Eine Pflegerin deckt eine Seniorin in ihrem Bett mit einer orangen Decke zu.

Wenn Übersäuerung Sie schlapp macht

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Inhaltsverzeichnis

In der heutigen Hochleistungsgesellschaft, in der wir uns mehr denn je über Effizienz und mentale Klarheit definieren, ist Ihre Gesundheit Ihr wichtigstes Asset. Um im Beruf sowie bei Ihren Investments die richtigen Entscheidungen treffen zu können, ist ein hohes Energielevel unerlässlich. Doch oft schleichen sich Phasen ein, in denen die gewohnte Leistungsfähigkeit schwindet. Sie fühlen sich nicht direkt krank, aber ein permanentes Gefühl von Abgeschlagenheit und bleierner Müdigkeit beeinträchtigt Ihren Fokus. Sollte dieser Zustand über mehrere Wochen anhalten, ist der erste Schritt zwingend der Weg zum Mediziner, um klinisch relevante Erkrankungen wie Anämien, Schilddrüsenstörungen oder Herz-Kreislauf-Probleme fachgerecht auszuschließen.

Häufig liegen die Ursachen für diffuses Unwohlsein jedoch in einem Bereich, den die moderne funktionelle Medizin als „latente Azidose“ bezeichnet. Während die Schulmedizin unter einer Azidose meist nur die lebensbedrohliche Entgleisung des Blut-pH-Werts (etwa bei schwerem Diabetes oder Nierenversagen) versteht, beschreibt die Naturheilkunde ein weitaus subtileres Ungleichgewicht: Eine schleichende Überlastung der körpereigenen Puffersysteme durch moderne Lebensgewohnheiten. Werden dem Organismus dauerhaft zu viele säurebildende Substanzen zugeführt, muss er tief in seine Mineralstoffreserven greifen, um das Gleichgewicht zu halten. Ein einfacher Urinschnelltest kann hierbei als erster Indikator dienen, sollte jedoch stets im Kontext eines ganzheitlichen Tagesprofils betrachtet werden.

Säuren sind Abbauprodukte der Nahrung

Ihr Stoffwechsel gleicht einem hochkomplexen chemischen Reaktor: Zur Energiegewinnung verbrennt der Körper Nährstoffe, wobei zwangsläufig Abfallprodukte entstehen – darunter organische und anorganische Säuren. Diese Protonen wandern aus den Zellen in die extrazelluläre Matrix (das Bindegewebe) und von dort ins Blut. Ein ausgeklügeltes Puffersystem, primär gesteuert durch Bicarbonat sowie die Ausscheidungsorgane Lunge (CO2-Abatmung) und Niere, sorgt dafür, dass der Blut-pH-Wert konstant zwischen 7,35 und 7,45 bleibt.

Problematisch wird es nach naturheilkundlicher Auffassung, wenn die Zufuhr von Säurebildnern die Kapazität dieser „Entsorgungswege“ dauerhaft übersteigt. Die Theorie besagt, dass überschüssige Säuren dann im Bindegewebe zwischengelagert werden – man spricht auch von einer „Verschlackung“ des Pischinger-Raums. Dies kann die Mikrozirkulation und den Nährstofftransport zu den Zellen behindern, was sich langfristig in den typischen Symptomen einer Übersäuerung äußert. Hauptverantwortlich hierfür sind oft eine einseitige Ernährung, chronischer Stress sowie mangelnde Oxygenierung durch zu wenig Bewegung.

Übersicht: Die wichtigsten Informationen zum Thema „Übersäuerung“

Symptome:

Bei einer Übersäuerung des Gewebes treten keine eindeutigen Symptome auf. Mögliche Anzeichen sind aber z. B.

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Sodbrennen, Antriebslosigkeit, Unwohlsein
  • Schlafstörungen
  • fettige Haare, Schuppenbildung, Haarausfall, trockene oder unreine Haut, brüchige Nägel
  • Muskelschmerzen und -krämpfe
  • Cellulite

Ursachen:

  • übermäßiger Verzehr von säurebildenden Nahrungsmitteln und Getränken
  • Nikotin und Alkohol
  • Stress, psychische Belastungen
  • Diäten und Fastenkuren
  • Medikamente (z. B. Acetylsalicylsäure)
  • mangelnde körperliche Aktivität
  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr

Ernährung:

Eine ausgewogene Ernährung sollte in etwa aus 70% Basenbildnern und 30% Säurebildnern bestehen.

  • Sie sollten wenig von diesen säurebildenden Nahrungsmitteln zu sich nehmen:
    • Fleisch, Wurst, Eier, Fisch, Käse, Milchprodukte, Zucker, Weißmehl.
  • Der überwiegende Teil Ihrer Nahrung sollte aus basischen Nahrungsmitteln bestehen.
    • Hierzu zählen Blatt- und Wurzelgemüse, Kartoffeln, Obst, Kräuter, Sojaprodukte.
  • Als Getränk eignen sich Kräuter- und Früchtetees, Wasser ohne Kohlensäure

Ergänzende Maßnahmen:

  • Anwendungen mit Basenpulver: (z. B. basische Bäder, Fußbäder oder Wickel); diese bewirken eine Säureausscheidung über die Haut.
  • Bewegung: Durch Bewegung und Sport atmen Sie tiefer und fördern so die Ausscheidung von Kohlendioxid.
  • Schwitzen: Durch Sport oder Saunagänge fördern Sie die Säureausscheidung über die Haut.
  • wenig Stress und Ärger: Hohe Konzentrationen von Stresshormonen begünstigen die Übersäuerung.
  • Flüssigkeitszufuhr: Flüssigkeit erleichtert die Säureausscheidung über die Nieren.
  • Basentabletten: Als Nahrungsergänzung sind Basenpräparate sinnvoll (z. B. Basentabletten vom Drogeriemarkt

Ein Urinschnelltest gibt Aufschluss

Um eine erste Orientierung über Ihren Säure-Basen-Status zu erhalten, ist die Erstellung eines pH-Tagesprofils mittels Teststreifen (Kostenpunkt ca. 3–5 € in der Apotheke) eine praktikable Methode. Wichtig ist hierbei die Erkenntnis, dass eine punktuelle Messung keine Aussagekraft hat. Der Urin-pH-Wert unterliegt einem zirkadianen Rhythmus: Der erste Morgenurin ist physiologisch bedingt fast immer sauer (pH 5,5 bis 6,5), da die Niere über Nacht intensiv Säuren ausscheidet. Im Tagesverlauf sollte der Wert nach den Mahlzeiten durch die sogenannte „Basenflut“ idealerweise in den neutralen bis leicht basischen Bereich (über 7,0) ansteigen.

Messen Sie für ein aussagekräftiges Ergebnis über 3 bis 5 aufeinanderfolgende Tage bei jedem Toilettengang und notieren Sie die Werte. Zeigt sich eine sogenannte „Säurestarre“ – bleiben die Werte also dauerhaft im sauren Bereich unter 6,0, ohne die typischen tageszeitlichen Schwankungen – deutet dies auf eine hohe Säurelast hin. Sollten die Werte trotz einer Ernährungsumstellung dauerhaft niedrig bleiben oder extreme Abweichungen zeigen, ist eine ärztliche Untersuchung (Blutgasanalyse oder Bestimmung der Netto-Säureausscheidung im 24-Stunden-Urin) ratsam, um Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder Niereninsuffizienz auszuschließen.

Schul- und Alternativmedizin sind unterschiedlicher Meinung

Die Alternativmedizin geht davon aus, dass die Ausscheidungsorgane die Menge an Abbauprodukten nicht bewältigen können, die bei einer Übersäuerung anfallen. Neben Müdigkeit und Cellulite können demzufolge bei einer chronischen Übersäuerung auch Erkrankungen wie Osteoporose, Muskelverhärtungen, Arteriosklerose oder rheumatische Arthritis entstehen.

Ein funktionierender Säure-Basen-Haushalt ist lebensnotwendig für den Körper. Die Schulmedizin räumt auch ein, dass Lebensmittel einen bedingten Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt haben. Sie geht aber davon aus, dass bei gesunden Menschen das körpereigene Säure- Basen-Puffersystem ausreicht, um einer Übersäuerung vorzubeugen. Damit es zu einer Übersäuerung des Blutes kommen kann, müssen gravierende Erkrankungen oder Funktionsstörungen wie z. B. das Diabetische Koma oder Leberkoma vorliegen.

Nutzen Sie die Hinweise aus diesem Artikel daher vor allem zur Verbesserung Ihres Wohlbefindens. Denn auch wenn der Einfluss einer leichten Übersäuerung auf das Wohlbefinden wissenschaftlich nicht 100%ig bewiesen ist, kann sie dazu führen, dass Sie sich insgesamt wohler und fitter fühlen.