Notfall: Atemnot bei Pflegepatienten

Notfall: Atemnot bei Pflegepatienten
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Inhaltsverzeichnis

Atemnot ist ein häufiges Symptom in der Pflege. Ein Erstickungsanfall eines Bewohners, Patienten oder eines Angehörigen ist für alle Beteiligten sehr belastend. Luftnot tritt am Lebensende und bei vielen Erkrankungen auf und kann sich zu einer lebensgefährlichen Situation entwickeln. Im Notfall heißt es vor allem: Ruhe bewahren. 

Atemnot: Achten Sie auf gutes Notfallmanagement

Nicht nur für Senioren- und anderen Pflegeeinrichtungen: Ein gutes Notfallmanagement ist für jeden Betrieb wichtig. Das betrifft den Umgang mit einer akuten Verbrennung genauso wie richtige Maßnahmen, wenn sich zum Beispiel Mitarbeiter Prellungen und Brüche zuziehen. 

Zu einer akuten Atemnot eines Kollegen kann es infolge einer Erkrankung oder eines Unfalls immer kommen. Auch Hitzeerschöpfung kann zu Atemnot führen. 

Gerade Pflegekräfte betreuen häufig Bewohner oder Patienten, die an akuter Luftnot, medizinisch: Dyspnoe, leiden. Eine Extremsituation. Denn für den Betroffenen ist das Gefühl zu ersticken quälend und bereitet oft Todesangst. 

Atemnot ist aber auch charakteristisch für Palliativpatienten und ein häufiges Symptom, das Betroffene und Angehörige, aber auch das medizinische Personal stark belasten kann. 

Das Pflegepersonal muss in einem solchen Notfall schnell handeln. Wichtig ist, im Vorfeld einen Maßnahmenplan auszuarbeiten, denn bei Luftnot kommt es auf jede Sekunde an. 

Im Notfall richtig handeln: Wie können Sie Atemnot erkennen?

Atemnot ist zunächst ein subjektives Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen. Dieses Gefühl sollte immer ernst genommen werden. Hinzu kommt oft eine erschwerte Atmung. Atemnot kann akut auftreten oder chronisch sein. 

Ein chronischer Verlauf steht oft mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung. Zum Beispiel kann die Chronische obstruktive Bronchitis, kurz COPD, über einen längeren Zeitraum Luftnot verursachen. Auch ein Herzinfarkt kann sich nicht nur durch Herzrasen und andere Symptome wie Übelkeit ankündigen, sondern auch durch Atemnot. 

Es gibt viele weitere physische und psychische Erkrankungen, die mit Beklemmungen und Atemnot einhergehen. Manchmal kommen zur Atemnot andere Symptome hinzu wie Schwindel und Bewusstlosigkeit. Blutarmut zum Beispiel geht auch mit Kopfschmerzen einher. 

So entsteht Atemnot

Es gibt einige typische Auslöser für Atemnot. Dazu gehören beispielsweise:

  • Erkrankungen der Atemwege (Bronchien) und der Lunge (zum Beispiel Lungenentzündung, COPD)
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Hyperventilation
  • Fieber
  • Starker Gewichtsverlust (Kachexie)
  • Blutarmut
  • Angstzustände
  • Demenz und andere neurogenerative Erkrankungen
  • Depression 
  • Erregung
  • Tumorerkrankung (Verlegung der Atemwege)

Bei bösartigen Erkrankungen tritt das Symptom Atemnot mit bis zu 70 Prozent relativ häufig auf, 60 bis zu hundert Prozent der Patienten mit Asthma, COPD, Herz- und anderen Lungenerkrankungen erleben während der Krankheit Anfälle von Atemnot. 

Bei Demenz oder anderen neurogenerativen Erkrankungen ist Luftnot ein Symptom, das sehr häufig am Lebensende auftritt.  (Quelle: Medizinfo.de) Diese Menschen können wie Sterbende auch das Gefühl von Luftnot oft nicht mehr ausdrücken. Deshalb ist es wichtig, die Betroffenen genau zu beobachten. 

Atemnot: Was sind typische Symptome?

Dyspnoe wird in zwei Gruppen eingeteilt: In Belastungsatemnot bei körperlicher Anstrengung und Ruheatemnot (in Ruhesituation). Wie schwer die Atemnot ausgeprägt ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Sie äußert sich möglicherweise bei einer Verlegung der Atemwege durch einen Fremdkörper anders als bei einer an Asthma erkrankten Person. Schwere Luftnot ist generell ein Notfall. Sie müssen also schnell handeln. 

Symptome: 

  • Schnelle Atmung
  • Kurzatmigkeit
  • Todesangst 
  • Kalter Schweiß
  • Blasse/bläulich-graue Haut, besonders bei Nägeln, Augenlidern und Lippen
  • Plötzlicher Husten
  • Atemgeräusche (Rasseln, Keuchen, Brodeln)
  • Stärkere Atmung mit dem Bedürfnis, den Oberkörper abzustützen (Einsatz der Atemhilfsmuskulatur) 

Notfallplan bei schwerer Atemnot

Ein professioneller Notfallplan hilft, dass Sie sich im Fall einer akuten Atemnot strategisch verhalten können. Grundsätzliche Maßnahmen bei Luftnot sind: 

Wie Sie vorgehen: 

  1. Verständigen Sie den Notruf/Arzt
  2. Wenden Sie unterstützende Maßnahmen an (Frischluft, Beruhigung)
  3. Verabreichen Sie Notfallmedikamente, wenn verordnet
  4. Sorgen Sie dafür, dass der Patient sitzt oder mit erhöhtem Oberkörper liegt
  5. Wenn möglich, versuchen Sie, dass der Betroffene seine Arme abstützt. Das erleichtert die Atmung
  6. Verhindern Sie, dass sich der Patient selbst bewegt
  7. Sehen Sie im Mund des Betroffenen nach, ob ein Fremdkörper sichtbar ist und entfernen Sie diesen
  8. Entfernen Sie einengende Kleidung
  9. Lassen Sie den Kranken nicht aus den Augen

Bei Bewusstseinsverlust: Überprüfen Sie den Bewusstseinszustand durch Berührungen und Ansprechen. Überprüfen Sie regelmäßig die Atmung (hören, sehen, fühlen). Versuchen Sie, den Patienten in die stabile Seitenlage zu bringen (nur dann, wenn noch Eigenatmung vorhanden ist). Gegebenenfalls müssen Sie Herzdruckmassage anwenden. 

Atemnot: Fünf Tipps, wie Sie Ihren Pflegekunden unterstützen können

Personen, die an Asthmaanfällen leiden, kennen es: Angst ist das vorherrschende Gefühl bei einer akuten Atemnot. Diese Todesangst wird von den Betroffenen oft als noch schlimmer empfunden als die eigentliche Luftnot. Dieser Angst können Sie auf verschiedene Weise begegnen und Ihre Pflegekunden in dieser belastenden Situationen unterstützen. 

Gerade im letzten Lebensabschnitt leiden viele Personen unter Atemnot und großer Angst. Diese Ängste lassen die Atemmuskulatur verkrampfen und verstärken das Gefühl, nicht richtig ein- und ausatmen zu können. Atemnot kann sich durch Aufregung verstärken. Es gibt zum Beispiel Menschen, die keine Wunden oder eine Blutung  sehen können, ohne in Panik zu geraten. 

Hilfe bei Atemnot: So unterstützen Sie Ihre Pflegekunden effektiv

  1. Nehmen Sie die Aussagen Ihres Pflegekunden ernst: Nicht immer ist es auf den ersten Blick möglich, Atemnot zu erkennen. Manche der Betroffenen klagen unter Luftmangel, obwohl sie weder zyanotisch aussehen noch verstärkt nach Luft ringen. Dennoch müssen Sie die Beschwerden ernst nehmen, denn das persönliche Empfinden des Pflegekunden ist das Maß für Ihre Beurteilung. Schon allein dadurch, dass der Pflegekunde sich mitteilen kann und ernst genommen fühlt, kann helfen, die Atemnot zu verringern. Der Betroffene entspannt sich. 
  2. Nutzen Sie die Kraft der Berührung: Wie schmerzlindernd und beruhigend Berührungen in der Pflege sein können, ist lange bekannt. Sie können diese Kraft auch dazu einsetzen, um Atemnot zu lindern. Möglich ist beispielsweise eine  leichte und atemstimulierende Einreibung. Diese Massage benötigt nicht viel Zeit, bringt aber erstaunliche Erfolge. Verstärken können Sie den Effekt, indem Sie aromatische Öle einsetzen. 
  3.  Lüften Sie das Zimmer gut: Eine der einfachsten Maßnahmen: Lüften Sie regelmäßig das Zimmer. Betroffene empfinden ein offenes Fenster oft als hilfreich. Durch frische Luft hat der Kranke das Gefühl, besser atmen zu können. Im Sinne der Hygiene empfiehlt sich generell, regelmäßig zu lüften. 
  4. Achten Sie auf die Zimmertemperatur: In warmen Räumen haben viele Menschen das Gefühl, schlechter Luft zu bekommen. Empfehlen Sie Ihren Pflegekunden eine Zimmertemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius. In der Nacht kann die Temperatur auf 18 °Celsius abgesenkt werden.
  5. Setzen Sie einen Handventilator ein: Studien zeigen, dass der Einsatz eines Handventilators als positiv und hilfreich bei Atemnot empfunden wird. Der Erkrankte kann sich dadurch möglicherweise auch selbst Luft zufächeln. 
  6. Behalten Sie den eigenen Atemrhythmus bei: Atmen Sie selber ruhig und halten Sie auch Angehörige dazu an. So können Sie dafür sorgen, dass sich Angst, Unruhe und Panik nicht übertragen. Helfen kann auch, wenn Sie die Pflegeperson dazu anhalten, die Lippenbremse einzusetzen. 
  7. Keine beengende Kleidung: Stellen Sie sicher, dass sich der Patient nicht durch seine Kleidung eingeengt fühlt. Ziehen Sie diese gegebenenfalls aus. 
  8. Sorgen Sie für eine atemerleichternde Lage: Sie können den Pflegepatienten unterstützen, wenn Sie den Betroffenen dazu anhalten, eine angenehmen Lage einzunehmen oder den Oberkörper hochlagern. Hilfreich kann auch der Kutschersitz sein. 

Fazit: Atemnot bei Pflegepatienten richtig und schnell behandeln

Akute Atemnot ist immer ein Notfall. Deshalb ist wichtig, zu wissen, was zu tun ist. Ein gutes Notfallmanagement kann helfen, ruhig und besonnen mit Luftmangel bei einer Pflegeperson umzugehen. 

FAQs zum Thema Atemnot 

Welche Formen der Atemnot gibt es bei der Ruhe- und Belastungsdyspnoe? 

Unterschieden werden Orthopnoe (Atemnot beim flachen Liegen, die Trepopnoe (beim Liegen auf der der linken Körperseite), die Platypnoe (bei aufrechter Körperhaltung) und die Sprechdyspnoe (Luftnot beim Sprechen).

Wie wirkt sich Morphium auf Atemnot aus?

Morphium ist ein Opiat, das Kurzatmigkeit reduziert. Es erhöht außerdem die Luftmenge, die mit jedem Atemzug aufgenommen wird. Auch Angst und Panik wird mit Morphium gelindert. 

Ist COPD erblich?

COPD wird meistens durch Rauchen und Passivrauchen verursacht, aber auch durch Feinstaub und giftige Emissionen. Nur sehr selten ist ein Gendefekt Ursache der Erkrankung.