Verlag & Akademie

Pflegefehler-Vorwurf: So können Sie sich absichern

14.09.2015

Beispiel: Sie pflegen eine Frau mit Demenz in ihrer Wohnung. Der Hausarzt hat nun angeordnet, dass Sie der Frau Kompressionsstrümpfe der Klasse 3 anziehen sollen, weil sie unter einer starken Ödembildung leidet. Doch die Strümpfe sollen ja immer angezogen werden, wenn die Beine abgeschwollen sind. Trotz Umstellung des Tourenplanes gelingt es Ihnen nicht, die Frau anzutreffen, wenn sie noch im Bett liegt. Und aufgrund ihrer Demenz versteht sie selbstverständlich auch nicht Ihre Hinweise, im Bett liegen zu bleiben, bis Sie kommen. Wie können Sie sich in diesem Fall absichern, damit Ihnen kein Pflegefehler vorgeworfen werden kann?

Lösung: Aus pflegefachlicher Sicht können Sie Kompressionsstrümpfe oder -verbände nur dann sachgerecht anlegen, wenn das Anlegen im Liegen bei entstauten Venen und abgeschwollenen Beinen erfolgt (entweder morgens im Bett oder nach 1/2 Stunde Ruhepause).

Doch da Ihre Pflegekundin Ihren Hinweisen aufgrund ihrer Demenz nicht mehr nachkommen kann, sollten Sie als Pflegefachkraft entscheiden, was in dieser Situation pflegerisch angezeigt ist, und entsprechend richtig handeln und dies dokumentieren.

Ist es z. B. unsinnig nach dem Aufstehen noch die Kompressionsstrümpfe (KS) anzuziehen, lassen Sie es bleiben, und dokumentieren Sie, dass die Patientin schon aufgestanden ist und deswegen die KS nicht angezogen werden konnten.

Sollte es häufiger vorkommen, dass Sie die KS nicht anziehen können, sollten Sie wie folgt vorgehen:

  • Sprechen Sie das Problem mit dem Arzt und dem Betreuer ab. Dokumentieren Sie das Gespräch dringend in der Pflegedokumentation.
  • Überlegen Sie, ob Sie den 1. Pflegeeinsatz nicht doch noch etwas früher durchführen können.
  • Wenn Sie beim Pflegeeinsatz sind, können Sie Ihre Pflegekundin ja nach den grundpflegerischen Tätigkeiten auffordern, sich ein bisschen z. B. auf das Sofa zu legen, um sich auszuruhen. Sie können sich dann ja z. B. zu ihr setzen und die Pflegedokumentation führen. Kurz bevor Sie gehen, ziehen Sie Ihrer Pflegekundin dann die Kompressionsstrümpfe an.
  • Entscheiden Sie im Einzelfall, ob das Anziehen der Kompressionsstrümpfe in der jeweiligen Situation noch angezeigt ist. Dokumentieren Sie Ihr Handeln.
  • Sollten alle Maßnahmen keinen Erfolg zeigen, sollten Sie sich durch folgendes Informationsschreiben absichern, damit Ihnen kein Pflegefehler vorgeworfen werden kann. Lassen Sie sich das Schreiben von dem Betreuer Ihrer Pflegekundin unterschreiben und legen Sie dieses in der Dokumentationsmappe ab.

 

 

Muster: Nachweis

(Name des Patienten)

(Adresse)

(Geburtsdatum des Patienten)



Lieber Herr Richter,

als Betreuer der o. g. Patienten weisen wir Sie darauf hin, dass es notwendig ist, dass die vom Arzt verordneten Kompressionsstrümpfe oder -verbände vor dem Aufstehen aus dem Bett oder nach einer 1/2 Stunde Hochlagern der Beine anzulegen sind. Allerdings treffen wir Ihre Betreute trotz Umstellung der Tourenplanung immer nur an, nachdem sie schon aufgestanden ist.

Wir können in diesen Fällen leider das Ziel der pflegerischen bzw. ärztlichen Behandlung nicht sicherstellen. Außerdem kann dies zu unerwünschten Folgen für die o.g. Patientin führen. Wir entscheiden im Einzelfall, ob das Anziehen der Kompressionstrümpfe in diesen Situation noch angezeigt ist.

Ich bestätige, diese Information erhalten zu haben.

(Ort, Datum)
(Unterschrift des Betreuers)

 

Weitere Informationen zum Thema Recht finden Sie in Rechtssicher handeln in der Pflege.

 

Was zu tun ist, wenn trotz allem einer Ihrer Pflegekräfte ein Pflegefehler unterläuft lesen Sie im Artikel: Wie soll ich vorgehen, wenn ich einen Pflegefehler begehe?

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