Muskelverspannungen lösen: 6 hilfreiche Tipps für die Pflege

Muskelverspannungen lösen: 6 hilfreiche Tipps für die Pflege
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Sie kennen diese Situation: Sie wachen am Morgen auf, und anstatt sich ausgeruht und erholt zu fühlen, haben Sie Rückenschmerzen oder Schmerzen im Schulter-Nackenbereich: „Meine Güte, sind meine Muskeln wieder verspannt“, denkt man sich in diesem Moment und versucht, sich mit Einreibungen, Übungen und kleinen Massagen zu helfen. Ihren Pflegekunden ergeht es oft nicht anders, nur dass sie sich oft nicht mehr selbst helfen können. In diesem Fall liegt es an Ihnen, mit einfachen Maßnahmen und gezielten Handgriffen die Muskelverspannungen lösen.

Wie macht sich eine Muskelverspannung bemerkbar?

Muskelverspannungen machen sich in der Regel durch Schmerzen, Verhärtungen und Bewegungseinschränkungen bemerkbar. In der stationären Pflege sind solche Beschwerden keine Seltenheit: Häufig klagen Pflegekunden über dumpfe Schmerzen oder ein Ziehen in einzelnen Muskelgruppen oder Körperpartien. Besonders oft sind dabei Kopf, Nacken, Schultern und Rücken betroffen. 

Auch wenn es in der Regel nur wenige Tage dauert, bis sich Muskelverspannungen lösen, können Sie nachhelfen und Ihre Pflegekunden frühzeitig entlasten. Insbesondere, wenn mit der Bettlägerigkeit und bestehenden Erkrankungen chronische Schmerzen und Verspannungen einhergehen, greifen Sie mit den richtigen Handgriffen unterstützend ein. 

Wie entstehen Muskelverspannungen? 

Als Muskelverspannung bezeichnet man eine Muskelanspannung, die länger dauert, als es zur Bewältigung muskulärer Aufgaben wie Laufen oder aufrechtem Sitzen notwendig und funktional wäre. 

Um Muskelverspannungen zu verstehen, muss man also die Funktionsweise von Muskeln nachvollziehen können: Muskeln sind für sämtliche motorische Aufgaben wie Stehen, Laufen oder Greifen verantwortlich. Doch nicht nur das: Eine funktionsfähige Muskulatur ist auch die Grundvoraussetzung dafür, dass die menschlichen Organe arbeiten und beispielsweise Nahrung verdauen oder das Gehirn mit lebensnotwenigem Sauersoff versorgen können. 

Für jede dieser Aufgaben sind mehrere Hundert verschieden spezialisierte Muskelgruppen verantwortlich. Wenn sie ihre jeweilige Funktion erfüllen, verkürzen sie sich. Im Volksmund würde man sagen „sie spannen sich an“. In der Folge wird die Durchblutung herabgesetzt. Nach getaner Arbeit entspannen sich die Muskeln in der Regel wieder (Muskelentspannung). 

Ist dies allerdings nicht der Fall und der Muskel bleibt längerfristig angespannt, so kann er sich nachhaltig verkürzen – eine akute Muskelverspannung entsteht. Anzeichen sind dann Durchblutungsstörungen der angrenzenden Bereiche oder Muskelverhärtungen. Auch eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit geht auf diese Prozesse zurück. Flexibilität und Stabilität betroffener Partien reduzieren sich hingegen. Bei mangelnder Feststellung und Behebung relevanter Ursachen können chronische Muskelverspannungen und Schmerzen resultieren.

Was sind die häufigsten Ursachen für Muskelverspannungen?

Gerade bei Ihren Pflegekunden liegt eine Vielzahl an Risikofaktoren für Muskelverspannungen vor. Neben körperlichen Ursachen wie Fehlhaltungen oder Bewegungsmangel machen auch psychische Faktoren wie Angst und Stress Muskelverhärtungen im Alter wahrscheinlicher. 

Folgende Faktoren sind besonders häufig für Muskelverspannungen verantwortlich:

  • Mineralstoffmangel: Ein simpler Grund für Verspannungen ist der Mangel an wichtigen Mineralstoffen wie Magnesium. Ein solches Defizit erhöht die Wahrscheinlichkeit für Muskelkrämpfe und -verspannungen. Solche Nährstoffmängel treten in der stationären Pflege häufiger auf, weil Bewohner zu wenig trinken. 
  • Fehlhaltungen: Pflegepatienten sitzen oder liegen oftmals den ganzen Tag in einer nahezu unveränderten Körperposition. Zum Teil, weil sie nicht selbst in der Lage sind, ihre Haltung zu korrigieren. Solche Fehlbelastungen strapazieren die Wirbelsäule einseitig und gelten als Risikofaktor Nummer eins für Muskelverspannungen. 
  • Körperliche Inaktivität: Gerade angesichts körperlicher Einschränkungen Ihrer Pflegekunden ist Bewegung oftmals kaum noch möglich. Akut auftretende Schmerzen führen aber selbst bei vergleichsweise mobilen Bewohnern zu einer Schonung und folglich weiteren Muskelverspannungen. 
  • Überbelastung: Seltener ist auch kürzlich verrichtete, schwere körperliche Arbeit oder Belastung an der Entstehung von Muskelverspannungen beteiligt.
  • Psychische Faktoren: Zuletzt sollten auch psychische Faktoren wie Stress, Angst, Depressionen oder Überforderung als Ursachen für Muskelverspannungen in Betracht gezogen werden. Bewohner sind aufgrund ihres fortschreitenden Alters oftmals mit zahlreichen Veränderungen und Verlusten konfrontiert. Diese lösen nicht selten Schmerzen und Verspannungen in Nacken, Schultern oder Kopf aus. Der Spruch „Die Angst sitzt einem im Nacken“ hat damit durchaus seine Rechtfertigung. 

Egal, welche Ursache im Fall eines individuellen Pflegekunden vorliegt: Das Ergebnis der Verspannungen sind Schmerzen und zunehmende Einschränkungen in der Partizipation am Tagesgeschehen in Ihrem Haus. Daher ist es wichtig, dass Sie betroffenen Bewohnern frühzeitig helfen und gemeinsam Muskelverspannungen lösen.

Wie lassen sich schmerzhafte Muskelverspannungen bei Pflegekunden lösen?

Muskelverspannungen lassen sich hervorragend mit Hausmitteln und Übungen lösen. Nicht nur Wärmebehandlung, sondern auch Massagen, Bewegung, Tees oder Salben können die Beschwerden lindern. Diese Maßnahmen sollen allesamt die Ursachen der Verspannung beheben.

Übrigens: Auch wenn der Rückgriff auf Schmerzmittel in Form von Salben oder Tabletten mit weniger Aufwand verbunden ist, setzen diese Mittel nur an den Krankheitszeichen (Symptomen) an und sind daher für eine nachhaltige Besserung nicht sonderlich nützlich. 

Wenn Bewegungsmangel oder Fehlhaltungen bestehen bleiben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Ihre Pflegekunden wieder über schmerzhafte Verspannungen klagen. Mit Hausmitteln lassen sich Muskelverspannungen also oftmals längerfristig beheben und sogar vorbeugen. Mit folgenden Hausmitteln können Sie Muskelverspannungen lösen:

1. Mineralstoffe: Die Rolle von Wasser und Magnesium

Indem Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei Ihren Pflegekunden achten, können Sie Mineralstoffmangel und damit Muskelverhärtungen vorbeugen. Anwender berichten auch von positiven Effekten, die Nahrungsergänzungspräparate mit Magnesium mit sich bringen.

Achtung: Eine Überdosierung von Magnesium kann Nebenwirkungen nach sich führen. Es sollten daher nicht mehr als 250 Milligramm Magnesium pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden. Sprechen Sie im Zweifel immer mit einem Mediziner!

2. Tee: Ingwer, Kamille & Co.

Auch Tees können dabei unterstützen, Muskelverhärtungen zu lösen. So wirkt Kamille entzündungshemmend und krampflösend. Auch Ingwer und Kurkuma kann in Form von Tees eingenommen werden und die Entspannung der verkürzten Muskulatur fördern. 

In der Behandlung von Verspannungen hat sich aber eine bestimmte Heilpflanze einen Namen gemacht, wie keine zweite: Die Teufelskralle. Sie ist bekannt für ihren entzündungshemmenden, abschwellenden und leicht schmerzstillenden Effekt. Daher eignet sie sich besonders zur Behandlung von Muskel- und Gelenkschmerzen.

So gehen Sie für einen Teufelskrallen-Tee vor:

  1. Nehmen Sie 1 TL Kräuter pro Tasse.
  2. Übergießen Sie den Tee mit kochendem Wasser.
  3. Lassen Sie den Tee 5 bis 8 Stunden ziehen.
  4. Seihen Sie den Tee ab.
  5. Ihr Pflegekunde kann den Tee entweder kalt über den Tag verteilt in kleinen Schlucken trinken oder sich eine Tasse zu den Mahlzeiten aufwärmen.
  6. Von diesem Tee können Sie 1 bis 3 Tassen täglich anbieten.

Vorsicht: Die Teufelskralle soll auch eine blutverdünnende Wirkung haben. Greifen Sie daher nicht auf den Tee zurück, wenn zeitgleich blutverdünnende Medikamente wie Aspirin eingenommen werden. Halten Sie am besten immer erst Rücksprache mit dem behandelnden Arzt des Pflegepatienten.

3. Cremen, Cremen, Cremen: Egal ob Menthol, Arnika oder Rosmarin

Vor allem Salben aus Arnika sollen dank enthaltender ätherischer Öle entzündungshemmend und durchblutungsfördernd wirken. Menthol oder Eukalyptus – zum Beispiel in Form des bekannten Franzbranntweins – sollen zudem einen belebenden und entspannenden Effekt auf die Muskulatur haben. Salben mit Rosmarin und Kampfer hingegen fördern die Durchblutung und können so Verspannungen entgegenwirken. Die entsprechenden Salben gibt es in der Apotheke oder Drogerie.

So wenden Sie die Naturpräparate an: Reiben Sie die betroffene Muskelpartie 1- bis 2-mal täglich mit Salbe oder Lösung ein.

Achtung: Tragen Sie Handschuhe zum Einreiben, damit keine Salbenreste unter Ihren Fingernägeln verbleiben. Halten Sie die Cremes zudem fern von Schleimhäuten wie Augen oder Nase. Enthaltene ätherische Öle können die Schleimhäute reizen. 

4. Massagen: Mehr als nur Wellness

Nicht nur wegen ihres Wellness-Effekts sind Massagen beliebt: Auch zu Heilzwecken eignen sich manuelle Behandlungen sehr. So lassen sich zum Beispiel Muskelverspannungen durch die geeigneten Griffe und Techniken lösen. 

Massagen regen dabei in der Regel die Durchblutung und den Abtransport von Abbauprodukten in der behandelten Muskulatur an. Je nachdem, ob die Massagen das Gewebe eher oberflächlich lockern, oder tiefer wirken soll, ist wenig bis viel Druck an bestimmten Trigger-Punkten im Muskel erforderlich.

Praxistipp: Am besten machen Sie die Entscheidung über den angewendeten Druck von der körperlichen Verfassung und den Vorlieben Ihres Pflegepatienten abhängig. Beachten Sie, dass die Schmerzempfindlichkeit bei Muskelverhärtungen steigt und Betroffene daher oftmals eine sanftere Behandlung wünschen. Die Behandlung kann selbstverständlich nur wirken, wenn sie von Ihrem Pflegekunden als angenehm empfunden wird. 

Außerdem relevant für die Wirksamkeit einer Massage bei Muskelverspannungen ist die Flüssigkeitszufuhr. Denn wenn Bewohner nach der manuellen Behandlung viel Wasser trinken, begünstigen sie die Entgiftung, die mittels Massage-Techniken in Gang gesetzt wurde. 

5. Wärmeanwendungen: Es muss nicht gleich Sauna oder Vollbad sein

Wärme gilt als Klassiker in der Behandlung von Verspannungen. Sei es in Form von Wärmekissen, Wärmflaschen, Wärmepflastern oder einer Rotlichtlampe – direkt auf die verspannten Stellen aufgelegt, können sie die Schmerzen lindern und die Durchblutung anregen. Außerdem lockert Wärme die betroffene Muskulatur. 

Praxistipp: Die Wärmebehandlung funktioniert auch, wenn Wärmekissen oder -umschlag nicht direkt auf die Haut, sondern auf die Kleidung aufgelegt und fixiert werden. Einmal angebracht, wirkt die Wärmebehandlung dann ohne weiteres Zutun. Es bietet sich lediglich an, regelmäßig die Temperatur zu überprüfen und den Umschlag gegebenenfalls auszutauschen. Für den zeitkritischen Alltag in einer Pflegeeinrichtung ist eine lokale Wärmebehandlung von Verspannungen damit optimal.

So gehen Sie vor:

  1. Erhitzen Sie das Kissen einige Minuten in der Mikrowelle (die Dauer hängt von der Größe des Kissens ab).
  2. Legen Sie das warme Kissen auf die schmerzende Körperpartie.
  3. Achten Sie unbedingt darauf, dass das Kissen nicht zu warm ist, um Verbrühungen auf der Haut zu vermeiden.
  4. Lassen Sie das Kissen bis zur Abkühlung auf der betroffenen Körperpartie liegen.
  5. Sie können die Wärmebehandlung beliebig oft anwenden.

Auch ein Bad bietet sich bei Muskelverhärtungen an – ist aber im Kontext der stationären Pflege oft nur wenig praktikabel. 

6. Bewegung: Eine allseits nützliche Ergänzung

  • korrekte Indikation: Stellen Sie immer sicher, dass wirklich eine Muskelverspannung vorliegt, die Sie mit den genannten Hausmitteln lösen können.

Auch wenn es vielen Pflegekunden zunächst schwerfällt – oftmals sollten sie nicht dem Impuls zu Schonhaltungen nachgehen, sondern eine Muskelverspannung mit vorsichtiger Bewegung betroffener Körperpartien lösen. Vor allem lockernde Übungen für Nacken, Schultern und Rücken bieten sich an. 

Praxistipp: Auch bei bettlägerigen Patienten kann durch Umlagerung eine günstige Haltungsveränderung erzeugt und Muskelverkürzungen entgegengewirkt werden.

Selbstverständlich können Sie alle Methoden und Übungen auch bei sich selbst anwenden und so Ihr eigenes Wohlbefinden fördern.

Was ist beim Lösen von Muskelverspannungen besonders wichtig?

Auch, wenn Sie Muskelverspannungen mit Hausmitteln lösen wollen, gilt es einige Hinweise zu beachten. Denn selbst bei Hausmitteln gibt es vereinzelt Gegenanzeigen, Wechsel- und Nebenwirkungen. 

Folgende zählen hinzu:

 GegenanzeigenNebenwirkungenWechselwirkungen
Mineralstoffe z.B. Magnesium: Wenn bereits ein Magnesium-Präparat verabreicht wird, sollte auf eine weitere Dosis verzichtet werden.Bei einer Überdosierung kann es zu unerwünschten Begleiterscheinungen (Übelkeit, Erbrechen, Schwindel) kommen. Solche Nebenwirkungen treten aber nur selten auf.Keine bekannt.
Tees:Allergien oder Unverträglichkeiten bezogen auf die verwendeten Arzneipflanzen.Bei allen Tees gilt es, auf eine angemessene Temperatur zu achten, damit sich die Pflegepatienten nicht verbrühen.Teufelskralle sollte nicht zusammen mit Aspirin oder anderen blutverdünnenden Medikamenten verabreicht werden.
Salben, Lösungen und Cremes:Allergien oder Unverträglichkeiten bezogen auf die verwendeten Arzneipflanzen, oder andere Stoffe in Lösung bzw. Creme.Brennen in den Schleimhäuten, daher nur auf der Haut und nur mit Handschuhen auftragen.Keine bekannt.
MassagenVor allem bei Knochenbrüchen, frischen Operationen und Verletzungen, Venenthrombosen, Arteriosklerose und Bluthochdruck ist auf Massagen zu verzichten.Massagen können je nach Druckintensität als schmerzhaft empfunden werden und einen Muskelkater auslösen.Keine bekannt.
Wärme-Anwendungen:Bei Zerrungen und Entzündungen sollte eher auf Kälte zurückgegriffen werden (ggf. durch einen Arzt ausschließen lassen).Es gilt, auf eine angemessene Temperatur zu achten, damit sich die Pflegepatienten nicht verbrennen.Keine bekannt.

Selbst, wenn Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen ausgeschlossen sind, gelten noch einige ergänzende Sicherheitstipps:

  • adressatengerechte Auswahl: Wählen Sie aus den 6 hilfreichen Tipps einen oder mehrere aus, die sich für einen individuellen Pflegekunden anbieten. Achten Sie dabei auch darauf, die Behandlungsintensität (Druck bei Massagen, Hitze bei Wärmebehandlung, Sorte bei Tees, etc.) anzupassen. Nur wenn der Bewohner die Maßnahme auch als angenehm empfindet, kann sie bei der Lösung von Muskelverspannungen unterstützen.
  • Dauer und Intensität im Blick behalten: Akute Muskelverspannungen sind in der Regel in wenigen Tagen beseitigt. Wenn sich nach vier Wochen trotz Behandlung keine Besserung einstellt, sollten Sie einen Arzt hinzuziehen. Dieser wägt dann weitere Behandlungsschritte (z.B. Vorstellung beim Neurologen) ab. 

Praxistipp: Behalten Sie Dauer und Veränderung der Symptome durch ein Beschwerde-Tagebuch im Blick.

Fazit: Muskelverspannungen mit Haus- statt Schmerzmitteln lösen

Sei es nun aufgrund von einer fehlerhaften Körperhaltung, Bewegungsmangel oder psychischen Beschwerden: Muskelverspannungen sind in der stationären Pflege an der Tagesordnung. Oft ist Betroffenen mit nur wenigen Handgriffen geholfen. 

Sei es mit einem Wärmekissen, einer wohltuenden Arnika-Einreibung oder einer sanften Massage: Es gibt zahlreiche Hausmittel, mit deren Hilfe Sie im Handumdrehen Muskelverspannungen lösen können. Doch nicht nur das: Im Gegensatz zu Schmerzmitteln setzen diese Maßnahmen direkt an der Wurzel der Beschwerden an und können Muskelverhärtungen damit sogar vorbeugen.