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Rentabilität im Pflegedienst: Definition und Beispiele

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Inhaltsverzeichnis

Im Jahr 2026 bleibt die Pflegebedürftigkeit in Deutschland ein zentrales Thema des Gesundheitssystems: Nach aktuellen Erhebungen beziehen weiterhin rund 5,7 Millionen Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung (§ SGB XI), weil sie dauerhaft auf Hilfe im Alltag angewiesen sind. Diese Zahl basiert auf den jüngsten Daten zur Pflegestatistik, die zeigen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen seit 2021 von etwa 5,0 Millionen deutlich angestiegen ist.

Die demografische Entwicklung wirkt als langfristiger Treiber des Pflegebedarfs: Der Anteil älterer Menschen steigt kontinuierlich, und damit wächst auch die Zahl derjenigen, die auf pflegerische Unterstützung angewiesen sind. Prognosen des Statistischen Bundesamts gehen davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2035 auf etwa 5,6 Millionen und bis 2055 auf rund 6,8 Millionen ansteigen kann, wenn sich der demografische Wandel wie erwartet fortsetzt.

Diese Entwicklung unterstreicht den zunehmenden Bedarf an Pflegefachkräften, ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen sowie an innovativen Konzepten der Pflegeorganisation und -finanzierung – Themen, die für Träger, Einrichtungen und Pflegeanbieter im Jahr 2026 und darüber hinaus hohe Relevanz besitzen.

Was versteht man unter Rentabilität?

Die Rentabilität ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die einen Hinweis darauf geben kann, wie gut das Unternehmen wirtschaftet. Diese Kennzahl lässt sich in verschiedene Teilbereiche aufteilen. So gibt es beispielsweise die

  • Fremdkapitalrentabilität
  • Eigenkapitalrentabilität
  • Umsatzrentabilität

Alle diese Zahlen geben Auskunft über bestimmte Bereiche des Unternehmens – in unserem Fall des Pflegedienstes – indem sie zeigen, wie sinnvoll eine Geldanlage oder eine Investition war.

Die Rentabilität ist daher für Finanzinvestoren und Gesellschafter ebenso wichtig wie für Heimleiter oder Pflegedienstleiter. Denn nur solange das Unternehmen gesund ist, kann es wirtschaftlich fortbestehen.

Wie berechne ich die Rentabilität im Pflegedienst?

Die Rentabilität eines Pflegedienstes lässt sich ebenso berechnen, wie die eines anderen Unternehmens auch. Und ebenso wie für andere Unternehmen, sind die wirtschaftlichen Kennziffern, die die Rentabilität ausmachen, besonders wichtig.

Das bedeutet konkret: Nur wenn die Pflegedienstleitung (PDL) weiß, wie rentabel und wie wirtschaftlich das Unternehmen geführt wird, kann sie Entscheidungen treffen, die den Fortbestand des kompletten Pflegedienstes sichern. Daher zunächst eine kurze Übersicht über die Begriffe.

Kennzahlen in der Pflege

Um die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens bewerten zu können, werden einige Kennzahlen angelegt, die eine gewisse Aussagekraft über das weitere Vorgehen bieten können.

Dabei ist vor allem eine Kennziffer aus dem Bereich der Rentabilität besonders wichtig, nämlich die sogenannte Umsatzrendite. Diese Kennzahl ist deshalb so von Bedeutung, weil aus ihr abgeleitet werden kann, wie wirtschaftlich erfolgreich der Pflegedienst arbeitet.

Umsatzrendite, Umsatzrentabilität, Umsatzverdienstrate

Die Umsatzrendite, auch Return on Sales genannt, gibt an, wie viel Geld ein Unternehmen in Bezug auf einen bestimmten Umsatz verdient hat. Etwas vereinfacht gesagt, gibt die Umsatzrendite also an, wie viel Gewinn am Ende eines Geschäftsjahres übrig bleibt.

Die Umsatzrendite wird häufig in Prozent angegeben, woraus sich folgende Formel für die Berechnung ergibt:

(ordentliches Betriebsergebnis: Umsatz) x 100% = Umsatzrendite

Aus der Umsatzrendite lässt sich somit schnell ableiten, wie produktiv ein Unternehmen arbeitet. Sinkt bei ihrem Pflegedienst die Umsatzrendite, können Sie davon ausgehen, dass auch die Produktivität gesunken ist. Umgekehrt deutet eine steigende Umsatzrendite darauf hin, dass sich die Produktivität erhöht hat.

Unterscheidung zwischen Betriebsergebnis und Gewinn

Häufig wird der Gewinn statt des ordentlichen Betriebsergebnisses für die Berechnung verwendet. Um einen schnellen Überblick über den aktuellen Stand zu bekommen, können Sie ausnahmsweise dieses Vorgehen wählen. Allerdings gibt Ihnen nur das ordentliche Betriebsergebnis einen echten Eindruck über die Produktivität Ihres Pflegedienstes und kann daher darauf hinweisen, welche Maßnahmen eingeleitet werden sollen.

Allerdings kann das Betriebsergebnis durch einige andere Kosten, wie beispielsweise die Rücklagen verwischt werden. Daher sollten Sie für eine exakte Ermittlung der Rentabilität Ihres Pflegedienstes die oben genannte Formel verwenden.

Rentabilität und Umsatzrendite

Die Umsatzrendite gibt also einen guten Anhaltspunkt, ob Ihr Unternehmen noch wirtschaftlich rentabel ist. Stellt sich allerdings die Frage, wie hoch die Umsatzrendite sein muss, damit alle Beschäftigten des Pflegedienstes gut bezahlt werden können.

Meist geht man davon aus, dass die Rentabilität des Pflegedienstes gut ist, wenn die Umsatzrendite im oberen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich liegt. Sie sollten als Pflegedienstleitung über Verbesserungen nachdenken, wenn die Rendite unter sieben Prozent rutscht. In diesem Fall dürfte nämlich auch die Rentabilität des Unternehmens nicht mehr gegeben sein.

Rentabilität und Gesellschaftsform

Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen spielt aber auch die Gesellschaftsform eine Rolle dabei, wie die Rentabilität des Pflegedienstes zu beurteilen ist. Denn, wie bereits angedeutet, gibt es einige Kosten, die den Gewinn beeinflussen und damit das Ergebnis der Berechnung der Umsatzrendite verfälschen könnten.

Gehen wir zum Beispiel davon aus, dass der Pflegedienst als Verein oder Kapitalgesellschaft firmiert, müssen die Kosten für die Gehälter des oder der Geschäftsführer korrekt mit den übrigen Kosten verrechnet werden. Auch der Fall, dass der Inhaber des Pflegedienstes gleichzeitig die Pflegedienstleitung ist, muss an dieser Stele berücksichtig werden, da dies alles Dinge sind, die sich auf die Berechnung der Rentabilität auswirken.

Rentabilität im Pflegedienst: Stellschraube Personalkosten

Wie bei anderen Dienstleistungsunternehmen auch, stellt auch bei einem Pflegedienst der Posten „Personal“ die größten Kosten dar. Daher prüft die Pflegedienstleitung häufig, ob Personalkosten die Rentabilität des Unternehmens eventuell negativ beeinflussen. Das kann dann der Fall sein, wenn die Kosten, die für das Personal eingeplant werden, nicht effizient genutzt werden. Die PDL also viel Geld für Personalkosten pro Monat ausgeben muss, auf der anderen Seite aber einen geringen Monatsumsatz erwirtschaftet.

Ermitteln kann man dieses Verhältnis über die sogenannte Personalkostenquote – und die lässt sich relativ einfach berechnen. Dazu werden die Kosten für das Personal durch den gesamten Umsatz geteilt.

Diese Quote kann übrigens auch dazu genutzt werden, die Rentabilität des eigenen Pflegedienstes mit anderen Unternehmen der gleichen Branche zu vergleichen. Dabei zeigt sich häufig auch Verbesserungspotenzial und Einsparungsmöglichkeiten.

Natürlich sind der PDL hier auch häufig die Hände gebunden, denn gewisse Aufgaben im Pflegemanagement, wie zum Beispiel die Pflegedokumentation, lassen sich eben nicht ersatzlos streichen oder beliebig rationalisieren. Schließlich steht bei der Arbeit in der ambulanten Altenpflege oder in einer Einrichtung stets das Wohlbefinden der Bewohner an erster Stelle. Der immer größer werdende Personalmangel in der Pflege wird das zusätzlich erschwert.

Trotzdem sollte diese Kennzahl nicht unterschätzt werden, denn sie liefert einen Hinweis darauf, wie der Pflegedienst in wirtschaftlich schlechten Zeiten aufgestellt ist. Denn die Personalkosten machen einen großen Teil der Fixkosten aus, die das Unternehmen regelmäßig tragen muss.

Kostenfaktor Fuhrpark

Gerade bei ambulanten Pflegediensten spielt neben den Personalkosten der Fuhrpark eine große Rolle im Hinblick auf die Rentabilität. Denn die Mitarbeiter in der Altenpflege müssen zu den Pflegekunden kommen.

Die Wirtschaftlichkeit dieses Faktors zu berechnen, ist für die PDL ebenfalls nicht ganz einfach, da hier viele verschiedene Kosten zum Tragen kommen. Auf der einen Seite sind hier die Kosten zu nennen, die das Fahrzeug selbst betreffen, wie

  • Versicherung
  • Steuer
  • Kauf- oder Leasingraten
  • Kraftstoff und weitere Betriebskosten (Verschleißteile)
  • Wartung

Gibt es im Pflegedienst keinen eigenen Fuhrpark, kommen andere Kosten auf die PDL zu. So muss beispielsweise die private Nutzung des Mitarbeiterfahrzeugs ausgeglichen oder die Miete für ein Fremdfahrzeug beglichen werden.

Gerade an dieser Stelle gibt es häufig viele Stellschrauben, die die Rentabilität des Pflegedienstes erheblich verbessern können. Es kann sich daher durchaus lohnen, einen genauen Blick auf den Fuhrpark oder die Kosten für den Transport zu werfen. Übersteigen diese Kosten mehr als zehn Prozent des Umsatzes, sollte die PDL Verbesserungen prüfen.

Umsatzstatistik verbessern: Die Pflegeversicherung

Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet pflegebedürftigen Menschen, die zu Hause betreut werden, monatliche Geldleistungen (Pflegegeld). Diese sind nach dem Pflegegrad gestaffelt und dienen dazu, die häusliche Pflege durch Angehörige oder Ehrenamtliche finanziell zu unterstützen. Pflegegeld wird erst ab Pflegegrad 2 gewährt, Pflegegrad 1 berechtigt lediglich zu einem Entlastungsbetrag und anderen Zuschüssen.

Pflegegeld 2026 – Geldleistung für häusliche Pflege

Pflegegeld wird an die pflegebedürftige Person gezahlt, wenn sie zu Hause gepflegt wird (häusliche Pflege durch Angehörige oder ehrenamtliche Pflegepersonen). Es gilt:

(Quelle: Bürger & Geld)

Hinweis

Weitere Leistungen wie teilstationäre Pflege (Tages- und Nachtpflege), Pflegesachleistungen oder wohnumfeldverbessernde Maßnahmen stehen ergänzend zur Verfügung, sind aber separate Leistungsarten der Pflegeversicherung. (Mehr dazu auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums)

Fazit

Die Rentabilität des Pflegedienstes hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Auf der einen Seite sind es die Fixkosten wie Personal und Fuhrpark, die einen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens haben. Auf der anderen Seite können Pflegeheimbetreiber an einigen Stellschrauben drehen, um das Unternehmen (noch) rentabel(er) zu machen. Allerdings wird das aufgrund anhaltender Kürzungen der Zuschüsse immer schwieriger. Vor allem vor der Gründung eines Pflegedienstes sollten Sie sich dieser Dinge unbedingt bewusst sein. Aber auch vor dem Verkauf eines Pflegedienstes sollten Sie die Rentabilität bewerten können, denn diese hat einen Einfluss auf den Wert des Unternehmens und damit auf den Verkaufspreis. Ingesamt bleibt zu hoffen, dass es bald einen gegenteiligen Trend auf dem Markt geben und Pflege im allgemeinen besser bezahlt wird, denn die Anzahl pflegebedürftiger Personen und damit der Pflegekunden wird in den nächsten Jahren wohl noch weiter steigen.