Körperpflege im Altenheim: Das müssen Sie beachten

Eine Pflegerin hat ihre Hände auf den Rücken und die Schulter einer Seniorin im Rollstuhl gelegt. Beide schauen sich lächelnd an.
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Inhaltsverzeichnis

Die Körperpflege ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Sich erfrischt fühlen, gut riechen und sauber sein trägt stark zum Wohlbefinden bei. Doch auch für die Gesundheit ist die Körperpflege förderlich, schließlich geht es um das größte Organ des Menschen – die Haut. Wenn die Körperpflege eines Pflegebedürftigen im Altenheim von professionellen Kräften übernommen wird, ist das für beide Parteien häufig erst einmal ein schwerer Schritt.

Wie fühlen sich Patienten, wenn es um die Körperpflege im Altenheim geht?

Für die Patienten liegen die Probleme oft bei ihrer eigenen Hilflosigkeit:

  • Sie schämen sich, dass sie sich nicht mehr selber versorgen können. 
  • Sie ekeln sich vor ihrem Körper, der nicht mehr so will, wie sie es über viele Jahrzehnte gewohnt waren. 
  • Sie sind verzweifelt über das Älterwerden und dass ihre motorischen Fähigkeiten sie verlassen. 
  • Sie sind traurig, dass sie kein selbstbestimmtes Leben mehr führen können. 

Auch für Pfleger ist es nicht immer leicht

Für die Pfleger liegen die Herausforderungen an anderer Stelle:

  • Indem Sie als Pflegekraft oder Pflegeperson die Reinigung eines Pflegebedürftigen übernehmen, dringen Sie in seinen intimsten Bereich vor. 
  • Wenn Sie nicht mit genügend Achtsamkeit vorgehen – insbesondere im Intimbereich – fühlt sich der Patient unwohl oder verweigert die Körperpflege sogar gänzlich. 
  • Wenn Sie in der Pflege nicht gründlich genug sind, kann der Patient krank werden. 
  • Sie müssen die vorhandenen Ressourcen des Pflegebedürftigen erkennen und bestmöglich aktivieren.

Pflegebedürftiger und Pfleger verfolgen dieselben Ziele

Seien Sie sich gewiss, dass Ihre Ziele und die Ziele des Pflegebedürftigen in der Regel deckungsgleich sind:

  • Sie wollen sich beide im Moment der Pflege wohlfühlen.
  • Sie wollen den Moment der Pflege als einen Moment zur Kommunikation nutzen. 
  • Sie wollen beide, dass der Patient sauber und erfrischt aus der Körperpflege herausgeht. 
  • Sie wollen beide, dass eventuelle Krankheiten früh erkannt werden. 
  • Sie wollen sich beide nicht unangenehm oder beschämt fühlen, wenn es an die Körperpflege und insbesondere die Intimpflege geht.

Wenn Sie sich als Pfleger klarmachen, dass Ihr Patient und Sie auf derselben Seite stehen sowie dieselben Ziele verfolgen und dass Sie derjenige sind, der dabei aktiv helfen kann, ist das für die Situation förderlich. Wenn Sie offen und freundlich auf den Patienten zugehen, schlägt Ihnen diese Freundlichkeit in der Regel auch entgegen. Falls nicht, geben Sie nicht auf und machen Sie sich klar, dass Verstimmung des Patienten häufig nichts mit Ihnen zu tun haben. Schließlich hadern viele mit Ihrer Situation und den oben genannten Herausforderungen. 

Grundpflege: Was gehört alles zur Körperpflege im Altenheim?

Zur Körperpflege im Altenheim gehören viele verschiedene Bereiche:

  • tägliches Waschen des Körpers im Bett oder am Waschbecken
  • Reinigung des Intimbereichs
  • ergänzendes Waschen in der Dusche oder Badewanne
  • ergänzendes Waschen bei Patienten, die unter Inkontinenz leiden oder stark schwitzen
  • Haare waschen
  • Haare frisieren
  • Hilfestellung bei der Rasur
  • Mundpflege und Zahnpflege
  • Prothesenpflege
  • Intimpflege
  • Fußpflege und Hilfestellung bei einem Fußbad
  • Nagelpflege
  • Anlegen von Prothesen
  • Unterstützung des Bewohners beim An- und Ausziehen

Falls der Pflegebedürftige spezielle Wünsche bei den Themen Frisur und Fußpflege hat, können Sie auch einen mobilen Frisör oder einen Fußpfleger ins Haus kommen lassen. Angebote für die Bewohner von Altersheimen gibt es zuhauf.

Körperpflege: Nicht nur aus hygienischer Sicht wichtig

Die Körperpflege dient dabei nicht nur hygienischen Zwecken. Sie bietet auch den Raum für Beobachtungen, die auf den Gesundheitszustand des Patienten schließen lassen können:

  • Zustand der Haut
  • Verletzungen der Haut
  • Verletzungen der Schleimhäute, auch im Intimbereich
  • Begutachtung des Kopfhaars
  • Begutachtung des Körperhaars
  • Begutachtung der Finger- und Fußnägel
  • Untersuchung auf Infektionsanzeichen wie Rötungen oder Schwellungen
  • Überprüfung der Beweglichkeit an Gliedmaßen, Kopf und Oberkörper – wie mobil ist der Heimbewohner noch? 
  • hat der Bewohner körperliche Einschränkungen, bedingt durch Lähmungen, Schmerzen, Krankheiten
  • leidet der Patient unter Gedächtnislücken oder hat Probleme sich zu konzentrieren? 
  • welche Wünsche äußert der Pflegebedürftige?
  • wie belastbar, wach und aktiv ist er?

Auffälligkeiten sollten sowohl den Angehörigen als auch einem Arzt gemeldet werden, um Krankheiten direkt behandeln zu können. Wenn sich der Gesamtzustand des Patienten verschlechtert, ohne dass er unmittelbar krank ist, dann sollte dies in seiner Akte vermerkt werden. Informieren Sie diesbezüglich auch die Angehörigen. 

Welche Hilfsmittel sind wichtig in der Pflege?

Im Altenheim stehen Ihnen für die Körperpflege eines Pflegebedürftigen grundsätzlich alle wichtigen Utensilien zur Verfügung. Wenn Ihnen etwas Spezielles fehlt, können Sie bei der Stationsleitung fragen, ob es bestellt werden kann. Zu den wichtigen Hilfsmitteln für die Grundpflege gehören beispielsweise:

  • Griffe im Badezimmer, zum Beispiel am Waschbecken, der Toilette und in der Dusche
  • Hocker oder Klappsitze für die Dusche
  • Sitz für die Badewanne
  • Gleitmatten, um bettlägerige Menschen einfach in eine andere Position zu bringen
  • Griffleiter am Bett, um sich leichter aufrichten zu können
  • Toilettenstuhl, falls der Pflegebedürftige Hilfe bei der Intimpflege benötigt
  • Waschschüssel für die Ganzkörperwäsche im Bett
  • Waschwanne für das Waschen der Haare im Bett
  • Rutschbrett, um Menschen einfacher aus dem Bett in den Rollstuhl zu befördern
  • Inkontinenzmaterial
  • Einmalhandschuhe
  • Desinfektionsmittel

Auch Waschlappen, Handtücher und Seife gehören zu den Pflegehilfsmitteln für die Grundpflege, sind aber gleichzeitig auch Teil der Grundausstattung in jeder Pflegeeinrichtung. 

Körperpflege im Altenheim vs. häusliche Pflege

Als Pflegekraft in einem Altenheim sind Sie zur Einhaltung von Pflegestandards bei der Grundpflege verpflichtet. Sie werden als Dienstanweisung vermittelt und auch überprüft. Hier müssen Sie also stets sehr sorgfältig handeln, um sowohl Ihnen als auch Ihrem Arbeitgeber – und natürlich auch dem zu Pflegenden – Ärger oder Unannehmlichkeiten zu ersparen. 

In der heimischen Pflege ist das nicht so streng – wenn Sie selber als Pflegeperson Angehörige pflegen, gibt es keine Dienstanweisung, die Sie zu erfüllen haben. Dennoch sollte natürlich immer im Wohle des Patienten gehandelt werden und gewisse Hygienestandards der Altenpflege sollten Sie bei der Ganzkörperwäsche unbedingt einhalten.

Pflegekurse für Körperpflege

Die Körperpflege für einen pflegebedürftigen Angehörigen zu übernehmen ist immer eine verantwortungsvolle Aufgabe, besonders bei Schmerzpatienten oder Menschen mit einer Bewegungseinschränkung. Diese Herausforderungen verlangen einiges an Pflegewissen ab. Sie müssen genau wissen, was Sie tun und wie Sie es tun. Ein Pflegekurs für Angehörige und eine genaue Anleitung, beispielsweise durch eine professionelle Pflegefachkraft, kann Ihnen dabei helfen.

Wie läuft die Körperpflege im Altenheim ab?

Die Körperpflege im Altenheim verläuft üblicherweise nach einem festgelegten Schema. Der Heimbewohner wird täglich am Waschbecken gewaschen, wenn er noch aus eigenen Kräften sitzen kann. Andernfalls wird die tägliche Wäsche im Bett mit einem Waschlappen durchgeführt. Auch eine Aufteilung der Ganzkörperwäsche ist möglich, zum Beispiel können Gesicht, Brust, Rücken, Arme und Hände am Waschbecken gewaschen werden, inklusive Mundpflege und eventuell Rasur und anschließend werden die Beine und der Unterkörper im Bett gewaschen.

Wenn es der Pflegebedürftige körperlich schafft, kann die Wäsche am Waschbecken von einem Vollbad oder zwei Mal Duschen pro Woche als Ganzkörperwäsche ergänzt werden. Dies sorgt für eine gründliche Reinigung, mit der sich der Patient in der Regel wohl und sauber fühlt. Falls es an heißen Tagen oder nach einem Inkontinenz-Zwischenfall nötig ist, den Patienten mehrfach zu waschen, geschieht dies in der Regel zusätzlich zur sonstigen Grundpflege und nicht stattdessen.

Der zu Pflegende sollte kurz vor dem Körperpflege-Prozess darüber informiert werden, dass er gleich gewaschen wird, damit er sich mental darauf einstellen kann. Sie als Pfleger bereiten alles Nötige vor, temperieren den Raum, sorgen für Blickschutz und stellen alle Utensilien wie Waschlappen, Handtuch, Pflegeprodukte und Inkontinenzmaterial bereit. Auch die Temperatur des Wassers können Sie schon prüfen. 

Meist wird die Wäsche von Kopf bis Fuß durchgeführt, das heißt die Pflege startet mit dem Gesicht und geht über jedes einzelne Körperteil wie den Rücken, die Hände und Arme, die Beine und den Intimbereich bis zu den Füßen. Das Wasser sollte dabei immer eine angenehme Temperatur haben, die Seife sollte mild sein. Beachten Sie, dass Sie ihm Unterstützung bieten, ihn aber alles, was er noch selber erledigen kann auch selber machen lassen. Diese aktivierende Pflege wirkt sich positiv auf die motorischen Fähigkeiten des Patienten aus und auch sein Selbstbewusstsein und Wohlbefinden werden dadurch gefördert. 

Die Hautpflege im Anschluss an das Waschen darf nicht zu kurz kommen, da Wasser und Seife die Haut austrocknen und sollte ebenfalls jedes Körperteil berücksichtigen. Trocknen Sie den Bewohner gründlich mit einem großen Handtuch ab und cremen Sie ihn anschließend ein. Helfen Sie ihm dabei sich wieder anzuziehen und geleiten Sie ihn zurück ins Zimmer. Erst dann beginnen Sie mit dem Aufräumen.

Zusammenfassung

Die Körperpflege im Altenheim ist sowohl für Pflegebedürftige als auch für Pfleger mit Herausforderungen verbunden. Dabei haben beide Parteien dasselbe Ziel, das mit Offenheit, Freundlichkeit und Respekt erreicht werden kann. Die Körperpflege bzw. Grundpflege umfasst viele verschiedene Bereiche wie zum Beispiel Haarpflege, Nagelpflege, Waschen, Duschen, die Pflege des Intimbereichs, Fußpflege und vieles mehr. Der Pflegeperson kommt dabei eine unterstützende Rolle zu, schließlich soll der Pflegebedürftige noch so viel es geht selber machen. 

Die Körperpflege bietet die Gelegenheit für Kommunikation, für die Verbesserung des Wohlbefindens des Patienten und auch die Gelegenheit zur Früherkennung von Krankheiten oder Infektionen durch die Pflegekraft. So kommt dem Pfleger die Aufgabe zu, den Patienten genauer zu betrachten und Auffälligkeiten zu beobachten oder zu melden, wodurch früh gegengesteuert werden kann. Zwischen der häuslichen Pflege und der Körperpflege im Altenheim liegen zwar Unterschiede in den Vorgaben und auch in der Kontrolle der Ergebnisse, dennoch sollte der Pflegestandard derselbe sein, schließlich steht das Wohl des Pflegebedürftigen im Mittelpunkt.

Die Körperpflege läuft grundsätzlich nach einem ähnlichen Prinzip ab, auch wenn die genaue Reihenfolge der Waschung nicht strikt eingehalten werden muss, solange alles hygienisch vonstatten geht. Im Zentrum steht immer der Pflegebedürftige und das sollten Sie sich als Pfleger immer vor Augen halten.

FAQs: Häufig gestellte Fragen zum Thema Körperpflege im Altenheim

Wie wird die Privatsphäre der Bewohner bei der Körperpflege respektiert?

Es ist wichtig, die Privatsphäre der Bewohner zu respektieren. Pflegekräfte sollten Türen schließen und Vorhänge verwenden, um Diskretion zu gewährleisten. Zudem sollten Bewohner so weit wie möglich in den Pflegeprozess einbezogen und ihre Vorlieben respektiert werden.

Welche besonderen Bedürfnisse müssen bei der Körperpflege beachtet werden?

Besondere Bedürfnisse können individuelle Vorlieben, körperliche Einschränkungen oder kognitive Beeinträchtigungen umfassen. Pflegekräfte sollten diese Bedürfnisse erkennen und entsprechend handeln, um eine angemessene Pflege zu gewährleisten.

Wie wird die Sicherheit der Bewohner während der Körperpflege sichergestellt?

Die Sicherheit der Bewohner ist oberstes Gebot. Pflegekräfte sollten auf rutschfeste Unterlagen achten, Hilfsmittel verwenden und bei Bedarf Unterstützung anbieten, um Unfälle zu vermeiden.

Welche Rolle spielen Hygienestandards bei der Körperpflege im Altenheim?

Hygienestandards sind entscheidend, um Infektionen zu vermeiden. Pflegekräfte sollten regelmäßig ihre Hände waschen, Einmalhandschuhe verwenden und die verwendeten Utensilien gründlich reinigen.