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Organisation in 5 Schritten – warum nicht alle Pflegekunden um 10 Uhr versorgt sein müssen

07.10.2019

Unsere WBL setzt uns ganz schön unter Druck. Ihrer Ansicht nach müssen wir Pflegekräfte es jeden Tag schaffen, dass bis spätestens 10 Uhr alle Pflegekunden versorgt sind. ,Das ist der normale Tagesrhythmus eines jeden Menschen! Aufstehen, frischmachen, frühstücken und so weiter. Oder duschen Sie erst um 11 Uhr?‘, herrschte sie mich letzte Woche an, als ich das System hinterfragte. Was meinst du denn dazu?

Das hat mich am Donnerstag meine Kollegin Diana gefragt. Tatsächlich ist die Einstellung ihrer WBL noch immer weit verbreitet. Ein regulärer Frühdienst in deutschen stationären Einrichtungen beginnt mit der Grundpflege aller Pflegekunden. So erleben Sie es immer noch Tag für Tag, oder?

Grundpflege im Frühdienst – muss das sein?

Haben Sie sich wie Diana auch schon einmal gefragt, ob das unbedingt so sein muss? In unserer Fachkraftausbildung lernen wir viel über individuelle Pflege und biografieorientiertes Handeln. Trotzdem erlebe ich es im Alltag als ganz schwierig, das Denken „Frühdienst = Grundpflege“ aufzulösen.

Stellen Sie sich einen Pflegekunden vor, der früher immer am Abend geduscht hat. Plötzlich wird er dann im Pflegeheim von uns morgens um 6 Uhr ins Bad gescheucht. Stellen Sie sich einen anderen Pflegekunden vor, der an Demenz erkrankt und nachts oft unruhig ist. Würde ihm vielleicht ein beruhigendes Bad am Abend helfen? Stattdessen wird er morgens um 7 Uhr, wenn er endlich Ruhe gefunden hat und schlafen will, von uns geduscht.

Diese beiden Beispiele sind überzeichnet, könnte man meinen. Aber genauso habe ich es dieses Jahr schon in stationären Einrichtungen erlebt. Finden Sie nicht auch, dass wir es schaffen sollten, uns aus einem solch festgefahrenen Denken zu lösen? Grundpflege kann durchaus auch einmal im Spätdienst stattfinden. Warum auch nicht?

Wer behält den Gesamtüberblick über die Schicht?

Wenn ich solche Beispiele im Alltag erlebe, frage ich natürlich genauer nach. Viele Leitungskräfte berichten mir dann, dass ihnen ein offener Ansatz auch lieber wäre. Offener Ansatz meint, dass es keine strikte Vorgabe gibt, wann welche Grundpflege stattgefunden haben muss.

Nur: „Frau Ott, wenn wir das so angehen würden, hätte am Ende niemand mehr einen Überblick. Wenn der Pflegekunde am Morgen erst später versorgt wird, wer hat dann auf dem Schirm, dass er frühstücken oder seine Medikamente pünktlich einnehmen sollte?

Das ist die Angst vieler Leitungskräfte. Grob ist diese zu übersetzen mit: Wenn das System offen ist, muss jeder Mitarbeiter/Kollege mehr Eigenverantwortung tragen. Das trauen wir unserem Personal anscheinend mehrheitlich nicht zu.

Entscheidend: die Organisation

Ich kann diese Angst schon ein Stück weit nachvollziehen. Natürlich brauchen Sie dazu Kollegen, die eigenverantwortlich arbeiten, sich gut im Team absprechen und zusätzlich über eine gute Beobachtungsgabe und Sensibilität für Ihre Pflegekunden verfügen.

Viel können Sie im Alltag aber auch mit einer entsprechenden Struktur und Organisation steuern. Wenn Ihnen sinnvolle Checklisten und gute Ablaufpläne vorliegen, nimmt das die Angst. Mit diesen geht es dann nämlich gerade nicht drunter und drüber, sondern der Gesamtüberblick bleibt gewahrt – und damit letztendlich die fachlich gute Versorgung Ihrer Pflegekunden.

So arbeiten Sie mit der morgendlichen Handlungsanleitung

Einen solch beispielhaften Arbeitsablauf habe ich hier in Form einer Handlungsanleitung für Sie vorbereitet. Sie ist so aufgebaut, dass Sie sie morgens gleich zur Hand nehmen können. Denn nach der Übergabe des Nachtdienstes wollen wir Pflegekräfte meist gleich mit unserer Arbeit loslegen.

Sagen Sie hier in Zukunft: „Stop!“ Nehmen Sie sich mit Ihren Kollegen 10 Minuten Zeit, um die Versorgung der Pflegekunden kurz gemeinsam zu besprechen. Dafür ist die Handlungsanleitung in Zukunft eine gute Stütze. Ich verspreche Ihnen: Sowohl Ihre Pflegekunden als auch Sie werden von diesem neuen organisatorischen Ansatz des Frühdienstes massiv profitieren.

1. Die Morgenbesprechung

Hier greifen Sie hauptsächlich auf eine Informationsquellen zurück. Das ist die Übergabe der Nachtdienstkollegen. Was berichten diese über das Schlafverhalten und die nächtlichen Aktivitäten jedes einzelnen Pflegekunden?

2. Die Planung der Versorgung

Am übersichtlichsten gelingt Ihnen das handschriftlich. Es gibt fast auf jedem Bereich eine aktuelle Excel-Liste aller Pflegekunden. Drucken Sie diese aus und notieren Sie vor dem Namen eines jeden Pflegekunden kurz FD oder SD.

Das heißt: Die geplante pflegerische Versorgung soll also im Frühdienst oder im Spätdienst stattfinden. Bei denjenigen mit dem Kürzel FD notieren Sie eine Nummer, beginnend ab 1 dahinter.

So haben Sie im Team schon nach kurzer Zeit eine Liste für den jeweiligen Frühdienst und können diese dann entsprechend mit Ihrer Personalbesetzung und den weiteren Tages-To-dos abgleichen. Prüfen Sie: Ist die Liste unter Einbeziehung aller Faktoren realistisch? Oder muss zeitlich angepasst werden?

3. Planen Sie auch die Versorgung der SD-Pflegekunden

Sie haben z. B. bei Frau Schmidt das Kürzel SD für Spätdienst hinterlegt. Dann überlegen Sie bitte jetzt, was bei ihr trotzdem im Frühdienst zu tun ist. Wie in der Handlungsanleitung beschrieben vielleicht eine Lagerung? Oder die Einnahme wichtiger Medikamente?

Legen Sie die Verantwortlichkeit für die SD-Pflegekunden untereinander fest. Ein Kollege übernimmt die nötigen Tätigkeiten bei Frau Schmidt, ein anderer die bei Herrn Mayer usw. Ihr Ziel ist: Sie starten alle erst dann mit der praktischen Arbeit, wenn alle Pflegekunden unter den Kollegen aufgeteilt wurden.

4. Zeitpuffer sorgen für Entspannung

Jeder Kollege sollte trotz seiner nun festgelegten Gruppe noch über einen zusätzlichen Zeitpuffer verfügen. Was wenn Frau Schmidt trotz geplanter späterer Versorgung doch quietschfidel um 8:30 Uhr auf dem Flur steht? Damit ist in Ihrer Planung immer zu rechnen, kalkulieren Sie das also mit ein.

5. Die Lagebesprechung ist ein wichtiges Instrument

Hier tauschen sich alle Kollegen untereinander aus: Wie ist der aktuelle Stand bei jedem? Kommt er mit der Versorgung all seiner Pflegekunden zurecht? Oder ist jemand anders heute schneller fertig und kann entsprechend noch To-dos übernehmen?

Lassen Sie sich von dem Argument „Dafür haben wir doch keine Zeit!“ nicht von der Lagebesprechung abbringen. Zur Koordination ist sie von entscheidender Bedeutung und damit ein wichtiges Instrument für diesen neuen offenen Ansatz des Frühdienstes.

Fazit: Der Gesamtüberblick revolutioniert Ihren Frühdienst

Diese Handlungsanleitung ist ein Beispiel dafür, wie es gelingen kann, den Gesamtüberblick zu behalten. Gestalten Sie Ihre grundpflegerische Versorgung in Zukunft offener.

Das wäre wünschenswert, denn dadurch pflegen und versorgen Sie Ihre Pflegekunden individueller. Das Denken, dass um 10 Uhr alle geschniegelt und gestriegelt fertig sein müssen, ist wirklich veraltet.

In der Praxis kann der neue Ansatz durchaus gut gelingen, das habe ich selbst in mehreren Einrichtungen schon erlebt. Gezielte Absprachen und Planungen untereinander sind dafür aber essenziell. Nutzen Sie dafür die Handlungsanleitung.

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