Stationäre Pflege

Formen, Betreuungsangebote, Vorteile & Nachteile
Stationäre Pflege
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Inhaltsverzeichnis

Die Anzahl der Pflegebedürftigen steigt nach wie vor weiter an. Der Techniker Krankenkasse zufolge hat sich 2019 die Anzahl der Pflegebedürftigen in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr um 15,7 Prozent erhöht. Bereits 2018 konnte ein deutschlandweiter Anstieg von etwa 10 Prozent im Vergleich zu 2017 verbucht werden. Betroffene und ihre Angehörigen sollten sich informieren, welche Leistungen und Formen die stationäre Pflege umfasst und wie sie den Alltag von pflegebedürftigen Personen erleichtern kann.

Aufgrund von Krankheit oder einem hohen Alter kann es passieren, dass Menschen auf Pflege angewiesen sind und nicht mehr in ihrem Zuhause leben können. Für solche Personen gibt es eine teil- oder auch vollstationäre Betreuung, je nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit. Die wichtigsten Informationen rund um die stationäre Pflege und die geltenden Pflegestandards finden Sie hier.

Was versteht man unter stationärer Pflege?

Unter der Bezeichnung stationäre Pflege verstehen Experten die Betreuung von Personen, die sich in ihrem bisherigen Wohnumfeld nicht mehr selbst versorgen können. Sie benötigen dann die Hilfe einer Pflegeeinrichtung, eines Altenwohnheims, eines Altenheims oder eines Pflegeheims, in dem sie teilwiese oder ganz untergebracht werden. Hier wird zwischen dem teilstationärem Aufenthalt mit Tages- oder Nachtpflege oder dem vollstationärem Aufenthalt mit Ganztagspflege unterschieden.

Rechtsgrundlage für die stationäre Pflege bildet § 71 SGB XI (Elftes Buch Sozialgesetzbuch), demgemäß Personen dauerhaft unter die Aufsicht einer ausgebildeten Pflegekraft gestellt und entsprechend der vorgeschriebenen Pflegestandards betreut sowie pflegerisch versorgt werden. Insofern gilt die stationäre Pflege als das Gegenstück zur ambulanten Pflege.

Wann ist eine stationäre Pflege sinnvoll?

Laut dem Sozialgesetzbuch (SGB XIII) sollte eine Person stationär gepflegt werden, wenn deren Versorgung und Betreuung durch die ambulante oder häusliche Pflege nicht gewährleistet werden kann. Doch auch im Bereich der stationären Pflege gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen.

Formen der stationären Pflege

Ist die Entscheidung für eine stationäre Pflege gefallen, stellt sich die Frage, ob für die pflegebedürftige Person eine teilstationäre oder eine vollstationäre Pflege besser geeignet ist.

Zu den teilstationären Einrichtungen zählen beispielsweise Pflege-, Alten- oder Wohnheime, in denen Betroffene täglich während eines zeitlich begrenzten Rahmens betreut werden. Dabei wird zwischen einer Tages- und Nachtpflege differenziert.

Bei der Entscheidung für eine vollstationäre Pflege zieht der Patient komplett in die betreute Wohneinrichtung ein.

Was ist der Unterschied zwischen stationär und ambulant?

Im Gegensatz zur stationären Pflege, die in einer entsprechenden Einrichtung geschieht, verbleiben die Betroffenen in der ambulanten Pflege in ihrem gewohnten Lebensumfeld und werden dort versorgt. 

Bezüglich der Tätigkeiten einer ambulanten Pflegekraft ist zwischen pflegerischen und hauswirtschaftlichen Aufgaben zu unterscheiden. Es kann auch zwischen häuslicher Pflege (sie setzt Pflegegrad 2, 3, 4 oder 5 voraus) und häuslicher Krankenpflege bzw. Hauskrankenpflege unterschieden werden, mit der alle von der Krankenversicherung gezahlten Pflegehandlungen abgedeckt sind. Eine häusliche Krankenpflege kann vom Arzt verordnet werden und soll diesen entlasten.

Während eine stationäre Pflegekraft Ihre Arbeitszeit in einem Altenwohnheim, Altenheim oder Pflegeheim verbringt, ist eine Pflegekraft der ambulanten Pflege täglich mit dem Dienstwagen unterwegs, besucht pflegebedürftigen Patienten in ihren Wohnungen und erledigt dort die notwendigen Arbeiten, beispielsweise:

  • Hilfestellung beim Waschen sowie An- und Auskleiden
  • Wechsel von Verbänden
  • Messen von Blutdruck, Blutzucker, Fieber, etc.
  • Vorbereitung und Verabreichung von Medikamenten
  • Setzen von Injektionen
  • Hilfestellung beim Zubereiten der Mahlzeiten
  • Hilfe bei der Fortbewegung, z. B. beim Treppensteigen

Bei der ambulanten Pflege geht es darum, die pflegebedürftige Person in ihren eigenen vier Wänden zu versorgen. Das kann zum Beispiel zur Erholung nach einer Operation sein, ist aber in manchen Fällen auch langfristig angelegt, um bei altersbedingten Einschränkungen und der Gesundheitspflege zu helfen. Die Pflegekräfte folgen dabei einem vorher detailliert abgesprochenem Pflegeplan. Sie dokumentieren die einzelnen Leistungen und rechnen diese entsprechend ab. Bei der stationären Pflege hingegen kommt meist ein Tagegeldsatz zum Einsatz.

Die stationäre Pflege eignet sich für Personen mit schweren Krankheiten oder Einschränkungen, deren Angehörige die Pflege nicht mehr übernehmen können oder wollen. Auf der Station sind die Patienten in den besten Händen und haben jederzeit Zugang zu Notfallversorgung. Bei der ambulanten Pflege hingegen erfolgen die Leistungen punktuell.

In welchen Pflegeeinrichtungen erfolgt stationäre Pflege?

Als ausgebildete Pflegekraft arbeiten Sie nahezu immer in einer der drei klassischen Arten von Pflegeeinrichtung, nämlich im Altenwohnheim, im Altenheim oder im Pflegeheim. Die ambulante Pflege stellt eine Sonderform dar, die der Tatsache Rechnung trägt, dass nicht jeder Pflegebedürftige sofort in eine entsprechende Einrichtung verlegt werden muss. In den meisten Einrichtungen wird inzwischen fast immer eine Kombination aus diesen drei Unterbringungsarten angeboten.

  • Altenwohnheim

In einem Altenwohnheim können die Bewohnerinnen und Bewohner relativ eigenständig leben und wohnen in kleinen Wohnungen, die eine eigene Küche oder Küchenzeile besitzen.

Allerdings haben die Altenheimbewohner auch die Möglichkeit, sich bei einzelnen oder allen Mahlzeiten mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern zusammenzusetzen und mit ihnen gemeinsam zu essen. Oft gibt es Angebote für Freizeitgestaltung, an denen man teilnehmen kann oder nicht.

  • Altenheim

Ein Altenheim zielt auf ältere Menschen, die nicht mehr zur eigenständigen Führung ihres Haushaltes fähig sind. Ihnen stehen in Altenheimen hauswirtschaftliche Hilfestellungen oder auch pflegerische Betreuung zur Verfügung. Ähnlich einem Altenwohnheim leben die Menschen im Altenheim ebenfalls sehr häufig in einer eigenen Wohnung bzw. einem Apartment, sodass die Privatsphäre gewahrt bleibt.

  • Pflegeheim

Das Pflegeheim unterscheidet sich vom Altenwohnheim und Altenheim vor allem dadurch, dass die Bewohnerinnen und Bewohner nicht in einer privaten Wohnung leben, sondern in Einzel- oder Doppelzimmern wohnen, die sie teilweise mit ihren eigenen Möbeln ausstatten dürfen. Für Sie als Pflegekraft sind die hauswirtschaftlichen und pflegerischen Aufgaben dieselben, wie im Altenwohnheim bzw. Altenheim.

Exkurs: Hospiz

Eine besondere Form der Pflegeeinrichtung sind die Hospize. Sie stehen ausschließlich schwerstkranken und sterbenden Menschen zur Verfügung. Es handelt sich um auf die Sterbebegleitung spezialisierte Pflegeeinrichtungen. Hospize legen ihren Schwerpunkt auf die palliative Versorgung ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.

In diesen Einrichtungen findet stationäre Pflege statt

Umzug ins Pflegeheim – Wie finden Sie die passende Einrichtung?

Für Angehörige ist es eine schwere Entscheidung, eine pflegebedürftige Person in ein Pflegeheim zu geben. Insbesondere weil die Betroffenen vorzugsweise in ihrem gewohnten Lebensumfeld bleiben würden, wird die Entscheidung mit einem schlechten Gewissen und Zweifel begleitet.

Doch häufig lässt sich ein Umzug ins Pflegeheim nicht vermeiden. In vielen Fällen lassen die Räumlichkeiten der Wohnung einen normalen Tagesablauf nicht mehr zu. Weiterhin ist es möglich, dass die Familie nicht ausreichend Zeit aufbringen kann, um dem Betroffenen die bestmögliche Pflege und Betreuung zu bieten.

Wie finden Sie eine geeignete Einrichtung? Zum einen sollte darauf geachtet werden, dass der Pflegebedürftige sich wohl fühlt. Zum anderen sollte die Pflegeeinrichtung den preislichen Möglichkeiten der Angehörigen entsprechen.

Wie der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) bei der Entscheidung für die richtige Einrichtung helfen kann

Der „Medizinische Dienst der Krankenversicherung“, kurz MDK führt Gutachten für Kranken- und Pflegekassen durch. Er wird bei der Begutachtung der Pflegebedürftigkeit, bei Reha-Anträgen, bei strittigen medizinischen Versorgungsformen sowie Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit konsultiert. Als unabhängiger und neutraler Beratungs- und Begutachtungsdienst arbeitet der MDK für alle gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen.

Stationäre Einrichtungen – Qualitätsbereiche der Prüfung durch den MDK

Der MDK prüft die Pflegebedürftigkeit von Patienten. Mit verschiedenen Tests findet er heraus, ob und in welchem Grad die Pflegebedürftigkeit der Person erfüllt ist, welche Reha-Maßnahmen durchgeführt werden und welche Pflegeanforderungen erfüllt sein müssen. Im Anschluss erstellt der MDK ein Gutachten, welches die Basis für die Festlegung des Pflegegrads ist. Für die Erstellung des Gutachtens sind 6 Bereiche relevant:

  • Mobilität
  • kognitive und kommunikative Kompetenz
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Umgang mit krankheits- oder therapiespezifischen Anforderungen und Belastungen
  • Alltagsgestaltung sowie Pflege von sozialen Kontakten

Somit können konkrete Einschätzungen ausgesprochen werden, wie selbstständig die Pflegeperson agieren kann und sich der Umzug in eine Pflegeeinrichtung lohnt.

6 Tipps, wie Sie vorgehen können, um die passende Einrichtung zu finden

  1. Kostenlose Beratungsangebote nutzen
  2. Leistungen und Kosten verschiedene Pflegedienste vergleichen
  3. Zuverlässigkeit und Erreichbarkeit der Pflegeinrichtung prüfen
  4. Prüfen, ob Leistungen und Kosten der Einrichtung transparent nachvollziehbar sind
  5. Prüfen, ob die Einrichtung auf individuelle Wünsche und Bedürfnisse eingeht
  6. Prüfen, ob die Einrichtung Regelungen und Absprachen schriftlich festhält

Was sind die Vorteile der stationären Pflege?

Auch wenn die Unterbringung eines Angehörigen in einer Einrichtung für stationäre Pflege für alle Beteiligten eine emotionale Herausforderung ist, so gibt es doch zahlreiche Vorteile, die die stationäre Pflege mit sich bringt. 

  • Pflege rund um die Uhr

Die stationäre Pflege hat den großen Vorteil, dass sie eine Rundum-Pflege ermöglicht. Personen, die nicht mehr allein leben können oder wollen, sind in den besten Händen. Neben Verpflegung und Unterkunft gehört auch die professionelle medizinische Pflege zu den Vorteilen.

  • Hilfe im Notfall

Auf der Station sind die Pflegekräfte rund um die Uhr im Einsatz. Das bedeutet, dass im Notfall stets jemand zur Stelle sein kann, was im Gegensatz bei der ambulanten Pflege nicht der Fall ist. Ein Notfallknopf hilft auch nachts dabei, Hilfe zu rufen.

  • Soziale Kontakte

Ein weiterer Vorteil ist der Anschluss zu anderen Patienten. Diese haben meist ähnliche Beschwerden, Sorgen oder Nöte, sodass es gut tun kann, sich darüber auszutauschen. Es ist möglich, in verschiedenen Kontexten miteinander zu sozialisieren, was für die mentale Gesundheit von Pflegepatienten sehr wichtig ist.

Dafür gibt es in vielen Heimen und Krankenhäusern auch Gruppen, Beratungsangebote und Kurse, in denen die Patienten etwas Neues lernen oder an ihren Problemen arbeiten können. Dies gibt Hoffnung und führt in vielen Fällen tatsächlich zu einer Besserung.

Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:

  • Barrierefreies Wohnen
  • Aufrechterhaltung oder Ausbau der sozialen Kontakte
  • Gemeinsame Aktivitäten mit anderen Bewohnern
  • Medizinische Hilfe steht jederzeit zur Verfügung
  • Betreuung durch Fachpersonal (24 Stunden täglich)
  • Angehörige werden pflegerisch entlastet und haben Zeit für Unternehmungen mit dem Heimbewohner
  • Betreuung und Pflege können auf den Betroffenen zugeschnitten werden (wichtig bei hohem Pflegebedarf)

Insgesamt entlastet die stationäre Pflege die pflegenden Angehörigen. Zudem ist durch geschulte Pflegekräfte sichergestellt, dass die Betroffenen adäquat versorgt werden.

Was sind die Nachteile der stationären Pflege?

Zugleich bietet die stationäre Pflege aber auch Nachteile. Für viele Patienten, insbesondere, wenn eine Krankheit wie Demenz vorliegt, ist es verwirrend, nicht mehr zuhause zu wohnen. Sie fühlen sich in der eher sterilen stationären Pflege nicht wohl oder sind von den vielen neuen Eindrücken und Personen überfordert.

  • Die Betreuungszeit reicht oft nicht aus.

Im Gegensatz zu einer nach Leistung bezahlten ambulanten Pflege ist bei der stationären Pflege nicht immer ausreichend Zeit und Bewusstsein vorhanden, um gründlich auf jeden Patienten einzugehen. Daher entscheiden sich viele Personen lieber für eine 24-Stunden-Pflege daheim.

  • Das Leben in einer stationären Pflegeeinrichtung bedeutet Einschränkungen.

Für Patienten, die nur ab und zu Pflege benötigen oder punktuelle Unterstützung (etwa beim An- und Ausziehen) brauchen, ansonsten aber selbständig sind, ist die stationäre Pflege eher einschränkend. Darum ist es in manchen Fällen sinnvoll, sich für die ambulante Pflege zu entscheiden.

  • Bei wechselnden Pflegekräften dauert es lange, bis Vertrauen aufgebaut werden kann. 

Je nach Größe der Pflegeeinrichtung kann es sein, dass ein Patient von immer wieder neuen Pflegern betreut wird, da das Personal rotiert oder einander ersetzt. Dies macht es für beide Seiten schwieriger, das in diesem Bereich dringend nötige Vertrauen aufzubauen.

Die Nachteile stationärer Pflegeeinrichtungen im Überblick: 

  • Emotionale Belastung durch den Umzug in ein fremdes Umfeld
  • Finanzielle Belastung durch Mehrkosten
  • Kein konkreter Ansprechpartner bei Fragen zur Pflege des Angehörigen
  • Privatsphäre ist oft eingeschränkt (wenn Mehrbettbelegung pro Zimmer üblich ist)
  • Kontakte meist nur zu älteren, eventuell schwer pflegebedürftigen Personen
  • Reduzierung des zur Verfügung stehenden Platzes (Zimmer statt Wohnung)

Vor allem die emotionale Belastung ist groß, wenn die betroffene Person bisher vollkommen selbstständig war und plötzlich gezwungen ist, sich auf die Pflegkraft zu verlassen und Ihre Hilfe bei Tätigkeiten zu erbitten, die bis jetzt ohne Hilfe möglich waren.

Stationäre Pflege: Vor- und Nachteile

Welche Formen der stationären Pflege gibt es?

Je nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit einer Person können unterschiedliche Formen der stationären Pflege notwendig und sinnvoll sein. Sie als ausgebildete Pflegekraft haben die Möglichkeit, in jeder dieser Varianten zu arbeiten.

Vollstationäre Pflege

Die vollstationäre Pflege findet in einem Pflegeheim statt und zwar, wenn eine besondere Situation es notwendig macht oder wenn eine häusliche oder teilstationäre Pflege nicht möglich ist. In solchen Fällen liegt eine sogenannte Heimbedürftigkeit vor.

Als Besonderheiten im Einzelfall gelten z. B. folgende Gegebenheiten:

  • Pflegeperson (z. B. ein Angehöriger) ist mit der Pflege überfordert
  • Angehörige sind zur Pflege nicht bereit
  • Nichtvorhandensein einer geeigneten Pflegeperson
  • Pflegebedürftige Person droht die Verwahrlosung
  • Selbst- oder Fremdgefährdungsrisiko für die pflegebedürftige Person

Teilstationäre Pflege

Eine teilstationäre Pflege zeichnet sich, wie der Name schon sagt, dadurch aus, dass sie nur teilweise in einer Pflegeeinrichtung stattfindet. Die teilstationäre Pflege bietet Betroffenen die Möglichkeit, weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben, obwohl ein erhöhter Pflegebedarf besteht.

Sie wechseln lediglich für einen bestimmten Zeitraum am Tag oder in der Nacht in eine Pflegeeinrichtung und verbringen die restliche Zeit in ihrer Wohnung. Bei dieser Art der Pflege lässt sich die betroffene Person also in Form einer Tages- oder Nachtpflege betreuen. Zu den Leistungen einer teilstationären Pflege gehört immer auch die Beförderung der pflegebedürftigen Person von ihrer Wohnung zur Einrichtung und umgekehrt.

Hinweis

Die Kosten von bis zu 3.000 Euro pro Monat (also zwischen 60 und 100 Euro täglich) für die Tages- oder Nachtpflege trägt die pflegebedürftige Person selbst, wenn kein Pflegegrad vorliegt. Wurde ein Pflegegrad festgelegt, trägt die Pflegeversicherung zumindest einen Teil der Kosten. Je höher der Pflegegrad ist, desto größer ist der Anteil, den normalerweise die Versicherung übernimmt.

Kurzzeitpflege

Unter einer Kurzzeitpflege versteht man die Möglichkeit, eine pflegebedürftige Person für eher kurze, begrenzte Zeiträume in einer Pflegeeinrichtung zum Zwecke einer vollstationären Pflege unterzubringen. Durch eine Kurzzeitpflege lässt sich beispielsweise die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt überbrücken, wenn die weitere Versorgung noch nicht geregelt ist.

Auch eine Erkrankung der Pflegeperson kann eine Kurzzeitpflege notwendig machen. Zudem kann man eine Pflegeeinrichtung auf diese Weise testen. Eine Kurzzeitpflege eignet sich auch, wenn der pflegende Angehörige eine beruflich bedingte Reise unternehmen muss oder ein Erholungsurlaub zum Zwecke der Regeneration auf Seiten der Pflegeperson notwendig wird.

Die verschiedenen Arten der stationären Pflege

Wie funktioniert die Finanzierung der stationären Pflege?

Mit dem Einzug ins Pflegeheim kommen auf die Pflegebedürftige sowie deren Angehörigen einige Kosten zu. Durch das neue Pflegegradsystem setzen sich die Kosten für die Pflege in einer Pflegeeinrichtung aus folgenden Komponenten zusammen:

  • einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE) für Pflegekosten der Pflegegrade 2 bis 5
  • Kosten für die Unterkunft
  • Kosten für die Verpflegung
  • Investitionskosten

Kosten für vollstationäre Pflege

In vollstationären Pflegeeinrichtungen werden Pflegebedürftige 24 Stunden am Tag von professionellem Pflegepersonal betreut. Das Angebot reicht von der Grundpflege über die Behandlungspflege bis hin zur sozialen Betreuung. Je nach Bundesland, Grad der Pflegebedürftigkeit und gewünschten Extra-Services werden Kosten von 3.000 bis 3.500 € pro Monat fällig.

Um Leistungen in der vollstationären Pflege zu erhalten, müssen bei der zuständigen Pflegekasse die entsprechenden Leistungen beantragt werden. Die Pflegekasse übernimmt zwischen 770 und 2.005 Euro der anfallenden Pflegekosten, abhängig vom festgestellten Pflegegrad (früher Pflegestufe). Die Kosten für die Unterkunft und die Verpflegung muss der Pflegebedürftige tragen. Es ist also ein gewisser Eigenanteil, der sogenannte EEE (Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil) zu zahlen. 

Kosten für teilstationäre Pflege

Bei der teilstationären Pflege bleibt der Pflegebedürftige nur tagsüber oder nachts in der entsprechenden Einrichtung. Zu den Kosten für die teilstationäre Pflege gehören auch die Beförderung des pflegebedürftigen Menschen von seiner Wohnung zur Einrichtung und zurück. Durch die großen Unterschiede bei der Inanspruchnahme der Pflegezeiträume und -leistungen variieren auch die Kosten stark. Hier kann mit monatlichen Kosten von maximal 3.000 € gerechnet werden.

Häufig liegen die Kosten jedoch darunter. Sofern der Pflegebedürftige über einen Pflegegrad verfügt, übernimmt die Pflegeversicherung einen Teil der Kosten, sodass der Eigenanteil kleiner wird. Die Höhe der Zuschüsse von der Pflegekasse hängt vom Pflegegrad des Betroffenen ab.

Kosten für Kurzzeitpflege

Die Kurzzeitpflege wird in den meisten Fällen tageweise in Anspruch genommen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die anfallenden Tageskosten zu betrachten. Pro Pflegetag können Sie mit etwa 80 bis 150 € rechnen. Der Umfang und die Art der Leistungen, welche Pflegebedürftige bei der Kurzzeitpflege erhalten, sind ab dem Pflegegrad 2 über alle Pflegegrade gleich. Somit steht also allen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 pro Jahr ein Budget von 1.612 € zur Verfügung.

Hinweis

Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil ist nicht an den Pflegegrad gekoppelt. Er ist unabhängig von der Pflegestufe gleich hoch. 

Bei einer vollstationären Pflege erhält der Betroffene außerdem pauschale Pflegeleistungen von der Pflegeversicherung. Zu den Pflegeleistungen zählen sowohl die Aufwendung für de Betreuung, als auch die Übernahme der Kosten für Leistungen der medizinischen Behandlungspflege. 

Raster zur Bestimmung der pauschalen Pflegeleistungen der Pflegeversicherung:

PflegegradMaximale Pflegeleistungen pro Monat in Euro
Grad 1125 
Grad 2770
Grad 31.262
Grad 41.775
Grad 52.005

Betreuungsangebote in der stationären Pflege

Bezüglich der Betreuungsangebote muss zwischen der Betreuung im Rahmen einer Tagespflege, die in speziellen Räumlichkeiten des Anbieters stattfindet und der Betreuung innerhalb einer stationären Pflegeeinrichtung unterschieden werden. 

Tagespflegeeinrichtungen bieten im Rahmen ihrer Dienstleistungen z. B. folgende Betreuung an:

  • Möglichkeit der Teilnahme am Mittagessen
  • Besuch der Tagespflegeeinrichtung an Wochenenden
  • Betreuung (stunden- oder tageweise) in Gruppen von 10 bis 12 Teilnehmern
  • Flexible Öffnungszeiten mit Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffee oder Abendessen
  • Leistungen der Grundpflege (z. B. Hilfe beim Essen, Toilettengang)
  • Spezialbetreuung gerontopsychiatrischer Patienten (z. B. mit Demenz)
  • Gymnastikübungen, Gedächtnistraining
  • Kochen, Spiele, Singen, Spaziergänge, Ausflüge
  • Fahrdienste von und zum Wohnort in Rollstuhl-geeigneten Fahrzeugen

In stationären Einrichtungen ist die Betreuung darauf ausgelegt, die pflegebedürftigen Personen mithilfe aktivierender Pflege an der Bewältigung alltäglicher Aktivitäten zu beteiligen. Um dies zu erreichen, nutzen Sie als ausgebildete Pflegekraft bzw. Ihre Kollegen darüber hinaus Möglichkeiten der medizinischen Betreuung, beispielsweise durch:

  • Physiotherapie zur Stärkung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Logopädie zur Reaktivierung der Sprechfähigkeit
  • Musik- und Tiertherapie
  • Ergotherapie 

Im Gegensatz zu Tagespflegeeinrichtungen, die meist mit mobilen Pflegebedürftigen arbeiten, hat die stationäre Pflege bezüglich der Betreuung einen anderen Ansatz, der darauf abzielt, die betreute Person erneut zu mobilisieren.

Medizinische Versorgung in der stationären Pflege

Ein wichtiger Aspekt bezüglich der Pflegestandards in der stationären Pflege ist die Sicherstellung der medizinischen Versorgung in den einzelnen Einrichtungen. Diese Versorgung in einem Pflegeheim darf sich nicht von der für andere, nicht pflegebedürftige Versicherte unterscheiden. So sind etwa die Kassen(zahn)ärztlichen Vereinigungen sowie die Kassen(zahn)ärztliche Bundesvereinigung dazu verpflichtet, eine adäquate medizinische Versorgung zu gewährleisten, auch im Pflegeheim. Dabei steht den Bewohnerinnen und Bewohnern das Recht zu, ihren Arzt frei zu wählen.

  • Kooperationsverträge mit Haus-, Fach- und Zahnärzten

Für viele Angehörige von Pflegebedürftigen ist eine gute Versorgung durch Besuche von verschiedenen Fachärzten in der Einrichtung ein Hauptkriterium, wenn es um die Auswahl eines Pflegeheimes geht. Immer mehr Pflegeeinrichtungen schließen deshalb Kooperationsverträge mit Haus­-, Fach­- und Zahnärzten ab. Das Pflegeheim muss den Pflegekassen mitteilen, auf welche Weise die medizinische Versorgung in ihrem Haus sichergestellt ist. Dies soll im Idealfall durch den expliziten Hinweis an die Kassen auf geschlossene Kooperationsverträge mit Ärzten geschehen.

  • Zusammenarbeit mit Ärztenetzwerken und Apotheken

Viele Pflegeeinrichtungen haben heute engen Kontakt zu Ärztenetzwerken und schließen auch Vereinbarungen mit Apotheken ab, um die medizinische Versorgung zu gewährleisten. Die Pflegekassen erwarten auch Informationen bezüglich der Anzahl der Visiten der verschiedenen Fachärzte sowie Angaben darüber, wie die ärztliche Rufbereitschaft organisiert ist, vor allem zwischen 22 und 6 Uhr, an Feiertagen sowie an den Wochenenden. Seit 2016 gilt zudem, dass Pflegeheime ihre Zusammenarbeit mit Hospiz- und Palliativdiensten offenlegen.

Mahlzeiten in der stationären Pflege

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Pflegestandard einer Pflegeeinrichtung zu überprüfen. Ein wichtiger Aspekt bezüglich der Versorgung von pflegebedürftigen Personen ist das Essen. Ein hoher Standard zeigt sich etwa daran, dass die Mahlzeiten frisch zubereitet und abwechslungsreich sind. Da gerade für ältere Menschen der Bedarf an Vitaminen, Nähr- und Ballaststoffen wichtig ist, lohnt sich ein Blick darauf, ob es z. B. Wahlmenüs gibt und ob die Mahlzeiten einen gewissen Anteil an Gemüse und Salat enthalten. Außerdem zeugt es von einem guten Standard der Einrichtung, wenn beispielsweise bei den Essenszeiten eine hohe Flexibilität gibt, die Speiseräume ansprechend eingerichtet sind und auch das Essen selbst so hergerichtet wird, dass es optisch ansprechend ist.

Hinweis

Als Pflegekraft ist es eine Ihrer Aufgaben, darauf zu achten, dass die von Ihnen betreuten Personen nur die Speisen erhalten, die sie vertragen und die ihnen vielleicht sogar vom Arzt verordnet wurden. Selbstverständlich sind auch geleistete Hilfestellungen bei den Mahlzeiten (z. B. durch das Zurechtschneiden in mundgerechte Stücke oder sogar das Füttern) ein Hinweis darauf, dass in der Pflegeeinrichtung ein hoher Standard bezüglich der Pflege und Betreuung herrscht.

Freizeitbeschäftigung in der stationären Pflege

In welchem Maße die stationäre Pflege auch Freizeitbeschäftigungen für die pflegebedürftigen Personen anbietet, hängt vor allem vom Grad der geistigen und körperlichen Mobilität ab. In der Regel ist das Freizeitangebot in einem Altenwohnheim oder Altenheim umfangreicher, berücksichtigt aber in jedem Fall den größeren Grad an körperlicher Fitness der Bewohnerinnen und Bewohner.

Aber auch in einem Pflegeheim sollte Freizeitbeschäftigung auf dem Tagesplan stehen, beispeislweise

  • Bewegungsübungen
  • Singen, Muszieren
  • Tanzen
  • Gesellschaftsspiele

Gedächtnistraining bei Demenz

Für Personen mit Demenz ist das Trainieren ihrer geistigen Fähigkeiten und speziell ihrer Gedächtnisleistungen eminent wichtig. Falls Sie als Pflegekraft mit solchen Menschen arbeiten, werden Sie vermutlich ein ganzheitliches Gedächtnistraining mit ihnen praktizieren. Ein solches Training hat vor allem die Reaktivierung, den Erhalt oder die Steigerung des Selbstwertgefühls zum Ziel.

Zu den vorrangigen Trainingszielen gehören unter anderem:

  • Aktivierung der Fähigkeiten des Langzeitgedächtnisses
  • Verbesserungen der Sinneswahrnehmung
  • Förderung der sozialen Kontakte 
  • Übungen zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
  • Stärkung vorhandener Kompetenzen
  • Aktivierung vorhandener Ressourcen
  • Trainieren wichtiger Alltagsfertigkeiten
  • Trainieren von Fähigkeiten, die der Umsetzung von Orientierungshilfen dienen

Hinweis

Die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Gedächtnistraining und auch für eine adäquate Betreuung von Demenzkranken besteht darin, dass Sie sich als Pflegekraft stets vor Augen halten, in welcher Situation sich der Betroffene befindet, was diese Situation in Ihrem Patienten auslöst und wie umfassend seine Fähigkeiten sind. Ein guter Weg zum Erfolg führt über ein spielerisch gestaltetes Training.

MDK-Kriterien für die stationäre Pflege

Der Grad des Pflegestandards in Pflegeeinrichtungen für stationäre Pflege wird vom MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) immer wieder überprüft und benotet. Im Rahmen einer solchen Bewertung spielen verschiedene Kriterien eine wichtige Rolle, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.

Diese sind:

  • Vorhandensein von Aufenthalts- und Bewegungsflächen
  • Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien, die gesichert sind
  • Möglichkeit, Zimmer oder Aufenthaltsräume selbst zu gestalten (auch als identifikationserleichternde Milieugestaltung bezeichnet)
  • Arbeit mithilfe individueller Orientierungshilfen (z. B. ein Foto des Zimmerbewohners an der Zimmertür außen)
  • Beachtung der Biografie von Demenzkranken inklusive der Berücksichtigung bei der Tagesgestaltung
  • Einbeziehung von Angehörigen in die Betreuungs- und Pflegeplanung bei Demenzkranken
  • Berücksichtigung des Rechtes auf Selbstbestimmung bezüglich der Pflegeplanung bei Demenzkranken
  • Dokumentation des Wohlbefindens von Demenzkranken im Alltag inklusive der Ableitung möglicher Maßnahmen zur Verbesserung
  • Angebot geeigneter Maßnahmen (z. B. in den Bereichen Kommunikation, Bewegung oder Wahrnehmung)

Diese Kriterien haben eine Schlüsselrolle, denn sie können bei dem Bestreben, eine gute Note vom MDK zu erhalten oder eine bereits gute Note auch zukünftig zu behalten, positive oder negative Auswirkungen haben.

Anmerkung

Auf manche der Kriterien können Sie als Pflegekraft bzw. als Pflegedienstleistung nur wenig bis gar keinen Einfluss nehmen, etwa bei baulich bedingtem Fehlen von Aufenthaltsräumen oder sicheren Außenbereichen. Allerdings lohnt es sich immer, solche Themen mit der Einrichtungsleitung zu besprechen. Eventuell eröffnen sich plötzlich neue Möglichkeiten für eine Optimierung der Situation.

Fazit

Die stationäre Pflege von Personen ist für die jeweilige Pflegeeinrichtung und auch für Sie als ausgebildete Pflegekraft eine große Herausforderung, weil Sie von verschiedenen Seiten mit unterschiedlichen Ansprüchen konfrontiert werden. Die Pflegeeinrichtung erwartet beispielsweise die Einhaltung der vorgegebenen Pflegestandards, welche den von Ihnen gepflegten und betreuten Personen eventuell zu niedrig erscheinen. Zudem sollen Sie die Gesamtsituation der pflegebedürftigen Person im Auge haben, ihre Essgewohnheiten kennen, alle Medikamente ordnungsgemäß verabreichen, die Betreuung entsprechend seinen Fähigkeiten gestalten und auch noch möglichst zügig und mit wenig Materialaufwand arbeiten.

Je nach Pflegeeinrichtung, also Altenwohnheim, Altenheim, Pflegeheim oder Hospiz haben Sie als Pflegekraft unterschiedliche Aufgaben, die sich mit der Höhe des festgestellten Pflegegrades intensivieren. Eine gute Bewertung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) trägt dazu bei, die Pflegeeinrichtung für Interessenten attraktiv zu machen. Wer entscheidet sich schon für ein Pflegeheim mit einer niedrigen Bewertung, wenn er auch eine Einrichtung wählen kann, der die zuständige Behörde einen hohen Pflegestandard attestiert.