Inkontinenz

Worauf es in der Pflege ankommt
Inkontinenz
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Inhaltsverzeichnis

Inkontinenz ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild, das mit steigendem Risiko im Alter auftreten kann und statistisch gesehen überwiegend Frauen und ältere Menschen beiderlei Geschlechts betrifft. Viele von Inkontinenz betroffene Menschen suchen keine professionelle Hilfe, sondern verheimlichen ihre Inkontinenz, auch weil sie glauben, Probleme mit den Ausscheidungen gehörten zu einem normalen Alterungsprozess dazu.

Für Ihre Pflegekunden ist die unkontrollierte Harninkontinenz oder auch die Stuhlinkontinenz ein persönliches Drama, denn keine Kontrolle mehr über den Körper zu haben, beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Viele Betroffene richten ihr gesamtes Leben an der Inkontinenz aus. Hinzu kommt die Sorge, Kleidung oder Möbel könnten beschmutzt werden oder unangenehm riechen. Dies führt dazu, dass die individuelle Inkontinenzversorgung oft aus bis zu fünf Inkontinenzeinlagen besteht und das Bett mit zahlreichen Decken und Müllbeuteln bedeckt wird. Hier ist daher besonderes Feingefühl der Pflegefachkräfte gefragt.

Einfühlsames Vorgehen ist bei Inkontinenz entscheidend

Inkontinenz ist immer noch gesellschaftlich tabuisiert, da dieses Krankheitsbild einen sehr intimen Bereich im Leben eines Menschen betrifft. Professionelles Handeln erfordert daher besonderes Einfühlungsvermögen und Orientierung am individuellen Fall.

Es gilt unter allen Umständen, das Schamempfinden des Betroffenen zu schützen. Hierzu gehört insbesondere ein angemessener Sprachgebrauch, der berücksichtigt, dass es sich um Erwachsene handelt und Begriffe aus der Säuglingspflege wie „trockenlegen“, „pampern“ oder „Windel“ vermeidet.

Inkontinenz kann für (pflegende) Angehörige aus unterschiedlichen Gründen (z.B. durch das Empfinden von Scham und Ekel) belastend sein und zu einer Veränderung der Beziehung zwischen Angehörigen und Betroffenem führen. Daher bedarf es vor der Einbeziehung der Angehörigen unbedingt der Rücksprache mit dem Patienten/Bewohner, da dieser möglicherweise nicht wünscht, dass seine Angehörigen informiert werden. Auch wenn die Nicht-Einbeziehung der Angehörigen zu großen Problemen bei einer kontinuierlichen Umsetzung führen kann, muss dieser Wunsch beachtet werden.

Die Selbstauskunft der Pflegekunden zur Inkontinenz

Zunächst sollten Sie immer die individuelle Situation Ihres Pflegekunden erfassen (im ambulanten Bereich nur im Zusammenhang mit Ihrem aktuellen Pflegeauftrag). Befragen Sie den Patienten einfühlsam, ob und welche Probleme er mit seiner Kontinenz-Situation hat, ob er an unkontrolliertem Urinverlust oder an Stuhlinkontinenz leidet. Vielen Pflegekunden ist dies peinlich, und daher ist es wichtig, dass Sie diskret vorgehen. Mit Hilfe der von uns ausgearbeiteten Fragen gelingt Ihnen dies.

  1. Verlieren Sie ungewollt Urin?
    Antwortet Ihr Pflegekunde bei der Frage nach Urinverlust mit „Ja“, deutet dies auf eine vorhandene Harninkontinenz hin. Bei „Nein“ erfassen Sie in der Informationssammlung, dass kein Risiko vorliegt, und legen fest, wann Sie die Kontinenz-Situation erneut einschätzen.
  1. Verlieren Sie Urin beim Husten, Lachen, Niesen oder körperlicher Anstrengung?
    Die Antwort „Ja“ ist als Symptom einer Belastungsinkontinenz zu sehen, das heißt, die Muskelanspannung führt zu unwillkürlichem Harnverlust. Dies sollte durch den Arzt bzw. den Urologen abgeklärt werden, auch im Hinblick darauf, ob ein Beckenbodentraining sinnvoll ist, um der Blasenschwäche entgegen zu wirken.
  1. Verlieren Sie Urin auf dem Weg zur Toilette?
    Ein „Ja“ kann auf ungünstige Umgebungsfaktoren hindeuten, etwa einen zu langen oder komplizierten Weg zur Toilette. Möglicherweise bemerkt Ihr Pflegekunde den Harndrang auch zu spät. Dann hilft es, wenn Sie ihn rechtzeitig erinnern. Oder Ihr Pflegekunde hat eine Reizblase (siehe hierzu Frage 5).
  1. Tragen Sie Inkontinenzeinlagen?
    Ein „Ja“ deutet darauf hin, dass Ihr Pflegekunde seine Inkontinenz selbstständig oder mit Unterstützung kompensiert.
  1. Haben Sie häufig starken Harndrang?
    Die Antwort „Ja“ kann ein Symptom einer Dranginkontinenz sein. Erläuterung: Im Blasenmuskel sorgen Rezeptoren dafür, dass bei gefüllter Blase der Harndrang ausgelöst wird. Bei der Dranginkontinenz geben diese Rezeptoren den Impuls schon bei wenig gefüllter Blase. Hiergegen kann der Urologe Medikamente verordnen.
  1. Dauert es länger, bis Sie Wasser auf der Toilette lassen können?
    Ein „Ja“ deutet auf einen Harnverhalt hin (bei Männern etwa durch eine Prostatavergrößerung). Die Ursache hierfür muss unbedingt urologisch abgeklärt werden.
  1. Verspüren Sie ein Brennen beim Wasserlassen?
    Ein „Ja“ kann auf einen Harnwegsinfekt hindeuten. Eine Urinuntersuchung gibt Aufschluss über die Ursache.
  1. Haben Sie das Gefühl einer nicht vollständig entleerten Blase?
    Ein „Ja“ deutet auf Restharn in der Blase hin. Eine schnelle Untersuchungsmethode ist die Restharnbestimmung mittels Legens eines Einmalkatheters. Achtung: Dies muss vom Arzt angeordnet werden. Falls sich der Verdacht bestätigt, ist eine urologische Abklärung notwendig, denn Restharn ist ein idealer Nährboden für Bakterien. Bei häufigen Harnwegsinfekten ist möglicherweise sogar ein Dauerkatheter erforderlich.
  1. Verlieren Sie ständig Urin oder haben Sie Harntröpfeln?
    Dies kann auf einen Infekt, Harnverhalt (durch Verengung) oder eine Überlaufblase hindeuten (siehe Fragen 6, 7, 8).

Respektieren Sie ein „Nein“

Falls Ihr Pflegekunde die Fragen nicht beantworten will, oder Sie Zweifel an der Richtigkeit der Antworten haben, beobachten Sie diskret, ob Sie Anzeichen für eine Inkontinenz wahrnehmen. Hierzu zählen häufige Toilettengänge, versteckte Einlagen oder Kleidungsstücke. Sprechen Sie das Thema nur an, wenn sich eine entsprechende Gesprächssituation ergibt.

Je nach individueller Situation Ihres Pflegekunden oder starkem Abwehrverhalten verzichten Sie ganz auf die Erfassung. Begründen Sie dies aber in der Informationssammlung.

Wie kann man unterschiedliche Formen von Harninkontinenz erkennen?

Die Harnausscheidung ist ein besonders anfälliger Prozess, denn beim Wasserlassen arbeitet eine Vielzahl von Muskeln und Nerven zusammen:

Die Harnblase muss den Urin über längere Zeit speichern. Hierzu ist der Blasenmuskel entspannt, um sich ausdehnen zu können. Damit der Urin nicht über die Harnröhre abfließt, ist der Schließmuskel angespannt. Um willentlich Wasser lassen zu können, zieht sich der Blasenmuskel zusammen, während der Schließmuskel mit der Beckenbodenmuskulatur erschlafft. Damit die Blasenkontrolle reibungslos funktioniert, müssen Zentren in Gehirn und Rückenmark, beteiligte Muskeln und Nerven intakt sein und sinnvoll zusammenarbeiten.

Bei einem so fein abgestimmten System können unterschiedliche Störungen und Inkontinenzformen auftreten. Dies gilt besonders für Frauen und ältere Menschen generell. Um Ihren Pflegekunden sinnvoll zu unterstützen, ist es wichtig, dass Sie die verschiedenen Formen erkennen.

Selbsttest: Kennen Sie diese Harninkontinenzformen?

Mit unserem Selbsttest finden Sie heraus, wie gut Sie sich mit den unterschiedlichen Inkontinenzformen auskennen:

Was ist eine Belastungsinkontinenz?

Ist der Beckenboden geschwächt, führt eine körperliche Belastung oder Anspannung dazu, dass der Urin nicht gehalten werden kann. Typische Situationen sind Husten, Niesen, Lachen oder schweres Heben, später auch beim Gehen und im fortgeschrittenen Stadium im Liegen. Eine Blasenschwäche liegt vor, der mit Beckenbodentraining entgegengewirkt werden kann.

Was ist eine Dranginkontinenz?

Manchmal erscheint es so, als ob Ihr Pflegekunde sich den Harndrang nur eingebildet hat, wenn er nur wenige Tropfen Wasser lässt, aber zuvor behauptet, dringend zur Toilette zu müssen. Tatsächlich kann die Blase den Urin nicht ausreichend speichern. Der Harndrang entsteht plötzlich und wird so stark, dass Ihr Pflegekunde den Weg zur Toilette nicht schafft.

Die Ursache: Im Blasenmuskel sorgen Rezeptoren dafür, dass bei gefüllter Blase der Harndrang ausgelöst wird und es zu Urinverlust kommt. Bei der Dranginkontinenz geben diese den Impuls auch schon bei kaum gefüllter Blase weiter. Die Folge ist ein plötzlicher, kaum unterdrückbarer Harndrang, der zu unfreiwilligem Harnabgang führen kann.

Was ist eine Überlaufinkontinenz?

Aufgrund eines mechanischen Hindernisses ist die Blasenentleerung behindert. Die Überlaufinkontinenz erkennen Sie durch folgende Anzeichen: verstärkter Harndrang, häufiges Wasserlassen, Harnträufeln, Startschwierigkeiten beim Wasserlassen.

Was ist eine Reflexinkontinenz?

Aufgrund von Fehlfunktionen wird die Verschlussfunktion der Harnröhre nicht mehr durch Signale aus dem Gehirn gesteuert. Die Blase entleert sich unkontrolliert und ohne dass der Betroffene einen Harndrang gespürt hat.

Konnten Sie alle Fragen beantworten? Gratulation! Sie kennen sich aus. Falls Sie einiges nicht wussten: Ebenfalls herzlichen Glückwunsch! Nun haben Sie Ihr Wissen aufgefrischt.

Die Kenntnis der einzelnen Inkontinenzformen hilft Ihnen bei der Maßnahmenplanung. Bei einer Dranginkontinenz ist etwa der Gang zum Urologen sinnvoll, da als Therapie Spasmolytika die Rezeptoren blockieren können, sodass der Harndrang nicht so stark ist. Hier kann der Arzt Medikamente verschreiben, die Abhilfe beim Betroffenen schaffen. Bei einer Belastungsinkontinenz kann es helfen, die Toilettengänge in kürzeren Abständen anzubieten.

Wie kann man Hautschäden bei Inkontinenz vorbeugen?

Aufgrund ihrer Zusammensetzung durchbrechen Urin und Stuhl die Schutzbarriere der Haut. Der ständige Kontakt mit Ausscheidungen führt zu Hautirritationen. Es bilden sich Ausschläge, Ekzeme oder sogar Entzündungen.

Viele Hersteller von Inkontinenzeinlagen bieten Produkte in unterschiedlichen Qualitäten an. Minderwertige Einlagen können zur inkontinenzassoziierten Dermatitis (IAD) führen. Im Expertenstandard „Förderung der Harnkontinenz“ ist klar benannt, dass die Fachkraft für den Hautschutz von Bewohnern mit Harninkontinenz zuständig ist. Der Schutz vor einer IAD steht dabei im Vordergrund.

Diese Faktoren schaden der Haut:

  • ungeeignete (alkalische) Hautreinigungsprodukte (z. B. Seife)
  • ungeeignete Hautpflegeprodukte, die austrocknen, nicht vor Feuchtigkeit schützen oder die Hautatmung behindern
  • minderwertige Inkontinenzprodukte
  • Keimbesiedelung

Das sind die Erkennungszeichen:

  • Ekzeme: Rötung, Schwellung, Überwärmung, Bläschenbildung am Rand, Krusten, Mazeration
  • Ammoniakgeruch
  • Schädigung der oberflächlichen Hautschicht
  • oberflächliche, nässende Wunden, je nach Tiefe auch lokale Blutungen, ausgedehnte Hauterosionen
  • Schmerzen und/oder Juckreiz
  • lokale bakterielle Infektionen oder Pilzinfektionen

So beugen Sie Hautschädigungen vor:

  • Entfernen Sie Ausscheidungen so schnell wie möglich und halten Sie die Haut trocken.
  • Verwenden Sie hautschonende und pH-neutrale Produkte zur Reinigung.
  • Vermeiden Sie starke Reibung etwa beim Reinigen und Abtrocknen.
  • Achten Sie auf einen guten Hautschutz, der die Hautatmung nicht behindert.

Um Ihrem Pflegekunden Schmerzen zu ersparen und um ein gutes Hautmilieu zu erreichen, kommt es auf den regelmäßigen Wechsel der Inkontinenzprodukte an – und auf das Produkt selbst. Ihr Pflegekunde sollte sich damit so wohl und sicher wie möglich fühlen.

Selbstverständlich sind regelmäßige Toilettengänge der beste Schutz vor einer inkontinenzbedingten Hautschädigung. Doch nicht jeder Pflegekunde kann problemlos auf der Toilette sitzen oder bemerkt seinen Harn- oder Stuhldrang rechtzeitig. Die Kombination aus sorgfältiger Hygiene, Hautschutz und geeignetem Inkontinenzmaterial ist daher entscheidend für das Wohlbefinden der Patienten.

Wie kann man Inkontinenz-Material kostensparend verwalten?

Je nach Bundesland, in dem Sie arbeiten, erhalten Sie von den Krankenkassen unterschiedliche Versorgungspauschalen für die Inkontinenzversorgung Ihrer Bewohner. Durch ein effektives Kostenmanagement ist es möglich, die bestmögliche Versorgung für Ihre Bewohner zu erreichen. Denn eine gut durchdachte Inkontinenzversorgung bietet allen Beteiligten Vorteile:

  • Für alle Mitarbeiter ist es wichtig, ausreichend Inkontinenzmaterial zu haben. Anderenfalls entsteht das Gefühl, dass die Einrichtung auf Kosten der Bewohner spart.
  • Stimmen die Mitarbeiter das Inkontinenzprodukt individuell auf Ihren Bewohner ab, verringern sie Verbrauchskosten.
  • Eine gute Inkontinenzeinlage sinnvoll eingesetzt, senkt den Wäscheverbrauch.
  • Hochwertige Produkte wirken sich positiv auf den Hautzustand Ihrer Bewohner aus.

Worauf Sie bei der Wahl der Inkontinenzprodukte achten sollten

Auf dem Markt finden Sie viele verschiedene Produkte, die sich preislich gravierend unterscheiden. Berücksichtigen Sie bei der Wahl nicht nur den Preis, sondern auch die Qualität:

  • Die Bündchen sollten so elastisch sein, dass sie sich der Körperform anpassen.
  • Die Einlage darf keine Feuchtigkeit an die Haut abgeben.
  • Hat sich Ihr Pflegekunde eingenässt, sollte das Inkontinenzprodukt den Geruch binden und nicht an die Kleidung abgeben.
  • Eine gute Einlage ist immer luftdurchlässig, das heißt, sie hat außen keine Plastikschicht.
  • Ihr Pflegekunde sollte die Einlage so unauffällig wie möglich tragen können. Hierzu gehört auch, dass das Produkt nicht knistert oder unangenehm auffällt.

Mit einer gut durchdachten Wahl des Produktanbieters können Sie auch Zusatzleistungen erhalten – oft sogar ohne Extrakosten. Beachten Sie hierfür unsere Tipps:

  1. Achten Sie auf die Qualität der Einlagen. Testen Sie von Zeit zu Zeit die Angebote anderer Hersteller.
  2. Beachten Sie beim Preisvergleich die Details. Manche Hersteller bieten verschiedene Produkte für den professionellen und den stationären Bereich an. Die hochwertigeren Produkte sind meist für den stationären Bereich sinnvoll, da sie Hautschäden durch Feuchtigkeit besser vorbeugen und auch einen besseren Tragekomfort bieten.
  3. Manche Hersteller bieten Pauschalangebote für Träger an, die scheinbar günstig sind und Inkontinenzmaterial in Hülle und Fülle versprechen. Sie als PDL sind häufig nicht an den Verhandlungen beteiligt. Melden Sie Qualitätsverluste bei den Produkten direkt, denn letzten Endes stehen Sie für die Versorgungsqualität gerade.
  4. Pflegekräfte sollten die in der Einrichtung genutzten Einlagen anhand der genannten Aspekte bewerten. Denn sie wenden die Produkte direkt beim Bewohner an und kennen die Schwachstellen genau.
  5. Prüfen Sie das Gesamtpaket der Lieferanten. Manche Zusatzleistungen können sich lohnen wie etwa bewohner- oder wohnbereichsbezogene Lieferungen. Erkundigen Sie sich, ob der Anbieter außerdem folgende Serviceleistungen bietet:
  • Anwenderschulungen: Oft können Sie Material sparen, wenn Ihre Mitarbeiter die richtigen Anlegetechniken kennen. Kenntnisse über die Anwendung des Produktes und dessen Fassungsvermögen erleichtern die Auswahl.
  • Software: Firmen mit Direktvertrieb bieten eine regelmäßige Kundenbetreuung. EDV-Programme zur erleichterten Bestellung, Kostenkontrolle und Versorgungsübersichten erleichtern Ihnen die Arbeit wesentlich.

Inkontinenzeinlagen verursachen Anschaffungs- und Entsorgungskosten. Ein sparsamer und durchdachter Umgang mit Inkontinenzmaterial hat jedoch entscheidende Auswirkungen auf Ihre Versorgungsqualität.

Expertenstandard zur Förderung der Harnkontinenz

Der Expertenstandard „Förderung der Harnkontinenz in der Pflege, 1. Aktualisierung“ befasst sich mit der Harninkontinenz bei erwachsenen Patienten/Bewohnern, die inkontinent sind, oder zu einer Risikogruppe für die Entwicklung einer Inkontinenz gehören. Der Expertenstandard fokussiert auf Erkennung und Analyse von Kontinenz-Problemen und ihren Ursachen, Erhebungsmethoden, die Einschätzung unterschiedlicher Kontinenz-Profile und verschiedene Interventionsmöglichkeiten und Therapien. Die von der Expertenarbeitsgruppe entwickelte Einteilung der Kontinenz-Stufen zur Bestimmung des Kontinenz-Profils wird in der Praxis weitgehend aufgegriffen. Dabei haben das Erleben und die subjektive Sicht der Betroffenen eine große Bedeutung.

Die Umsetzung des Expertenstandards erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen. Bei der Einschätzung der Harninkontinenz müssen medizinische und pflegende Berufsgruppen eng zusammenarbeiten. Hier kommt dem jeweiligen Management die Aufgabe zu, für eindeutige und effektive Verfahrensregelungen Sorge zu tragen. Zusätzlich haben professionell Pflegende die Pflicht, sich Wissen zu dem Themenbereich anzueignen und dass das Management hierfür geeignete Bedingungen schafft. Wie Sie den Expertenstandard zeitnah und korrekt aktualisieren, erfahren Sie in der Zeitschrift „Stationäre Pflege aktuell“.

Durch frühzeitige Identifikation von gefährdeten und betroffenen Patienten/Bewohnern und der gemeinsamen Vereinbarung von spezifischen Maßnahmen kann die Inkontinenz erheblich positiv beeinflusst und hervorgerufene Beeinträchtigungen reduziert werden. Die nachfolgende Tabelle zeigt einen Auszug aus dem Expertenstandard zur Verbesserung des Umgangs mit der Inkontinenz-Situation:

Zum Umgang mit der obigen Tabelle haben wir für Sie zwei Fragebögen zur Struktur- und Prozessqualität zusammengestellt. Dieser dient der Analyse der Pflegequalität und begleitet die Umsetzung des Expertenstandards zur Förderung der Harnkontinenz:

Weiterführende Informationen

Möchten Sie mehr rund um den angemessenen Umgang mit Pflegekunden erfahren? Benötigen Sie ergänzende Tipps zur Inkontinenz? Sind Fragen offengeblieben? Dann werfen Sie doch einen Blick auf unsere weiteren Artikel:

Fazit

Harninkontinenz ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild, das nicht nur Frauen und ältere Menschen betrifft, sondern in allen Altersstufen auftreten kann. Da es sich um ein ausgesprochen schambehaftetes, mit Vorurteilen besetztes Thema handelt, ist der Umgang mit betroffenen Personen oft schwierig. Viele suchen keine professionelle Hilfe, sondern verheimlichen ihr Problem, auch weil sie glauben, Urin- oder Stuhlinkontinenz gehören zu einem normalen Alterungsprozess dazu. Es ist nun an Ihnen, die Anregungen aus unserem Artikel zum Wohle Ihrer Pflegekunden umzusetzen und ihnen ein gutes Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.