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So prüfen Sie, ob Sie den Pflegekunden wirklich aufnehmen möchten

29.10.2019

Rufen auch in Ihrem Pflegedienst resolute Angehörige an, die nur die hauswirtschaftliche Versorgung oder das wöchentliche Vollbad für einen Menschen mit Demenz bei Ihnen abrufen möchten und sonst keine weiteren Leistungen? Wenn dann während des Erstgesprächs bei Ihnen ein komisches Bauchgefühl hochkommt, sollten Sie sich überlegen, ob Sie solche Pflegekunden wirklich aufnehmen möchten.

Beispiel: Die Tochter eines Demenzkranken Herren ruft in Ihrem Pflegedienst an. Der Vater ist im Pflegegrad 3 und die Tochter erhält das Pflegegeld. Nun möchte die Tochter, dass der Pflegedienst jeden Freitag um 8 Uhr zum wöchentlichen Vollbad kommt. Denn das Badezimmer des Vaters ist im oberen Stockwerk und die Tochter schafft es nicht, den Vater die steile Treppe hochzubringen.

Als die PDL zum Erstgespräch kommt, erschrickt sie. Denn obwohl das Wohnumfeld ungepflegt wirkt und der demenzkranke Vater offensichtlich schlecht gepflegt wird, besteht die Tochter darauf, alles allein zu machen.

Immer dann, wenn Sie zu Erstgesprächen bei Pflegekunden mit Demenz fahren, die „zunächst einmal Hauswirtschaft“ oder „einmal pro Woche gebadet“ oder „Betreuungsleistungen“ wollen und natürlich alles andere noch allein können, sollten Sie aufpassen. Vor allem dann, wenn der Pflegegrad 2 oder 3 vorliegt.

Denn hier versuchen viele Angehörige die Geldleistungen der Pflegeversicherung zu behalten, um ihre Einnahmen aufzustocken und den Entlastungsbetrag für die Hauswirtschaft zu nutzen. Lassen Sie sich nicht dafür missbrauchen. Prüfen Sie sorgfältig, ob Sie Ihre Kapazitäten nicht besser für Kunden einsetzen, die umfangreichere Hilfen benötigen und somit auch besser in die Tour passen.

Beispiel: Die PDL hat den Pflegekunden aus obigen Beispiel aufgenommen. Dieser wohnt zwar außerhalb des Versorgungsgebietes, doch der Pflegebedürftige tat ihr leid. Schon beim ersten „Badeeinsatz“ blaffte die Tochter den Pfleger an, dass er nicht pünktlich wie vereinbart um 8 Uhr zum Einsatz gekommen ist. Der Pfleger begleitet unter großer Kraftanstrengung den Pflegekunden die steile Treppe hoch ins Badezimmer.

Hier stellt der Pfleger fest, dass das Wasser im Wasserboiler noch nicht heiß genug ist, und wartet noch 10 Minuten, bevor er mit dem Vollbad loslegen kann. Der Pfleger ist insgesamt. 70 Minuten, inkl. Fahrzeit, im Einsatz. Der Pflegedienst kann mit der Pflegeversicherung 22 € für das Vollbad und 3,20 € für die Anfahrt abrechnen. Das sind pro Einsatz 25,20 €. Da der Pflegedienst pro Stunde einer Pflegekraft mindestens 38 € einnehmen muss, fährt der Pflegedienst pro Einsatz ein Minus ein.

Erst prüfen, dann binden - Das Bauchgefühl lügt nicht

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet“, empfahl schon Friedrich Schiller in seinem „Lied von der Glocke“ im Jahr 1799. Der Spruch wird heute gern vor Hochzeiten zitiert und soll die Eheleute daran erinnern, sich die Entscheidung gut zu überlegen.

Und auch Sie als Pflegedienst sollten sich, bevor Sie einen Pflegekunden mit Demenz aufnehmen, gut überlegen, ob Sie ggf. die Finger von diesem Pflegekunden lassen sollten und die Zeit besser für andere Kunden nutzen, gerade dann, wenn Sie von Anfang an ein komisches Bauchgefühl haben. Wie es Ihnen gelingt schnell zu entscheiden, ob Sie einen Pflegekunden mit Demenz aufnehmen sollen oder nicht, zeigt Ihnen die folgende Übersicht.

So fällt Ihnen die Entscheidung leichter, einen Pflegekunden aufzunehmen oder abzulehnen

Achten Sie auf die folgenden Punkte:

  • Adresse: Der Pflegekunde wohnt am Rand Ihres Versorgungsgebiets und aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist Ihnen klar, dass die langen An- und Abfahrtswege wirtschaftlich zum Problem werden.
  • Sonderwünsche wie Uhrzeit und Geschlechtspräferenz: Die Angehörigen möchten, dass nur eine männliche Pflege- und Betreuungskraft morgens um 8 Uhr kommt. Doch diesen Sonderwünschen können Sie nicht immer nachkommen.
  • Besondere (zeitfressende) räumliche Gegebenheiten: Der Pflegekunde mit Demenz muss vor dem Vollbad eine steile Treppe hoch zum Badezimmer geführt werden. Ihnen ist bewusst, dass hier die Gefahr besteht, dass der eingesetzte Mitarbeiter sich körperlich verausgabt und die Gefahr besteht, dass der Pflegekunde stürzt.
  • Der Angehörige ist renitent oder fordernd: Der Angehörige „kann ansonsten alles allein“ und weiß alles besser. Doch Sie stellen aufgrund Ihrer Fachlichkeit sofort fest, dass hier vieles im Argen liegt, doch der Angehörige keine Beratung haben möchte.
  • Der Angehörige möchte seine Rente aufbessern: Der Angehörige betont die „schlechte Rente“ im Gespräch und findet die Leistungen eines Pflegedienstes sowieso zu teuer. Hier erahnen Sie schon, dass es bei der Abrechnung stets zu Problemen kommen wird.
  • Ungepflegter Gesamteindruck: Der Angehörige möchte keine weiteren Leistungen durch Ihren Pflegedienst, obwohl die Räumlichkeiten und auch der Pflegekunde mit Demenz einen ungepflegten Eindruck machen.

Auswertung: Wenn Sie die obigen Aussagen mit „Ja“ beantwortet haben, sollten Sie sich überlegen, ob Sie die Versorgung aufnehmen. Zwar sind Sie laut Kassenvertrag verpflichtet, die Pflege der Versicherten zu übernehmen, doch Sie können durchaus beispielsweise wegen Kapazitätsmangel (z. B. alle Touren sind voll) einen Pflegekunden ablehnen.

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