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Therapeutisches Essen ist mehr als einfach mitessen

13.11.2020

Demenziell veränderte Menschen haben ein besonders hohes Risiko für Mangel- und Unterernährung. Eine mögliche Ursache hierfür zeigt das Verhalten der Pflegekundin Frau Schmidt: Sie sitzt oft am Frühstückstisch vor einem geschmierten Butterbrot und klagt: „Ich habe Hunger.“ Seit die Pflege- und Betreuungskräfte sich zu ihr setzen und ebenfalls ein Brot essen, nimmt Frau Schmidt ihr Frühstück wieder zu sich. Mit dieser Methode können auch Sie Ihren demenziell veränderten Pflegekunden wieder Freude am Essen vermitteln.

Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt Ihnen, in welchen Schritten Sie beim therapeutischen Essen am besten vorgehen

1. Schritt: Erfassen Sie die kognitiven Defizite, die dazu führen, dass Ihr Pflegekunde nicht isst

Häufig behindern kognitive Veränderungen die Nahrungsaufnahme.

Beispiel:
Frau Schmidt erkennt das Butterbrot nicht als etwas Essbares und rührt es daher nicht an.

Checkliste: Diese kognitiven Einschränkungen hindern Ihren demenziell veränderte Pflegekunden am Essen

Ihr demenziell veränderter Pflegekunde ...

  • vergisst weiter zu essen: Ihr Pflegekunde bricht die Handlung ab und geht fort oder bleibt vor einem halbvollen Teller sitzen. Achtung: Dies ist nicht immer ein Zeichen dafür, dass er satt ist.
  • hat vergessen, wie man isst oder erkennt die Lebensmittel nicht: Er fängt etwa gar nicht zu essen an, schiebt das Essen von einer Tellerseite auf die andere, schüttet sein Getränk hinein oder schaufelt das Essen neben den Teller.
  • lehnt Nahrung ab, da er Angst hat, sie sei vergiftet: Ihr Pflegekunde äußert seine Vermutung, oder aber Sie erkennen anhand seiner Körpersprache, dass er Angst hat.
  • ist durch die Mahlzeitensi­tuation überfordert: Er schaut etwa ratlos umher, bewegt sich auf sei­nem Stuhl hin und her, beginnt zu schimpfen oder laut zu rufen oder geht fort.
  • hat Angst, etwas falsch zu machen: Er sitzt angespannt vor seiner Mahlzeit und beo­bachtet die anderen Personen am Tisch.

2. Schritt: Betrachten Sie die Gesamtsituation

Oft führt auch die gesamte Mahlzeitensituation dazu, dass die demenziell veränderte Person nicht isst. Möglicherweise ist es zu laut oder der Raum ungemütlich und zu groß. Möglicherweise kann Ihr Pflegekunde gar nicht erkennen, dass es sich um eine Mahlzeitensituation handelt.

3. Schritt: Berücksichtigen Sie die Biografie Ihres Pflegekunden

Demenziell veränderte Personen erinnern sich ansatzweise an frühere Mahlzeiten im Kreis ihrer Familie. Ihr Pflegekunde hat möglicherweise gelernt, dass man mit dem Essen wartet, bis alle am Tisch sitzen bzw. alle versorgt sind. Entsprechend ist es für ihn befremdlich, wenn niemand mit ihm gemeinsam isst.

4. Schritt: Werten Sie Ihre Beobachtungen aus und planen Sie die Mahlzeitengestaltung

Orientieren Sie sich bei der Maßnahmenplanung an den gesammelten Informationen:

  • Wenn Ihr Pflegekunde nicht gern allein isst, setzen Sie sich dazu und leisten ihm etwa mit einer Tasse Kaffee und einem Brot Gesellschaft.
  • Falls er nicht gern isst, wenn andere noch arbeiten, überlegen Sie, wie Sie Hektik in der Mahlzeitensituation am besten vermeiden.
  • Hat Ihr Pflegkunde vergessen, wie man isst, benötigt er ein Vorbild. Setzen Sie sich so hin, dass er Sie gut sehen kann. Führen Sie Ihre Handlungen so langsam aus, dass er sich daran orientieren kann.
  • Bei Vergiftungsängsten ist es wichtig, dass Sie das Gleiche auf dem Teller haben wie Ihr Pflegekunde und von allem probieren.

5. Schritt: Beschreiben Sie Ihr Vorgehen immer in der Maßnahmenplanung

Um Missverständnissen vorzubeugen und nachzuweisen, dass Sie nicht auf Kosten Ihrer Pflegekunden essen, ist es wichtig, dass Sie die Notwendigkeit hier- für schriftlich in der Pflegeplanung begründen und genau beschreiben, wie Sie vorgehen. Das Mitessen soll Ihrem Pflegekunden vor allem Sicherheit vermitteln. Daher ist es wichtig, dass es immer gleich abläuft, d. h., jeder Kollege muss es gleich handhaben. Entsprechend müssen Sie das Mitessen in der Maßnahmenplanung verbindlich als Handlungsanleitung festlegen.

Fazit: Therapeutisches Essen ist auch für den ambulanten Bereich geeignet

Therapeutisches Essen nicht nur eine geeignete Methode für den stationären Bereich. Sie können es sogar in der ambulanten Pflege anwenden: Vermitteln Sie Angehörigen, worauf es beim therapeutischen Essen ankommt. Diese können etwa die Tischordnung verändern, sodass die demenziell veränderte Person sich besser an den Handlungen ihrer Bezugspersonen orientieren kann. Erklären Sie, dass das Vormachen eine sinnvollere Orientierungshilfe darstellt als ständige Ermahnungen oder fruchtlose Diskussionen.

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