Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen

Das richtige Vorgehen trägt maßgeblich zum späteren Heilungsprozess bei
Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen
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Inhaltsverzeichnis

Bei Verbrühungen/Verbrennungen handelt es sich durch übermäßige Hitze entstandene Verletzungen der Haut. Abhängig von der Intensität der Hitzeeinwirkung sind auch darunter liegenden Hautschichten betroffen. Eine Verbrennung oder Verbrühung kann sich nachhaltig auf den gesamten Organismus auswirken.

Verbrennungen und Verbrühungen: Wo liegen die Unterschiede?

Eine Verbrennung wird üblicherweise durch eine trockene Hitze ausgelöst, wie z. B. Strahlung, Strom, heiße Gegenstände, Feuer usw. Zu einer Verbrühung kann es durch heiße Dämpfe und Flüssigkeiten kommen.

Was kann thermische Verletzungen hervorrufen?

  • Strom
  • Heißes Metall
  • Sonne
  • Dampf
  • Chemische Stoffe

Was kann zu einem thermischen Trauma führen?

  • Hoher Alkoholgenuss
  • Medikamentenmissbrauch
  • Demenz
  • Missachtung der Unfallverhütungsvorschriften
  • Leichtsinn usw.

Erste Hilfe Verbrennung und Verbrühung: Was ist das richtige Vorgehen?

Kleinflächige Verbrennungen

Was tun bei Verbrennungen oder Verbrühungen?

Eine kleinflächige Verbrennung ist schnell passiert, sei es durch eine kleine Unachtsamkeit beim Umgang mit dem Backblech, Wärmeflasche oder gar dem Bügeleisen.

Wissenswert

Als „kleinflächige Verbrennungen/Verbrühungen“ werden durch Hitze bedingte Traumata bezeichnet, die nicht größer als eine Handfläche sind. In der Regel sind sie ungefährlich, können aber äußerst schmerzhaft sein. Um eine schnelle Heilung bei möglichst geringen Schmerzen zu erreichen, ist eine schnelle und überlegte Reaktion der Pflegekraft nach dem Auftreten einer Verbrennung gefragt.

  • Kleinflächige Verbrennungen sollten solange unter lauwarmen fließenden Wasser abgekühlt werden, bis der Schmerz nachlässt. Ist das Gesicht von Verbrennungen betroffen, können feuchte Tücher für Linderung und Kühlung sorgen.
  • Schmuck und Kleidung, die Hitze/Wärme speichern können, sollten entfernt werden.
  • Ist die Brandwunde nur oberflächlich, kann eine Brandsalbe für Linderung sorgen.
  • Finger weg von Kühlpacks und Eiswürfeln zur Kühlung, da es zu lokalen Erfrierungen durch zu starkes Kühlen kommen kann, wodurch das Gewebe geschädigt wird.
  • Hausmittel dürfen in der Pflege ohne ärztliche Anweisung nicht zur Behandlung frischer Brandwunden angewendet werden.
  • Die Brandverletzung und die ergriffenen Maßnahmen sind in die Pflegedokumentation aufzunehmen.

Sonnenbrand

Der Sonnenbrand ist eine der verbreitetsten thermischen Traumata. Schon allein aufgrund des Hautkrebsrisikos ist das beste, wenn der Patient erst gar keinen Sonnenbrand bekommt. Darum sollte die Pflegekraft von Anfang an für entsprechende Schutzmaßnahmen sorgen (z. B. Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, Sonnenhut usw.).

Thermische Verletzungen bzw. Erste Hilfe bei Verbrennung: Das ist wichtig

  • Den Patienten von der Gefahrenquelle entfernen. Die Pflegekraft darf dabei ihren Eigenschutz nicht vergessen.
  • Den verbrannten Körperbereich mit sauberem Wasser abkühlen. Die Temperatur des Wassers sollte zwischen 15-25 Grad Celsius liegen. Auf keinen Fall Eiswasser verwenden, da es zu lokalen Erfrierungen kommen kann. Alternativ kann auch eine sterile Kochsalzlösung verwendet werden.

Wissenswert

Bis zu einer halben Stunde nach dem Unfall kann eine noch Oberflächenkühlung sinnvoll sein, um die Tiefe einer Verbrennung zu mildern.

Achtung sind mehr als 20 % der Körperfläche des Patienten verbrannt, darf nicht gekühlt werden. Die natürliche Wärmeregulierung des Körpers ist durch die großflächigen Brandverletzungen außer Kraft gesetzt, wodurch die Gefahr einer Unterkühlung besteht.

  • Bei Brandverletzungen, die mehr als handflächengroß sind, sollte zeitnah ein Arzt aufgesucht bzw. der Notarzt verständig werden. Bis zum Eintreffen des Notarztes/Arztes sind die Kreislaufparameter des Patienten zu überwachen. Zeigt dieser Symptome eines Schocks, sollten dessen Beine hochgelagert werden. Tritt beim Patienten eine Bewusstlosigkeit auf, müssen sofort entsprechende Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen werden. Der Betroffene darf bis zum Eintreffen des Notarztes auf keinen Fall allein gelassen werden.
  • Sind mehr als zehn Prozent Körperfläche bei einem Erwachsenen von Verbrennungen betroffen, besteht das Risiko eines hypovolämischen Schocks.
  • Brandblasen, auch wenn der Patient darum bittet, sollten auf keinen Fall geöffnet werden, um das Eindringen von Bakterien zu verhindern.
  • Entsprechend der in der Pflegeeinrichtung geltenden Vorgaben (Pflegehandbuch/Notfallmanagement) sind nach der Versorgung des Patienten alle weiteren bürokratischen Maßnahmen einzuleiten, die bei einem solchen „Unfall" verlangt werden.

Erste Hilfe bei Inhalationstrauma

Bei einem Inhalationstrauma gelangte starke Hitze über die Atemorgane in das Innere des Organismus (Einatmen). Diese Hitze sorgt für ein Anschwellen der Schleimhäute. Das kann so stark sein, dass der Patient zu ersticken droht. Aus diesem Grund ist es bei einem Inhalationstrauma für die Pflegekraft wichtig, die Atemwege des Patienten zu sichern. Die Konsultation eines Arztes ist Pflicht!

Inhalationstrauma: die Behandlung

Die geschwollene Schleimhaut sollte auf keinen Fall mit Kortison behandelt werden, da bei „Verbrennungen“ das Infektionsrisiko einfach zu hoch ist. In der Regel werden Patienten mit Inhalationstrauma mittels vernebelten Beta-2-Sympathomimetika. Dieses Medikament wirkt Bronchien erweiternd und trägt dazu bei, die Reparatur der Schleimhäute zu beschleunigen.

Tipp

Antithrombin III und Heparin vernebelt verabreicht, können das Risiko einer durch Fibrin induzierten Versteifung reduzieren.

Verbrennungen: Was sind die unterschiedlichen Schweregrade?

Verbrennungen ersten Grades (z. B. Sonnenbrand)- Gerötete und angeschwollene Haut
- Schmerzhafte Hyperämie  
- Bei Verbrennungen ersten Grades ist nur die Epidermis (oberste Hautschicht) betroffen. Derartige Verbrennungen heilen in der Regel komplikationslos ab, ohne das Narben zurückbleiben.  
Verbrennungen zweiten Grades (2a und 2b)- Stark gerötete Haut
- Schwellungen
- Blasenbildung
- Starke Schmerzen
- Permeablitätsstörungen der Gefäße  
- Solange nur die oberste Hautschicht betroffen ist, heilen Verbrennungen zweiten Grades in der Regel komplikationslos ab. Ist tieferliegendes Gewebe verletzt, kann das nicht immer der Fall sein.  
Tipp: Tieferliegende Brandwunden lassen sich gut am weißen Wundrand erkennen. Achtung, ist tieferliegendes Gewebe von einer Verbrennung betroffen, ist eine ärztliche Versorgung sinnvoll. Schon allein, um eine komplikationslose Heilung möglichst ohne Narbenbildung zu erreichen.  
Wissenswert: Bei Verbrennungen 2b kommt es neben den genannten Symptomen noch zu Erosionsblutungen.  
Verbrennungen dritten GradesBei einer Verbrennung dritten Grades wurden die Subkutis, die Dermis und die Epidermis in Mitleidenschaft gezogen (Nekrose/Escher). Die Haut ist zerstört und es ist ein weißer Wundrand an der Wunde zu sehen. Bei Verbrennungen dritten Grades hat der Patient in der Regel keine Schmerzen, da die Nervenenden geschädigt sind. Eine ärztliche Versorgung ist für den Patienten unerlässlich.  
Verbrennungen vierten Grades (Verbrennungskrankheit)Ist ein Patient von einer Verbrennung vierten Grades betroffen, sind alle Hautschichten verbrannt. Einschließlich des Unterhautfettgewebes. Auch die Gelenke, Muskeln, Knochen und Sehnen sind geschädigt. Bei derartigen Verbrennungen muss der Patient sofort ins Krankenhaus. Weitere Symptome einer Verbrennung vierten Grades können ein hypovolämischer Schock, akutes Nierenversagen oder ARDS (Adult respiratory distress Syndrom) sein.
  • Ausmaß verbrannter Bereiche ermitteln

Um das Ausmaß der verbrannten Bereiche zu ermitteln, kommen abhängig vom Patientenalter unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:

  • Erwachsene (Neunerregel nach Wallace)
  • Kinder (z. B. nach Wichmann)

Wissenswert

Handfläche + Finger des Patienten entsprechen ca. 1 % seiner Körperoberfläche.

KörperteilKörperoberfläche bei Säuglingen
Kindern
Erwachsenen
Hals/Kopf20 %15 %9 %
Rumpf30 %32 %30%
Arme18 %19 %18 %
Beine30 %34 %36 %
Genitalien2 %0 %1 %

Verbrennungen: Wie reagiert der Organismus?

Bei einer dauerhaften Hitzeeinwirkung von mehr als 40 Grad Celsius kommt die Kompensationsfähigkeit des menschlichen Körpers langsam an seine Grenzen, da er die „hinzugeführte“ Wärme nicht mehr über das Blut und/oder Abstrahlung ableiten kann. Darum reicht eine Hitzeeinwirkung zwischen 40-44 Grad Celsius aus, um das Eiweißes in den Zellen zu zerstören bzw. zu degenerieren. Ist die Temperaturbelastung höher (>45 Grad Celsius) werden auch die sogenannten Funktions- und Struktureiweiße in Mitleidenschaft gezogen. Es kommt zu einer so genannten Koagulationsnekrose.

Wissenswert

45 – 41 Grad Celsius über einige Minuten reichen aus, dass es bei Patienten zu Verbrennungen kommen kann. 51 – 70 Grad Celsius führen bereits nach einigen Sekunden zu schweren Verbrennungen. 70 Grad Celsius sorgen innerhalb des Bruchteils einer Sekunde dafür, dass schwere Verbrennungen entstehen.

Welche Symptome können bei von Verbrennungen Betroffenen auftreten?

  • Schmerzen
  • Volumenmangel, der sich in der Regel durch ein starkes Durstgefühl des Patienten manifestiert. Schlimmstenfalls kommt es zu einem Volumenschock.
  • Infektanfälligkeit, da die Immunabwehr des Patienten geschwächt sein kann.
  • Der Patient ist gegen körpereigene a-pathogene Erreger anfällig.
  • Die eiweißreiche Brandwunde bietet den optimalen Nährboden für Infektionen.

Wissenswert

Kommt es zu einer Verbrennung, ist es immer belastend für den Patienten. Er muss nicht nur die „Schmerzen“ aushalten, sondern auch mit jeder Menge „Stress“ zurechtkommen, den die Behandlung der Verbrennung nach sich zieht. Der Alltag wird empfindlich gestört, was vor allem für Senioren äußerst belastend sein kann.

Im Gegensatz zu anderen Unfallarten kommt es bei Verbrennungsopfern nur sehr selten zu einer Amnesie. Eben das ist auch der Grund, warum sich bei größeren Verbrennungen neben der eigentlichen Wundversorgung eine psychologische Betreuung des Betroffenen empfiehlt. Schon allein aus dem Grund, weil sich viele Verbrennungsopfer wegen der oft auffälligen Narben schämen, die durch den Unfall entstanden sind. Viele ziehen sich Vollendens aus ihrem Sozialleben zurück – Stichwort: Depression.

Verbrennungsnarben

Zur Narbenbildung kommt es, wenn sich Bindegewebsstränge verdichten und verhärten. Anfangs stechen Brandnarben aufgrund ihrer intensiven roten Farbe deutlich hervor. Des Weiteren zeigen Sie nur eine geringe Elastizität. Je nach dem sind Brandnarben entweder hypertroph oder erhaben, sie können aber auch Keloide bilden.

Wissenswert

Sind Brandnarben instabil, kann es zu sogenannten Narbenkarzinomen kommen.

Was sind hypertrophe Narben?

Hypertrophe Narben entstehen, wenn Kollagenfasern übermäßig ausgeschüttet werden, wodurch es zu unregelmäßigen und ungleichmäßig verteilte Bindegewebswucherungen kommt.

Was sind Narben-Keloide?

Bei Narben-Keloiden kommt es zu unkontrollierten Bindegewebswucherungen, die bis in gesunde Bereiche vordringen können. Um die Narben-Keloide zu beseitigen, ist ein operativer Eingriff notwendig, was trotzdem nicht immer zu 100 % gelingt.

Tipp

Um zu vermeiden, dass Narben entstehen, ist eine gute Pflege und Kompression der Wunde sinnvoll. Eine Hyperpigmentierung lässt sich nur dann vermeiden, wenn die betroffenen Bereiche immer gut von der Sonne geschützt werden.

Verbrennungen bei Senioren: Nicht nur die direkt Betroffenen brauchen Betreuung

Gerade wenn es bei Senioren zu Verbrennungen kam, die noch zu Hause von den Angehörigen allein und/oder in Zusammenarbeit mit dem ambulanten Pflegedienst betreut werden, verursacht ein derartiger Unfall viel Unruhe. Die pflegenden Angehörigen haben das Gefühl, dass Sie nach diesem Vorfall den alten Menschen nicht mehr allein in seiner Wohnung lassen können. Hier sollte die Pflegekraft als „unbeteiligte“ Dritte vermitteln. Der alte Mensch macht sich bereits genügend Vorwürfe.

Wissenswert

Manche geriatrischen Patienten können sich manchmal nicht mehr daran erinnern, wie genau es zu dem Unfall gekommen ist. Das sollte man akzeptieren, wenn das so ist.

Verbrennungen und Verbrühungen: die Prävention

  • Bei Patienten mit Diabetes mellitus ist nicht selten die Reizweiterleitung gestört, wodurch die Schmerzwahrnehmung nicht mehr zu 100% korrekt funktioniert. Damit sich diese Patienten nicht verbrühen sollte die Temperatur des Wassers beim Baden oder Duschen von der Pflegekraft genau überprüft werden. Es darf sich nicht allein auf die Wahrnehmung des Patienten verlassen werden!
  • Wird einem bettlägerigen Patienten Essen verabreicht, sollte es gut heruntergekühlt werden. Das Tablet ist so abzustellen, dass es der Patient nicht versehentlich herunterkippen kann.
  • Sind die kognitiven Fähigkeiten des Patienten eingeschränkt, sollte das klassische Essbesteck durch eine für Menschen mit Bewegungseinschränkungen gedachte Variante ersetzt werden.
  • Um einen Brand bzw. Brandverletzungen durch einen versehentlich angelassen Herd zu vermeiden, sollte über die Anschaffung eines sogenannten Herdwächters nachgedacht werden.
  • Liebt der Pflegebedürftige Kerzenlichtromantik, gibt es ungefährliche Alternativen, wie z. B. LED-Kerzen.
  • Um Verletzungen zu vermeiden, sollte sich an die Warnhinweise der Gebrauchsanleitung bei der Verwendung von Heizkissen gehalten werden. Alternativ kann auch ein Timer oder eine Zeitschaltuhr dazwischengeschaltet werden.
  • Geräte mit Beschädigungen sind sofort auszutauschen, insbesondere wenn am Stromkabel bereits Teile der Isolierung fehlen.
  • Medikamente und Cremes mit stark reizender Wirkung sind bei dementen Patienten sicher zu verwahren.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Präventionsmaßnahmen, um ältere Menschen vor Verbrennungen und Verbrühungen zu bewahren. Welche tatsächlich zielführend sind, hängt vom Lebensumfeld der Pflegeperson, dessen geistigen Zustand und kognitiven Fähigkeiten ab. Es sind auf jeden Fall eine gute Beobachtungsgabe, Voraussicht, Kreativität und Feingefühl seitens der Pflegekraft gefragt.