Zwangseinweisung: Das sind die rechtlichen Voraussetzungen

Das sind die rechtlichen Voraussetzungen
Das Bild zeigt ein gem√ľtliches Wohnzimmer mit Vintage-M√∂beln, verblassten Blumentapeten und einem h√∂lzernen Couchtisch, durchflutet von der goldenen Nachmittagssonne, die sanfte Schatten wirft.
Eine Zwangseinweisung aus dem gewohnten Umfeld kann nur mit einem triftigen Grund geschehen. © MJ
Inhaltsverzeichnis

Ob in Folge einer Demenz-Erkrankung, eines Herzinfarkts oder einer geistigen oder psychischen Beeintr√§chtigung ‚Äď vielen Personen ist es im hohen Alter nicht mehr m√∂glich, sich selbst zu versorgen oder Entscheidungen zu treffen. Neben der Betreuung durch Angeh√∂rige oder die ambulante Pflege, f√§llt die Wahl h√§ufig auf ein Pflegeheim.¬†

Doch was passiert, wenn es die pflegebed√ľrftige Person ablehnt, in ein Heim umzuziehen? D√ľrfen Angeh√∂rige ihre Verwandten zwangseinweisen? Und worin bestehen die Unterschiede zu einer Zwangseinweisung in eine Psychiatrie? Alles Wichtige rund um die Zwangseinweisung ins Pflegeheim und das Vorgehen bei psychischen Erkrankungen, haben wir f√ľr Sie zusammengestellt.

Zwangseinweisung in ein Pflegeheim: Ist das erlaubt?

Wird eine Person pflegebed√ľrftig, beispielsweise durch eine schwere¬†Demenz-Erkrankung, w√ľnschen sich die Angeh√∂rigen die beste Betreuung f√ľr die Betroffenen. H√§ufig pflegen die Angeh√∂rigen ihre Familienmitglieder zun√§chst selbst oder lassen einen ambulanten Pflegedienst kommen. Ist eine Pflege von zu Hause aber beispielsweise aus medizinischen, finanziellen oder zeitlichen Gr√ľnden nicht mehr m√∂glich, ziehen Angeh√∂rige oftmals schweren Herzens ein Pflege- oder Altenheim in Erw√§gung. Doch was ist zu tun, wenn die pflegebed√ľrftige Person nicht freiwillig in ein Heim will?

Generell gilt: Kein Mensch kann zu etwas gezwungen werden, was er nicht selbst m√∂chte ‚Äď auch nicht zu einem Umzug in ein Altenheim. Eine Zwangseinweisung in ein Pflegeheim ohne triftigen Grund ist demnach nicht m√∂glich, da es sich dabei nach ¬ß 1906 Abs. 1 des B√ľrgerlichen Gesetzbuches (BGB) um eine freiheitsentziehende Ma√ünahme handelt. Damit ist die Zwangseinweisung sogar strafbar. Sprich: √úber den Umzug in ein Pflegeheim entscheidet allein der Pflegebed√ľrftige.

Allerdings gibt es Ausnahmen:

Hat einer der Angeh√∂rigen eine Betreuungsverf√ľgung oder sogar eine Vorsorgevollmacht, kann das Gericht oder sogar der Bevollm√§chtigte selbst dar√ľber entscheiden, ob die bed√ľrftige Person in ein Heim umzieht.



Liegt bei der betreffenden Person eine psychische Krankheit vor, kann durch einen Beschluss des Betreuungsgerichts die Zwangseinweisung in eine Psychiatrie erfolgen. Hierbei gilt das Psychisch-Kranken-Gesetz. Dieses besagt, dass eine Unterbringung als Zwangsma√ünahme nur erfolgt, wenn eine Gefahr f√ľr die Person selbst oder Dritte besteht.

Betreuungsverf√ľgung und Vorsorgevollmacht: Was geschieht, wenn Betroffene nicht mehr selbstst√§ndig entscheiden k√∂nnen?

Ob aufgrund einer Demenz-Erkrankung oder einer anderen Krankheit ‚Äď im hohen Altem kommen Menschen oft an den Punkt, dass sie ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln oder Entscheidungen treffen k√∂nnen. Eine Erkenntnis, die vielen Betroffenen und ihren Familien schwerf√§llt. Im Rahmen einer Betreuungsverf√ľgung k√∂nnen √§ltere Menschen ihre W√ľnsche festhalten, wie sie sich in Zukunft ihre Pflege vorstellen. Zudem ist es m√∂glich, einen Betreuer festzulegen, der die individuellen W√ľnsche dann ber√ľcksichtigt.

Auch wenn man sich mit dem Thema nicht gerne besch√§ftigt, sollten die rechtlichen Grundlagen f√ľr den Ernstfall gekl√§rt sein.

Tritt einmal der Fall ein, dass die Gesundheit des Pflegebed√ľrftigen beispielsweise durch Verwahrlosung beeintr√§chtigt wird oder sich die Person aus medizinischen Gr√ľnden nicht mehr selbst versorgen kann, geht der Fall zun√§chst an das zust√§ndige Betreuungsgericht. Dieses pr√ľft dann, ob eine Betreuung erforderlich und die in der Verf√ľgung vorgeschlagene Person geeignet ist.¬†

Ist dies der Fall, √ľbernimmt der Betreuer nicht nur die Verwaltung des Verm√∂gens, sondern kann die pflegebed√ľrftige Person auch in ein Pflegeheim einweisen ‚Äď wenn dies so in der Verf√ľgung festgehalten. W√ľnscht sich der Angeh√∂rige jedoch eine Pflege zu Hause und ist dies auch im Aufenthaltsbestimmungsrecht festgehalten, muss der Betreuer dieser Bitte nachkommen.

Im Gegensatz dazu ist bei einer Vorsorgevollmacht kein gerichtliches Urteil erforderlich. Die pflegebed√ľrftige Person kann einen Bevollm√§chtigten festlegen, der sie beispielsweise in diesen Punkten vertritt:

  • Umgang mit Geld
  • Regelungen der Pflege¬†
  • Wahl des Wohnortes

In diesem Fall ist eine Zwangsweinweisung in ein Pflegeheim auch gegen den Willen des Betroffenen möglich, wenn der Notfall eintritt und der Betroffene seine Angelegenheiten nicht mehr selbst klären kann. Ein ärztliches Attest kann hierbei als Beweis dienen, dass Betroffene nicht mehr selbst Entscheidungen treffen können.

Beispiel

Frau M√ľller leidet unter einer anf√§nglichen Demenz und wei√ü, dass sie fr√ľher oder sp√§ter ihre Angelegenheiten nicht mehr eigenst√§ndig kl√§ren kann. Um ihrem Umfeld Entscheidungen in Zukunft zu erleichtern, erteilt Sie ihrer Tochter die Vorsorgevollmacht. Ihr Wunsch: Ihre Tochter darf √ľber ihren Aufenthaltsort entscheiden, je nachdem, was f√ľr alle das Beste ist.



Wenige Jahre sp√§ter ist Frau M√ľller so dement, dass sie sich nicht mehr selbst versorgen kann. Ihre Tochter entscheidet daraufhin, dass eine Pflegeeinrichtung die beste L√∂sung f√ľr ihre Mutter ist, auch wenn Frau M√ľller sich erst einmal weigert, aus ihrer Wohnung auszuziehen.

Wann ist eine Zwangseinweisung in eine Psychiatrie nötig?

Eine Zwangsunterbringung in einer Psychiatrie ist nur dann gerechtfertigt, wenn das eigene Leben oder das Leben von anderen bedroht ist. Es gibt lediglich zwei Gr√ľnde, die eine Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung gegen den Willen des Patienten rechtfertigen:

Akute und erhebliche Selbstgef√§hrdungDer aktuelle Gesundheitszustand des Patienten stellt eine Bedrohung f√ľr ihn selbst dar. Er verletzt sich beispielsweise selbst und/oder √§u√üert Suizidabsichten.
Akute und erhebliche Fremdgef√§hrdungAufgrund des psychischen Zustands wird der Patient als Gef√§hrdung f√ľr Angeh√∂rige und andere Menschen gesehen. Auch wenn die √∂ffentliche Ordnung und Sicherheit in Gefahr ist, ist eine Einweisung in die Psychiatrie gerechtfertigt.

Nur dann darf eine Person gegen Ihren Willen eingewiesen werden

Suizidalität stellt demnach ebenso einen Einweisungsgrund dar wie Fremdgefährdung.

Die freiheitsentziehenden Ma√ünahmen sind demnach nur einzusetzen, wenn von dem Betroffenen eine akute Gef√§hrdung f√ľr sich oder andere ausgeht.

Definition von Zwangseinweisung

Wird eine Person gegen ihren Willen in eine geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik oder in eine Entzugsklinik eingewiesen, ist die Rede von einer Zwangseinweisung.

Diese Form der Unterbringung stellt eine Form der Freiheitsbeschr√§nkung dar. Sie ist deshalb nur in ausgewiesenen Notsituationen erlaubt. Oft empfinden Betroffene die Zwangsunterbringung als traumatisierend und √ľbergriffig, weshalb Fachkr√§fte des Gesundheitswesens in solchen Situationen besonderes Fingerspitzengef√ľhl beweisen m√ľssen.

Fallbeispiel: Zwangseinweisung als letztes Mittel

Herr Mayer hat seit einigen Tagen Halluzinationen. Er sieht Blut an den W√§nden herablaufen und wandert ruhelos in seinem Zimmer umher. Vor lauter Panik schl√§gt er um sich und hat eine Mitbewohnerin so fest gesto√üen, dass diese gest√ľrzt ist. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Selbst- und Fremdgef√§hrdung noch weiter steigern.

Das Pflegepersonal kommt nach Abw√§gung aller Faktoren zu dem Schluss, dass eine sofortige Einweisung unumg√§nglich ist. In diesem Fallbeispiel sind die Gr√ľnde f√ľr eine Einweisung eindeutig: Die Gefahren sind offensichtlich und es besteht keine Aussicht darauf, dass sich die psychische Situation von Herrn Mayer ohne die Behandlung in einer Klinik bessert.

Die Zwangseinweisung erfolgt also zum Wohle von Herrn Mayer und seiner Mitbewohnerin. Sie wird nur verordnet, um alle Beteiligten vor den Folgen der Halluzination zu sch√ľtzen und nicht etwa, um Herr Mayer zu bestrafen.

Wann ist eine Zwangseinweisung nicht gerechtfertigt?

Liegt keine akute Gef√§hrdung der eigenen Person oder anderer Mensch vor, gibt es keinen Grund f√ľr eine Einweisung in die Psychiatrie. Prinzipiell hat jeder Patient das Recht auf Nicht-Behandlung. Das bedeutet: Menschen, von denen keine Selbst- oder Fremdgef√§hrdung ausgeht, d√ľrfen jederzeit selbst entscheiden, ob sie einen Aufenthalt im Krankenhaus beziehungsweise eine Therapie w√ľnschen.

Selbst wenn ein Arzt ausdr√ľcklich zu einer Behandlung r√§t, darf der Patient diese jederzeit verweigern. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Gesundheitsfachkr√§fte diese Entscheidung ausf√ľhrlich dokumentieren. Denn Betroffene m√ľssen √ľber eine ausreichende Krankheitseinsicht verf√ľgen, um eigenst√§ndig entscheiden zu k√∂nnen. Hat die Nicht-Behandlung Jahre sp√§ter gesundheitliche Konsequenzen, ist das medizinische Personal so auf der sicheren Seite.

Wie läuft eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie ab?

Nicht alles, was gef√§hrlich f√ľr einen Bewohner ist, stellt gleichzeitig einen Grund f√ľr eine Zwangseinweisung dar. Wenn Sie im Verhalten Ihres Bewohners allerdings hinreichende Gr√ľnde hierf√ľr finden, ist das weitere Verfahren genau festgelegt. Die untenstehende √úbersicht zeigt Ihnen, welche Gr√ľnde zu einer Zwangseinweisung f√ľhren k√∂nnen und welche nicht ausreichend sind.

Schritt 1:

Einweisung durch den Arzt
Zun√§chst muss ein im Umgang mit psychiatrischen Erkrankungen erfahrener Arzt (dies kann auch ein Hausarzt sein, jedoch kein v√∂llig fachfremder Arzt, etwa ein Urologe oder Orthop√§de) sich vor Ort davon √ľberzeugen, dass eine Zwangseinweisung notwendig und gerechtfertigt ist. Der Befund darf nicht √§lter als einen Tag sein.
Schritt 2:

Information an die Ordnungsbehörde
Veranlasst wird die Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik durch eine Beh√∂rde (Ordnungsamt), wenn Gefahr im Verzug ist und sich diese nicht durch weniger gravierende Ma√ünahmen bannen l√§sst. Bei einer Zwangseinweisung erfolgt der Transport mit einem Krankenwagen im Beisein eines Mitarbeiters des Ordnungsamtes. Au√üerhalb der Dienstzeiten der Ordnungsbeh√∂rde √ľbernimmt die Polizei diese Aufgabe.
Schritt 3:

Antrag beim Amtsgericht/Betreuungsgericht
Das Ordnungsamt beantragt die geschlossene Unterbringung. Der Beschluss zur Unterbringungsma√ünahme muss bis zum Ende des folgenden Tages vorliegen, ansonsten muss die Klinik den Patienten entlassen. Grundlage f√ľr den Beschluss ist ein medizinisches Gutachten. Das weitere Vorgehen ist nicht in allen Bundesl√§ndern einheitlich. In den meisten L√§ndern ist es jedoch notwendig, dass der Einweisungsbeschluss nach sechs Wochen durch ein Gericht √ľberpr√ľft wird.
Die Steps der Zwangseinweisung

Die Zwangsunterbringung beinhaltet keine Zwangsbehandlung!

Der Betroffene muss √ľber eine Behandlung aufgekl√§rt werden und in diese einwilligen. Eine Zwangsma√ünahme kann nur erfolgen, wenn dies im richterlichen Unterbringungsbeschluss vorgesehen ist oder die Eigen- bzw. Fremdgef√§hrdung diese Schritte notwendig macht.

Welche rechtlichen Grundlagen f√ľr eine Zwangseinweisung gibt es?

Die gesetzliche Grundlage f√ľr die Zwangseinweisung ist streng geregelt. Je nach Bundesland gibt es zwar leichte Abweichungen, generell sind die Regeln f√ľr die Einweisung ohne Zustimmung in Deutschland allerdings einheitlich.

Es gibt drei verschiedene Rechtsarten, die jeweils die rechtliche Basis f√ľr den Aufenthalt in einer geschlossenen Einrichtung darstellen. Dazu z√§hlen:

√Ėffentlich-rechtliche UnterbringungDie Zwangseinweisung in die Psychiatrie erfolgt nach dem Gesetz f√ľr psychisch Kranke. Die genaue Ausf√ľhrung wird von den Bundesl√§ndern festgelegt.
Zivilrechtliche UnterbringungDie Einweisung in eine geschlossene Abteilung erfolgt nach dem Betreuungsrecht. Oft stellt der Betreuer selbst den Antrag auf Zwangsunterbringung.
Strafrechtliche UnterbringungAuch im Rahmen des Maßregelvollzugs kann eine Zwangseinweisung stattfinden.

In den meisten F√§llen regelt die ‚Äě√∂ffentlich-rechtliche Unterbringung‚Äú alles rund um die Zwangseinweisung. In Baden-W√ľrttemberg, Bayern und im Saarland gilt das ‚ÄěUnterbringungsgesetz‚Äú. In den anderen Bundesl√§ndern (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg- Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Th√ľringen) finden Sie die genannten Regelungen im ‚ÄěGesetz f√ľr psychisch Kranke‚Äú. Letzteres wird h√§ufig auch mit der Abk√ľrzung ‚ÄěPsychKG‚Äú betitelt.

Ist die Gesundheit einer Person so weit eingeschr√§nkt, dass sie einen Betreuer ben√∂tigt, ist auch eine Zwangseinweisung nach dem Betreuungsrecht m√∂glich. Doch auch hier darf der Betreuer nicht einfach selbst √ľber den Aufenthalt der betreuten Person entscheiden, sondern muss sich an die Anweisungen des Gerichts halten.

PsychKG: Gesetzliche Regelungen f√ľr psychisch ErkrankteDas PsychKG regelt die Unterbringung von Menschen, die Anzeichen einer psychischen Krankheit zeigen, aktuell psychisch krank sind oder unter den Folgen einer psychischen Krankheit leiden. Die Voraussetzungen f√ľr eine Einweisung nach dem PsychKG sind dieselben, wie die oben genannten (Selbst- und Fremdgef√§hrdung). Zus√§tzlich regelt dieses Landesgesetz ambulante Vor- und Nachsorgehilfen sowie weitere Beratungsangebote.
Zwangsbehandlung: Medikamentengabe wider WillenEine Zwangseinweisung und ein damit verbundener Klinikaufenthalt rechtfertigen nicht automatisch eine Zwangsbehandlung beziehungsweise eine medikament√∂se Therapie. Diese ist nur erlaubt, insofern sie die Selbst- oder Fremdgef√§hrdung mildert. Die Behandlung muss sich zwingend auf die Anlasskrankheit ‚Äď also die Krankheit, die f√ľr die Einweisung urs√§chlich war ‚Äď beziehen. Zudem muss ein Gerichtsbeschluss die Zwangsbehandlung anordnen.

Ein Beispiel

Frau Schmidt hat einen Suizidversuch unternommen und konnte noch rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht werden. Das psychiatrische Gutachten stellt fest, dass eine akute Psychose mit Wahnvorstellungen den Suizidversuch ausgelöst haben. Das Gericht verordnet daher die Gabe von Medikamenten an, die die Wahnvorstellungen lindern sollen.

W√ľrde der Psychiater beispielsweise auch eine Angstst√∂rung feststellen, die allerdings nicht der Ausl√∂ser f√ľr das selbstgef√§hrdende Verhalten war, d√ľrfte er f√ľr diese Angstst√∂rung keine Zwangsmedikation anordnen. Denn die Angstst√∂rung ist nicht die Krankheit, die die Einweisung urs√§chlich¬†ausl√∂ste.

Wann darf ein Patient durch Fixierung ruhiggestellt werden?

Die Fixierung gilt als die gravierendste freiheitsbeschränkende Maßnahme und sollte daher nur als allerletztes Mittel der Wahl zum Einsatz kommen. Sie wird von der Mehrheit der Patienten als besonders traumatisierend erlebt. Sinnvoll ist es daher, zunächst alle anderen bekannten Mittel einzusetzen, um eine Eigen- oder Fremdgefährdung abzuwenden.

L√§sst sich die Notsituation auf keine andere Weise l√∂sen, ist eine mechanische Fixierung zum Schutze der Betroffenen erlaubt. Die Fixierung sollte nicht l√§nger als 30 Minuten dauern. L√§sst sich dies nicht vermeiden, ist eine richterliche Genehmigung n√∂tig. Theoretisch bedeutet das, dass ein Richter √ľber die Fixierung informiert werden muss und innerhalb von 30 Minuten reagiert ‚Äď in der Praxis schwer umzusetzen.

Um sicherzustellen, dass sich der Patient durch die Fixierung keine zus√§tzlichen Verletzungen zuf√ľhrt, ist es unerl√§sslich, dass √ľber den gesamten Zeitraum der Fixierung medizinisches Personal anwesend ist. Unter keinen Umst√§nden d√ľrfen fixierte Patienten allein gelassen werden. Die Betroffenen haben au√üerdem das Recht zu erfahren, warum sie fixiert sind und wie lange die freiheitsbeschr√§nkenden Ma√ünahmen andauern werden.

Oft braucht es nach solchen gravierenden Freiheitsbeschr√§nkungen psychologische Nachsorge. Die Patienten f√ľhlen sich √ľbergangen und zeigen daher eine gr√∂√üere Abneigung gegen√ľber folgenden Therapieversuchen. Die Fixierung sollte daher ausschlie√ülich als letzte Ma√ünahme in absoluten Notsituationen zum Einsatz kommen.

Nachsorge: Wie lassen sich Erfahrungen der Zwangseinweisung aufarbeiten

Eine empathische und respektvolle Nachsorge ist nach einer Zwangseinweisung unverzichtbar. Oft haben die Kliniken nicht gen√ľgend Kapazit√§t, um die umfangreiche Nachsorge zu stemmen. Je nach L√§nge des Klinikaufenthalts ben√∂tigen die Patienten nach der Entlassung allerdings Unterst√ľtzung ‚Äď mehr als die Angeh√∂rigen leisten k√∂nnen. Seelischer Beistand ist in dieser Zeit von gro√üer Bedeutung, aber auch Unterst√ľtzung in praktischen Angelegenheiten wie Arbeitsplatz- oder Wohnungsfragen.

Oft √ľbernehmen Psychotherapeuten und Psychologen, die nicht in der geschlossenen Einrichtung arbeiten,¬†die psychische Betreuung. Aber auch Selbsthilfeinitiativen helfen Betroffenen, die Erfahrungen der Zwangseinweisung aufzuarbeiten. Befinden sich Erkrankte nicht mehr in einer selbst- oder fremdgef√§hrdenden Situation geht es darum, ihnen das Gef√ľhl der Selbsterm√§chtigung zur√ľckzugeben, das ihnen durch die Zwangsunterbringung genommen wurde.

Zwangseinweisungen während der Corona-Pandemie

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Einschr√§nkungen sind immer mehr Menschen von psychischen Erkrankungen betroffen. Damit steigt auch die Zahl der Zwangseinweisungen w√§hrend der Pandemie an. Aber nicht nur f√ľr die Menschen, die unter der aktuellen Situation leiden, sind Zwangseinweisungen ein Thema.

J√ľngst forderten mehrere Bundesl√§nder die Zwangseinweisung von infizierten Personen, die sich absichtlich gegen die pandemieeinschr√§nkenden Corona-Ma√ünahmen stellen. Die rechtliche Grundlage hierf√ľr stellt das Infektionsschutzgesetz dar. Die Zwangseinweisung wegen Corona erfolgt aber nicht etwa in die Psychiatrie, sondern in ein Krankenhaus. Einige Kliniken haben eigens hierf√ľr einen¬†separaten Quarant√§nebereich eingerichtet.

Die¬†Zwangsunterbringung von Corona‚ÄďErkrankten kommt jedoch nur in seltenen Ausnahmef√§llen¬†zum Einsatz. Nur wenn sich eine Person als sehr uneinsichtig zeigt und auch gegen√ľber einem Bu√ügeld unempfindlich ist, kann¬†eine Zwangseinweisung aufgrund einer Corona-Erkrankung erfolgen. Das Ziel ist es, die Mitmenschen vor einer Infektion zu sch√ľtzen.¬†

Zwangseinweisung in ein Pflegeheim: Nur mit triftigem Grund möglich

Kann eine Person sich im Alter nicht mehr selbst versorgen, stellt sich f√ľr ihre Familien schweren Herzens die Frage, wer die Pflege √ľbernimmt. Neben der Betreuung durch die Angeh√∂rigen oder einen ambulanten Pflegedienst, gibt es noch den Einzug in ein Pflegeheim.

Weigert sich die betroffene Person jedoch in ein Heim zu ziehen, ist eine Zwangseinweisung ohne triftigen Grund nicht m√∂glich. Denn hierbei handelt es sich laut dem BGB um eine freiheitsentziehende Ma√ünahme. Liegen allerdings eine Betreuungsverf√ľgung oder eine Vorsorgevollmacht vor, k√∂nnen die Betreuer √ľber den Aufenthaltsort ihrer Angeh√∂rigen entscheiden ‚Äď wenn sie hierbei deren angegebene W√ľnsche beachten.

Leidet die betroffene Person jedoch unter einer psychischen Erkrankung, die eine Selbst- oder Fremdgef√§hrdung mit sich bringt, gilt es einen Arzt hinzuzuziehen, der die Zwangseinweisung in eine Psychiatrie anordnen kann. Der Ablauf einer Zwangseinweisung ist rechtlich genauestens geregelt, damit sowohl Patienten als auch Gesundheitsfach- und Pflegekr√§fte wissen,¬†wie genau sie vorgehen m√ľssen. So¬†ist die Zustimmung eines Gerichts unerl√§sslich, andernfalls darf der Patient die¬†Einrichtung auf eigenen Wunsch wieder verlassen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Zwangseinweisung

Wann kann man eine Person zwangseinweisen?

Wenn eine Person ihr Umfeld oder ihr eigenes Leben aufgrund von psychischen Erkrankungen erheblich in Gefahr bringt, kann sie zwangseingewiesen werden. In diesem Fall besteht eine Gef√§hrdung, die als Voraussetzung f√ľr eine Zwangseinweisung gilt. Zudem kann eine Zwangseinweisung erst mit einem richterlichen Unterbringungsbeschluss stattfinden, in dem festgehalten wird, dass diese Zwangseinweisung notwendig ist. Der Transport in die Klinik erfolgt per Krankenwagen.

Wie lange dauert eine Zwangseinweisung?

Psychiatrische Einrichtungen d√ľrfen Personen bis zu 48 Stunden lang festhalten. In dieser Zeit muss der richterliche Unterbringungsbeschluss beantragt und erteilt werden, der daf√ľr sorgt, dass der Patient in der Psychiatrie bleiben muss. Vor dem richterlichen Beschluss hat der Patient Anspruch auf einen Pflichtverteidiger und das Recht, Einspruch gegen das Verfahren einzulegen.

Wer √ľbernimmt die Kosten f√ľr eine Zwangseinweisung?

Die Krankenkasse √ľbernimmt die ambulante psychiatrische Behandlung von betroffenen Menschen, wenn ein Arzt eine psychische St√∂rung festgestellt hat. Zudem muss diese St√∂rung in den Psychotherapie-Richtlinien aufgef√ľhrt sein.