Betreuungsangebote in der Pflege

Möglichkeiten, Ziele, Leitlinien & Durchführungstipps
Betreuungsangebote in der Pflege
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Inhaltsverzeichnis

In der Tagespflege, in Pflege- oder Altenwohnheimen wird besonders auf die zielgerichtete ärztliche Betreuung der Pflegekunden geachtet. Die Gesundheit steht an erster Stelle. Doch nicht nur medizinische Maßnahmen tragen zur Genesung oder der Erhaltung der Gesundheit und Zufriedenheit bei. Zusätzliche Betreuungsangebote, wie das gemeinsame Kochen, Backen oder Basteln sowie die Möglichkeit des sozialen Austausches steigern das Wohlbefinden deutlich.

Es lohnt sich also, zusätzliche Betreuungsangebote in der stationären, ambulanten sowie der häuslichen Pflege anzubieten!

Was versteht man unter sozialen Betreuungsangeboten in der Pflege?

Unter sozialen Betreuungsangeboten in der Pflege wird nicht nur die pflegerische, medizinische Versorgung von pflegebedürftigen Menschen verstanden. Sie umfasst die aktivierende Freizeitgestaltung der Pflegekunden.

Durch die Gestaltung eines abwechslungsreichen und dennoch strukturierten Alltags in der teils fremden Umgebung ergeben sich unter anderem folgende positive Auswirkungen:

  • Steigerung des Wohlbefindens
  • Aktivierung aller vorhandenen Ressourcen
  • Förderung sozialer Interaktion und Integration

Auch an Demenz oder Alzheimer erkrankte Menschen profitieren von einem klaren Tagesablauf. Er vermittelt ihnen Sicherheit und Orientierung. Mithilfe der Betreuungsangebote werden folglich sowohl körperliche als auch soziale, kognitive und seelische Bedürfnisse befriedigt.

Soziale Betreuungsangebote: Ziele

Die Zusatzangebote können in der stationären, der ambulanten und sogar in der häuslichen Pflege genutzt werden. Es handelt sich dabei – je nach Pflegesetting und Bedürfnissen – beispielsweise um:

  • Aktivitäten in der Gruppe: Kochen, Singen, Tanzen, …
  • Gedächtnistraining
  • Biografiearbeit
  • Begleitung beim Spazierengehen

Gesetzliche Grundlagen zur sozialen Betreuung

Bis Anfang 2015 hatten lediglich „Pflegebedürftige mit erheblichem Betreuungsbedarf“ (nach § 87b SGB XI) Anspruch auf zusätzliche Betreuung und aktivierende Maßnahmen in der Pflege. Dies galt jedoch nur, wenn die Pflegekasse zuerst einen erhöhten Betreuungsbedarf feststellte und Vergütungszuschläge an die jeweilige Pflegeeinrichtung übermittelte.

Mit der Veröffentlichung des neuen Pflegestärkungsgesetzes (PSG 1) wurden die Grundlagen für den Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen deutlich erweitert. Seitdem haben alle Bewohner eines Pflegeheimes Anspruch und Recht auf zusätzliche Betreuungsleistungen. Seit der Gesetzesänderung zum Pflegestärkungsgesetz II (§ 43 PSG II) im Jahr 2017 können pflegebedürftige Personen, unabhängig von ihrem Pflegegrad soziale Betreuungsangebote nutzen.

Ziele: Warum sind Betreuungsangebote für pflegebedürftige Menschen wichtig?

Zusätzlichen Betreuungsangebote in der Pflege erfüllen wichtige Bedürfnisse. Sie tragen zum Wohlbefinden und der Lebensqualität bei. Psychische, aber auch physische Symptomatiken können dadurch gelindert werden, die persönlichen Ressourcen und Fähigkeiten bleiben erhalten.

Individuelle Förderung durch Betreuungsangebote

Als Bestandteil eines geregelten Tagesablaufs vermittelt die soziale Betreuung Orientierung und Sicherheit in dem oft so tristen Alltag der Pflegekunden. An Demenz erkrankte Patienten erleben die Abwechslung und kleinen Herausforderungen positiv. Erfolgserlebnisse sorgen für ein gesteigertes Selbstbewusstsein, wenn etwa beim Basteln, Spielen oder beim Gedächtnistraining etwas gut gelingt.

Info

Individuelle, soziale Betreuungsangebote tragen positiv zum körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Wohlbefinden bei.

Persönliche Fähigkeiten oder Interessen können etwa mithilfe der Biographiearbeit wiederentdeckt und gefördert werden. Die Erinnerung an frühere Freizeitbeschäftigungen oder den Beruf erinnert an positive Lebenserfahrungen. Das Zurückdenken an Vergangenes, der Austausch im Gespräch und gezielte Gedächtnisübungen stärken die kognitiven Fähigkeiten.

Förderung der sozialen Interaktionen durch Betreuungsangebote in der Pflege

Soziale Betreuung findet jedoch nicht nur allein statt. Zahlreiche Betreuungsangebote konzentrieren sich auf die Förderung der Interaktionen zwischen den Patienten. Dabei wird die Entstehung einer Gemeinschaft unterstützt, in der sich jeder angenommen fühlt und positive Emotionen im Zusammensein erlebt.

Bei Aktivitäten in der Gruppe, etwa beim Spielen oder Singen erfahren die Pflegekunden Zugehörigkeit und Freude. Im Zuge dessen können neue soziale Kontakte geschlossen werden. Dies wirkt der Einsamkeit und Isolation entgegen.

Konkrete Zielsetzung von spezifischen Betreuungsangeboten

Einige Beispiele für Zielsetzungen von bestimmten Betreuungsangeboten in der Pflege sind folgende:

Gedächtnisübungen

Therapeutische Gesichtspunkte: Training der kognitiven Fähigkeiten, Verbesserung der Aufmerksamkeitsspanne

Alltagsbegleitung: Wecken von Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis, Stärken des Selbstwertgefühls


Mahlzeitenbegleitung

Therapeutische Gesichtspunkte: Förderung motorischer und taktiler Fähigkeiten, Wiedererlangen alltagspraktischer Kompetenz

Alltagsbegleitung: Freude am gemeinsamen Essen in der Gruppe (Normalitätsprinzip), Förderung des Selbstwertgefühls


Musikalische Angebote

Therapeutische Gesichtspunkte: Vermittlung von Orientierung durch bekannte Lieder, Ausdruck von Gefühlen und Stimmung, Schulung rhythmischer und musikalischer Fähigkeiten, ggf. Erlernen neuer Lieder

Alltagsbegleitung: Freude und Spaß am Singen in der Gemeinschaft, Wohlbefinden fördern, Förderung des Selbstwertgefühls, Stärken des Zugehörigkeitsgefühls


Biographiearbeit

Therapeutische Gesichtspunkte: Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte, ggf. Verarbeiten kritischer Lebensereignisse

Alltagsbegleitung: Wecken positiver Erinnerungen, Beziehungsaufbau und Vertrauen schaffen

Natürlich lassen sich die Ansätze nicht grundlegend voneinander trennen, manche Ziele sind identisch. Dennoch variiert der Anspruch sowohl an die Bewohner als auch an die Pflegekraft.

Tipp

Überlegen Sie im Team, welche Aspekte Ihnen besonders wichtig in Ihrer Arbeit sind. Vielleicht fällt Ihnen ja auf, dass das Erreichen mancher Ziele für das Wohlbefinden Ihrer Bewohner gar nicht so wichtig ist.

Zielsetzungen und Betreuungsangebote

Welche Leitlinien für die Durchführung von sozialen Betreuungsangeboten in der Pflege gibt es?

Bei der Durchführung von Betreuung in der Freizeit müssen jedenfalls zwei Grundsätze beachtet werden:

  • Die Betreuungsangebote beruhen auf Freiwilligkeit.
  • Jede Beteiligung wird mit einer wertschätzenden Haltung seitens der Pflegekraft begrüßt.

Wichtig und wesentlich für die Teilnahme an zusätzlichen Betreuungsangeboten in der Pflege ist, dass diese auf Freiwilligkeit beruht. Jeder einzelne Pflegekunde kann jeden Tag von neuem entscheiden, ob der das Angebot annehmen möchte und an den Aktivitäten teilnimmt.

Ebenso ist steht frei zur Entscheidung, in welchem Ausmaß die Betreuung in Anspruch genommen werden kann. Auch wenn ein Beitrag noch so gering ist, sollte jeder Teilnehmer in seiner Anwesenheit durch die Pflegekraft positiv bestärkt werden und Wertschätzung erfahren.

Hinweis

Eine Person darf nicht zur Teilnahme an den Betreuungsangeboten gezwungen werden. Dies würde sich eher negativ als positiv auf das Befinden auswirken und möglicherweise auch die anderen Pflegekunden beeinflussen.

Allgemeine Anforderungen an Betreuungsangebote im Pflegebereich

Wie bereits beschrieben soll die Teilnahme an jeglichen Betreuungsangeboten auf freiwilliger Basis beruhen.  Im Rahmen eines Gesprächs mit einer vertrauten Pflegekraft kann jeder Pflegekunde auf Grundlage seiner persönlichen Interessen Beratung und Informationen über die verschiedenen Möglichkeiten erhalten.

Dabei ist darauf zu achten, dass sich die angebotenen Aktivitäten an den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen orientieren – die Patienten also weder unter- noch überfordert werden. Bei der Auswahl der Betreuungsangebote muss des Weiteren auf die ganzheitliche Förderung geachtet werden. Durch ein vielfältiges Angebot an anregenden Aktivitäten soll sowohl körperliche als auch geistige Aktivierung stattfinden.

Betreuungsangebote: Anforderungen

Tipp

Erstellen Sie für jeden Programmpunkt der Betreuungsangebote ein grundlegendes Konzept, planen Sie aber genügend Platz für flexible, spontane Änderungen ein. So haben Sie die Möglichkeit, auf die individuelle Tagesverfassung einzugehen. Dadurch können Überforderung und Frustration vermieden werden.

Checkliste für die Anforderungen an Betreuungsangebote in der Pflege

  • Freiwillige Teilnahme
  • Individuelle Inhalte auf Grundlage von persönlichen Interessen
  • Weder unter- noch überfordern: Eingehen auf persönliche Fähigkeiten und Bedürfnisse
  • Ganzheitliche Förderung für Körper und Geist

Welche Betreuungsangebote gibt es in der Pflege?

Die Betreuungsangebote in der Pflege unterscheiden sich in der jeweiligen methodischen Vorgehensweise. Es wird beispielsweise zwischen Einzel- und Gruppenaktivitäten unterschieden. Die persönlichen Bedürfnisse werden bei einem Erstgespräch besprochen. Dabei wird festgelegt, welche Angebote – etwa aufgrund der Biografie – passend sind und zur persönlichen Förderung beitragen.

So müssen, etwa bei Bettlägerigkeit, Nervosität oder gewissen Verhaltensweisen individuelle Betreuungsangebote angeboten werden. Dies gilt ebenso, wenn die Betreuung in der Gruppe abgelehnt wird.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für soziale Betreuungsangebote im Pflegebereich. Einen Überblick gibt die folgende Liste.

Einzelangebote entsprechend der persönlichen Bedürfnisse sind unter anderem:

  • Persönliche Beratungsgespräche
  • Biographiearbeit: Auseinandersetzung mit der persönlichen Vergangenheit
  • Individuelles Gedächtnistraining
  • Basale Stimulation: Aktivierung der Sinne bei Aktivitäts- oder Wahrnehmungsstörungen
  • Gemeinsames Spazierengehen
  • Und vieles mehr

Tipp

Selbstverständlich können gegebenenfalls auch viele der folgenden Gruppenaktivitäten in Einzelbetreuung stattfinden.

Betreuungsangebote im Gruppensetting sind unter anderem:

  • Ausflüge je nach Möglichkeit
  • Auseinandersetzung mit neuen Medien und Technologien
  • Basteln und Malen
  • Bewegungsspiele
  • Gartenarbeit
  • Geburtstagsfeiern
  • Gedächtnistraining
  • Gesellschaftsspiele
  • Gymnastik
  • Haushaltsarbeit
  • Herrenrunde
  • Kaffeekränzchen
  • Kochen, Backen
  • Lesen und Vorlesen
  • Quizzes
  • Singen und Musik machen
  • Und vieles mehr

Zusätzlich bietet es sich an, Feste entsprechend der Jahreszeiten zu veranstalten und nicht nur Weihnachten, Ostern und Geburtstage, sondern auch den Fasching, den Erntedank oder den Beginn des Sommers zu feiern.

Beispiele für Betreuungsangebote in Pflegeheimen

Hier sollen nun verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung des Betreuungsangebotes im Pflegebereich vorgestellt werden.

Betreuungsangebot: Gedächtnistraining

Mithilfe des Gedächtnistrainings, auch Gehirnjogging genannt, sollen die geistigen Fähigkeiten einer Person gefördert und erhalten werden. Es ist darum nicht nur für pflegebedürftige oder an Demenz erkrankte Menschen anwendbar, sondern für alle Altersstufen! Für die Motivation sorgt ein spielerischer Ansatz, etwa bei einem Quiz oder Rätseln.

Wussten Sie?

Das Gedächtnistraining beruht auf einer uralten Methode. Die Redner des antiken Griechenlands wandten sogenannte Mnemotechniken an, um sich den Ablauf ihrer Vorträge zu verinnerlichen.

Spätestens im fortgeschrittenen Alter lohnt sich die Beschäftigung mit Gedächtnistraining, darum findet es auch im Pflegebereich Anwendung. Man erhofft sich dabei, den möglichen Ausbruch einer Demenzerkrankung zu verzögern und die Gedächtnisleistung aufrecht zu erhalten, bzw. im besten Fall zu verbessern.

Zusätzlich können die Übungen in Form von kleinen Spielen oder Herausforderungen das Selbstwertgefühl steigern, Erfolgserlebnisse auslösen und somit positive Emotionen wecken. Es bietet sich außerdem an, das Gedächtnistraining in der Gruppe durchzuführen. Dabei kann der Einsamkeit entgegengewirkt und der Aufbau von sozialen Kontakten gefördert werden.

Beim Gehirnjogging können die unterschiedlichsten Methoden zum Einsatz, beispielsweise:

  • Rätsel wie Sudoku oder Kreuzworträtsel
  • Puzzle
  • Memory
  • Diverse Merkspiele in Gruppen oder Einzeln, z.B. Wörterraten

Besonders Spiele, die mit Wörtern und Buchstaben arbeiten, können bei Demenz hilfreich sein. Die Beschäftigung mit der Sprache hilft dabei, im Gespräch richtige Begriffe zu finden, um sich ausdrücken zu können.

Gedächtnisübungen zur Förderung der Sprachfähigkeit sind unter anderem:

  • ABC-Spiel: Dabei wird eine Kategorie, z.B. Berufe vorgegeben. Dann suchen die Teilnehmer einen passenden Begriff zu jedem Buchstaben des Alphabets.
  • Lückengeschichten: Dabei wird beispielsweise der erste Teil eines bekannten Sprichwortes vorgesagt und muss von den Teilnehmern vervollständigt werden, z.B. „Ehrlich währt …“ – „am längsten“.
  • Reimrätsel: Bei einem Reimrätsel muss das Satzende einer Zeile aus einem kleinen Gedicht erraten werden, z.B. „Ich stehe heute Morgen auf, der Tag beginnt, ich freu mich …“ – „drauf

Betreuungsangebot: Biographiearbeit

In der Biographiearbeit beschäftigen sich die Pflegekunden mithilfe einer Pflegekraft mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte. Sie setzen sich mit ihrer Vergangenheit auseinander und lernen, sie neu zu bewerten. Besonders bei Demenz oder schweren Erkrankungen fällt dies besonders schwer. Dann muss seitens des Pflegers korrekt reagiert werden. Dies setzt einiges an Erfahrung voraus.

Informationen aus dem Leben eines Pflegekunden können sehr hilfreich bei der Auswahl von Pflegemaßnahmen und Betreuungsangeboten sein. Erstens können auf Grundlage der Informationen Bedürfnisse erkannt werden, die der Betroffene möglicherweise selbst nicht mehr äußern kann.

Zweitens hilft das Wissen über die persönlichen Hintergründe bei der Anknüpfung an die Gegenwart. So kann ein ehemaliger Bäcker positiv an seine Vergangenheit erinnert werden, wenn er in der Küche mit Teig arbeiten darf. Eine Schneiderin kann beispielsweise beim Zusammenlegen von Wäsche helfen.

Methoden, die bei der Biographiearbeit angewandt werden, sind:

  • Einzelgespräche zu persönlichen Erlebnissen
  • Gruppenarbeit, z.B. besprechen von alten Fotos oder Erfahrungsaustausch
  • Aktive Biographiearbeit beim gemeinsamen Singen, Tanzen, Muszieren
  • Gegenseitige Interviews

Betreuungsangebot: Neue Technologien kennenlernen

Besonders aktivierend ist auch die Beschäftigung mit gänzlich neuartigen Medien und Technologien. Diese eröffnen völlig neue Welten für die Senioren und können auch als Assistenzsysteme gute Dienste leisten. Je nach Pflegegrad und Aufgeschlossenheit lohnt es sich jedenfalls, die Auseinandersetzung mit den digitalen Helfern.

So lernen geistig gesunde Pflegekunden über die Nutzung des Internets und über die Kommunikation mit ihren Lieben. Sie erkennen, dass Smartphones und Tablets keine komplizierten Anwenderkenntnisse voraussetzen, sondern durchaus hilfreich sein können. So lernen die Senioren, sich selbstständig im Internet über ihr Hobby oder aktuelle Ereignisse aus aller Welt zu informieren. Dies hält weiterhin geistig fit. Das neu erlangte Wissen ermöglicht den Austausch und die Diskussion mit anderen.

Natürlich darf dabei auch nicht vergessen werden, dass es zahlreiche Assistenzsysteme gibt, die das Leben leichter machen. Sie unterstützen eine gesunde Lebensführung und können auch in gefährlichen Situationen weiterhelfen.

Smartphones und andere digitale Helfer haben heutzutage viele hilfreiche Funktionen, z.B.

  • Notruffunktion
  • Kommunikationshilfe
  • Erinnerungshilfe
  • Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme
  • Unterhaltung
  • Koppelung mit Blutdruck-/Blutzuckermessgerät u.Ä.
  • Zeitliche und lokale Orientierung
  • Und viele mehr

Planung von zusätzlichen Betreuungsangeboten für die stationäre Pflege

Wenn die Betreuungsangebote in einer Pflegeeinrichtung erweitert, ergänzt und verbessert werden sollen, bedeutet dies möglicherweise einen höheren Aufwand in Bezug auf die Abstimmung von Angeboten sowie koordinatorische und organisatorische Aufgaben.

Auch die notwendige Einarbeitungs- und Umstellungszeit erhöht kurzfristig den zeitlichen Aufwand. Vielleicht gibt es Zweifel einzelner Betreuungskräfte, dass sie dadurch noch weniger betreuen können, weil diese Aufgaben einen größer werdenden Anteil Ihrer Arbeitszeit in Anspruch nehmen.

Mit den folgenden Tipps erfolgt die Organisation der Betreuungsangebote schnell, effizient und zielorientiert.

Checkliste und Praxistipps für die Planung von zusätzlichen Betreuungsangeboten

Unerlässlich für eine optimale Umsetzung ist eine strukturierte Wochen- und Monatsplanung. Auch wenn bald alle Bewohner zusätzliche Betreuung erhalten werden, empfiehlt es sich doch, feste Zuständigkeiten für bestimmte Bewohner beizubehalten.

Das vereinfacht den Überblick, gewährleistet, dass kein Bewohner zu kurz kommt und jeweils eine festgelegte Person für die entsprechende Dokumentation zuständig ist.

Überprüfen Sie mit der folgenden Checkliste, ob Ihre Angebote zur zusätzlichen sozialen Betreuung effektiv und fachlich korrekt geplant sind:

  • Die Betreuungsangebote finden zu unterschiedlichen Tageszeiten statt.
  • Angebote finden regelmäßig auch an den Wochenenden statt.
  • Jeder Betreuungsassistent hat beispielsweise jeden 2. Samstag oder Sonntag Dienst.
  • Sie bieten spezielle Einzelangebote für bettlägerige Bewohner an.
  • Es gibt besondere Angebote für demenzerkrankte Pflegekunden.
  • Gruppenangebote werden im Rahmen der zusätzlichen sozialen Betreuung geplant.
  • Die Betreuungsassistenten sind in die Wochenplanung aktiv einbezogen. Sie können eigene Ideen und Vorschläge einbringen.
  • Die Kollegen werden entsprechend ihren unterschiedlichen Fähigkeiten zum Wohle der Bewohner eingesetzt.
  • Zuständigkeiten sind klar geregelt und allen Kollegen bewusst.
  • Ansprechpartner für unterschiedliche Aufgaben sind bekannt.
  • Es werden ausreichend Weiterbildungsmöglichkeiten für Betreuungsassistenten angeboten (mindestens 2 Tage pro Jahr gemäß der Richtlinie).
  • Es gibt Angebote in Zusammenarbeit mit den weiteren Kollegen der sozialen Betreuung, die den fachlichen Austausch sichern.
  • Die Betreuungsassistenten wissen, welche Bereiche der schriftlichen Dokumentation sie übernehmen müssen.
  • Sie sind in der Lage, die Dokumentation korrekt durchzuführen, und erhalten bei Bedarf Anleitung und Unterstützung.
  • Der regelmäßige fachliche Austausch mit Kollegen der sozialen Betreuung ist sichergestellt, z. B. durch ein wöchentliches Teamgespräch.
  • Es gibt dabei ein regelmäßiges Feedback über die Arbeit.

Tipp

Haken Sie die einzelnen Punkte der Checkliste nacheinander ab. Überprüfen Sie Ihren Wochen- und Dienstplan anhand der Punkte und besprechen Sie das Ergebnis gemeinsam im Betreuungsteam. Je mehr Punkte Sie abhaken konnten, desto effektiver dürfte Ihre Angebotsplanung sein. Überlegen Sie gemeinsam, welche Aspekte zukünftig noch verbessert werden können.

Führung von Teamgesprächen für die Planung von Betreuungsangeboten

Um den Austausch und die Kommunikation im gewachsenen Betreuungsteam zu stärken, ist es sinnvoll, dass regelmäßige wöchentliche Teamgespräche durchzuführen. Hier können Aufgaben und Zuständigkeiten stets aktuell abgestimmt werden. Jeder kann eventuelle Fragen klären oder auch Aufgaben mit seinen Kollegen tauschen.

Als Leitfragen für die Gespräche eignen sich etwa folgende Aspekte:

  • Welche besonderen Termine, die für das Team relevant sind, stehen in der nächsten Woche an?
  • Wer nimmt an diesen Terminen teil?
  • Wer übernimmt wann welche Aufgaben?
  • Gibt es Abweichungen vom regulären Wochenplan aufgrund besonderer Veranstaltungen oder Abwesenheit von Kollegen aufgrund von Urlaub, Fortbildung oder Krankheit?
  • Müssen Vertretungen organsiert werden? Wenn ja, wer kann was übernehmen? Was muss ausfallen?
  • Gibt es Neuerungen in Bezug auf organisatorische Punkte (z. B. Reservierungen, Anträge, Budgets, Abrechnungen, Ansprechpartner, Kontakte zum Gemeinwesen)?
  • Gibt es Themen zum fachlichen Austausch (z. B. Informationen zu besuchten Fortbildungen, neue Angebote, Materialtipps, Veranstaltungstipps oder Ähnliches)?
  • Besteht Anlass zu Fallgesprächen bezüglich eines Bewohners oder Angehörigen?
  • Hat jemand noch andere Fragen oder Anliegen?

Damit es eine hohe Arbeitszufriedenheit gewährleistet wird, ist es sehr wichtig, dass Feedback zu erhalten. So kann sich das Team gegenseitig stärken, wenn es um schwierige Situationen mit Bewohnern, Angehörigen oder Kollegen anderer Berufsgruppen geht.

Tipp

An diesen Teamsitzungen sollten sowohl Betreuungsfachkräfte als auch Betreuungsassistenten teilnehmen und auch regelmäßig in größeren Abständen eine Leitungskraft einbezogen werden. Der Austausch schützt vor Unzufriedenheit oder Missverständnissen und stärkt den Zusammenhalt.

Fazit zu den Betreuungsangeboten in der Pflege

Spätestens seit der Überarbeitung der gesetzlichen Bestimmungen zu den sozialen Betreuungsangeboten im Pflegebereich haben viele dieser aktivierenden Beschäftigungen Einzug in den Pflegealltag gehalten.

Die vielseitigen Beschäftigungsmöglichkeiten helfen bei der Stärkung, Förderung und Erhaltung der körperlichen sowie geistigen Fähigkeiten der Pflegekunden. Sie können das Selbstwertgefühl stärken und die Gemeinschaft im Pflegeheim fördern.

Dabei muss die Betreuungskraft jedoch immer im Hinterkopf haben, dass die Teilnahme an den Betreuungsangeboten auf freiwilliger Basis erfolgt. Auch wenn sie der Meinung ist, dass es dem Patienten gut tun würde, darf sie ihn dennoch nicht zwingen, sondern nur durch positive Verstärkung und Wertschätzung motivieren.

Mit der richtigen Vorbereitung und Planung verhelfen Einzelangebote, wie individuelles Gedächtnistraining oder basale Stimulation, wie auch Gruppenaktivitäten, z. B. Spielen, Singen oder die gemeinsame Teilnahme an jahreszeitlichen Festen zu mehr Wohlbefinden und Abwechslung im Pflegealltag.