Diabetes Typ 2

Diabetes-Typen und ihre Symptome unterscheiden
Diabetes Typ 2
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Inhaltsverzeichnis

Diabetes mellitus Typ 2 ist eine Stoffwechselerkrankung, die in der heutigen Wohlstandsgesellschaft weit verbreitet ist. Das hängt damit zusammen, dass die Menschen heute immer älter werden, ständig Nahrungsmittel im Überfluss zur Verfügung stehen und oft ein ständiger Bewegungsmangel vorherrscht. Diese Faktoren sorgen dafür, dass mit steigendem Alter (ab dem 40. Lebensjahr) das Risiko an Diabetes zu erkranken exponentiell zunimmt.

Was ist Diabetes Typ 2?

Bei Diabetes Typ 2 handelt es sich um einen so genannten relativen Insulinmangel. Das bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse zwar noch Insulin produzieren kann, die Ausschüttung aber gestört ist und/oder die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen nachlässt. Letzteres führt wiederum dazu, dass die Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion aufgrund der abnehmenden Insulinsensibilität der Zellen steigert - solange, bis die Betazellen der Bauchspeicheldrüse völlig erschöpft sind und schlimmstenfalls überhaupt kein Insulin mehr produzieren.

Wissenswert

Obwohl die Insulinproduktion während der Anfangsphase von Diabetes Typ 2 zunimmt, kommt durch die sinkende Empfindlichkeit der Körperzellen immer weniger Zucker in den Zellen an.

Zeigen sich die ersten Symptome einer Insulinresistenz (wie beispielsweise chronische Müdigkeit, Gewichtsabnahme und gesteigerter Durst), kann eine Reduzierung des Körpergewichts, eine Ernährungsumstellung und/oder Tabletten helfen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Stellt die Bauchspeicheldrüse ihre Insulinproduktion irgendwann komplett ein, muss auch ein Diabetes Typ 2 Patient mit Insulininjektionen behandelt werden.

Tipp

Schon bei den ersten Anzeichen einer Insulinresistenz sollte die Ernährung umgestellt und eventuell vorhandenes Übergewicht abgebaut werden. So kann man die Behandlung mit Insulinspritzen und Medikamenten häufig verhindern.

Achtung

Aufgrund von bestimmten Risikofaktoren, wie z. B. Übergewicht oder Bewegungsmangel, sind nicht mehr nur Senioren von Diabetes Typ 2 betroffen, sondern auch Kinder und junge Erwachsene. Genau aus diesem Grund ist „Altersdiabetes“ keine zeitgemäße Bezeichnung mehr für Diabetes Typ 2.

Diabetes Typ 2a und Diabetes Typ 2b: Wo sind die Unterschiede?

Viele Ärzte unterteilen Diabetes Typ 2-Patienten oft noch in zwei Gruppen, a und b. Diabetes Typ 2b bedeutet, dass der Patient neben der Stoffwechselerkrankung noch an Adipositas (Fettleibigkeit) leidet. Nur sehr wenige Diabetes-Patienten werden in die Kategorie Diabetes Typ 2a eingeordnet (Diabetes-Erkrankung ohne Übergewicht).

Welche Ursachen bzw. Risikofaktoren begünstigen das Entstehen von Diabetes Typ 2?

Übergewicht / Fettleibigkeit

Viele Menschen, die an Diabetes Typ 2 erkranken, leiden an Übergewicht oder sind sogar fettleibig. Zu viel Körpergewicht alleine ist aber nicht der Grund für das Entstehen von Diabetes. Die Fettzellen und der dadurch veränderte Stoffwechsel wie auch Hormonspiegel (Östrogendominanz/PCO) tragen ebenfalls dazu bei, dass eine sogenannte Insulinresistenz entsteht. Das bedeutet, dass die Körperzellen wesentlich weniger sensibel auf Insulin reagieren.

Metabolisches Syndrom

Metabolisches Syndrom bezeichnet eine Kombination aus verschiedenen Krankheiten:

  • Abdominelle Adipositas (bauchbetonte Fettleibigkeit)
  • Dyslipoproteinämie (erhöhte Blutfettwerte)
  • Hypertonus (Bluthochdruck)
  • Insulinresistenz

Wissenswert

In Verbindung mit dem metabolischen Syndrom können auch Erkrankungen, z. B. ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt, das Entstehen von Diabetes Typ 2 begünstigen.

Weitere Risikofaktoren, die zur Entstehung der Stoffwechselerkrankung beitragen können, sind:

  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Östrogendominanz (PCO)
  • Zucker-, fettreiche sowie ballaststoffarme Ernährung
  • Medikamente, die Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel haben können (z. B. Diuretika (Wassertabletten), Antibabypille, Blutdrucksenker, Antidepressiva usw.)
  • Gestörter Säure-Basen-Haushalt
  • Genetik (Vater oder Mutter mit Typ-2-Diabetes)

Achtung

Im Alter nimmt die Insulinsensitivität der Zellen durch den natürlichen Alterungsprozess sowieso ab.

Diabetes-Verdacht: So läuft die Untersuchung beim Arzt

Besteht ein Diabetes-Verdacht, ist zeitnah der Hausarzt, ein Diabetologe, ein Endokrinologe oder ein Facharzt für Innere Medizin aufzusuchen. Der jeweilige Arzt befragt den Patienten erst einmal ausgiebig zu seiner Krankheitsgeschichte und aktuellen Beschwerden, bevor die körperlichen Untersuchungen folgen. Dabei kann die Befragung des Arztes folgendermaßen aussehen:

  • Wurde bereits bei jemanden in Ihrer Familie Diabetes Typ 2 diagnostiziert?
  • Haben Sie das Gefühl oft müde und abgeschlagen zu sein?
  • Haben Sie häufig Durst, obwohl Sie bereits sehr viel Flüssigkeit zu sich genommen haben?
  • Müssen Sie häufig auf die Toilette?

Was prüft der Arzt bei der körperlichen Untersuchung?

  • Wichtiger Teil der Untersuchung ist, ob bereits ein eventueller Sensibilitätsverlust in Händen und Füßen vorhanden ist – Stichwort: die sogenannte diabetische Polyneuropathie.
  • Bei der Untersuchung wirft der Arzt ebenfalls einen Blick auf die Wundheilung. Ist diese bereits gestört, kann das für eine Diabetes-Erkrankung sprechen.
  • Wie ist der Zustand der Füße? Leidet der Betroffene unter Gefühlsstörungen in den Zehen/an den Fußsohlen oder hat er hier gar Wunden? (Diabetisches Fußsyndrom)
  • Zu einer Diabetes–Untersuchung gehört auch die Überprüfung des Augenhintergrundes. Hierfür werden die Patienten zum Augenarzt überwiesen.

Wichtig

Damit der Arzt einen unverfälschten HbA1c–Wert (Langzeitblutzucker) im Blut ermitteln kann, ist es wichtig, dass der Patient zur Untersuchung nüchtern erscheint. Anhand des HbA1c Blutwert kann der Arzt sehen, wie hoch der Blutwert innerhalb der letzten zwei bis drei Monate war. Alternativ hat der Arzt auch die Möglichkeit, den Blutzucker über eine Urinprobe zu testen. Zeigen sich Unregelmäßigkeiten, werden Patienten üblicherweise noch einem oralen Glukosetoleranztest unterzogen, um die Leistungsfähigkeit des Zuckerstoffwechsels genauer beurteilen zu können. Bei diesem Test trinkt der Patient eine genau festgelegte Menge an in Wasser aufgelöster Glukose. Anschließend wird die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse gemessen.

Wie wird Diabetes Typ 2 behandelt?

Das Hauptziel jeder Diabetes-Behandlung ist, den Blutzuckerwert im Blut wieder auf ein normales Niveau zu senken, um die typischen Diabetes-Folgeerkrankungen zu vermeiden. Um zu überprüfen, ob das gelingt, wird der HbA1c-Wert (Blutzuckerwert) in regelmäßigen Abständen erneut gemessen. Bei gesunden Menschen liegt dieser unter 6%. Bei Diabetikern wird versucht einen HbA1c-Wert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent zu erreichen. Bei Senioren mit Diabetes liegt dieser Wert manchmal etwas höher, was aber abhängig vom Zustand des Patienten ist, und/oder solange dieser keine typischen Symptome der Krankheit zeigt, in der Regel noch vertretbar ist.

Eine Diabetes Typ 2 Behandlung empfiehlt immer eine Änderung des bisherigen Lebensstils. Dazu gehören:

  • Eine Umstellung der Ernährung
  • Mit dem Rauchen aufzuhören
  • Reduktion von Übergewicht
  • Mehr Bewegung

Gleichzeitig empfehlen Ärzte den Besuch einer Diabetes-Schulung. Diese sollte so weit wie möglich von den Senioren zusammen mit dem pflegenden Angehörigen besucht werden. Für ältere Menschen sind spezielle Senioren-Diabetes-Schulungen empfehlenswert. Diese berücksichtigen auch körperliche Einschränkungen der Betroffenen. Informationen zu Diabetes-Schulungen in der Nähe des Patienten bekommt man am besten bei dessen Hausarzt oder der zuständigen Krankenkasse.

Diabetes mellitus Typ 2: Mehr Bewegung trägt zu mehr Lebensqualität bei

Mehr Bewegung ist aus vielerlei Gründen ein wichtiger Baustein der Diabetes Typ 2-Therapie. Bewegung und sportliche Aktivitäten

  • tragen direkt zur Verbesserung der Insulin-Wirksamkeit bei.
  • helfen beim Abbau von Übergewicht.
  • sind eine gute Prävention gegen Folgeerkrankungen, deren Entstehung durch Diabetes begünstigt werden.

Tipp

  • Manche Senioren haben zwar altersbedingt mit den ersten körperlichen Einschränkungen zu kämpfen, trotzdem ist mehr bewegen auch hier ratsam. Eine gute Möglichkeit ist z. B. Senioren Schwimmen. Im Wasser wird eine unnötige Belastung der Gelenke verhindert und in der Bewegung eingeschränkte Menschen können sich viel leichter bewegen. Vorteilhaft ist es natürlich auch, dass der alte Mensch beim Schwimmen neue soziale Kontakte aufbauen kann. In der Gruppe ist die Motivation ebenfalls viel besser.
  • Wenn Sie sich informieren wollen, ob es auch in Ihrer Stadt ein spezielles Sportangebot für Senioren gibt, dann sollten Sie sich direkt mit dem zuständigen Sport- oder Bürgeramt in Verbindung setzen. Auch ein Blick in die Tageszeitung kann helfen.
  • Regelmäßigkeit spielt bei an Diabetes erkrankten Senioren eine wichtige Rolle. Nur einmal die Woche Auspowern bringt wenig, sorgen Sie für regelmäßige Bewegung. Achten Sie bei der Durchführung des Sportprogramms darauf, dass der Senior seine Belastungsgrenze nicht erreicht, um eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) zu vermeiden.

Wie sieht die richtige Ernährung bei Diabetes aus?

Eine Ernährungsumstellung ist für an Diabetes Typ 2 erkrankte Senioren äußerst wichtig, um

  • die Blutzuckerwerte zu stabilisieren
  • das Körpergewicht zu reduzieren
  • eventuelle Folgeerkrankungen zu vermeiden

Achtung, damit die Ernährungsumstellung gelingt, sollten die Vorlieben und Abneigungen des Diabetes Patienten bedacht werden.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate dürfen auf dem Speiseplan eines Diabetikers nicht fehlen. Allerdings sollten kohlenhydrathaltige Lebensmittel gewählt werden, die nur wenig Einfluss auf den Blutzuckerwert haben bzw. noch eine Reihe lösliche Ballaststoffe enthalten.

Beispiel:

  • Obst (Achtung, einige Sorten sind hier ebenfalls nicht geeignet. Fragen Sie hier zur Sicherheit Ihren Hausarzt)
  • Gemüse
  • Kartoffeln
  • Hülsenfrüchte
  • Vollkornprodukte

Tipp

Diabetes Patienten sollten im Allgemeinen folgende Lebensmittel meiden bzw. nur in geringen Mengen zu sich nehmen:

  • Haushaltszucker/ raffinierter Zucker
  • Honig
  • Süßigkeiten
  • Gezuckerte Getränke
  • Weißmehlprodukte
  • Gebäck, Kekse etc.

Fette

Lebensmittel mit einem hohen Anteil an mehr- oder einfach ungesättigten Fettsäuren sind zu bevorzugen. Verwenden Sie für das Anbraten von Speisen am besten wenig Fett. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, sollten pflanzliche Fette, wie z. B. Rapsöl oder Olivenöl verwendet werden. Nicht nur zum Anbraten, sondern auch zum Zubereiten von Salatdressings sind diese Öle geeignet. Die Aufnahme von tierischen Fetten sollte auf ein Minimum reduziert werden.

Tipp

Achten Sie beim Anbraten darauf, dass die Sorte Öl hierfür empfohlen ist. Kaltgepresstes Olivenöl ist hierfür beispielsweise nicht geeignet.

Proteine (Eiweiß)

Die täglich zu sich genommene Proteinmenge sollte 10 bis 20% der gesamten Energiemenge nicht überschreiten. Sind die ersten Symptome einer Nephropathie (Nierenschädigung) festzustellen, sollte die Proteinmenge auf 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht herunterreguliert werden.

Ballaststoffe

Ballaststoffen wird eine blutzuckersenkende Wirkung nachgesagt. Bei Diabetes Typ 2 eignen sich vor allem Vollkorn-Getreideprodukte. Achten Sie hierbei auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, damit die Ballaststoffe im Magen aufquellen können. Um eine postive Wirkung zu erzielen, sollten Sie bei mindestens 40g Ballaststoffe pro Tag aufnehmen.

Wichtig

Gewöhnen Sie Ihren Körper langsam an Ballaststoffe, da sonst Magenschmerzen und Blähungen entstehen können.

Alkohol

Senioren, bei denen Diabetes Typ 2 diagnostiziert wurde, sollten wissen, dass Alkohol den Blutzuckerwert stark beeinflussen kann. Während kohlenhydrathaltige Lebensmittel den Blutzuckerwert nach oben treiben, senkt Alkohol den Blutzuckerspiegel. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, den Alkoholkonsum auf ein Minimum zu reduzieren bzw. ganz darauf zu verzichten - schon alleine deswegen, da bestimmte Medikamente, die zur Behandlung von Diabetes Folgeerkrankungen verschrieben werden, in Verbindung mit Alkohol ernsthafte Nebenwirkungen haben können.

Warum sollte man bei der Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 mit dem Rauchen aufhören?

Durch Diabetes steigt das Risiko, von einer Herz-Kreislauf-Erkrankung betroffen zu sein. Dieses nimmt durch Rauchen noch mehr zu. Aus diesem Grund sollte weitestgehend auf Zigaretten, Zigarren, Pfeifen und Co verzichtet werden.

Tipp

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, kann sich an seinen Hausarzt wenden. Dieser hat sicherlich den einen oder anderen Ratschlag, wie eine Nikotinentwöhnung leichter vonstatten gehen kann.

Diabetes Typ 2: Die Behandlung mit oralen Antidiabetika

Erst wenn trotz gesunder Lebensweise der Blutzucker zu hoch ist, kommen Arzneimittel wie Antidiabetika zum Einsatz. Dabei können auch mehrere blutzuckersenkende Mittel miteinander kombiniert werden. Welches Medikament als Antidiabetika geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel von den Lebensgewohnheiten und Wünschen, aber auch von möglichen Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Präparaten. Oft wird Metformin als erstes Medikament bei Typ 2-Diabetes verschrieben.

Metformin

Metformin verbessert die Wirkung von Insulin und sorgt dafür, dass in der Leber weniger Zucker hergestellt wird. Es senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für andere typische diabetische Folgeerkrankungen. Deshalb gilt Metformin heute als Medikament der ersten Wahl und kommt insbesondere bei übergewichtigen Menschen zum Einsatz. Wenn das Therapieziel allein durch Metformin nicht erreicht wird, kann der Wirkstoff mit anderen blutzuckersenkenden Tabletten oder Insulin kombiniert werden. Zu möglichen Nebenwirkungen von Metformin zählen Magen-Darm-Beschwerden sowie eine Übersäuerung des Blutes (Laktatazidose).

Sulfonylharnstoffe

Sie bewirken, dass aus der Bauchspeicheldrüse Insulin ins Blut freigesetzt wird und so der Blutzuckerspiegel sinkt. Sulfonylharnstoffe (z.B. Glibenclamid und Gliclazid) sind für Menschen mit Typ-2-Diabetes geeignet, die Metformin nicht vertragen oder einnehmen dürfen. Sie sind als alleiniges Diabetesmittel in der Langzeitbehandlung jedoch nur bedingt geeignet. Sulfonylharnstoffe senken nachweislich den Blutzucker und den HbA1c-Wert, es gibt diesbezüglich aber Unterschiede zwischen den einzelnen Wirkstoffen. Außerdem kann der Blutzucker durch Sulfonylharnstoffe zu stark abgesenkt werden, sodass Unterzuckerungen und Herz-Kreislauf-Problemen auftreten können. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Magen-Darm-Beschwerden und allergische Hautreaktionen.

Alpha-Glukosidasehemmer

Diese Wirkstoffe blockieren Eiweißstoffe (Enzyme), die Zucker im Darm spalten, sodass nach dem Essen weniger Zucker ins Blut gelangt. Weil sie den Blutzucker weniger als andere Wirkstoffe senken, werden sie aktuell nur noch selten verschrieben. Der Wirkstoff Acarbose kann in Frage kommen, wenn die Stoffwechseleinstellung durch Ernährungstherapie allein oder in Verbindung mit anderen blutzuckersenkenden Mitteln nicht gelingt. Zu Therapiebeginn treten häufig Verdauungsbeschwerden mit Völlegefühl, Blähungen und Bauchkrämpfen auf.

Dipeptidyl-Peptidase-4-(DPP-4)-Hemmer (Gliptine)

Durch diese Wirkstoffe wird vermehrt Insulin freigesetzt und weniger Glucagon produziert und ausgeschüttet. DPP-4-Hemmer verbessern nachweislich den Blutzucker und den HbA1c-Wert. Nur wenn sie zusammen mit anderen blutzuckersenkenden Substanzen (Insulin, Sulfonylharstoffe, Glinide) angewendet werden, können Unterzuckerungen auftreten. Als häufige Nebenwirkung von DPP-4-Hemmern gelten Magen-Darm-Beschwerden.

Glinide

Sie erhöhen die Insulinproduktion in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse und wirken ähnlich wie Sulfonylharnstoffe, jedoch tritt die Wirkung der Glinide schneller ein und ist kürzer. Die Wirksamkeit dieser Arzneistoffe auf die Blutzuckerwerte ist ausreichend bewiesen. Die Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei Sulfonylharnstoffen; für die Langzeittherapie sind sie nicht vorteilhafter als Sulfonylharnstoffe.

Glitazone (Thiazolidendione)

Glitazine erhöhen die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin, sodass sie wieder mehr Glukose aufnehmen können. Seit 2011 sind nur noch Tabletten mit dem Wirkstoff Pioglitazon erhältlich. Weil ihre Wirkung nicht ausreichend nachgewiesen ist, werden sie nur noch in Ausnahmefällen verschrieben, auch die Gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten nur noch vereinzelt. Mehrere Nebenwirkungen sind bekannt, häufig kommt es zu Gewichtszunahme, Infektionen der oberen Atemwege, Seh- oder Empfindungsstörungen.

SGLT2-Hemmer (Gliflozine)

Sie sind eine neue Gruppe von Medikamenten, die einen Zucker-Transporter, das sogenannte SGLT2, blockieren. Als Folge gelangt weniger Zucker aus den Nieren zurück ins Blut und Zucker wird vermehrt über den Urin ausgeschieden. Der Wirkstoff Dapagliflozin verbessert den Blutdruck und reduziert das Körpergewicht, es treten jedoch auch vermehrt Nebenwirkungen auf. Bei einer Kombination von SGLT2-Hemmer mit anderen blutzuckersenkenden Substanzen (Insulin, Sulfonylharnstoffe, Glinide), muss deren Dosis angepasst werden, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Häufig kommt es unter Dapagliflozin zu Harnwegsinfekten und zu Entzündungen im Genitalbereich, gelegentlich zu übermäßigem Schwitzen, Durst oder Verstopfung.

Insulintherapie bei Diabetes Typ 2 Patienten

Insulin wird eingesetzt, wenn es durch eine Lebensstiländerung oder allein mit blutzuckersenkenden Tabletten nicht gelingt, den HbA1c-Wert in den gewünschten individuellen Bereich zu bringen. Insulin senkt nachweislich den HbA1c-Wert und das Risiko für Schäden an den kleinen Blutgefäßen.

Es gibt viele verschiedene Insulinarten. Präparate, die mit dem menschlichen Insulin identisch sind, werden als „Humaninsulin“ bezeichnet. Daneben gibt es noch „Insulinanaloga“, bei denen einige Insulinbausteine verändert wurden, sodass sie besonders kurz oder lange wirken. Welches Insulin verwendet wird, sollte individuell entschieden werden. Wer Insulin spritzt, muss an einer speziell dafür vorgesehenen Schulung teilnehmen. Unter Insulin kann es zu verschiedenen Nebenwirkungen kommen, z.B. Unterzuckerungen und Gewichtszunahme.

Wichtig

Die Einnahme von Insulin ist kein Freibrief für falsche Ernährung. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung sollte auch weiterhin im Vordergrund stehen.

Achtung

Patienten sollten ihren Lebensstil, gerade in Bezug auf den Abbau von Übergewicht, schon vor Beginn der Insulineinnahme umgestellt haben. In Kombination ist ein solcher Wandel in vielen Fällen unmöglich.

Normalinsulin (Humaninsulin)

Dieses Insulin wird rasch in die Blutbahn aufgenommen und wirkt relativ kurz, d.h. von einer Hauptmahlzeit zur anderen. Es wird in der Regel vor dem Essen gespritzt. Ein sogenannter Spritz-Ess-Abstand ist nicht nötig.

Verzögerungsinsuline (Basalinsuline, NPH-Insulin)

Sie setzen Insulin verzögert im Unterhautfettgewebe frei, deshalb setzt die Wirkung später ein, hält aber lange an. Verzögerungsinsuline müssen vor dem Spritzen gemischt werden, indem man die Flüssigkeit im Fläschchen mehrfach schwenkt und rollt.

Kurzwirksame Insulinanaloga

Sie werden kurz vor dem Essen gespritzt, weil sie schon nach wenigen Minuten den Blutzucker senken, haben aber nur eine kurze Wirkungsdauer. Zwischenmahlzeiten sind nur bei großen Dosen notwendig.

Langwirksame Insulinanaloga

Sie entfalten ihre Wirkung sehr langsam, senken aber dafür den Blutzucker über eine lange Zeit.

Mischinsuline

Weil sie aus einem kurzwirksamen und einem verzögert wirksamen Insulin bestehen, setzt ihre Wirkung relativ rasch ein und hält lange an. Das Mischungsverhältnis ist meist auf der Packung angegeben. 30/70 bedeutet zum Beispiel, dass das Präparat 30% kurzwirksames und 70% langwirksames Insulin enthält.

Welche Formen der Insulintherapie gibt es?

Neben verschiedenen Insulinarten gibt es auch verschiedene Formen der Insulintherapie. Welche Form gewählt wird, richtet sich zum Beispiel nach dem individuellen Tagesablauf, den Essgewohnheiten und der Funktion der Bauchspeicheldrüse.

  • Bei der basal unterstützten oralen Therapie (BOT) nimmt man wie bisher eine blutzuckersenkende Tablette ein, zusätzlich wird noch einmal täglich ein Basalinsulin (NHP-Insulin) gespritzt. Dadurch werden erhöhte Blutzuckerwerte am Morgen gesenkt.
  • Bei der konventionellen Insulintherapie (CT) wird meist vor dem Frühstück und vor dem Abendessen Mischinsulin gespritzt. Oft ist es notwendig, die Blutzuckerwerte ein- oder zweimal am Tag zu bestimmen.
  • Bei der supplementären Insulintherapie (SIT) spritzt man ein kurzwirkendes Insulin normalerweise jeweils zu den Hauptmahlzeiten. Diese Therapie wird empfohlen, wenn häufig Hauptmahlzeiten wegfallen, bei stark wechselnder körperlicher Aktivität und einem sehr unregelmäßigen Tagesablauf.
  • Bei der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) wird vor den Mahlzeiten ein kurzwirksames Insulin (Bolus-Insulin) gespritzt, zusätzlich wird ein- bis zweimal täglich ein Verzögerungsinsulin gespritzt. Dieses Therapieschema heißt auch „Basis-Bolus-Therapie“. Es erlaubt eine flexible Lebensführung, erfordert jedoch auch regelmäßige Selbstkontrollen.
  • Bei der BOT mit einem GLP-1-Rezeptoragonist wird zusätzlich zum Insulin ein weiteres blutzuckersenkendes Medikament gespritzt, nämlich ein GLP1-Rezeptoragonist. Diese Wirkstoffe fördern die Insulinbildung und -freisetzung, zusätzlich blockieren sie die Ausschüttung des blutzuckererhöhenden Glucagons.

Diabetes Typ 2 – Diese Begrifflichkeiten sollten Sie kennen

HbA1C-Wert (Langzeitzucker)

Beim Glykohämoglobin handelt es sich um Hämoglobin (rote Blutkörperchen), das direkt mit Zuckerresten verknüpft ist. Anhand des Langzeitblutzuckerwerts bzw. des Blutzuckergedächtnisses kann ermittelt werden, wie hoch der Blutzuckerwert innerhalb der letzten 6-8 Wochen war.

Wissenswert

Von Diabetes wird gesprochen, wenn der Blutzuckerwert bei 48 mmol/ml bzw. bei 6,5 % liegt. Ist der HbA1C-Wert trotz Diabetesbehandlung relativ hoch, spricht das dafür, dass der Patient schlecht eingestellt ist.

Nüchternblutzuckerwert

Verlangt der Arzt einen Nüchternblutzuckerwert, wird der Blutzucker morgens gemessen. Der Patient sollte vor der Blutentnahme mindestens vier Stunden vorher nichts gegessen oder Kaffee, schwarzen Tee oder zuckerhaltige Getränke zu sich genommen haben. Es sollte während dieser Zeit auch nicht geraucht werden.

Wissenswert

Liegt Diabetes Typ 2 vor, liegt der Nüchternblutzuckerwert in etwa bei 126 mg/dl oder höher. Bewegt sich der Nüchternblutzuckerwert zwischen 100-125 mg/dl kann das für eine Glukosetoleranzstörung sprechen. Diese muss unbedingt weiter beobachtet werden. Darum erfolgt in so einem Fall meist ein sogenannter Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest).

Gelegenheitsblutzucker

Der Gelegenheitsblutzucker kann zu jeder beliebigen Tageszeit gemessen werden. Der Patient muss dabei nicht nüchtern sein. Besteht eine Diabetes-Erkrankung, liegt der Blutzuckerwert hier bei 200 mg/dl oder höher.

Oraler Glukosetoleranztest (Zuckerbelastungstest)

Der Glukosetoleranztest wird immer dann durchgeführt, wenn der Verdacht besteht, dass eine Diabetes-Erkrankung besteht. Ist der Blutzuckerwert nur zeitweise erhöht, sollte vor dem Test drei Tage vorher auf Zigaretten verzichtet, sich aber ganz normal ernährt werden. Der Patient muss zum oralen Glukosetoleranztest nüchtern erscheinen und darf zehn Stunden vorher nichts gegessen haben. Zunächst wird der Blutzuckerspiegel des Patienten gemessen. Anschließend erhält er eine Flüssigkeit mit 75g Zucker zu trinken. Danach muss der Patient zwei Stunden warten, bevor sein Blutzucker erneut gemessen wird. Liegt der Blutzucker bei 200 mg/dl oder höher, ist von einer Diabetes Erkrankung auszugehen.

Wissenswert

An Diabetest Typ 2 erkrankte Menschen dürfen zwar alles essen, sollten aber auf eine ausgewogene Ernährung achten. Am besten viel Fisch, wenig Fleisch, viel Gemüse und hochwertige Fette.