Dekubitusprophylaxe - Maßnahmen & Anwendung

Dekubitalgeschwüre sind ein ernstzunehmendes Thema in der Pflege.
Dekubitusprophylaxe - Maßnahmen & Anwendung
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Inhaltsverzeichnis

Innerhalb der letzten Jahre hat sich mit Blick auf die Dekubitusprophylaxe in der Pflege einiges getan. Studien des DNQP haben gezeigt, welche Hilfsmittel verstärkt verwendet und welche vermieden werden sollten. Nach wie vor spielen Dekubitalgeschwüre in der Pflege aber immer noch eine große Rolle. Begründet wird dies anhand unterschiedlicher Aspekte. Durch vermehrte Aufklärung zu diesem Thema konnten die Zahlen von Dekubituspatienten jedoch bereits deutlich gesenkt werden.

Das ultimative Ziel liegt aber darin, eine Pflege zu entwickeln, in der jeder Patient ausreichend Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommt. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass sich derartige Geschwüre nicht mehr bilden. 

Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Dekubitusprophylaxe spielt in der Pflege eine entscheidende Rolle. Allerdings ist sie sehr aufwändig und zeitintensiv, da der Patient in regelmäßigen und relativ kurzen Intervallen eine Behandlung durch das Pflegepersonal benötigt. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich kein Dekubitus bildet. Pflegekräfte werden immer mehr für das Thema sensibilisiert und geschult, sodass sie dem entgegenwirken können. 

Präambel zum Expertenstandard - Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Da druckgefährdete Personen in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens anzutreffen sind, richtet sich der vorliegende Expertenstandard an Altenpfleger/innen, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und –pfleger sowie an Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und –pfleger. Im Standard werden die Mitglieder der verschiedenen Pflegeberufe Berufsgruppen übergreifende als „Pflegefachkraft“ angesprochen. Für die druckgefährdeten Personen wurde das Begriffspaar „Patient/Betroffener“ gewählt, um den unterschiedlichen Zielgruppen soweit wie möglich gerecht zu werden.

Was ist ein Dekubitus?

Ist die Durchblutung von Haut und Gewebe nicht mehr ausreichend gegeben, entsteht ein Dekubitus. Hierbei handelt es sich um eine lokale Schädigung, die umgangssprachlich auch unter dem Begriff „wundliegen" bekannt ist. Bei einem Dekubitus handelt es sich um eine sehr schmerzhafte Wunde. Dementsprechend werden während der Behandlung nicht selten zahlreiche Schmerzmittel verabreicht. 

Die Behandlung eines Dekubitus nimmt viel Zeit in Anspruch und ist ebenfalls mit viel Aufwand verbunden. Ein Grund hierfür ist, dass sich die offenen Wunden häufig entzünden, da sie ein idealer Nährboden für Bakterien jeder Art sind. Wird keine ausreichende Behandlung vorgenommen, können schwerwiegende Infektionen die Folge sein. 

Wie entsteht ein Dekubitus?

Zu einem Dekubitus kommt es, wenn die Haut und das darunter liegende Gewebe nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Normalerweise nimmt der Mensch, sobald er in einer Sitz- oder Liegeposition einen Druck verspürt, eine Haltungsänderung vor. So wird sichergestellt, dass sein Körper ausreichend durchblutet wird und der Komfort erhalten bleibt. 

Handelt es sich aber um Menschen, die bewegungseingeschränkt sind, kann diese Positionsänderung unter Umständen nicht selbständig vorgenommen werden. Durch den andauernden Druck auf die gleiche Körperstelle wird sowohl die Sauerstoffzufuhr als auch die Durchblutung eingeschränkt. Dieser Umstand führt dazu, dass das Gewebe beginnt, abzusterben. 

Hinweis

In welchem Zeitfenster ein Dekubitus entstehen kann, lässt sich nicht pauschal festlegen. Hier spielen individuelle Faktoren eine entscheidende Rolle. 

Zu den drei Hauptursachen der Entstehung eines Dekubitus gehören:

  1. Druck: Hier kann häufig schon eine Unebenheit der Liegefläche, wie zum Beispiel eine Falte im Bettlaken, ausreichen
  2. Zeit: Beschreibt die Dauer des anhaltenden Drucks
  3. Disposition: Entspricht individuellen Risikofaktoren, wie zum Beispiel Fieber, Inkontinenz, Adipositas, Mangeldurchblutung oder Diabetes

Die Risikofaktoren, die die Entwicklung eines Dekubitus beeinflussen, sind in intrinsische und extrinsische Faktoren zu differenzieren. Die intrinsischen Faktoren beziehen sich auf den Patienten selbst. Die extrinsischen Faktoren können in den meisten Fällen von außen beeinflusst und dementsprechend reduziert oder gänzlich vermieden werden.

Intrinsische RisikofaktorenExtrinsische Risikofaktoren
Verminderte MobilitätMedikamente
Erhöhtes AlterVerbände / Sonden
Schlechter Ernährungszustand (sowohl adipös als auch mangelernährt)Katheter
Begleiterkrankung (z. B. Diabetes)Harte Auflagefläche
InfektionenLagerung / Lagerungstechnik
 Scherkräfte

Schweregrade eines Dekubitus

Der Schweregrad eines Dekubitus lässt sich in vier Stufen einteilen. Im Laufe der Zeit wurden unterschiedliche Gradeinteilungen entwickelt, die jedoch ähnliche Zustände beschreiben. Die unterschiedlichen Schweregrade beziehen sich zum einen auf die äußere Erscheinungsform des Dekubitus, zum anderen auf den Zustand von Haut und Gewebe.

Die Dekubitus Schweregrade:

  • Schweregrad I

Dieser beschreibt den Zustand der Haut, bei dem ausschließlich eine Rötung zu erkennen ist. Hierbei handelt es sich um das Anfangsstadium.

Haut oder Gewebe sind noch nicht schwerwiegend beschädigt, sondern vollständig intakt. Es handelt sich zu diesem Zeitpunkt lediglich um eine Reizung von Haut und Gewebe. Wird hier gehandelt, können weitere Schäden vermieden werden. Auffällig kann neben der Rotfärbung der Haut eine leichte lokale Verhärtung sowie erhöhte Temperatur der betroffenen Stelle sein. 

  • Schweregrad II

Dieser liegt vor, sobald sich ein Teil der Haut ablöst. Meist handelt es sich hierbei ausschließlich um die erste Hautschicht, die Epidermis. Teilweise kann sich der Dekubitus im zweiten Grad aber auch auf die zweite Hautschicht, die Dermis, ausweiten. Optisch entspricht dieses Stadium einer Blase oder Hautabschürfung. 

  • Schweregrad III

Dieser Grad eines Dekubitus lässt sich daran erkennen, dass alle Hautschichten abgestorben sind. Zusätzlich sind hier, je nach Fortschritt, auch schon Muskeln, Sehnen und Bänder betroffen. Im schlimmsten Fall dringt der Dekubitus bis zu einer Tiefe, an der er die Knochenhaut erreicht. Es handelt sich um eine offene Wunde, die für den Patienten sehr schmerzhaft ist.

  • Schweregrad IV

Dieser entspricht im Grunde genommen dem dritten Schweregrad. Der Unterschied liegt allerdings darin, dass der freiliegende Knochen, der nicht mehr von Haut, Muskeln, Sehnen oder Bändern geschützt wird, entzündet ist.

Hinweis

Einige Theoretiker ordnen das Absterben von Muskeln, Sehnen und Bändern dem vierten Schweregrad zu. 

Wie häufig tritt ein Dekubitus in der Pflege auf?

Obwohl es viele Methoden gibt, die Entstehung eines Dekubitus zu verhindern, treten sie innerhalb der Pflege häufig auf. Laut einiger Studien verlassen rund 13 % der Patienten das Krankenhaus oder die Langzeitpflege mit wundgelegenen Stellen. Wirft man einen Blick auf die älteren Patienten, steigt die Zahl rasant auf rund 30 %. Die Schweregrade der Wunden reichen hierbei von Grad I bis zu Grad IV. 

Tipp

Der Fingertest nach Philips bestimmt, ob es sich bei einer Rötung um einen beginnenden Dekubitus handelt. Wird eine gerötete Stelle nach Druck mit dem Finger hell, so handelt es sich nicht um einen Dekubitus. Nur wenn die Stelle rot bleibt, liegt Handlungsbedarf im Sinne der Dekubitusbehandlung vor.

Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe wurde entwickelt, um insbesondere Pflegekräften einen Rahmen an möglichen Vorgehensweisen zu bieten, mithilfe derer die Arbeit am Patienten mit Blick auf Druckgeschwüre erleichtert werden soll. Das Programm stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und soll unterstützend wirken. Es ist wichtig, dass trotz der entworfenen Vorgehensweisen individuell auf die speziellen Bedürfnisse des Patienten eingegangen wird. 

Der im Folgenden dargestellte Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe ist die endgültige Version, die von der Expertengruppe in Abstimmung mit der Lenkungsgruppe des DNQP nach der Konsensus-Konferenz erarbeitet wurde. Die vorgenommenen Änderungen beschränken sich auf Ergänzungenund Konkretisierungen, sie waren nicht substantieller Natur.

Expertenstandard "Dekubitusprophylaxe in der Pflege" (Auszug)

Deutsches Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege (DNQP)

Standardsaussage: 

„Jeder dekubitusgefährdete Patient/Betroffene erhält eine Prophylaxe, die die Entstehung eines Dekubitus verhindert." 

Begründung: 

„Ein Dekubitus gehört zu den gravierenden Gesundheitsrisiken hilfe- und pflegebedürftiger Patienten/Betroffener. Angesichts des vorhandenen Wissens über die weit gehenden Möglichkeiten der Verhinderung eines Dekubitus ist die Reduzierung auf ein Minimum anzustreben. Von herausragender Bedeutung ist, dass das Pflegefachpersonal systematische Risikoeinschätzung, Schulung von Patienten/Betroffenen, Bewegungsförderung, Druckreduzierung und die Kontinuität prophylaktischer Maßnahmen gewährleistet.“

Entstehung des Expertenstandards

Der Expertenstandard basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse der nationalen und internationalen Fachliteratur – vorrangig wurden randomisierte kontrollierte Studien recherchiert – sowie der Praxisexpertise der Mitglieder der Expertengruppe. In der Standardaussage und in Ergebniskriterium 7 wird die Verhinderung eines Dekubitus als zentrales Ziel formuliert, da der Entstehung eines Dekubitus in der Regel entgegengewirkt werden kann.

Dennoch ist zu konstatieren, dass dieses Ziel nicht bei allen Personengruppen erreichbar ist. Einschränkungen bestehen für Personengruppen, bei denen die gesundheitliche Situation gegen eine konsequente Anwendung der erforderlichen prophylaktischen Maßnahmen spricht (z.B. bei lebensbedrohlichen Zuständen), eine andere Prioritätensetzung erfordert (Menschen in der Terminalphase ihres Lebens) oder eine Wirkung der prophylaktischen Maßnahmen verhindert (z.B. gravierende Störungen der Durchblutung, auch unter Einnahme zentralisierender Medikamente). 

Die inhaltliche und formale Gestaltung des vorliegenden Standards (kurze eindeutige Standardaussagen, inhaltliche Begründungen, messbare Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien) orientieren sich an der international bewährten Struktur, die auch im europäischen Netzwerk angewandt wird.

Die Auswahl der Schwerpunkte ist auf zentrale Aspekte ausgerichtet, um den Standard vor einer Überfrachtung mit allgemeinen Aussagen, wie „regelmäßige Fortbildung veranstalten“, „Pflegemaßnahmen dokumentieren“, „Pflegeprozess anwenden“, zu bewahren.

Zielsetzung des Expertenstandards Dekubitusprophylaxe

Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Beitrag zur Aufklärung der Entstehung und der Prophylaxe von Dekubitalgeschwüren zu leisten. Pflegeprozesse sollen anhand dieses Vorgehens optimiert werden. Nach ihrem erfolgreichen Beitrag im Jahr 2000 wurden 2010 und 2017 weitere Überarbeitungen und Optimierungen im System vorgenommen. Das Ziel dieses Programms liegt darin, eine moderne und wissenschaftlich fundierte Pflege zu entwickeln, die von jeder Pflegekraft garantiert werden kann. 

Hinweis

Schätzungen zufolge stehen den rund 400.000 Patienten mit Druckgeschwüren Kosten von ein bis zwei Milliarden Euro gegenüber. 

Dank der enormen Qualitätsentwicklung des Pflegeprozesses wurde die Zahl an Personen mit einem behandlungsbedürftigen Dekubitus in den letzten Jahren schon deutlich gesenkt. Ein Grund hierfür liegt unter anderem in der Aufklärung über die Verwendung von Hilfsmitteln bei der Lagerung. Felle wurden beispielsweise komplett aus diesem Sortiment gestrichen. 

Grundlage einer an individuellen Patienten-/Betroffenen-Bedürfnissen orientierte Pflege sind vor allem die

  • theoriegeleitete Anwendung der Pflegeprozessmethode einschließlich der Bewertung des Pflegeerfolges;
  • Orientierung an körperlichen, psychischen, sozialen, seelischen und spirituellen Bedürfnissen der Patienten/Betroffenen;
  • Aussagekräftige Dokumentation des Pflegeprozesses als wichtige Datenquelle für die Qualitätsmessung;
  • Zusammenarbeit mit den anderen Gesundheitsfachberufen.

Schwerpunkte des Expertenstandards Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Der Expertenstandard zielt in erster Linie auf hervorragende Schulungen und Ausbildungen der Pflegekräfte ab. Eine fortlaufende Qualitätsentwicklung und -sicherstellung bilden die Basis des Expertenstandard. Es soll ein Pflegeprozess vorgestellt werden, durch den es ermöglicht wird, jedem Patienten bestmögliche Chancen auf Genesung zu bieten. Durch die vom DNQP empfohlene Vorgehensweise der Therapie soll die Anzahl behandlungsbedürftiger Druckgeschwüre minimiert werden. 

Durch die Arbeit dieser Vereinigung werden insbesondere Pflegekräfte für die Thematik und die damit verbundenen Risiken von Dekubitalgeschwüren sensibilisiert. Der bewusstere Umgang mit diesem Problem führt letztlich dazu, dass die Arbeit am Patienten noch professioneller und zielgerichteter durchgeführt wird. So kann den Bildungen von Dekubitus entgegengewirkt werden.

Anwendung des Expertenstandards Dekubitusprophylaxe: Risikoeinschätzung

Das Programm des Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe ist ein Prozess in sechs Schritten. Zu Beginn steht die Risikoeinschätzung. Hier soll das Pflegepersonal das individuelle Dekubitusrisiko einschätzen. Diese Einschätzung findet anhand unterschiedlicher Parameter statt. So spielen zum Beispiel die Dauer und die Stärke der zu erwartenden Belastung des Gewebes eine wichtige Rolle. Diese ist in den meisten Fällen der ausschlaggebende Faktor für die Ausbildung eines Druckgeschwürs.

Aber auch individuelle Faktoren werden berücksichtigt. Manche Patienten leiden aufgrund ihrer Genetik an einem höheren Dekubitusrisiko. Verantwortlich hierfür ist die individuelle Gewebsstruktur, sowie die allgemeine Anatomie. Auch der Heilungsprozess des Körpers läuft bei jedem Patienten unterschiedlich ab und hat dementsprechend einen großen Einfluss auf die Entwicklung eines Dekubitus. 

Weitere Faktoren der Risikoeinschätzung:

  • Mobilität 
  • Durchblutung 
  • Allgemeine Gesundheit

Hinweis:

Kann nach der ersten ausführlichen Risikoeinschätzung die Ausbildung eines Druckgeschwürs ausgeschlossen werden, werden keine präventiven Maßnahmen ergriffen. Kann ein Risiko aber nicht vollständig negiert werden, findet die Einleitung präventiver Maßnahmen statt. 

Die zweite Ebene des Expertenstandards Dekubitusprophylaxe

Die zweite Ebene des sechsstufigen Prozesses beschäftigt sich mit der Planung und Steuerung der Behandlung. In diesem Bereich liegt die Verantwortung der Abwicklung insbesondere bei der Einrichtung. Es gilt, einen Behandlungsplan vorzulegen, aus dem das weitere Vorgehen und die Therapiemaßnahmen sowie -ziele des Patienten deutlich werden.

Weiterhin müssen in diesem Schritt die entsprechenden Verantwortungen der Behandlungsbereiche geklärt werden, sodass klar ist, welcher Mitarbeiter für welchen Teil der Therapie verantwortlich ist. Die Planung der Maßnahmen sollte gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden. Der Betreffende sollte in keinem Fall im Unwissen gelassen werden. 

Die dritte Ebene des Expertenstandards Dekubitusprophylaxe

Um sicherzustellen, dass sowohl der Patient als auch seine Angehörigen über die Umstände der Therapie und über Prophylaxemaßnahmen aufgeklärt sind, agiert das Pflegepersonal im dritten Schritt des Expertenstandards in aufklärender Funktion. Das Material zur Aufklärung wird von der Einrichtung bereitgestellt.

Insbesondere die Angehörigen werden dazu befähigt, prophylaktische Maßnahmen durchzuführen oder zu unterstützen. Das Ziel dieser Ebene liegt darin, die Betroffenen ausführlich über das Risiko aufzuklären und sicherzustellen, dass dieses von allen Seiten erkannt wurde. Auch die Benutzung von Hilfsmitteln wird besprochen.

Der Expertenstandard innerhalb der Dekubitusprophylaxe sieht die Förderung der Eigenbewegung vor. Diese kann durch unterschiedliche Herangehensweisen erreicht werden. Sofern der Patient mobil ist, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass er sich so viel wie möglich selbst bewegt, um die Durchblutung des Körpers auf Tour zu halten und das Dekubitusrisiko möglichst gering zu halten. Sollte seitens des Patienten keine ausreichende Mobilität vorliegen, ist es umso wichtiger darauf zu achten, dass regelmäßige Druckentlastungen durchgeführt werden. 

Hinweis

Je geringer die eigene Mobilität, umso höher ist das Dekubitusrisiko. Je höher das Risiko eingestuft wird, umso höher sollte die Frequenz der Lagerung sein. 

Auch eine adäquate Heranführung an die entsprechenden Hilfsmittel gilt es durch das Pflegepersonal zu gewährleisten. Hilfsmittel sollten immer individuell betrachtet und an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Bei Dekubituspatienten werden in erster Linie geeignete Unterlagen in den Blick genommen, um ihre Lagerung so angenehm wie möglich zu gestalten. 

Als letzte Ebene sieht der Expertenstandard die Beurteilung der Effektivität der durchgeführten Behandlungsmaßnahmen vor. Die Ausbildung bzw. Nicht-Ausbildung eines Dekubitusgeschwürs gilt hier als zentrales Ergebniskriterium. Es ist wichtig, dass den Mitarbeitern eine Rückmeldung über die Ergebnisse gegeben wird, sodass sie wissen, inwiefern die durchgeführten Maßnahmen erfolgsbringend waren oder nicht. 

Die Rolle der Pflege-Einrichtungen beim Expertenstandard Dekubitusprophylaxe

Die Rolle der Einrichtung hat sich mit Blick auf die Dekubitusprophylaxe deutlich verändert. Seit der Programmänderung von 2017 kommen der Einrichtung deutlich mehr Aufgaben zu, als es zuvor der Fall war. In erster Linie wird die Einrichtung durch den DNQP für die Hilfsmittelversorgung zur Verantwortung gezogen. Es ist Aufgabe der Einrichtung sicherzustellen, dass den Pflegekräften alle entsprechenden Materialien zur Verfügung stehen, um individuelle und adäquate Behandlungen der Patienten durchzuführen. 

Implementierung des Expertenstandards

Zur Implementierung des Standards bedarf es der gemeinsamen Anstrengung der Gesundheitseinrichtungen (leitende Managementebene: Pflegemanagement und Betriebsleitung) und der Pflegefachkräfte. Die Managementebene trägt die Verantwortung für die Bereitstellung von Wissen sowie für die Bereitstellung von Hilfsmitteln und Materialien. Pflegefachkräfte tragen die Verantwortung für den Erwerb von Wissen und die Umsetzung der Standards im klinischen Alltag. Die Reduktion der Dekubitusinzidenz ist mit der gemeinsamen Beteiligung aller Akteure zu erreichen.

Fragebogen: Audit Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege"

Der folgende Fragebogen dient zur Analyse der derzeitigen Pflegequalität und begleitet die Umsetzung des Expertenstandards zur Dekubitusprophylaxe in der Pflege.

Maßnahmen der Dekubitusprophylaxe: Wie wird ein Dekubitus verhindert?

Dass ein Dekubitus entsteht, kann unterschiedliche Gründe haben. Während sich die intrinsischen Faktoren nicht beeinflussen lassen, kann auf die extrinsischen Faktoren Einfluss genommen werden. Hierdurch kann eine Dekubitusbildung unter Umständen verhindert werden. Die Prophylaxe ist in erster Linie Aufgabe des Pflegepersonals und kann innerhalb des Pflegeprozesses durch unterschiedliche Maßnahmen geleistet werden.

Druckentlastung & Lagerung bei der Dekubitusprophylaxe

Bei der Druckentlastung bzw. Lagerung eines Patienten ist auf unterschiedliche Faktoren zu achten. Erst einmal ist es von enormer Bedeutung, dass keine pauschale Angabe über die Lagerungsintervalle gemacht werden kann. Diese sind individuell von dem Patienten abhängig. Während einige Patienten eine sehr häufige Umlagerung benötigen, muss sie bei anderen weniger häufig vorgenommen werden. 

Wie häufig eine Umlagerung vorgenommen werden sollte, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: 

  • Individuelles Dekubitusrisiko 
  • Therapeutische und pflegerische Ziele
  • Individuelle Möglichkeiten und Eigenbewegung des Patienten

Hinweis

Durch eine Umlagerung wird eine Druckentlastung an bestimmten Körperstellen vorgenommen, wodurch die Entstehung eines Dekubitus verhindert werden soll. 

Auch die Art der Lagerung muss individuell an den Betroffenen angepasst werden. 

  • 90°-Lagerung

Die 90°-Lagerung, welche in der Vergangenheit als häufigste Variante Anwendung gefunden hat, gilt heute als veraltet und wird nicht mehr praktiziert. Nach heutigen Erkenntnissen lastet bei dieser Lagerungsform zu viel Druck auf dem Oberschenkelknochen. Dadurch wird das Risiko eines Dekubitus eher erhöht anstatt gesenkt.

  • 30°-Lagerung

Stattdessen hat sich vermehrt die 30°-Lagerung durchgesetzt. Bei dieser Form der Lagerung befindet sich der Patient in Rückenlage. Hierdurch wird sie für die meisten Betroffenen als die angenehmste Variante wahrgenommen. Druckstellen werden mithilfe der 30-Grad-Schräglagerung bestmöglich vermieden.

  • 135°-Lagerung

Als Alternative zur 30°-Lagerung dient die 135°-Lagerung. Hier liegt der Patient halb auf der Seite, halb auf dem Bauch. Diese Position bietet sich besonders an, wenn sich am Rücken oder dem Steiß bereits Dekubitusgeschwüre gebildet haben. Diese Körperstellen werden durch die 135°-Lagerung komplett entlastet. 

Mobilisation bei der Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Um die Bildung eines Dekubitus zu verhindern, ist neben der Lagerung auf eine ausreichende Mobilisation zu achten. Da Dekubituspatienten in ihren Bewegungsmöglichkeiten häufig sehr eingeschränkt sind, muss diese Maßnahme unbedingt vom Pflegepersonal betreut werden. Nicht selten ist bei einer Mobilisation eine zweite Pflegekraft heranzuziehen, da eine ausreichende Sicherung sonst nicht gewährt werden kann. 

Unterschiedliche Möglichkeiten der Mobilisation: 

  • Sitzen an der Bettkante
  • Sitzen im Rollstuhl oder auf dem Stuhl 
  • Gehen und Stehen, wenn es der körperliche Zustand des Patienten zulässt (bringt auch den Kreislauf in Schwung)
  • Passive & aktive Bewegungsübungen 

Wichtig

Auch geistige Mobilisation spielt für die Gesundheit eine große Rolle. Es sollte sichergestellt werden, dass jeder Patient, soweit es möglich ist, auch geistig gefordert und gefördert wird. 

Worauf ist bei der Hautpflege in der Dekubitusprophylaxe zu achten?

Dass insbesondere ältere Menschen an Dekubitusgeschwüren leiden, hängt auch mit dem Zustand der Haut zusammen. Junge und elastische Haut ist weniger anfällig für die Entwicklung eines Dekubitus. Bei älteren Menschen ist der Flüssigkeitshaushalt häufig nicht mehr so ausgeglichen wie der eines jungen Menschen. Dies hat zur Folge, dass die Haut trocken und spröde wird. 

Bezüglich der Körperpflege von Pflegepatienten sollten einige Faktoren berücksichtigt werden:

  1. Um die Ausbildung eines Dekubitus zu verhindern oder hinauszuzögern, sollten tägliche Waschungen des Patienten vermieden werden. Diese greifen den natürlichen Schutzfilm der Haut an.
  2. Zur Verwendung sollte möglichst kühles Wasser ohne Waschzusätze herangezogen werden. 
  3. Sollten Waschzusätze nicht vermieden werden können, sollte es sich dabei in jedem Fall um pH-neutrale Substanzen oder Wasser-in-Öl Substanzen handeln. Diese greifen die Hautbarriere nicht an. 

Hinweis

Alkoholische Produkte, Zinksalben, Produkte mit Quecksilber sowie fettige Cremes und Salben sollten bei Behandlungen unbedingt außen vor gelassen werden. Sie wirken auf die Haut eher schädigend als pflegend. 

Die Rolle der Ernährung zur Verhinderung eines Dekubitus

Eine ausgewogene Ernährung ist kein Garant für die Verhinderung eines Dekubitus. Allerdings hat sie Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand des Menschen und dementsprechend Auswirkungen auf die Verfassung des gesamten Körpers. Es sollte immer sichergestellt sein, dass der Patient im Stande ist, seinem Körper ausreichend Nährstoffe zuzuführen. Kann dies seitens des Patienten nicht gewährleistet werden, werden Nahrungsergänzungsmittel empfohlen. 

Ein besonderer Fokus sollte hier auf Vitaminen und Mineralstoffen wie Zink und Magnesium sowie auf der Zufuhr von Eiweißen liegen. Der Grund hierfür liegt in der Funktion von Eiweißen. Sie fördern den Wundheilungsprozess. Vitamine haben mit Blick auf den Körper unter anderem die Aufgabe, die Funktion der Haut zu gewährleisten. 

Zu der Ernährung gehört neben der festen Nahrung aber auch die Flüssigkeitszufuhr. Durch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wird sichergestellt, dass die Haut elastisch bleibt. Davon abgesehen kann eine schlechte Durchblutung Folge von Dehydration sein, welche dementsprechend im Sinne der Dekubitusprophylaxe vermieden werden muss. Sollte es dem Patienten schwerfallen, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, können zum Beispiel Suppen unterstützend wirken.

Fazit

Auch wenn die Ernährung die Entwicklung eines Dekubitus nicht gänzlich verhindert, kann sie Auswirkungen auf die Bildung von Dekubitalgeschwüren haben. 

Hilfsmittel für die Dekubitusprophylaxe

Mit Blick auf Hilfsmittel für die Dekubitusprophylaxe ist es wichtig, darauf zu achten, dass sie individuell auf die Bedürfnisse des Pflegepatienten angepasst sein müssen. Ihre Verwendung geht außerdem mit den individuellen Therapie- und Pflegezielen einher. Das Ziel aller Hilfsmittel liegt in der Druckentlastung von dekubitusanfälligen oder bereits befallenen Körperstellen. Die meisten Hilfsmittel dienen unterstützend für die Druckverteilung des Patienten. In den meisten Fällen werden Hilfsmittel seitens der Kranken- oder Pflegekasse bezuschusst oder vollständig bezahlt. 

Typische Hilfsmittel für die Dekubitusprophylaxe: 

  • Weichlagerungssysteme: Das Ziel von Weichlagerungssystemen liegt in der Vergrößerung der Auflagefläche des Körpers. Dementsprechend soll sich der Druck besser verteilen.
  • Wechseldrucksysteme: Bei Wechseldrucksystemen handelt es sich um Matratzen mit Luftpolstern. In regelmäßigen Intervallen werden die Kammern mit Luft gefüllt oder teilweise entleert. So wird der Prozess der Druckverteilung automatisiert, wodurch die Druckbelastung des Körpers in regelmäßigen Abständen verändert wird.
  • Micro-Stimulations-Systeme: Dieses System nimmt den kleinsten Bewegungsimpuls des Pflegepatienten auf und gibt diesen als den gleichen Impuls zurück. Durch den zurückgegebenen Impuls wird der Patient minimal bewegt und der Druck neu verteilt. 
  • Dekubitus Salbe: Schützt die Haut, verstopft aber nicht die Poren. 
  • Dekubitus Matratze: Hierzu gehören die Weichlagerungs- und Wechseldrucksysteme.
  • Dekubitus Kissen / Sitzkissen: Das Kissen dient insbesondere dazu, bei langem Sitzen den Druck auf die Oberschenken und das Gesäß zu reduzieren.

Ungeeignete Hilfsmittel für die Dekubitusprophylaxe sind unter anderem:

  • Felle
  • Wasserkissen
  • Watteverbände
  • Gummiringe
  • Fettige Cremes 

Was müssen Angehörige bei der Dekubitusprophylaxe beachten?

Im Grunde sollten Angehörige bei der Dekubitusprophylaxe die gleichen Aspekte beachten wie die Pflegekräfte. Allerdings sollte immer sichergestellt sein, dass bei den Maßnahmen niemandem geschadet wird. Falsche Lagerungstechniken können, insbesondere für die Person, die die Lagerung durchführt, auf Dauer gesundheitsschädlich sein. Begründen lässt sich dies mit der etwaigen falschen Belastung des Körpers, insbesondere des Rückens. 

Handelt es sich um eine pflegebedürftige Person zu Hause, ist es unbedingt empfehlenswert, sich professionellen Rat zu holen. Es ist wichtig, zu lernen, wie die Lagerungen korrekt durchgeführt werden. Befindet sich der Patient im Krankenhaus oder im Pflegeheim sollten die Angehörigen auf jeden Fall unterstützend wirken und den Patienten bekräftigen, sowohl die Lagerung zur Druckverteilung als auch die Maßnahmen zur Mobilisation durchzuführen zu lassen.

Ferner sollten sich Angehörige insbesondere um das seelische Wohl des Betroffenen bemühen. Es ist wichtig, dass der Kontakt mit der Familie und weiteren Angehörigen bestehen bleibt, auch wenn dem Patienten die Situation möglicherweise unangenehm ist. Auch sollte unterstützend auf Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, da hier nicht selten der Anfang eines Dekubitus liegt. 

Tipp

Inwiefern Angehörige weiterhin bei der Dekubitusprophylaxe tätig sein können, lässt sich durch ein Gespräch mit entsprechendem Pflegepersonal herausfinden.

Rolle der Expertenstandards zu Dekubitusprophylaxe

Die Dekubitusprophylaxe spielt innerhalb der Pflege eine größere Rolle als je zuvor. Immer mehr Studien der DNQP beschäftigen sich mit der Thematik und verfolgen das Ziel, die Qualitätsentwicklung voranzutreiben. Da die Bildung eines Dekubitus aber nicht nur von externen, sondern auch von internen Faktoren abhängt, lassen sie sich nicht gänzlich vermeiden. Die Pflegekräfte und Angehörigen weiterhin zu sensibilisieren, sollte an erster Stelle stehen, sodass schmerzhaften Dekubitalgeschwüren bestmöglich entgegengewirkt werden kann.