus hygienischen Gründen durchgeführt werden - sprechen Sie dafür am besten mit der Pflegebedürftigen.

Legen Sie vor der Rasur alles mit Handtüchern aus, um zu verhindern, dass das Bett nass wird, falls Sie die Rasur im Bett durchführen. Auch bei Frauen sollte die Pflege der Haut anschließend nicht vergessen werden. 

Unsicher mit Rasur oder Haarwäsche? Pflegekurs belegen hilft

Wer unsicher mit der Haarwäsche, Bartpflege, Hautpflege oder Rasur in der Altenpflege ist, kann einen Pflegekurs belegen. Dort gibt es wertvolle Tipps und Hilfestellungen zum Thema Körperpflege bei Männern und Frauen, die dann im Pflegealltag angewendet werden können. Entscheidend sind immer Verständnis, Geduld und Einfühlsamkeit. Fragen Sie sich selber, wie Sie gerne rasiert (etwa Trockenrasur oder Nassrasur) oder gewaschen werden würden und richten Sie Ihre Pflege bei anderen daran aus.