Verlag & Akademie

9 bewährte Tipps für Ihre tägliche Angehörigenarbeit in der Tagespflege

16.01.2019

Sie und Ihre Mitarbeiter erfahren es fast täglich: Nicht nur Ihre Tagespflegegäste brauchen Ihre Betreuung und Zuwendung, sondern oftmals auch deren Angehörige. Angehörigenarbeit ist sicher einer der schwierigsten Bereiche unserer Arbeit. Eine gewisse Anspruchshaltung, oftmals aus schlechtem Gewissen geboren, sorgt für erhöhten Gesprächsbedarf. Manchmal erwarten unsere Angehörigen auch unrealistische Verbesserungen des Gesundheitszustandes der Gäste.

Hier sind Sie gefordert. Klare Kommunikation und ein hoher Grad an Empathie sind die Schlüssel zu einer guten Angehörigenarbeit. 9 bewährte Tipps sollen Sie auf diesem Weg begleiten:

Tipp 1 - Transparenz: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Arbeit nachvollziehbar ist

Im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit im Allgemeinen und der Arbeit mit den Angehörigen im Besonderen meint Transparenz in erster Linie, dass Ihre Arbeitsweise nachvollziehbar ist. Das bezieht sich auf Ihr Konzept, Ihre Arbeitsweise und Ihre Arbeitsabläufe und nicht zuletzt auch auf Ihr Verständnis von Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in der Tagespflege. Vielleicht erklären Sie, dass eine entspannte und gelassene Haltung im Umgang mit dem Erkrankten, die sie so wenig wie möglich korrigiert und auf Fehler hinweist, aus Ihrer Sicht gute Pflege bedeutet.

Unter Umständen kann dies zu dem Ergebnis führen, dass die demenzerkrankte Ehefrau zwar nicht immer sauber und tipptopp aus der Tagespflege heimkehrt, aber dafür voller Zufriedenheit über den selbst verzierten Fotorahmen. Erläutern Sie den Angehörigen diese Aspekte ausführlich. Nehmen Sie sich die Zeit für diese Erläuterungen, und zwar vor dem ersten Aufenthaltstag. Am besten schon dann, wenn Angehörige Angehörige sich nur über Ihre Angebote und Leistungen informieren wollen.

Dazu gehört auch, offen und ehrlich zu kommunizieren, welche Möglichkeiten und Grenzen in Ihrer Tätigkeit bestehen. Manchmal erwarten Angehörige wahre „Wunderdinge“ von der professionellen Pflege, z.B. dass die Mutter sich in ihrer geistigen Leistungsfähigkeit deutlich verbessert. Zusätzlich sollten Sie auch transparent sein bezüglich der Kosten der von Ihnen angebotenen und durchgeführten Leistungen.

Für Angehörige ist es wichtig, dass sie nachvollziehen können, welche Leistungen sie für welchen Preis bekommen. Seien Sie nicht nur bezüglich Ihrer eigenen Angebote transparent, sondern nach Möglichkeit auch bezüglich aller hilfreichen Angebote in Ihrer Region. Nehmen Sie dafür Kontakt zur regionalen Alzheimer Gesellschaft, einer entsprechenden Beratungsstelle oder einem Pflegestützpunkt auf. Dort wird man Sie über weitere vorhandene Angebote informieren können, ggf. auch mit Informationsmaterial, das Sie an die Angehörigen weitergeben können.

Die Angehörigen wissen dies zu schätzen. Sie erleben, dass Sie ehrlich und professionell agieren, können besser Vertrauen in Ihre Tätigkeit und Professionalität gewinnen, was letztlich dazu führen wird, dass Sie eine bessere Zusammenarbeit mit ihnen haben werden.

Tipp 2: Bringen Sie jedem einzelnen Menschen ehrliche Toleranz und Akzeptanz entgegen

Es gibt sehr viele unterschiedliche Lebensentwürfe, sehr viele unterschiedliche Menschen und nicht zuletzt ebenso viele verschiedene Entwürfe für das Führen von Beziehungen. Jeder Lebensentwurf und jede langjährige Beziehung mit ihren Rollenverteilungen und gewachsenen Machtgefügen haben erst einmal ihre Berechtigung und sollten von Ihnen akzeptiert werden, solange keine strafbaren oder menschenverachtenden Handlungen daraus erwachsen.

Dazu gehört auch die Akzeptanz der Lebensgewohnheiten und Eigenheiten des Demenzerkrankten. Wenn Sie den Erkrankten so nehmen, wie er ist, können Sie sich sehr viel besser den Zugang zu den Angehörigen und damit auch zu dem Demenzerkrankten eröffnen. Machen Sie sich bewusst, dass es nicht die eine beste Lösung für alle gibt. Von außen betrachtet wissen wir vielleicht um die beste Lösung für ein Problem, aber jede Familie, jede Beziehung funktioniert anders und hat ihre eigenen Regeln und Gesetze.

So mag es aus unserer Sicht manchmal wirklich merkwürdige Umgangs- oder Kommunikationsformen zwischen Paaren geben, aber meistens sind diese über Jahrzehnte gewachsen, haben in gewisser Weise ihre Berechtigung, tragen vielleicht sogar zum Wohlbefinden der Erkrankten bei, weil sie einfach vertraut sind. Natürlich findet die Tagespflege i. d. R. in einer Gruppensituation statt. Anders als in der Häuslichkeit findet Toleranz hier dann eine Grenze, wenn das gesamte Gruppengeschehen gesprengt wird.

Tipp 3: Nutzen Sie Fallbesprechungen zur Reflexion

Die Arbeit mit Menschen mit Demenz erfordert größtmögliche Reflexion – von Ihnen, aber auch von den Angehörigen. Die Erkrankten können häufig nur unzureichend über ihre Situation entscheiden sowie ihre Wünsche und Bedürfnisse formulieren. Sie als Pflege- und Betreuungskraft können nicht alles von allein wissen und richtig machen.

Hier ist ein Team hilfreich. Im Team, d. h. mit allen, die an der Pflege und Betreuung des Menschen in der Tagespflege beteiligt sind, gemeinsam zu reflektieren und sich gemeinsam Gedanken zu machen hilft. Die verschiedenen Sichtweisen und Erfahrungen dann zusammenzutragen kann den Weg für neue Lösungen öffnen. Ich empfehle wenn möglich auch die Einbeziehung der Angehörigen. Laden Sie die Angehörigen ein, an einem gemeinsamen Fallgespräch für „ihren“ Demenzerkrankten teilzunehmen.

Tipp 4: Klären Sie Ihre Ansprechpartner für die Pflege und Betreuung ab

Ohne jetzt über das Prinzip der „Bezugspflege“ sprechen zu wollen, das im Zusammenhang mit der Pflege von Demenzerkrankten eine hohe Bedeutung hat, ist es auch für die Angehörigen von großer Wichtigkeit, verlässliche Ansprechpartner für ihre Fragen, Sorgen, Nöte, aber auch für ihre Kritik zu haben. Klären Sie deshalb frühzeitig, wer für welche Fragen der Angehörigen der richtige Ansprechpartner ist. Dazu gehört natürlich auch, dass diese Anfragen und ggf. auch die Kritik verlässlich weitergeleitet und bearbeitet werden.

Tipp 5: Stellen Sie Nähe mit Angehörigen her

Angehörige – insbesondere Ehe- und Lebenspartner – werden im Verlauf der Demenzerkrankung eines geliebten Menschen immer einsamer. Es wird für sie vielfach immer schwieriger, verständnisvolle Menschen zu finden, mit denen sie über ihre Situation sprechen können.

Natürlich wird die Tagespflege sehr oft vor allem als Entlastungsangebot wahrgenommen. Bedingt durch die Abholung von zu Hause kommt manchmal über Wochen gar kein persönlicher Kontakt zu den Angehörigen der Gäste zustande. Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass, wenn Angehörige einen Gesprächsbedarf signalisieren, oftmals ein hoher Leidensdruck vorliegt. Hier sollten Sie eine gewisse Nähe zulassen, um die Angehörigen Ihrer Gäste ein wenig aufzufangen.

Es geht nicht darum, eine „Freundschaft“ zu den Angehörigen aufzubauen. Professionelle Distanz ist auch für Sie wichtig. Aber diese professionelle Distanz sollte nicht dazu führen, dass Sie keine Nähe zu den Angehörigen zulassen. Diese Nähe stellen Sie her, wenn Sie Verständnis für die Situation der Angehörigen zeigen. Fragen Sie ruhig die Angehörigen mal, wie es ihnen geht, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht ausschließlich auf die Erkrankten.

Tipp 6: Machen Sie sich die Kraft von Schuldgefühlen bewusst

Schuldgefühle machen es den pflegenden Angehörigen eines Menschen mit Demenz manchmal schwer, objektiv und realistisch die Arbeit und Leistung von Ihnen als Pflegekraft zu bewerten. Die Angehörigen sind dann unter Umständen enorm kritisch oder auch ungerecht gegenüber den von Ihnen angebotenen und geleisteten Hilfen.

Helfen Sie den Angehörigen in solchen Situationen durch Folgendes:

  • Bringen Sie Verständnis für die Schwere der Situation entgegen.
  • Hören Sie ihnen zu.
  • Geben Sie ihnen Anerkennung für das bisher Geleistete und versuchen Sie, den Angehörigen zu vermitteln, dass sie weiterhin enorm wichtig sind.
  • Machen Sie deutlich, dass Sie als Pflegekraft nur für einen Teil des Wohlbefindens der Erkrankten da sind und dass die Angehörigen trotzdem die wichtigsten Personen im Leben des Erkrankten bleiben können.

Tipp 7: Verstehen Sie sich als Übersetzer für gesetzliche Verordnungen, Vorgaben und Finanzierungen

Es soll hier nicht direkt um Politik gehen, aber natürlich spielt die Gesetzgebung eine Rolle – für Ihre Arbeit, für die angebotenen Leistungen, für die Finanzierungsmöglichkeiten dieser Leistungen und natürlich für die Begrenzung derselben. Versuchen Sie, Verordnungen, Vorgaben, Finanzierungen und Gesetze nachvollziehbar zu erläutern.

Tipp 8: Rechnen Sie mit Eifersucht der Angehörigen

Es ist manchmal schwer für die pflegende Tochter oder den pflegenden Ehemann, wenn sie wahrnehmen, dass Sie als Pflegekraft so gut mit dem Demenzerkrankten zurechtkommen. Dass Sie als „fremde Person“ es schaffen, dass der Erkrankte so charmant im Gespräch ist.

Das Thema ist Eifersucht. „Zu Hause hilft er nie mit“, diesen Ausspruch kennen wohl alle Tagespflege-Mitarbeiter. Verdeutlichen Sie den Angehörigen in solchen Situationen, dass Sie eine ganz andere Rolle haben als der Ehepartner oder Sohn bzw. die Tochter des Erkrankten. Manchmal fällt es den Erkrankten tatsächlich viel leichter, vor Fremden die Fassung zu wahren, eine Fassade aufrechtzuerhalten. Das macht den Zugang für professionelle Kräfte dann leichter.

Zudem gibt es natürlich einen gravierenden Unterschied zwischen professioneller und familiärer Betreuung. Erläutern Sie den Angehörigen, dass Betreuung oftmals leichter ist, wenn es keine gemeinsame Geschichte gibt. Viele Erkrankte können es auch kaum zulassen, sich vor den eigenen Kindern oder Ehepartnern hilfebedürftig und schwach zu zeigen. Vor fremden Menschen geht dies manchmal leichter.

Tipp 9: Erklären Sie immer wieder das Krankheitsbild „Demenz“

Auch wenn das Thema „Demenz“ mittlerweile relativ häufig in den Medien erscheint, ist es dennoch für sehr viele Angehörige ein schwer zu verstehendes Krankheitsbild. Insofern kommt Ihnen als Pflegekraft eine „Expertenfunktion“ zu. Versuchen Sie, das Verständnis für und das Wissen um das Krankheitsbild „Demenz“ bei den Angehörigen zu stärken.

Geben Sie Informationen zu Umgang und Kommunikation, vielleicht auch durch Hinweise auf Angebote von Beratungsstellen, Alzheimer-Gesellschaften o. Ä. Aber: Bemühen Sie sich, kein „überheblicher Experte“ zu sein.

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Qualitäts-Management aktuell

1 x in der Woche finden Sie in unserem kostenlosen E-Mail-Newsletter PPM Qualitäts-Management aktuelle Tipps zur Qualitätssteigerung.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Palliativpflege heute

News und Praxistipps für eine professionelle Palliativpflege – speziell für Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Menschen mit Demenz professionell pflegen

Wichtige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung bei Demenz. So bewältigen Sie als Pflegefachkraft die speziellen Herausforderungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Nein, Danke

Nie mehr den Überblick verlieren!

Holen Sie sich Hilfe für Ihre stationäre Pflege!

In nur 15 Minuten über das Wichtigste informiert sein.

  • Pflegekokumentation
  • Mitarbeiterführung
  • Haftungsrecht
  • Nein, Danke

    Nein, Danke