Schlaganfall-Patienten

Pflege und Reha
Schlaganfall-Patienten
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Inhaltsverzeichnis

Jährlich erleiden in Deutschland mehr als 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Im Gegensatz zu früher sind auch immer mehr junge Leute davon betroffen. Ein Insult/Apoplex ist also keine typische Alterserkrankung, wie viele vielleicht meinen, da je nach Lebensstil - Risikofaktoren sind z. B. fettes Essen, Übergewicht, Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, aber auch diverse Umweltgifte - sowie der genetischen Veranlagung praktisch jeder unabhängig der Altersklasse einen Insult erleiden kann. Im nachfolgenden Artikel erfahren Sie alles über eine der häufigsten Erkrankungen im Alter, dem Schlaganfall.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Apoplex (Synonym: Schlaganfall, Gehirnschlag, zerebraler und/oder apoplektischer Insult) ist eine Störung der Durchblutung im Gehirn. Durch die Durchblutungsstörung entsteht eine Unterversorgung der Gehirnzellen, wodurch diese absterben können.

Achtung

Bei den ersten Symptomen eines Schlaganfalls ist eine schnelle Reaktion gefragt. Ist der Insult nämlich schwer, kann der Betroffene sogar sterben. Erfolgt eine rasche Behandlung, besteht zudem die Möglichkeit, dass sich viele Ausfallerscheinungen (wie z. B. eine Lähmung) wieder zurückbilden.

Welche Risikofaktoren gibt es, die einen Schlaganfall begünstigen können?

  • verengte Halsschlagader
  • Fettstoffwechselstörung
  • Rauchen
  • Drogenmissbrauch
  • erhöhter Blutdruck
  • angeborene Gefäßmissbildung
  • erhöhte Cholesterinwerte
  • Gefäßverkalkung
  • Alter
  • genetische Veranlagung

Welche Symptome bzw. Frühwarnzeichen kündigen einen Schlaganfall an?

Starke Kopfschmerzen: Durch ein Aneurysma im Kopf (bzw. Gehirn) kommt es zu unerträglichen Kopfschmerzen aufgrund der Hirnblutung. Gleichzeitig können Symptome wie Erbrechen oder Übelkeit auftreten.

Schwindel: Tritt ein starkes Schwindelgefühl bei Senioren auf, kann das vielerlei Gründe haben, wie z. B. ein zu niedriger Blutdruck, Kreislaufprobleme, drohender Apoplex usw. Kommt es zum Auftreten von Schwindel in Verbindung mit den anderen typischen Schlaganfall-Symptomen, muss sofort reagiert werden.

Lähmungen: Zeigen alte Menschen auf einer Körperseite plötzlich Lähmungserscheinungen (z. B. herabhängende Gesichtshälfte/Mundwinkel oder hängt ein Arm plötzlich nach unten) ist das unbedingt als Schlaganfall-Warnsignal zu verstehen, das einen sofortigen Besuch beim Arzt notwendig macht. Der Patient wird in so einem Fall in den betroffenen Körperteilen ein taubes Gefühl wahrnehmen.

Vermindertes Sehvermögen: Sind Senioren von einem Schlaganfall betroffen, werden sie sich schwertun, räumlich zu sehen. Eine schlechte Orientierung und sogenannte Doppelbilder können ebenfalls für einen drohenden Schlaganfall sprechen, genau wie Sichtfeldeinschränkungen. Das bedeutet, der Patient kann nichts mehr wahrnehmen, was auf der betroffenen Seite passiert. Sogar eine einseitige Erblindung kann kurzfristig auftreten und ein Symptom für einen Schlaganfall sein.

Sprachstörungen/Sprachverständnisstörungen: Sprachstörungen und Sprachverständnisstörungen sind typisch für Schlaganfallpatienten. Sie reden abgehackt, stockend, verwechseln Wörter, verdrehen Buchstaben und Silben. Manche sind sogar überhaupt nicht mehr in der Lage zu sprechen bzw. sprechen so, dass man sie nicht mehr verstehen kann.

Ischämischer und hämorrhagischer Schlaganfall: Wo liegen die Unterschiede?

1. Was ist ein ischämischer Schlaganfall?

Bei einem ischämischen Schlaganfall bzw. Hirninfarkt handelt es sich um eine Minderdurchblutung der Hirnregion. Die Gründe hierfür können vielfältig sein.

Was ist eine mögliche Ursache, die zu einer Mangeldurchblutung in der Hirnregion führen kann?

Durch ein Blutgerinnsel kann ein Blutgefäß im Gehirn verschlossen werden, was zu einer Unterversorgung der Gehirnzellen führt. Auch Arteriosklerose bzw. eine Gefäßverkalkung in den Hirngefäßen kann zu einer Unterversorgung der Hirnregionen führen.

Wissenswert

Gut 80-85 % aller Schlaganfallerkrankungen werden durch ein Blutgerinnsel oder Arterienverkalkung im Kopf (bzw. im Gehirn) hervorgerufen.

2. Was ist ein hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung)?

Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall handelt es sich um einen Schlaganfall, der durch eine Hirnblutung hervorgerufen wurde. Die intrazerebrale Blutung im Gehirn kann durch Drogenmissbrauch, einem Aneurysma, Bluthochdruck oder anderen Erkrankungen ausgelöst werden.

Weitere Schlaganfallursachen sind:

  • Blutungen im Subarachnoidalraum
  • Vaskulitis ausgelöst durch Morbus Behcet, Riesenzellen-Arteriitis, Takayasu-Arteriitis usw.
  • Luftembolie
  • Fettembolie
  • Angeborene Gerinnungsstörung
  • Aura-Migräne
  • Hormonpräparate (z. B. Antibabypille)

Schlaganfall erkennen: Worauf sollte man achten?

Besteht der Verdacht, dass jemand einen Schlaganfall erlitten hat, sollte dieser gebeten werden zu lächeln. Ist sein Gesicht dabei einseitig verzogen, spricht das für eine Halbseiten Lähmung, die durch einen Schlaganfall hervorgerufen worden sein kann.

Eine weitere Möglichkeit einen Insult zu erkennen ist, ist es, den alten Menschen darum zu bitten, beide Arme gleichzeitig nach vorne zu strecken und die Hände mit den Handflächen nach oben zu drehen. Fällt die Ausführung dem Senior schwer, kann das ebenfalls für eine Halbseitenparese sprechen.

Sollte ein Patient von einem Schlaganfall betroffen sein, ist er nicht mehr in der Lage, einfache Sätze nachzusprechen. Es zeigen sich deutliche Sprachstörungen und Sprachverständnisstörungen, die nicht übersehen werden können.

Achtung Schlaganfall – Was tun?

  • Besteht der Verdacht eines Hirnschlags, muss sofort der Notarzt angerufen werden! Wurde der Notarzt verständig, sollte versucht werden, den Patienten zu beruhigen.
  • Des Weiteren sollten alle beengenden Kleidungsstücke (Krawatte, Hemd usw.) entfernt bzw. geöffnet werden.
  • Der Oberkörper des Betroffenen sollte etwas höher gelagert werden, um ihm das Atmen zu erleichtern.
  • Es ist darauf zu achten, dass der Patient weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich nimmt, bis der Arzt kommt. Warum? Bei einem Schlaganfall kann es zu Schluckstörungen kommen. Werden Lebensmittel oder Getränke eingeatmet, kann das das Entstehen einer bakteriellen Pneumonie (Lungenentzündung) begünstigen.
  • Verliert der alte Mensch das Bewusstsein, ist er in die stabile Seitenlage zu bringen. Dabei sollte er möglichst auf die gelähmte Seite gelegt werden. Währenddessen sollte die Pflegekraft oder der Angehörige den Puls und die Atmung des Schlaganfallpatienten regelmäßig kontrollieren. Setzt die Atmung aus, hat sofort eine Herz-Lungen-Wiederbelebung zu erfolgen.

Schlaganfall-Verdacht: Was passiert im Krankenhaus?

Menschen mit der Diagnose „Schlaganfall-Verdacht“ werden sofort ins Krankenhaus eingeliefert. Dort erfolgt eine umfassende neurologische Untersuchung. Der Arzt prüft hierbei nicht nur die Reflexe des betroffenen Patienten, sondern auch dessen Koordination, Berührungsempfinden, dessen Sehfähigkeit und Sprache. Des Weiteren lässt der Doktor eine kraniale Computertomografie des Kopfes machen. Ergänzend erfolgen meist eine CT-Perfusion und eine CF-Angiografie. Anhand der gemachten Bilder lässt sich meist recht schnell die Ursache des Gehirnschlags (Hirnblutung/Minderdurchblutung) und die genaue Lage erkennen.

Wissenswert

Um den Zustand der hirnversorgenden Gefäße zu überprüfen, wird je nach dem eine Duplex- oder Dopplersonografie durchgeführt. Gleichzeitig erfolgt eine E-Sonografie und Elektrokardiografie, um die elektrischen Herzströme zu messen. Der Sinn dabei ist festzustellen, ob eine eventuelle Herzerkrankung vorhanden ist, die die Ursache für einen weiteren Schlaganfall sein kann.

Zur Schlaganfall Diagnostik gehört auch eine umfassende Blutuntersuchung. Bei der Erstellung des Blutbildes werden der Blutzuckerwert, die Blutgerinnung und die Elektrolyte geprüft.

Wie läuft die Behandlung von Schlaganfallpatienten ab?

Handelt es sich um einen ischämischen Schlaganfall, muss das Blutgerinnsel schnellst möglich aufgelöst bzw. beseitigt werden, um die Blutversorgung für das betroffene Hirnareal wiederherzustellen und das Absterben von Hirnzellen zu verhindern. Für das Auflösen des Blutgerinnsels werden entweder eine Lyse-Therapie (medikamentöse Auflösung) und/oder eine Thrombektomie verwendet (mechanische Auflösung).

Was passiert bei einer Lyse-Therapie?

Bei einer Lyse-Therapie bekommt der Schlaganfall-Patient eine Thrombolytikum-Infusion intravenös verabreicht, um das Blutgerinnsel aufzulösen. Achtung, die Lyse-Therapie darf nur innerhalb 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall durchgeführt werden. Je früher desto besser. Kam es zu einem Schlaganfall durch eine Hirnblutung, darf die Lyse-Therapie nicht verwendet werden, da diese die Blutungen nur verstärken würde. Auch bei einem hohen Blutdruck ist von diesem Verfahren abzuraten, da das Risiko möglicher Folgeschäden den eigentlichen Nutzen überwiegt.

Wissenswert

Neben der klassischen Lyse-Therapie wird auch die intraarterielle Thrombolyse zur Auflösung von Blutgerinnseln angewendet. Bei dieser Behandlungsmethode wird in die Arterie ein Katheter eingeführt, um vor Ort mit Medikamenten, wie z. B. Pro-Urokinase, das durchblutungshemmende Blutgerinnsel aufzulösen.

Die mechanische Beseitigung von Blutgerinnseln (Thrombektomie)

Ein Blutgerinnsel kann auch auf mechanischem Weg beseitigt werden. Hierfür wird ein Katheter in die Arterie eingesetzt. Mithilfe feiner Werkzeuge wird das Blutgerinnsel entfernt.

Wissenswert

Nicht selten werden beide, die Thrombektomie und die Thrombolyse, zur Behandlung von Schlaganfallpatienten verwendet.

Schlaganfall: Welche Behandlungsmaßnahmen werden bei Hirnblutungen ergriffen?

Ist der Schlaganfall-Auslöser eine kleinere Hirnblutung, wird dem Patienten in der Regel nur Bettruhe verordnet. Dabei sollen sie darauf achten, möglichst allen anstrengenden Aktivitäten aus dem Weg zu gehen, die zu einem Ansteigen des Drucks im Kopf führen können. Zu derartigen Aktivitäten zählt zum Beispiel starkes Pressen während des Stuhlgangs. Aus diesem Grund bekommen Betroffene auch Abführmittel verabreicht, um eben so etwas zu verhindern.

Achtung

Bei Schlaganfallpatienten ist eine konstante Überwachung des Blutdrucks notwendig. Ein zu hoher Blutdruck kann in so einer Konstellation genauso problematisch sein, wie ein zu niedriger. Ist der Blutdruck nämlich zu hoch, können eventuelle Hirnblutungen verstärkt werden. Ist der Blutdruck zu niedrig, kann das zu einer Minderdurchblutung und zum Absterben des Hirngewebes führen.

Bei starken Hirnblutungen ist eine Operation von Nöten. Ob diese tatsächlich durchgeführt wird, hängt vom Alter des Patienten, dessen Gesundheitszustand und der Stärke der Hirnblutung ab.

Schlaganfall-Behandlung: Welche Komplikationen können auftreten?

Achtung, auch wenn ein Schlaganfall zeitnah behandelt wird, kann es dennoch zu Komplikationen kommen. Nachfolgend eine kleine Auflistung der bekanntesten Folgeerkrankungen.

Vasospasmen

Wurde der Schlaganfall durch eine subarachnoidale Blutung ausgelöst, kann es zu einer krampfartigen Verengung der Gefäße (Vasospasmen) kommen. Das kann wiederum zu einer Minderversorgung des Hirngewebes führen, wodurch ein erneuter Schlaganfall (ischämisch) auftreten kann.

Wissenswert

Vasospasmen werden in der Regel medikamentös behandelt.

Hoher Hirndruck

Ein starker Hirninfarkt kann das Entstehen eines Hirnödems begünstigen, wodurch auch der Hirndruck zunimmt. Ein erhöhter Hirndruck kann sich wiederum auf das Nervengewebe auswirken und zu einer Hirnquetschung bzw. irreversiblen Hirnschäden führen. Ist der Hirndruck zu hoch, muss alles unternommen werden, um diesen wieder zu normalisieren. Nachfolgende Maßnahmen können dabei helfen:

  • Hochlagern von Kopf und Oberkörper
  • Das Geben von entwässernden Infusionen
  • Nervenwasser-Ableitung über Shunt
  • Entlastungskraniotomie

Epilepsie/epileptische Anfälle

Ein Schlaganfall kann vor allem bei Senioren dazu führen, dass nach dem Hirnschlag epileptische Anfälle auftreten. Selbst wenn diese vor dem Insult keinerlei Epilepsie-Symptome zeigten. Die epileptischen Anfälle werden üblicherweise mit sogenannten Antiepileptika behandelt.

Bakterielle Lungenentzündung (Aspirationspneumonie)

Eine weitere Komplikation, die direkt nach einem Hirnschlag auftreten kann, ist die bakterielle Lungenentzündung (Aspirationspneumonie). Vor allem Patienten, die mit einer schlaganfallbedingten Dysphagie (Schluckstörung) zu kämpfen haben, sind besonders anfällig dafür.

Tipp

Um zu verhindern, dass Lebensmittelreste oder Flüssigkeiten eingeatmet werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. So können Getränke angedickt, Nahrungsmittel püriert oder spezielles Esswerkzeug verwendet werden.

Harnwegsinfekt

Gerade kurz nach dem Schlaganfall tun sich Senioren bzw. Patienten im Allgemeinen mit dem Wasserlassen schwer.  Um einen Harnstau zu verhindern, wird in der Regel ein Katheter gelegt. Doch ein Dauerkatheter kann genauso wie ein Harnstau das Auftreten einer Harnwegsinfektion begünstigen.

Depressionen

Unabhängig der Altersklasse des Patienten hat ein Schlaganfall auch immer Auswirkungen auf dessen Psyche. Vor allem dann, wenn der Insult zu starken Einschränkungen bzw. Lähmungserscheinungen geführt hat.

Schlaganfall: Wie läuft die Reha?

Das Ziel einer Schlaganfall-Reha ist unabhängig der Altersklasse des Patienten immer dasselbe, diesen soweit wiederherzustellen, dass dieser wieder in sein altes Leben zurückkehren und weitestgehend selbstständig in seiner Wohnung leben kann.

Für die Reha nach einem Schlaganfall wird auf ergo- und physiotherapeutische Maßnahmen zurückgegriffen, um die durch den Apoplex bedingten Funktionseinschränkungen weitestgehend zu verbessern bzw. zu beheben. Doch trotz erstklassiger Therapiemöglichkeiten sind manche körperlichen Einschränkungen bzw. Lähmungserscheinungen einfach irreversibel. Eben so etwas macht dem Patienten die Rückkehr in ein selbstständiges Leben nicht gerade einfach. Die Reha soll dabei helfen, entsprechende Strategien und Lösungen zu entwickeln, um das eine oder andere Handicap zu relativieren. Sind für die Zukunft verschiedene Hilfsmittel für Alltagstätigkeiten (z. B. Zähneputzen, Trinken, usw.) notwendig, zeigen die Ergo- und Physiotherapeuten dem Patienten den Umgang damit.

Neurologische Rehabilitation: ambulant oder doch besser stationär?

Eine neurologische Rehabilitation erfolgt während der ersten Zeit nach dem Auftreten des Schlaganfalls immer stationär. Dabei wird der Patient von einem Team aus erfahrenen Ärzten, Ergotherapeuten, Pflegekräften und Physiotherapeuten betreut. Das Behandlungskonzept wird individuell auf den Schlaganfall Patienten abgestimmt.

Sind die Auswirkungen des Schlaganfalls nicht so stark, besteht die Möglichkeit einer teilstationären Reha. Das bedeutet, der Patient ist nur tagsüber im Krankenhaus und schläft nachts zuhause in seinem eigenen Bett.

Wenn noch körperliche Einschränkungen vorhanden sind und eine interdisziplinäre Betreuung nicht mehr oder nur teilweise nötig ist, kann sich der Schlaganfall-Patient auch für eine ambulante Reha entscheiden. Abhängig von der Mobilität des Patienten kommt der Therapeut direkt zu diesem nach Hause oder der Patient in dessen Praxis.

Was passiert bei einer motorischen Rehabilitation?

Durch einen Apoplex kommt es oft zu sogenannten sensomotorischen Störungen. Das bedeutet, das Zusammenspiel der motorischen und sensorischen Leistungen ist gestört, wie das z. B. bei einer Hemiparese (halbseitige Körperlähmung) der Fall ist. Zur Behandlung von sensomotorischen Störungen gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten.

Vojta

Bei einer Schlaganfall-Therapie nach Vojta werden die bei Erwachsenen noch vorhandenen Reflexe (Lokomotion) genutzt, um durch regelmäßiges Training gestörte Nervenbahnen wieder zu reaktivieren.

Bobath

Bei der Bobath-Therapie wird die gelähmte Körperhälfte konstant stimuliert und gefördert. In diese Therapieform sind nicht nur die Therapeuten (Physio/Ergo) involviert, sondern auch die Pflegekräfte und pflegenden Angehörigen.

Beispiel:

Hier putzt nicht die Pflegekraft die Senioren die Zähne, sondern der Senior selbst und das möglichst mit seinem gehandicapten Arm und natürlich der Unterstützung der Pflegekraft.

Perfetti

Die kognitiven therapeutischen Übungen nach Perfetti sind für Schlaganfallpatienten mit Halbseitenlähmungen und/oder neurologischen Störungen eine gute Wahl, um verlorengeglaubte Bewegungskontrolle wieder zurückzugewinnen. Allerdings ist diese Therapieform für den Patienten sehr anstrengend und manchmal extrem frustrierend, da er alle Bewegungsabläufe von Neuem erlernen muss.

Wie laufen die kognitiven therapeutischen Übungen nach Perfetti ab?

Im ersten Schritt führt der Therapeut den beeinträchtigten Arm oder Fuß des Patienten, um diesen die Möglichkeit zu geben, seine Bewegung zu erspüren. Es ist wichtig, dass das anfangs der Therapeut macht, um das Erlernen falscher Muster auszuschließen. Später führt der Schlaganfall-Patient die Bewegungen selbst aus, wird aber vom Therapeuten dabei unterstützt bzw. verbessert. Mit der Zeit lernt der Schlaganfallpatient auch wieder schwierige Bewegungsabläufe durchzuführen.

Forced-use-Therapie

Bei der Forced-use-Therapie werden gezielt die Extremitäten trainiert, die durch den Schlaganfall nur bedingt oder überhaupt nicht mehr genutzt werden können.

Wissenswert

Bei manchen Schlaganfallpatienten können sich betroffene Hirnareale regenerieren, wodurch viele Körperbereiche wieder funktionieren können. Das Problem ist aber, dass der Patient verlernt hat, mit den „eingeschränkten“ oder nicht mehr „funktionierenden“ Gliedmaßen etwas auszuführen. Durch die Forced-use-Therapie wird der Schlaganfall-Patient gezwungen, die betroffenen Glieder zu verwenden, um durch das ständige Training im Gehirn neue Nervenbahnen entstehen zu lassen.

Welche Rehabilitationsmaßnahmen werden bei Schluckstörungen (Dyphagien) durchgeführt?

Nicht selten kommt es infolge eines Schlaganfalls zu Dyphagien/Schluckstörungen. Diese machen eine gezielte Therapie notwendig, um sicherzustellen, dass der Schlaganfallpatient schnellstmöglich wieder selbstständig essen und trinken kann. Zugleich dient diese Therapie auch als Präventionsmaßnahme, um zu verhindern, dass der Patient sich verschluckt oder Nahrungsmittel bzw. Flüssigkeiten einnimmt und eine bakterielle Pneumonie entsteht. Zur Behandlung von Dysphagien gibt es verschiedene Therapien:

  • Mit dem Patienten werden Bewegungs-, Stimulations- und Schluckübungen durchgeführt, um die Störungen zu mildern bzw. ganz zu beheben. Es braucht etwas Zeit, bis andere Hirnareale die Aufgaben der geschädigten Bereiche übernehmen.
  • Dem Schlaganfallpatienten werden Techniken gezeigt, um zu verhindern, dass Nahrungsreste oder Flüssigkeiten in die Lunge geraten.

Tipp

Um beim Essen die Sicherheit des Schlaganfallpatienten zu gewährleisten, sollten Speisen püriert werden. Es lohnt sich auch die Getränke anzudicken, da sich so das Risiko des Verschluckens deutlich reduzieren lässt. Zusätzlich ist die Verwendung von Spezialbesteck und Trinkbechern ratsam.

Schlaganfall-REHA zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten

Nach einem Hirnschlag können oft die kognitiven Fähigkeiten von Patienten gestört sein, wie z. B. Sprachstörungen, Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen usw. Auch hier arbeiten Therapeuten mit verschiedenen Verfahren, um

  • Die alten Fähigkeiten wiederherzustellen
  • Durch den Schlaganfall irreversible Einschränkungen der Fähigkeiten zu akzeptieren und neue Techniken zu finden, um diese zu umgehen.

Kognitive Rehabilitation: Beispiele

  • Computergestützte Trainingsprogramme, um Seh-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen zu verbessern.
  • Entwickeln neuer Lernstrategien, um die Leistung des Gedächtnisses zu verbessern.
  • Aufzeigen von Kompensationsmöglichkeiten, wie das Führen eines Tagebuchs usw.

Schlaganfall-Prävention

Hatte ein Patient bereits einen Schlaganfall erlitten, ist das Risiko eines erneuten Hirnschlags groß. Um eben diesen zu verhindern, erfolgt eine sogenannte Sekundärprophylaxe. Dazu gehören verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen.

Die medikamentöse Schlaganfall-Prophylaxe beinhaltet das Verabreichen verschiedener Medikamente, um einen erneuten Schlaganfall zu verhindern.

Thrombozytenaggregationshemmer (Blutverdünner)

Kam es zu einem Mini-Schlaganfall oder einem Hirnschlag aufgrund von Minderdurchblutung, werden den Betroffenen sogenannte Blutverdünner verschrieben. Diese sollen eine gute Fließfähigkeit des Blutes sicherstellen. In der Regel sind Patienten ein Leben lang auf blutverdünnende Medikamente angewiesen.

Achtung

Die Nebenwirkungen von Blutverdünnern sollten nicht unterschätzt werden, z. B.

  • Schnelles Entstehen großer blauer Flecke
  • Kleine Wunden (z. B. versehentliches Schneiden beim Rasieren) führen dazu, dass der Patient stark blutet.
  • Manche Blutverdünner sollten in Kombination mit einem Magenschutz eingenommen werden, um die Auswirkungen des Medikaments auf die Verdauungsorgane zu vermindern.

Antikoagulanzien (Gerinnungshemmer)

Ein Mini- bzw. ischämischer Schlaganfall kann ein Symptom einer Herzrhythmusstörung. Diese Herzrhythmusstörung kann der Grund dafür sein, dass sich dort ein leichtes Blutgerinnsel gelöst hat und in den Kopf gewandert ist. Um das Entstehen eines weiteren Blutgerinnsels zu verhindern, bekommt der Patient orale Antikoagulanzien verabreicht.

Cholesterinsenker

Einer der Hauptursachen, die einen Schlaganfall auslösen kann, ist Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Derartige Ablagerungen in den Gefäßinnenwänden bestehen zum größten Teil aus Cholesterin. Um eben eine Verschlechterung der Arteriosklerose zu verhindern, bekommen Patienten zur Schlaganfallprävention CSE-Hemmer (cholesterinsenkende Medikamente) verabreicht.

Wissenswert

Cholesterinsenkende Medikamente gehören zur Gruppe der Statine und können starke Muskelschmerzen auslösen.

Kam es zu einem Apoplex aufgrund von Hirnblutungen werden CSE-Hemmer erst nach einem gründlichen Abwägen des Nutzen-Risikos verschrieben.

Antihypertensiva

Menschen mit hohem Blutdruck, die einen TIA oder ischämischen Schlaganfall erlitten haben, müssen ein Leben lang blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. Es liegt in der Hand des Arztes zu entscheiden, welche Blutdruckmedikamente er verschreibt (z. B. Betablocker, Ace-Hemmer usw.)

Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung eines Schlaganfalls wären:

  • Reduzierung von Übergewicht
  • Regelmäßig Bewegung
  • Ausgewogene Ernährung
  • Verzicht auf Alkohol
  • Verzicht auf Nikotin.

Wissenswertes rund um den Schlaganfall

Im Falle eines Schlaganfalls wird das Hirn umso schwerer geschädigt, je wichtiger bzw. größer das Blutgefäß ist, das platzt oder verstopft ist. In den empfindlichen Regionen des Hirns, wie z. B. des Hirnstamms, können bereits Ausfälle kleinerer Blutgefäße für verheerende Folgen sorgen.

In Deutschland gilt der Insult neben Krebs und Herzkrankheiten als eine der häufigsten Todesursachen. Kommt es zu einem Hirnschlag versterben gut 20 % aller Betroffenen innerhalb der ersten vier Wochen. Nur 63 % der Schlaganfall-Patienten überleben das erste Jahr. Ein großer Teil muss mit bleibenden Schäden leben. Bei gut 50% aller Patienten sind die Schäden derart schwerwiegend, dass sie dauerhaft fremde Hilfe benötigen.

Sind Kinder von einem Schlaganfall betroffen, stehen die Chancen für eine Heilung sehr gut. In der Regel können sie nach einer gewissen Zeit wieder ein ganz normales Leben führen.

Wie funktioniert die Pflege von Schlaganfallpatienten?

Bei Schlaganfall-Patienten sind verschiedene Werte konstant zu überwachen:

  • Körpertemperatur
  • RR
  • Pupillenreaktion
  • Atemfrequenz
  • Vigilanz
  • EKG
  • Herzfrequenz
  • SpO2
  • Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt
  • Glucosestoffwechsel

Was ist das Ziel bei der Pflege von Schlaganfall-Patienten?

  • Eine gute Durchblutung/Perfusion des Gehirns
  • Rechtzeitiger Beginn von Mobilisation, Ergotherapie und Logopädie

Achtung

Bei der Pflege von Schlaganfallpatienten muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Bedürfnisse und Ressourcen des Betroffenen mit in die Pflege einbezogen werden.

Welche praktischen Aufgaben muss das Pflegepersonal bei der Pflege von Schlaganfallpatienten durchführen?

  • Die Pflegekraft muss bei Schlaganfallpatienten, die Einschränkungen zeigen, eine Hilfestellung bei der Grund- und Körperpflege leisten.
  • Schlaganfallpatienten sind nach Bobath alle 2-3 Stunden umzulagern, um ein „Wundliegen“ zu verhindern.
  • Bei durch einen Schlaganfall gehandicapten Patienten ist Hilfe bei der Nahrungsaufnahme zu leisten.
  • Die Pflegekraft muss dem Patienten zur Selbstständigkeit anleiten.
  • Die Pflegekraft ist verpflichtet, vor allem vitalgefährdete Patienten zu allen Untersuchungen zu begleiten.
  • Mit Angehörigen sind beratende Gespräche zu führen.
  • Alle vom Pflegehandbuch vorgegebenen Kurven und Dokumentationen sind entsprechend der Vorgaben zu führen.
  • Falls es vorkommt, sind entsprechende Verlegungsberichte zu erstellen.
  • Der Arbeitsplatz ist regelmäßig zu kontrollieren.
  • Der tatsächliche pflegebedarf ist täglich zu ermitteln.
  • Alle Prophylaxen-Maßnahmen, insbesondere die Thrombose-Prophylaxe bei bettlägerigen Patienten darf nicht vergessen werden.
  • Weitere Prophylaxen, die wichtig sind, sind:
    • die Bronchitis-Prophylaxe
    • die Pneumonie-Prophylaxe
    • die Dekubitus-Prophylaxe

Wissenswert

Wie die genannten Prophylaxen auszusehen haben, wird im Pflegehandbuch der Seniorenpflegeeinrichtung beschrieben.

Warum ist die regelmäßige Arbeit mit dem Ergotherapeuten für Schlaganfallpatienten so wichtig?

Ergotherapeuten haben bei der Behandlung und Betreuung von Schlaganfallpatienten einen hohen Stellenwert, da sie in verschiedenen Bereichen von Vorteil sind, wie z. B. für

  • die Behandlung von Schluckstörungen
  • die Förderung der motorisch funktionellen Bereiche
  • den Aufbau, den Erhalt und die Förderung der kognitiven Fähigkeiten, der Sensomotorik und den Aktivitäten des täglichen Lebens.

Schlaganfall: Welche Symptome sprechen für eine Schluckstörung?

  • Die Mundflora ist reduziert, z. B. der obere Trakt ist mit Borken oder Sekret belegt.
  • Im oralen-pharyalen Bereich ist die Sensibilität reduziert.
  • Nahrung und Flüssigkeiten laufen aus dem Mund oder sammeln sich an.
  • Vermehrter Husten oder verminderte Hustenfunktion.
  • Im Mund oder im Gaumenbereich sammeln sich Speisereste.
  • Die Kaumotorik des Schlaganfallpatienten ist vermindert.
  • Der Betroffene zeigt eine verminderte Zungenbewegung.
  • Der SpO2-Wert fällt bei der Aufnahme von Nahrung ab.
  • Der CRP erhöht sich.
  • Auch eine nasale Penetration gehört zu den klinischen Dysphagie Anzeichen.
  • Ein Patient hat eine belegte Stimme oder leidet unter einem Räusperzwang.
  • Beim Betroffenen sind deutliche Atemgeräusche wahrzunehmen.
  • Beim Schlaganfall-Patienten macht sich eine Kurzatmigkeit bemerkbar.

Achtung

Die Diagnose und die Therapie von Schluckstörungen ist bei Schlaganfallpatienten äußerst wichtig, um eine Aspirationspneumonie zu verhindern. Besteht nur der kleinste Verdacht, dass der Patient von einer Schluckstörung betroffen ist, ist eine Nahrungskarenz unbedingt Pflicht!

Wissenswert

Bei frisch diagnostizierten Schlaganfallpatienten mit starken Handicaps ist die erste Nahrungsaufnahme mit Unterstützung eines Ergotherapeuten üblich. Diese Aufgabe wird später von examinierten Pflegekräften übernommen.

Achtung

Fast fünfzig Prozent der Schlaganfallpatienten zeigen während der Akutphase eine Schluckstörung. Bei gut 25 % aller Betroffenen bleibt die Schluckstörung auch während der chronischen Phase erhalten.

Schlaganfall-Patienten Essen verabreichen

Soll einem Schlaganfall-Patienten Essen verabreicht werden, muss die Pflegekraft darauf achten, dass dieser während des Prozesses aufrechtsitzt (z. B. Bett, Mobilisationssessel usw.) Zeigt sich, dass der Patient beim Essen Schwierigkeiten hat, sollten beim Essen Hilfsmittel verwendet werden, wie z. B. eine Antirutschmatte, eine Schnabeltasse, Therapiebesteck usw.

Bei Schluckstörungen sollte das Essen püriert werden. Da in der Akutphase befindliche Patienten dazu neigen Flüssigkeiten einzuatmen, sollten die Getränke angedickt werden.