Verlag & Akademie

Ulcus-Fertigverbände können bis zu 7 Tage rund um die Uhr am Bein bleiben

31.08.2018

Bestimmt legen auch Sie täglich Kompressionsverbände bei einigen Patienten mit einem Ulcus cruris venosum an und rechnen diese Leistungen mit den Krankenkassen über die Verordnung häuslicher Krankenpflege ab. Dann sollten Sie wissen, dass immer mehr Kassen das „tägliche Wickeln“ aus Kostengründen ablehnen und auf fertige Binden- oder Strumpfsysteme verweisen, die nur 1- bis 2-mal pro Woche angelegt werden müssen. Daher erfahren Sie in dieser Ausgabe, was es mit den fertigen Bindensystemen (auch Mehrlagenkompressionssysteme genannt) auf sich hat und wann diese eingesetzt werden können.

Wirkungsweise der Kompressionstherapie

Durch konsequenten Druck auf die Venen wird der Durchmesser der Gefäße verkleinert und so die Fließgeschwindigkeit des Blutes erhöht. Außerdem bildet die Kompression einen Widerstand für die Beinmuskulatur, wodurch die Pumpwirkung der Muskeln verstärkt wird, was ebenfalls zu einer Verbesserung des venösen Rückflusses durch Wiederherstellung der Schließfunktion der Venenklappen führt. Der verbesserte Abfluss bewirkt, dass Schlackenstoffe abtransportiert und Ödeme reduziert werden.

Relative Kontraindikation: Schwere Sensibilitätsstörungen der Extremitäten, fortgeschrittene periphere Neuropathie, Materialunverträglichkeit

Absolute Kontraindikation: Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), akute dekompensierte Herzinsuffizienz, Erysipel, Knöchel-Arm-Druck- Index < 0,6

Absolute Kontraindikation: Verbietet die Maßnahme vollständig. Relative Kontraindikation = spricht gegen die Maßnahme, lässt sie aber zu, wenn sie im konkreten Einzelfall voraussichtlich mehr nützt als schadet.

Die Art der Kompression ist von der Wundheilungsphase abhängig

Bei der Behandlung eines venösen Ulcus (Ulcus cruris venosum) steht neben der phasengerechten Wundversorgung die Kompressionstherapie an 1. Stelle. Die jeweilige Kompressionstherapie (Kompressionsverband, -bindensysteme, -strümpfe) ist von der Heilungsphase abhängig.

So wird in der Therapiephase (Ödemreduktion und Ulcusheilung) mit Kurzzugbinden oder fertigen Bindensystemen in kürzeren Wickelintervallen behandelt.

In der Erhaltungsphase, in der das Ödem beseitigt und das Ulcus sich in einer stabilen Heilungsphase befindet sollte, soll die Kompression nur so stark sein, dass sich kein neues Ödem bildet. Hier finden sowohl fertige Binden- als auch fertige Strumpfsysteme Anwendung. Das Wickelintervall kann an das Verbandwechselintervall angepasst werden. Bei abheilendem Ulcus kann das Bindensystem bis zu 7 Tage belassen werden, je nach Verbandwechselintervall.

Nach vollständiger Abheilung des Ulcus sollte man auf einen individuell angepassten Kompressionsstrumpf übergehen.

Unterschiede bei den Kompressionssystemen

Kompressionssysteme lassen sich generell dadurch unterscheiden, dass sie aufgrund der unterschiedlichen Elastizität der Ausgangsstoffe über einen verschieden hohen Ruhe- und Arbeitsdruck verfügen. Ruhedruck ist der Druck, den das Kompressionsmaterial auf die ruhende Extremität ausübt (entspricht der Kraft, die die angelegte Binde bei entspannter Muskulatur ausübt). Arbeitsdruck ist der Druck, der bei Bewegung durch die Wechselwirkung von Muskelanspannung und Kompressionsverband entsteht, also der Druck, den der Muskel dem Kompressionsmaterial entgegensetzt.

Hinweis: Arbeits- und Ruhedruck hängen sowohl vom Material als auch von der Anzahl der Binden und der Kraft, mit der der Kompressionsverband angelegt wurde, ab. Kompressionsverbände, unabhängig von Material und Anlagetechnik, erbringen ihre Leistung erst bei körperlicher Bewegung (physikalische Verengung der Gefäße, wodurch die Fließgeschwindigkeit des Blutes erhöht und der venöse Rückfluss verringert wird).

Diese Kompressionsmaterialien gibt es:

1. Kurzzugbinden: (geringe Dehnbarkeit, 40–90 % = hoher Arbeitsdruck, niedriger Ruhedruck) sind das Mittel der Wahl zur Einleitung einer Ödemtherapie oder deren Fortführung bis zur vollständigen Entstauung und Abheilung eines Ulcus. Sie werden mit einem Ruhedruck von 40–60 mmHg angelegt. Dieser Druck bleibt nicht konstant, sondern nimmt in den ersten 24 Stunden bei Bewegung und durch Ödemreduktion ab. Dies führt oft dazu, dass der Kompressionsverband verrutscht und ein Neuanlegen erforderlich ist.

Hinweis: Da die Binden durch Anlegen und Waschen an Elastizität verlieren, müssen Sie die Pflegehinweise der Hersteller unbedingt beachten.

2. Langzugbinden: (hohe Dehnbarkeit > 100 % = niedriger Arbeitsdruck, hoher Ruhedruck) sind ungeeignet für eine Kompressionstherapie, da sie durch ihre hohe Dehnbarkeit bei Muskelkontraktionen keinen Widerstand bilden und so keine rückflussfördernde Wirkung entsteht. Durch den hohen Ruhedruck kann es bei immobilen Patienten zu Einschnürungen kommen. Langzugbinden werden in der Therapie für Sport- und traumatische Erkrankungen wie z. B. Stauchungen oder Prellungen eingesetzt.

3. Fertige Bindensysteme (Mehrlagenkompressionssysteme) mit mehreren Komponenten: Ein solches System beinhaltet meist einen Schlauchverband, eine Polsterbinde, mindestens 2 Kompressionsbinden und eine Fixierbinde. Bei einem Großteil der Produkte handelt es sich um Einmalprodukte, die nach Entfernen des Kompressionsverbandes verworfen werden müssen. Es gibt aber auch Bindensysteme, die wieder einsetzbar sind. Die wichtigen Komponenten sind doppelt bestückt, waschbar und bis zu 50-mal wieder verwendbar.

4. Fertige Strumpfsysteme (auch Verbandstrümpfe genannt) bestehen meist aus 2 Komponenten, einem Unterund einem Überstrumpf. Beide Strümpfe zusammen üben den erforderlichen Druck von 40 mmHg aus. Sie können bei floridem Ulcus in der stabilen Heilungsphase eingesetzt werden, nicht aber bei ausgeprägten Ödemen, und sind bei Patienten ohne Ulcus nicht in der Erhaltungsphase geeignet. Der Vorteil des 2-Komponenten- Strumpfes besteht darin, dass der Unterstrumpf mit seinem geringeren Anlagedruck auch über Nacht verbleiben kann, während der zusätzliche Überstrumpf tagsüber den nötigen Druck zur Ulcusabheilung aufbringt.

Hinweis: Verbandsstrümpfe haben eine Hilfsmittelzulassung und belasten das ärztliche Budget nicht!

Wichtig: Die Indikation für das Anlegen von Kompressionsverbänden muss immer von einem Arzt festgestellt werden, denn er übernimmt die Verantwortung für die Beachtung von Kontraindikationen! Die Kompression sollte vor dem 1. Aufstehen angelegt werden. Ist dies nicht möglich, müssen die Beine vorab 30 Minuten hochgelegt werden.

Fazit

Sowohl fertige Binden- als auch fertige Strumpfsysteme haben eine hohe Toleranz bei den Patienten. Um die Compliance des Patienten zu verbessern, sind die Aufklärung und Information über Wirkungsweise und Relevanz der Kompressionstherapie bei der Behandlung des Ulcus cruris venosum sowie die Möglichkeiten, selbst bei der Behandlung aktiv mitzuwirken, von großer Wichtigkeit.

Für weitere Informationen können Sie die „Konsensusempfehlung Kompressionstherapie“ bei der Initiative Chronische Wunden e. V (ICW) auf der Website www.icwunden.de bestellen. Die Autorin: Anja Kuntz, Pflegetherapeutin Wunde ICW e. V., Sozialstation Gerlingen, ICW Arbeitskreis Wundgrund.

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