Das Bobath-Konzept in der Pflege

Inhaltsverzeichnis

Die Bobath-Therapie ist eine rehabilitative Behandlungsmethode, die insbesondere in der Altenpflegebranche von großer Bedeutung ist. Sie wurde in den 1940er Jahren von Berta Bobath, einer deutschen Krankengymnastin, und ihrem Ehemann Karel Bobath, einem deutschen Neurologen, entwickelt.

Das Bobath-Konzept basiert auf einem interdisziplin√§ren Ansatz, bei dem verschiedene Fachkr√§fte aus Bereichen der Physio- und Ergotherapie, der Logop√§die und der Pflege zusammenarbeiten, um die bestm√∂gliche Behandlung f√ľr die betroffene Person zu gew√§hrleisten. Es zielt darauf ab, Menschen mit Krankheitsbildern im neurologischen Bereich und im Bereich des zentralen Nervensystems dabei zu unterst√ľtzen, ihre motorischen F√§higkeiten zu verbessern und eine gr√∂√ütm√∂gliche Selbstst√§ndigkeit im Alltag zu erreichen.

Diese Therapieform wird sowohl in Kliniken als auch in Pflegeeinrichtungen angewendet und ist von hoher Relevanz, da sie die Betreuung und Versorgung von pflegebed√ľrftigen Personen effektiv unterst√ľtzen kann. Im folgenden Artikel werden wir uns n√§her mit den grundlegenden Aspekten der Bobath-Therapie, ihren Anwendungsgebieten, den Zielen, der Durchf√ľhrung, sowie ¬†den damit verbundenen Kosten befassen. Ein fundiertes Verst√§ndnis dieser Behandlungsmethode ist entscheidend, um eine optimierte Versorgung der pflegebed√ľrftigen Personen ¬†zu gew√§hrleisten.

Bedeutung und Hintergrund der Bobath-Therapie

Die Bobath-Therapie stellt einen ganzheitlichen Ansatz zur Rehabilitation von Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen dar. Sie basiert auf dem Verständnis, dass das zentrale Nervensystem in der Lage ist, sich auch nach einer Schädigung, neu zu organisieren und zu regenerieren. Das Bobath-Konzept integriert Erkenntnisse aus der Neurophysiologie und der Bewegungslehre und setzt darauf, dass durch gezielte therapeutische Interventionen das Zusammenspiel von Nervensystem, Muskulatur und Bewegungsapparat verbessert werden kann.

Die Behandlung zielt darauf ab, den Muskeltonus zu regulieren, die Haltungs- und Bewegungskontrolle zu f√∂rdern, die Balance zu verbessern und die motorischen F√§higkeiten der betroffenen Person zu optimieren. Durch individuell angepasste √úbungen, sensorische Stimulation und gezielte Handgriffe sollen Bewegungseinschr√§nkungen reduziert und die Funktionst√ľchtigkeit des K√∂rpers gef√∂rdert werden. Das Hauptziel der Bobath-Therapie besteht darin, den betroffenen Personen eine gr√∂√ütm√∂gliche Selbstst√§ndigkeit im Alltag zu erm√∂glichen und ihre Lebensqualit√§t zu verbessern.

Dabei wird die Bobath-Therapie nicht nur in Form von einzelne Therapieeinheiten durchgef√ľhrt, sondern muss ein fester Bestandteil des Alltags und dort in alle Teilbereiche integriert werden. Somit wird deutlich, dass die Bobath-Therapie als ganzheitlicher Therapieansatz nur bei konsequenter Anwendung erfolgsversprechend sein kann. Daher ist es besonders f√ľr Mitarbeitende der Pflegebranche essenziell, ein fundiertes Verst√§ndnis √ľber diese Therapieform zu haben, um die Bed√ľrfnisse und Herausforderungen der pflegebed√ľrftigen Personen besser zu verstehen und angemessene Pflegeinterventionen zu planen und umzusetzen.

Bei welchen Krankheitsbildern hat sich die Bobath-Therapie bewährt?

Die Bobath-Therapie hat sich insbesondere bei Krankheitsbildern wie Schlaganf√§llen, Multipler Sklerose, zerebralen Bewegungsst√∂rungen, Parkinson oder Sch√§del-Hirn-Traumata als wirksame Behandlungsmethode etabliert. Sie kann jedoch auch bei anderen neurologischen und orthop√§dischen Erkrankungen eingesetzt werden, bei denen motorische Beeintr√§chtigungen vorliegen. F√ľr u.a. folgende Krankheitsbilder kann die Anwendung vorteilhaft sein:

  • Schlaganfall (Apoplex)
  • Sch√§del-Hirn-Trauma
  • Multiple Sklerose
  • Zerebrale Bewegungsst√∂rungen (z.B. Zerebralparese)
  • Morbus Parkinson
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Querschnittl√§hmung
  • Neuromuskul√§re Erkrankungen (z.B. Muskeldystrophie)
  • Hirntumore
  • Spina bifida

Die Rolle des Gehirns: Viele Menschen k√∂nnen sich nicht ansatzweise vorstellen, welche F√§higkeiten unser Gehirn besitzt. Bei der Anwendung des Bobath-Konzeptes wird die Lernf√§higkeit des Gehirns aktiv genutzt, um verlorengegangene F√§higkeiten wieder ‚Äěneu‚Äú zu erlernen. Dieses Prinzip wird als Neuroplastizit√§t bezeichnet. Das Gehirn ist in der Lage die eigenen Strukturen zu ver√§ndern, um die Funktionsf√§higkeit wieder herzustellen. Bei bspw. einem Schlaganfall werden bestimmte Hirnareale gesch√§digt. Das Gehirn schafft neue Verbindungen und somit k√∂nnen verlorengegangene F√§higkeiten durch eine Neuordnung und Neuprogrammierung wiedererlangt werden. Einfach erkl√§rt: Durch die Umstrukturierung im Gehirn √ľbernehmen gesunde Areale die Aufgaben von gesch√§digten Hirnregionen.

Grundprinzipien der Bobath-Therapie 

Grundlegend können durch eine konsequente Anwendung der Bobath-Therapie neue Bewegungsabläufe trainiert und durch die dauerhafte Anwendung gefestigt werden. Dabei werden mehrere grundlegende Prinzipien angewendet, um diese positiven Aspekte zu erhalten:

  • Hemmung von pathologischen Bewegungsmustern: Durch gezielte Anleitung und Stimulation werden abnorme Bewegungsmuster gehemmt, w√§hrend normale Bewegungsabl√§ufe gef√∂rdert werden.
  • F√∂rderung des normalen Muskeltonus: Der Muskeltonus wird reguliert, um eine optimale Muskelaktivit√§t und Bewegungskontrolle zu erreichen.
  • Verbesserung der Haltungskontrolle und Balance: Durch gezieltes Training wird die Haltungskontrolle gef√∂rdert und die Balance verbessert, um die Stabilit√§t und Sicherheit der pflegebed√ľrftigen Person zu erh√∂hen.
  • Anpassung an individuelle Bed√ľrfnisse: Die Therapie wird individuell auf die betroffene Person zugeschnitten, basierend auf den spezifischen Problemen, Zielen und F√§higkeiten.
  • Die aktive Beteiligung wird gef√∂rdert: Die betroffene Person wird aktiv in den Therapieprozess einbezogen, um die Selbstst√§ndigkeit und Eigenverantwortung zu f√∂rdern.

Es wird also deutlich, dass die Bobath-Therapie die Mitarbeit der betroffenen Person massiv fordert. Ebenso muss zwischen der betroffenen Person und dem therapeutischen Team und den Pflegekr√§ften eine Vertrauensbasis vorhanden sein, um die Therapie positiv zu beeinflussen. Die Ma√ünahmen m√ľssen sich an den Ressourcen der pflegebed√ľrftigen Person orientieren, um √úberforderungen zu vermeiden. Werden die genannten Prinzipien im Rahmen der Therapie angewendet, dann lassen sich folgende Ziele verwirklichen:

  • Verlorengegangene Bewegungsf√§higkeiten werden wiedergewonnen
  • Steigerung von Sicherheit und Selbstst√§ndigkeit bei allt√§glichen Situationen
  • Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens
  • Meidung von Verkrampfungen und Schmerzen
  • Verbesserung des K√∂rpergef√ľhls, Bewegung und Koordination

Anwendungsgebiete der Bobath-Therapie

Die Bobath-Therapie zielt darauf ab, eine Vielzahl von spezifischen Problemen, die bei neurologischen Erkrankungen auftreten können, zu therapieren. Dazu gehören unter anderem:

  • Motorische Einschr√§nkungen: Schwierigkeiten bei der Bewegungsausf√ľhrung, Muskelsteifheit (Spastik) oder Muskelerschlaffung (Hypotonie), Koordinationsprobleme, Bewegungsarmut oder -unruhe.
  • Beeintr√§chtigte Haltungskontrolle: Probleme bei der Aufrechterhaltung einer stabilen K√∂rperhaltung, Gleichgewichtsprobleme und Sturzgefahr.
  • Funktionsverlust: Beeintr√§chtigungen bei allt√§glichen Aktivit√§ten wie Gehen, Greifen, Essen, Trinken oder sich selbst versorgen.
  • Einschr√§nkungen der Feinmotorik: Schwierigkeiten bei pr√§zisen Handlungen, wie z.B. Schreiben oder Kn√∂pfe schlie√üen.
  • Sprach- und Kommunikationsst√∂rungen: Beeintr√§chtigungen der Sprachproduktion, des Sprachverst√§ndnisses oder der verbalen Kommunikation.
  • Schluckst√∂rungen: Schwierigkeiten beim Schlucken und damit verbundene Risiken wie Aspirationsgefahr.

Das Hauptziel der Bobath-Therapie ist es, die individuellen Fähigkeiten und Potenziale der betroffenen Person zu fördern und dabei zu helfen, bestmögliche Bewegungsmuster anzutrainieren. Dadurch soll eine aktive Teilhabe am Leben erreicht werden. Dies beinhaltet die Verbesserung der motorischen Kontrolle, der Gleichgewichtsfähigkeit, der Koordination, der Muskelspannung, sowie der funktionellen Fähigkeiten im Alltag.

Methoden und Techniken der Bobath-Therapie 

Die Bobath-Therapie als ganzheitlicher Therapieansatz bedient sich einer Vielzahl von Methoden und Techniken, um die Behandlungsziele zu erreichen. Dazu gehören:

  • Pathologische Bewegungsmuster werden gehemmt, um Raum f√ľr die Ausf√ľhrung normaler Bewegungen zu schaffen.
  • Gezielte Stimulation und Anleitung werden verwendet, um normale Bewegungsmuster zu erleichtern und zu f√∂rdern.
  • √úbungen zur Koordination und Gleichgewichtsf√∂rderung werden durchgef√ľhrt, um eine Verbesserung zu erreichen.
  • Durch motorisches Lernen werden neue Bewegungsmuster erlernt und motorische F√§higkeiten verbessert.
  • Durch ressourcenorientierte Aktivit√§ten wird die betroffene Person aktiv in die Therapie einbezogen und durch spezifische Aktivit√§ten motiviert.

Wichtig

Die genauen Methoden und Techniken können je nach individuellem Bedarf und Krankheitsbild variieren. Der Therapieansatz wird kontinuierlich evaluiert und an die Ressourcen, Fortschritte und Veränderungen der betroffenen Person angepasst, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Trotz den vielversprechenden Aussichten muss immer beachtet werden, dass durch die Bobath-Therapie die Selbstst√§ndigkeit verbessert, die grundlegenden Sch√§digungen oder Verletzungen jedoch nicht r√ľckg√§ngig gemacht werden k√∂nnen. Die generellen Erfolgsaussichten richten sich immer nach der Art und der Schwere der Sch√§digung und den individuellen Voraussetzungen und Ressourcen.

Die Bobath-Therapie praktisch umsetzen

Wie bereits erwähnt wurde, ist die Bobath-Therapie ein ganzheitlicher Ansatz und muss, um langfristige Erfolge erzielen zu können, konsequent im Alltag umsetzt werden.

Grundlage f√ľr alle pflegerischen Handlungen: Da sich das zentrale Nervensystem nach einer Sch√§digung neu strukturiert, liegt besonderer Fokus auf den normalen Bewegungsmustern. Das bedeutet, dass ohne eine entsprechende F√∂rderung von gewohnten Bewegungsabl√§ufen das Gehirn sich angew√∂hnt, die bessere K√∂rperseite zu benutzen und die gesch√§digte zu vernachl√§ssigen. Daraus resultiert, dass das Gehirn den Einsatz beider Seiten und damit das Anwenden normaler Bewegungsabl√§ufe verlernt. Schmerzen und spastische Bewegungsmuster sind die Folge. Von daher muss bei der Bobath-Therapie die mehr betroffene K√∂rperseite bei allen Verrichtungen einbezogen werden, um die Wahrnehmung und Bewegung zu f√∂rdern. Hier k√∂nnen folgende Praxistipps helfen:

Die Wohnraumgestaltung: Das Zimmer muss so gestaltet werden, dass die Wahrnehmung und der Einbezug der betroffenen Seite immer wieder gef√∂rdert wird. Das bedeutet bspw., dass das Bett so gestellt wird, dass die betroffene Seite zum Fenster oder Fernseher zeigt. So muss der Blick √ľber die betroffene Seite gerichtet werden, um zum Fenster raus oder zum Fernseher schauen zu k√∂nnen. Auch sollten wichtige Utensilien wie der Nachtschrank, Fernbedienung, Getr√§nke, etc. so bereitgelegt werden, dass die betroffene Person √ľber die gesch√§digte Seite greifen muss. Dadurch wird die Wahrnehmung aktiv gef√∂rdert und die gesch√§digte Seite tritt immer wieder in das Blickfeld und damit in den Fokus.

Die Kontaktaufnahme: Auch hier sollte immer die mehr betroffene Seite einbezogen werden. Eine Ansprache und Augenkontakt von eben dieser Seite aus k√∂nnen sich positiv auf die Wahrnehmung auswirken. M√∂chte man K√∂rperkontakt herstellen, dann sollte man auch hier die mehr betroffene Hand oder den Arm w√§hlen. Sitzt die Person bspw. an einem Tisch, dann sollte die Pflegekraft sich auf Augenh√∂he begeben, um eine unphysiologische Kopfhaltung, durch Hinaufschauen, zu verhindern. Ebenso sollte sie sich auf der mehr betroffenen Seite positionieren, um auch hier wieder die Wahrnehmung zu f√∂rdern und den Kontakt √ľber diese Seite zu erh√∂hen. ¬†¬†

Bewegung, Lagerung und Transfer: Regelm√§√üig wechselnde Lagerungen f√∂rdern die Wahrnehmung und tragen dazu bei, dass das allgemeine K√∂rpergef√ľhl verbessert wird. Lagerungswechsel und sonstige Bewegungen sollten immer √ľber die betroffene Seite erfolgen. Generell muss bei der Positionierung auf die normale Muskelspannung und physiologische Bewegungen geachtet werden. Bspw. wird durch eine Lagerung auf die betroffene Seite, durch den Auflagedruck, eine stimulierende Wirkung erzeugt und zus√§tzlich kann die weniger betroffene K√∂rperh√§lfte trotz Seitenlagerung aktiv eingesetzt werden. Eine Lagerung auf die andere Seite wirkt oft entspannender auf den Muskeltonus, jedoch ist der Bewegungsspielraum geringer, da die aktive Seite unten liegt. Sitz- und Geh√ľbungen wirken sich positiv auf die Muskelspannung und den Kreislauf aus, ebenso wird dadurch die Rumpfstabilit√§t trainiert. ¬†

K√∂rperpflege: Egal ob im Bett oder am Waschbecken, auch hier wird die betroffene Seite in den Prozess einbezogen. Bei einer guten K√∂rperkontrolle und entsprechender Rumpfstabilit√§t sollte die Waschung am Waschbecken priorisiert werden. Fehlt die entsprechende Stabilit√§t, dann erfolgt eine Ganzk√∂rperversorgung im Bett. Die Waschung erfolgt von der aktiven Seite, √ľber die K√∂rpermitte zur gesch√§digten K√∂rperh√§lfte. Somit flie√üen bei der Waschung Elemente der basalen Stimulation[1] mit ein. Schwerpunkt bei der Waschung ist es, dass ein permanenter K√∂rperkontakt besteht und auch ein konstanter Druck ausge√ľbt wird. ¬†

An- und Auskleiden: Hier wird immer mit der mehr betroffenen Seite begonnen und ggf. Unterst√ľtzung geleistet. Durch eine regelm√§√üige Durchf√ľhrung kann der Ablauf gefestigt und die Bewegungsmuster verbessert werden. Auch kann durch Miteinbezug der betroffenen K√∂rperh√§lfte die Wahrnehmung gef√∂rdert werden und langfristig gesehen soll eigenst√§ndiges An- und Auskleiden erreicht werden. Durch bspw. einen Spiegel k√∂nnen die betroffenen Personen ihre eigenen Bewegungen verfolgen und somit der Handlungsablauf erleichtert werden. ¬†

Nahrungs- und Getr√§nkeaufnahme: Durch L√§hmungen und Gef√ľhlsst√∂rungen k√∂nnen Schluckbeschwerden entstehen. Ebenso wird die Nahrungs- und Trinkaufnahme durch Bewegungseinschr√§nkungen der Arme und H√§nde erschwert. Weiche und gut kaubare Kost kann helfen die Folgen der Schluckst√∂rung zu minimieren. Auch gibt es spezielle Produkte, um Getr√§nke anzudicken und so ein Verschlucken zu minimieren. Spezielles Geschirr und Besteck k√∂nnen als Trink- und Essunterst√ľtzung genutzt werden, um auch bei der Nahrungsaufnahme die Selbst√§ndigkeit zu f√∂rdern. Unterst√ľtzt eine Pflegekraft bei der Nahrungs- und Getr√§nkeaufnahme, dann hilft sie mit einfachen Handbewegungen und f√∂rdert so die Eigenst√§ndigkeit, bspw. durch einen leichten Impuls beim L√∂ffel zum Mund f√ľhren. ¬†¬†¬†

Ausnahme Neglect: Ein Neglect ist eine Störung, bei der die komplette Wahrnehmung einer Körperhälfte und des Raumes nicht mehr vorhanden ist.

Beispiel: Eine betroffene Person isst nur eine H√§lfte vom Teller, da die andere H√§lfte nicht wahrgenommen wird. Hier muss die Pflegekraft intervenieren und den Teller drehen. Von daher muss bei einem Neglect √ľber die weniger betroffene Seite Kontakt aufgenommen werden, damit die pflegebed√ľrftige Person eine Chance hat zu kommunizieren. Generell folgen alle Handlungsmuster hier dem Grundsatz, dass sie von der weniger betroffenen Seite ausgef√ľhrt werden, also genau umgekehrt zum Grundsatz der Bobath-Therapie. Steht bspw. die Pflegekraft auf der betroffenen Seite und √ľbt ihre Pflegehandlungen aus, dann wird sie durch die fehlende Wahrnehmung dieses Bereiches √ľberhaupt nicht gesehen. ¬†

Grundlegend m√ľssen alle Ma√ünahmen nach den Ressourcen der betroffenen Person gestaltet werden und den F√§higkeiten entsprechen. Daher sind diese Praxistipps nur ein erster Anreiz, um die Grundlagen des Bobath-Prinzips zu verstehen.

Kosten f√ľr die Bobath-Therapie

Da die Bobath-Therapie eine anerkannte Behandlungsmethode darstellt, kann √ľber einen Hausarzt oder einen Neurologen ein entsprechendes Rezept ausgestellt werden. Die Kosten f√ľr die Bobath-Therapie werden i.d.R. von der Krankenkasse √ľbernommen. Generell gilt, dass eine √§rztlich verordnete Bobath-Therapie nur von den Krankenkassen abgerechnet werden kann, wenn die Durchf√ľhrung durch entsprechend zertifizierte Personen erfolgt, dazu geh√∂ren Mitarbeitende der Ergo-, Logo- oder Physiotherapie.

Dauer der Therapie und Häufigkeit

Die Dauer einer Bobath-Therapie kann je nach individuellem Bedarf und Therapieplan variieren. In der Regel dauert eine einzelne Therapiesitzung zwischen 45 Minuten und einer Stunde. Hier wird die Besonderheit der Bobath-Therapie deutlich: Im Gegensatz zu anderen Therapieformen gibt es keine speziell festgelegten √úbungen. Die Therapie und deren H√§ufigkeit orientiert sich allein an den Ressourcen der betroffenen Person und ¬†an den individuellen Bed√ľrfnissen, dem Schweregrad der Beeintr√§chtigung und den Therapiezielen. In der Regel werden die Therapiesitzungen in einem bestimmten Zeitraum regelm√§√üig durchgef√ľhrt, um den bestm√∂glichen Therapieerfolg zu erzielen.

Wichtig: Die Bobath-Therapie kann nur erfolgreich sein, wenn sie als Teil eines umfassenden und ganzheitlichen Rehabilitationsprogramms angewendet und auch durch Übungen und Aktivitäten in den Alltag integriert wird.

Unterschied zwischen Bobath und Vojta

Sowohl das Bobath-Konzept als auch die Vojta-Therapie sind Therapieansätze, die bei neurologischen Erkrankungen und motorischen Einschränkungen eingesetzt werden. Dennoch gibt es einige wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Konzepten:

Bobath-KonzeptVojta-Therapie
Therapeutische Ausrichtung
Das Bobath-Konzept legt einen Schwerpunkt auf die F√∂rderung der motorischen Kontrolle und Bewegungsfunktion durch Hemmung pathologischer Bewegungsmuster und die Unterst√ľtzung der Normalisierung des Muskeltonus. Die Therapie basiert auf einer individuellen, patientenzentrierten Herangehensweise.Die Vojta-Therapie konzentriert sich auf die Aktivierung von bestimmten motorischen Mustern durch gezielten Druck auf Reflexzonen am K√∂rper. Sie basiert auf der Annahme, dass der K√∂rper √ľber spezifische angeborene Reflexmuster verf√ľgt, die zur Bewegungssteuerung genutzt werden k√∂nnen.
Therapeutische Interventionen
Die Bobath-Therapie verwendet eine Vielzahl von therapeutischen Interventionen, einschlie√ülich manueller Techniken, √úbungen, Sensomotorik und Aktivit√§ten des t√§glichen Lebens. Der Schwerpunkt liegt darauf, die betroffene Person zur aktiven Teilnahme an der Therapie zu motivieren und die motorischen F√§higkeiten und die Bewegungskontrolle zu verbessern.Die Vojta-Therapie basiert auf dem Prinzip der reflektorischen Muskelaktivierung. Der Therapeut √ľbt gezielten Druck auf bestimmte Zonen am K√∂rper aus, um vordefinierte Reflexmuster auszul√∂sen. Durch diese Muster sollen bewegungsf√∂rdernde Muskelketten aktiviert und motorische Funktionen verbessert werden.
Anwendungsgebiete
Das Bobath-Konzept findet Anwendung bei einer breiten Palette von neurologischen Erkrankungen, bei denen motorische Einschr√§nkungen auftreten. Es zielt darauf ab, die Selbstst√§ndigkeit und funktionale Bewegungskontrolle der betroffenen Personen im Alltag zu verbessern.Die Vojta-Therapie wird h√§ufig bei S√§uglingen, Kleinkindern und Kindern mit neurologischen Entwicklungsst√∂rungen angewendet. Sie zielt darauf ab, die nat√ľrliche motorische Entwicklung zu f√∂rdern und motorische Defizite zu verbessern.

Fazit

Bei der Bobath-Therapie handelt es sich um ein individuelles und ganzheitliches Therapiekonzept, welches sich an Personen mit neurologischen Erkrankungen wendet und verschiedene therapeutische Interventionen umfasst, um das Gehirn dazu zu animieren, ‚Äěalte‚Äú F√§higkeiten neu zu erlernen.

Die Bed√ľrfnisse und Ressourcen der betroffenen Personen sind ma√ügeblich f√ľr die Planung und Umsetzung der Interventionen. Daher gibt es beim Bobath-Konzept keine vorgefertigten √úbungen, da diese immer individuell entwickelt und angepasst werden. Das Bobath-Konzept kann¬† dazu beitragen, die Rehabilitation und die Lebensqualit√§t der betroffenen Personen positiv zu beeinflussen und zu verbessern.

Da es sich beim Bobath-Prinzip um einen ganzheitlichen Ansatz handelt, ist es besonders bedeutend, dass eine Umsetzung im kompletten Alltagsgeschehen durchgef√ľhrt wird. Einzelne Therapiesitzungen reichen i.d.R. nicht aus, um einen Therapieerfolg zu erzielen.


[1] Konzept, bei dem durch ganzheitliche und körperbezogene Maßnahmen die Selbstwahrnehmung verbessert wird.

√úber die Autorin: Lydia Lebelt

Lydia Lebelt ist gelernte Altenpflegerin und war nach ihrem Pflegemanagementstudium u.a. als QMB, stellv. PDL und Pflegefachkraft im ambulanten und stationären Bereich tätig. Seit 2022 arbeitet sie als freie Autorin und verfasst verschiedene Fachartikel und Beiträge rund um das Thema Gesundheit und Pflege.

Als gelernte Altenpflegerin kennt sie die ‚ÄěRealit√§t‚Äú der Pflege und wei√ü, dass Theorie und Praxis manchmal weit auseinander gehen k√∂nnen. Mit ihrer beruflichen Erfahrung im Pflegebereich ist es ihr m√∂glich, einfache und verst√§ndliche Texte zu komplexen Pflegethemen anschaulich darzustellen und somit Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Ihr ist es besonders wichtig, dass Information f√ľr alle zug√§nglich und ‚Äělesbar‚Äú sind.¬†

Lydia Lebelts Website: https://lydia-lebelt.de/

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/lydia-lebelt-einfach-magische-texte/

Xing: https://www.xing.com/profile/Lydia_Lebelt/cv