Verband anlegen

Anleitung und Wissenswertes
Verband anlegen
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Inhaltsverzeichnis

Im Krankenhaus wie auch in der ambulanten Pflege gehört es für die Pflegekräfte zum Alltag, den Patienten und Pflegebedürftigen Verbände anzulegen. Ein Verband dient nicht nur der Wundversorgung, sondern auch der Ruhigstellung und der Prävention weiterer Erkrankungen wie etwa einer Thrombose. Dabei ist es wichtig zu wissen, welche unterschiedlichen Funktionen die Verbände haben, wie sie richtig angelegt werden und was Druckpolster von Mullbinden unterscheidet.

Verbände: Eine wichtige medizinische Maßnahme

Ein Verband dient wie ein Pflaster der Wundversorgung, wobei die Verbandart von der jeweiligen Verletzung abhängt. Offene Wunden müssen zum Beispiel gegen Bakterien und Keime geschützt werden. Ein Verband mit einer sterilen Wundauflage verhindert hier das Auftreten von Infektionen und fördert die Wundheilung.

Auf der anderen Seite werden Verbände auch bei anderen Anwendungsgebieten, wie zum Beispiel bei der Thromboseprophylaxe eingesetzt. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen diesen unterschiedlichen Verbandarten:

  • Stützverbände
  • Druckverbände
  • Kompressionsverbände
  • Wundverbände

Druckverbände dienen der Blutstillung, während der Arzt Stützverbände zur Stabilisierung und Ruhigstellung von Körperteilen einsetzt. Kompressionsverbände verbessern hingegen die Blutzirkulation. Der Wundverband wiederum besteht nicht nur aus einer Mullbinde, sondern zudem aus einer Wundauflage und gegebenenfalls einer Heilsalbe. Er dient meist dazu, die Wunde vor Verunreinigungen, Reibung oder Hitze und Kälte zu schützen.

Einen Verband darf nicht nur ein Arzt oder medizinisches Fachpersonal anlegen. Auch das Pflegepersonal sollte damit vertraut sein, die verschiedenen Verbände richtig wickeln zu können. Gerade in einem Notfall und bei einer ernsthaften Verletzung kann ein Druckverband Leben retten. Doch auch der Kompressionsverband kann von entsprechend geschultem Pflegepersonal angelegt werden. Er gilt als wichtiger Bestandteil der Kompressionstherapie.

Die geeignete Binde wählen: Abhängig von der Funktion des Verbands

Bei der Versorgung von Verletzungen kommt es neben dem richtigen Anlegen des Verbands auch auf die passende Binde an. Die verschiedenen Bindenarten weisen unterschiedliche Längen, Breiten aber auch abweichende Elastizitäten auf.

In jedem Verbandskasten befinden sich Mullbinden, mit denen sich unterschiedliche Verbände anlegen lassen. Hierfür ist es wichtig zu wissen, dass mit einem Verband verschiedene Funktionen einhergehen:

  • Stillen einer Blutung
  • Wundbehandlung
  • Stabilisierung von Gelenken
  • Kontrollierte Einwirkzeit von Heilsalben
  • Vorbeugung von Sportverletzungen

Für das Stillen von Blutungen eignen sich am besten Kreppbinden. Mit den weicheren Gazebinden lassen sich Kompressen leicht auf Wunden befestigen. Klebebinden werden bei Verstauchungen oder bei Veneninsuffizienz eingesetzt. Stützbinden sind hingegen so fest, dass sie der Ruhigstellung eines Körperteils dienen. Sie wirken dabei ähnlich wie ein Gips.

Grundregeln beim Verbinden – spiralförmig und Achtertouren

Bevor Sie als Pflegepersonal die Wunde verbinden, sollten Sie sich stets die Hände desinfizieren, im besten Fall sogar Einmalhandschuhe tragen. Anschließend säubern und desinfizieren Sie die Wunde. Halten Sie anschließend die Binde so, dass der aufgerollte Teil oben liegt und nach außen zeigt.

Die Mullbinde sollten Sie nun im Uhrzeigersinn und von unten nach oben um die Verletzung binden. Dabei gibt es verschiedene Methoden den Verband zu wickeln: Entweder Sie legen die Binde spiralförmig in einfachen Touren um den verletzten Körperteil. Möglich sind auch Achtertouren. Hierbei wird die Binde über Kreuz verbunden – in der Form einer Acht.

Ein Verband erreicht nur dann seinen gewünschten Effekt, wenn er richtig angelegt wird. Hierfür muss er an den jeweiligen Körperteil angepasst werden. Ein Kopfverband wird anders gewickelt als ein Verband um das Sprunggelenk. Die verschiedenen Verbände richtig anzulegen, erfordert sowohl Übung als auch theoretisches Know-how.

Anleitung: Finger verbinden

Wenn Sie damit betraut sind, einen Finger zu verbinden, gehen Sie wie folgt vor: Beginnen Sie am Handgelenk und führen die Binde diagonal über den Handrücken. Nun wickeln Sie den verletzten Finger bis zum Nagel ein und führen die Binde anschließend wieder spiralförmig nach unten zum Fingergrundgelenk hin. Die Mullbinde legen Sie abschließend erneut über den Handrücken, wickeln sie um das Handgelenk und fixieren alles mit einem Heftpflaster.

Anleitung: Hand oder Fuß verbinden

Bei einem Verband an Fuß oder Arm bleiben die Zehen bzw. Finger sichtbar, damit der Arzt die Blutzirkulation überprüfen kann. Den Verband beginnen Sie am Handgelenk oder an der Ferse und führen die Mullbinde zu den Fingern oder Zehen weiter. Diesen Vorgang wiederholen Sie in mehreren Touren und fixieren die Binde anschließend mit einem Heftpflaster.

Anleitung: Arm oder Bein verbinden

Für den Verband an Arm oder Bein starten Sie am Handgelenk oder Fußknöchel und wickeln die Mullbinde in mehreren Touren um diese Stelle. Anschließend fahren Sie in Richtung Ellenbogen oder Knie fort. Abschließend fixieren Sie die Binde mit einem Heftpflaster.

Der Kompressionsverband: Pumpfunktion der Venen anregen

Der Kompressionsverband ist ein Wickelverband, der aus elastischen Binden besteht und um die Beine gelegt wird. Durch ihn wird die Pumpfunktion der Beinvenen zum Herzen angeregt. Gleichzeitig wird der Abstrom von Lymphflüssigkeit und Blut verbessert. Der Verband dient der Kompression und ist eine medizinische Maßnahme bei Thrombosegefahr. Denn: Mit der korrekten Wickeltechnik wird eine optimale Druckdosierung erreicht. So lassen sich beispielsweise geschwollene Beine leichter entstauen.

Eine Alternative zum Kompressionsverband ist der Kompressionsstrumpf. Dieser bietet die Vorteile, dass er atmungsaktiv ist und leichter angezogen werden kann – auch vom Patienten selbst. Deshalb kommt der Strumpf vor allem bei länger andauernden Therapien zum Einsatz. Zudem ist das Anlegen eines Kompressionsverbands eine komplexe Aufgabe, die ärztlich angeordnet werden muss. Das richtige Wickeln erfordert deshalb viel Übung.

Der Arzt entscheidet sich bei der Therapie für einen Kompressionsverband, wenn er eine sehr hohe Kompression beim Patienten wünscht oder wenn der Patient aufgrund seiner Anatomie keine Thromboseprophylaxe-Strümpfe tragen kann. Zudem lässt sich der Druck im Fall des Kompressionsverbands individuell dosieren und durch ein erneutes Wickeln an den veränderten Schwellzustand anpassen.

Kompressionsverband: Wickeltechnik nach Püttner

Zunächst entkleidet sich der Patient und legt sich anschließend auf den Rücken. Wenn er dies nicht selbstständig tun kann, helfen Sie ihm als Pflegekraft dabei. Anschließend heben Sie oder der behandelnde Arzt das Bein an und bringen den Fuß im Sprunggelenk in einen 90 Grad Winkel. Das Bein sollte vor dem Anlegen des Verbands entstaut sein. Dies ist meistens nach zwanzig bis dreißig Minuten erhöhter Lagerung der Fall. Nun beginnen Sie damit, den Verband anzulegen. Gehen Sie hier wie folgt vor:

  • Beginnen Sie mit der ersten Wickelung an den Zehengrundgelenken
  • Wickeln Sie die Binde mit mäßigem Druck um den Vorderfuß – von innen nach außen
  • Anschließend umwickeln Sie den Mittelfuß mit zwei bis drei Touren
  • Führen Sie die Rolle über die Ferse zum Fußspann und umwickeln diese mehrmals
  • Binden Sie mehrere Touren um die Wade nach oben
  • Fixieren Sie nun am Knie die Binde mit einem Heftpflaster
  • Legen Sie abschließend vom Außenknöchel aus eine zweite Stoffbinde in gegenläufiger Richtung an

In den meisten Fällen bedeckt der Verband nach Püttner nur Fuß und Unterschenkel. Jedoch kann auch der Oberschenkel miteingewickelt werden. Der Vorteil dieser doppelten Wickeltechnik ist eine gleichmäßige Kompression von Venen und Muskulatur.

Auch beim Kompressionsverband bleiben die Zehen frei, damit der Arzt die Blutzirkulation kontrollieren kann. Wird das Bein durch einen zu eng gebundenen Verband nicht mehr ausreichend durchblutet, können Nerven verletzt werden. Auch besteht die Gefahr, dass das Gewebe abstirbt (= Nekrose).

Es gibt noch weitere Wickeltechniken für einen Kompressionsverband, die mittlerweile aber kaum mehr angewandt werden. Bei der Wickeltechnik nach Fischer werden die Stoffbinden streng spiralförmig um das Bein gewickelt. Im Gegensatz dazu sieht der Kornährenverband Achtertouren vor.

Das ist beim Kompressionsverband wichtig

Ein Kompressionsverband wirkt nur dann, wenn er richtig gewickelt ist. Hierfür ist es entscheidend, dass der Verband auf die individuelle Anatomie des jeweiligen Beines angepasst wird. Er darf dabei weder zu locker, noch zu fest gewickelt sein. Sonst ist der Verband entweder wirkungslos oder führt zu Blutstauungen.

Zudem sollten sich die einzelnen Binden faltenfrei überlappen. Das Sprunggelenk ist dabei stets rechtwinklig positioniert und die Ferse muss bedeckt sein. Der Druck der Stoffbinde sollte vom Fuß bis zum Knie hin abnehmen. So verhindern Sie beim Wickeln, dass der Patient Schmerzen hat. Gleichsam können keine Druckstellen und Schnürfurchen entstehen. Sie können auch Druckpolster, Wundauflagen oder anderes Polstermaterial nutzen, um Knochenkanten zu polstern und Druckstellen zu vermeiden.

Darüber hinaus ist die Wahl der richtigen Binde entscheidend, da sie das gewünschte Verhältnis von Ruhe- und Arbeitsdruck garantieren muss. Für einen Kompressionsverband eignen sich Kurzzugbinden am besten. Die Elastizität der Binde wirkt bei einer entspannten Muskulatur auf das Gewebe ein und ruft den Ruhedruck hervor. Ein gewisser Widerstand der Binde ist aber vonnöten, wenn die Muskulatur aktiv ist und gegen den Verband arbeitet. Dies bezeichnet man dann als Arbeitsdruck.

Ein Kompressionsverband darf nicht zum Einsatz kommen, wenn durch den ausgeübten Druck eine Mangeldurchblutung des Gewebes entstehen könnte. Diese Gefahr droht bei Patienten mit einer Herzschwäche, peripheren arteriellen Verschlusskrankheit sowie bei Venenverschlüssen. Auch bei adipösen Patienten besteht ein erhöhtes Risiko, dass der Kompressionsverband nicht richtig (an-)liegt.

Der Druckverband: Schnelle Versorgung im Notfall

Im Alltag kann es schnell passieren: Man schneidet sich mit einem Messer. Bei einem kleinen Schnitt ist ein steriler Wundverband ausreichend. Er verhindert, dass Schmutz in die Wunde gelangt. Liegt eine größere Verletzung vor, muss diese verbunden werden, um die Blutung zu stoppen. Gerade nach einem schwerwiegenden Unfall kann ein Druckverband den Blutverlust stoppen und so Leben retten.

Die Funktionen des Druckverbands

Ein Druckverband hilft bei arteriellen Blutungen, um einen hohen Blutverlust zu vermeiden. Dieser Verband lässt sich allerdings nur bei Verletzungen an den Extremitäten wie Armen und Beinen anlegen. Das richtige Wickeln spielt hierbei die entscheidende Rolle. Zum einen soll der Verband zwar die Blutung stoppen, er darf aber in keinem Fall die Blutversorgung in Arm oder Bein stark beeinträchtigen.

In jedem Fall muss sichergestellt sein, dass die Extremität weiterhin durchblutet wird. Der Druckverband darf daher nicht zu fest sein, sodass Nerven verletzt werden. Gleichzeitig sollte er auch nicht zu locker sitzen. Denn dann wird die Blutung nicht gestoppt, was das Risiko erhöht, dass der Verletzte verblutet.

Anleitung: Druckverband richtig anlegen

Alle benötigten Utensilien für einen Druckverband finden Sie in einem herkömmlichen Verbandskasten, sodass Sie in einem Notfall schnellstmöglich handeln können. Die folgende Anleitung hilft Ihnen, den Blutverlust rechtzeitig zu stoppen:

  • Ziehen Sie sich zunächst Handschuhe an oder desinfizieren Sie sich die Hände
  • Anschließend legen Sie eine sterile Kompresse auf die Wunde
  • Fixieren Sie mit einer Mullbinde oder einer elastischen Binde die Wundauflage und umwickeln diese zwei- bis dreimal
  • Legen Sie nun ein Druckpolster (z. B. Mullbinde, Taschentuchpackung) auf den Wundbereich und drücken dieses mit einer Hand fest
  • Mit der anderen Hand wickeln Sie anschließend weitere Lagen über das Druckpolster – gehen Sie hierbei weder zu fest noch zu locker vor
  • Fixieren Sie das Ende der Binde mit einem Heftpflaster
  • Nun sollten Sie den verbundenen Arm oder das Bein des Patienten hochlagern

Anschließend muss die Wunde schnellstmöglich ärztlich versorgt werden. Es ergibt Sinn zu vermerken, wann Sie den Verband angelegt haben, sofern dies möglich ist.

Sollte die Blutung nicht gestoppt sein und durch den Verband bluten, sollten Sie den Druckverband auf keinen Fall entfernen. Legen Sie stattdessen einen weiteren Verband an. Um sicherzustellen, dass die Extremität weiterhin durchblutet wird, sollten Sie den Puls kontrollieren. Kalte Füße oder Hände sowie blasse Haut sind Anzeichen für eine Minderdurchblutung.

Verbände anlegen: Übung macht den Meister

Wie bei so vielen medizinischen Themen kommt es auch beim Anlegen eines Verbandes auf die Balance aus Theorie und Praxis an. Nur wer weiß, welche Binde für welchen Verband geeignet ist, greift zum richtigen Verbandsmaterial. Auch theoretisches Wissen rund um die verschiedenen Wickeltechniken hilft beim korrekten Verbinden. Dennoch ist praktische Erfahrung unersetzlich. Gerade Pflegekräfte profitieren daher nicht nur von Ersthelfer-Ausbildungen, sondern auch regelmäßigen medizinischen Schulungen.