Schluss mit dem Alleinsein

So knüpfen Sie soziale Kontakte im Alter
Schluss mit dem Alleinsein
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Einsamkeit ist ein Thema, das viele ältere Menschen betrifft. 40 Prozent von ihnen leben alleine. Soziale Kontakte werden im Alter immer weniger und viele Senioren kommen damit nicht gut zurecht.

Die Rollen, die sie jahrelang in ihrem Leben innehatten wie zum Beispiel die der Eltern, des Berufstätigen oder leider auch sogar die des Partners brechen weg, wenn die Kinder aus dem Haus sind, die Rente den Lebensunterhalt sichert und der Partner vielleicht schon gestorben ist.

Auch der Bekanntenkreis wird bei den meisten älteren Menschen immer kleiner und viele tun sich schwer damit, neue soziale Kontakte zu knüpfen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie auch neue Bekanntschaften entstehen können und die einsamen Tage mit mehr Leben gefüllt werden können. 

Was sind häufige Gründe für mangelnde soziale Kontakte im Alter? 

Durch den Wegfall der eigenen Rollen und der zunehmenden Inflexibilität, die viele Menschen im Alter ereilt, wird es für Senioren immer schwerer, neue Kontakte zu knüpfen. Hinzu kommt dann noch erschwerend die eigene körperliche Gesundheit, die in der Regel schlechter statt besser wird und für weitere Einschränkungen sorgt: 

  • Die Beweglichkeit wird weniger. Es fällt immer schwerer, das Haus zu verlassen. 
  • Die Seh- und Hörfähigkeit nimmt ab, was vielen Menschen unangenehm ist, wenn sie unter Leuten sind. 
  • Die Leistungsfähigkeit wird geringer, nicht nur körperlich, sondern auch mental.
  • Krankheiten werden mehr.

Wenn dann noch Familienangehörige oder Bekannte weit weg wohnen oder jemand möglicherweise aufgrund von Verlust bzw. Tod keine Familie mehr hat, ist Einsamkeit vorprogrammiert. Laut verschiedener Studien liegen die Zahlen der Senioren, die über Einsamkeit klagen, zwischen fünf und zwanzig Prozent. Frauen und Männer sind dabei gleichermaßen betroffen, so Wissenschaftler. 

Einsamkeit ist dabei nicht nur an das Alleinwohnen geknüpft, sondern insbesondere an das umgebende soziale Netz. Ist dies nicht vorhanden, steigt der Leidensdruck. Frauen haben im Alter im Schnitt ein größeres soziales Netz als Männer, sie genießen es auch, sich einfach nur so zum Plaudern, ohne große Gruppenaktivitäten zu treffen. Viele Männer mögen das weniger. Für sie sollte sozialer Umgang auch mit einer gemeinsamen Aktivität verknüpft sein. 

Kann Isolation krank machen?

Nicht nur eine gute Ernährung sowie Sport stehen im Verdacht, das Altern zu verlangsamen und zu mehr Wohlbefinden im Alter beizutragen. Es ist ebenfalls wissenschaftlich erwiesen, dass sich soziale Kontakte im Alter positiv auf die Gesundheit von Männern und Frauen auswirken.

Sozial isolierte Personen haben ein höheres Risiko für:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Infektionskrankheiten
  • Erhöhter Blutdruck
  • Probleme mit der Blutgerinnung
  • Erhöhte Entzündungswerte im Körper

Während das Gefühl der Einsamkeit noch nicht zwingend zu gesundheitlichen Verschlechterungen führt, tut es die tatsächliche soziale Isolation schon. Die Lebenserwartung sinkt.

Soziale Beziehungen sind gut für die Gesundheit 

So hat eine Londoner Langzeitstudie hervorgebracht, dass erhöhte soziale Kontakte im Alter ab 60 Jahren dazu führen können, dass eine mögliche Demenz erst später oder gar nicht entwickelt wird. Wer im Alter von 60 Jahren fast täglich Freunde trifft, erkrankt um 12 Prozent weniger wahrscheinlich an Demenz als jemand, der nur alle ein oder zwei Monate Freunde sieht - so die Studie. Auch Schlaganfall-Patienten kommen besser mit kognitiven Einschränkungen durch den Schlaganfall zurecht, wenn sie sozialen Gruppen angehören.

Soziales Engagement fördert das kognitive Denken, die Sprache, die motorischen Fähigkeiten und hilft dabei, kognitive Reserven zu entwickeln. Zwar wird das Gehirn dadurch nicht davon abgehalten, sich zu verändern, dennoch kann diese Entwicklung dadurch verzögert werden und die Menschen lernen, besser mit den Zeichen der Zeit umzugehen.

Auch vor Herzinfarkten oder Grippeinfektionen können soziale Kontakte schützen, wie Wissenschaftler und Forscher herausgefunden haben. Durch den Umgang mit Freunden und anderen Menschen werden Glückshormone ausgeschüttet, die sich positiv auf das Immunsystem auswirken. 

Freundschaften statt Medikamente 

Menschen sind soziale Wesen und leben nicht gerne in Isolation. Über den Umgang mit anderen formen sich das eigene Identitätsgefühl sowie die Verortung in der Gesellschaft beziehungsweise in einer Gruppe. Fällt dies weg, wächst das Risiko für Depressionen, so Psychologen.  

Die Gesellschaft anderer Leute und Freundschaften können sogar besser wirken als Medizin, so eine Forscherin aus Neuseeland. Sie sagt: Soziale Kontakte sind unterhaltsam, machen Spaß, haben weniger Nebenwirkungen und sind günstiger als Medikamente – sie sollten verstärkt als Lösungen für Krankheiten im Alter angesehen werden und nicht nur die Pharmaprodukte.

10 Möglichkeiten, um neue soziale Kontakte im Alter zu knüpfen 

Um im Alter neue Sozialkontakte zu knüpfen, müssen Sie selber aktiv werden. Nur mit dem eigenen Willen etwas verändern zu wollen, können Sie tatsächlich mehr Schwung in Ihren Alltag bringen:

  1. Schließen Sie sich Wandergruppen an, wenn es die Gesundheit noch zulässt.
  2. Halten Sie Ausschau nach Vereinen, die Sie interessieren und machen Sie Schluss mit dem Alleinsein.  
  3. Besuchen Sie Senioren-Kontaktbörsen im Internet. Dort werden nicht nur Partnerschaften gesucht, sondern auch Gesprächspartner oder Begleiter beim Spazierengehen.
  4. Lesen Sie die Tageszeitung Ihres Ortes und schauen Sie, welche Angebote es für Freizeitaktivitäten gibt. Auch Partner werden immer noch über Annoncen in Zeitungen gesucht. 
  5. Über Seniorenzentren und soziale Einrichtungen wie zum Beispiel die Diakonie oder die Caritas können Angebote wie zum Beispiel Senioren-Cafés, Lesezirkel oder gemeinsames Singen wahrgenommen werden.
  6. Kirchliche Gemeinden bieten ebenfalls regelmäßig Angebote an, denen Jung und Alt beiwohnen können.
  7. Besuchen Sie Senioren-Tagesstätten. Dort können Sie an Aktivitäten teilnehmen, essen und werden von professionellen Pflegekräften unterstützt.
  8. Engagieren Sie sich selber für ein Ehrenamt. So fühlen Sie sich nicht nur weniger einsam, sondern auch wieder „gebraucht“. Mit dem Eintritt in die Rente geht dieses Gefühl bei vielen Senioren verloren.
  9. Besuchen Sie Vorlesungen an der Universität. Als Gasthörer können Sie dort ihren Interessen nachgehen und auch mit jüngeren Leuten in Kontakt kommen.
  10. Suchen Sie sich Hobbies, die Sie verfolgen. Ob Senioren-Sport, Yoga oder das wöchentliche Singen im Chor – feste Termine strukturieren Ihre Woche und der Kontakt mit anderen tut gut.

Auch wenn das Angebot für Senioren in der Stadt größer ist, gibt es auch auf dem Land die Möglichkeit, sich in Netzwerke zu integrieren, Vereine zu besuchen und an Veranstaltungen und Aktivitäten teilzunehmen. Entscheidend ist die eigene Bereitschaft, die gegeben sein muss, um den ersten Schritt zu machen.

So ist es zum Beispiel möglich, auch einfach nur mal den Nachbarn anzusprechen, den man schon länger sympathisch findet und ihn nach einem gemeinsamen Spaziergang zu fragen. Dafür braucht es weder moderne Technik, noch Zuschriften in Zeitungen, noch die Auseinandersetzung mit einem Verein oder einer großen Gruppe, sondern einfach nur ein wenig Mut. Gruppenaktivitäten sind schließlich nicht für jeden geeignet, manche Menschen mögen lieber den Austausch zu zweit.

Wie kann man der Einsamkeit entgehen?

Hilfsmittel nutzen: Wenn die Vermeidung von Sozialkontakten darin begründet liegt, dass jemand nicht mehr so gut hört, dann lässt sich das mit einem Hörgerät recht leicht beheben. Falsche Scham sollte nicht der Grund dafür sein, sozial zu vereinsamen. Schließlich plagen die meisten Senioren einige Zipperlein, sodass man sich möglicherweise aufgehobener fühlt als man denkt.

Fahrdienste nutzen: Auch Fahrdienste können helfen, Mobilitätseinschränkungen zu überbrücken. Pflegepersonen können solche Angebote organisieren.

Besucherdienste in Anspruch nehmen: Wer seine Wohnung gar nicht mehr verlassen kann, kann Besucherdienste in Anspruch nehmen. Dabei kommen meist ehrenamtliche Helfer  nach Hause und leisten Gesellschaft, lesen vor oder unterhalten sich mit den Pflegebedürftigen. Dafür ist es wichtig, dass die Chemie zwischen Besucher und Besuchtem stimmt – viele Senioren sind zunächst skeptisch bezüglich solcher Angebote.

Integrative Wohngemeinschaften nutzen: Integrative Wohngemeinschaften sind eine weitere Möglichkeit, neue soziale Kontakte zu knüpfen und weniger alleine zu sein. Senioren-WGs, betreutes Wohnen oder auch integrative Wohngemeinschaften, bei denen zum Beispiel eine junge Studentin bei einer älteren Dame wohnt, sind Möglichkeiten, soziale Kontakte zu pflegen und für mehr Gemeinschaft zu sorgen.

Weniger einsam mit einem Haustier 

Um sich weniger alleine zu fühlen und eine zusätzliche Beschäftigung zu haben, bietet sich auch die Anschaffung eines Haustiers an. Ein Hund ist optimal, da er auch dazu führt, dass sein Herrchen drei Mal am Tag rausgeht, spazieren geht, sich bewegt und frische Luft bekommt.

Doch nicht jeder Senior ist noch fit genug für ein so agiles Haustier. Vögel, Katzen oder Kaninchen sind eine Alternative, falls es um die Beweglichkeit nicht mehr so gut bestellt ist und Sie einem Hund nicht mehr die Aufmerksamkeit und Pflege geben könnten, die er benötigt.

Wie können Sie als Angehöriger behilflich sein?

Ernst nehmen: Als Angehöriger sollten Sie es ernst nehmen, wenn jemand in Ihrer Familie über Einsamkeit klagt, schließlich kann das ein Anzeichen für Depressionen sein. Mit dem Spruch „Dann geh doch einfach mal wieder raus“ ist es dabei nicht getan.

Verständnis zeigen: Fragen Sie nach, wie die Person früher mit dem Gefühl von Einsamkeit umgegangen ist. Schließlich kann Einsamkeit in allen Lebensphasen auftreten und ist dabei nicht ans Alter geknüpft.

Hilfestellungen bieten: Helfen Sie Ihrem Angehörigen dabei, Kontakte zu knüpfen. Gehen Sie zum Beispiel zusammen mit ihm ins Internet und zeigen Sie ihm, wie Kontaktbörsen oder soziale Netzwerke funktionieren. Schließlich werden die Anwendungen immer benutzerfreundlicher, sodass selbst Senioren mit wenig Computererfahrung sich mit etwas Übung und Anleitung darin zurechtfinden können. Sie können auch nach neuen Möglichkeiten für Ihr Familienmitglied recherchieren, wie es neue soziale Kontakte knüpfen kann.

Nicht drängen: Drängen Sie Ihren Angehörigen jedoch nicht, wenn er klare Zeichen der Ablehnung zeigt. Letztlich muss er dazu bereit sein, sich auf neue Menschen einzulassen. Viele Menschen, die schon seit Jahren alleine leben, haben Schwierigkeiten, von ihren Gewohnheiten wieder abzulassen.

Einsamkeit ist relativ

Einsamkeit ist ein Gefühl, das jeder Mensch unterschiedlich empfindet. Während es einigen ausreicht, ihre Freunde oder Bekannten nur alle paar Wochen zu sehen, fühlen sich andere schon einsam, wenn sie drei Tage lang kein vertrautes Gesicht gesehen haben

Wenn Sie als Pflegeperson eines älteren Menschen das Gefühl haben, dass jemand wenig soziale Kontakte hat, muss das noch lange nicht bedeuten, dass er sich einsam fühlt. Hier können Sie behutsam vorgehen und erfragen, wie es um das soziale Gefüge des Pflegebedürftigen bestellt ist. Reden Sie ihm keine Einsamkeit ein, wenn sie nicht da ist und reden Sie sie nicht klein, wenn sie thematisiert wird. Sprechen Sie auch mit den Angehörigen. Sie sind in der Regel eine zuverlässige Quelle und wissen, wie es um die sozialen Kontakte des Seniors bestellt ist.