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So regen Sie mit Basaler Stimulation gezielt die Sinne an

08.07.2019

Haben Sie schon einmal bewusst in Ihrem Bett gelegen ohne sich auch nur ein bisschen zu bewegen und länger als 15 Minuten gerade hoch an die weiße Decke geschaut ohne den Blick abzuwenden? Machen sie doch einmal den Selbstversuch und stellen Sie sich vor, dass manche Ihrer Bewohner den ganzen Tag dieser Perspektive ausgesetzt sind. Ihr Blickwinkel ändert sich häufig nur, wenn sie von einem Ihrer Pflegekollegen umgebettet werden. Die visuelle Anregung ist dann gleich Null, sofern nicht sie etwas dagegen unternehmen.

Wie Sie Sinne gezielt anregen mit Basaler Stimulation

Die Umwelt nehmen wir Menschen hauptsächlich über unsere fünf Sinne wahr. Im Rahmen der sogenannten Basalen Stimulation geht es darum genau diese ganz bewusst anzuregen. Hierzu zählen neben dem Sehen, also der visuellen Anregung, folgende Wahrnehmungskanäle:

  • Fühlen – taktile Wahrnehmung über die Haut
  • Riechen – olfaktorische Wahrnehmung über die Nase
  • Schmecken – orale Wahrnehmung über den Mund
  • Sehen – visuelle Wahrnehmung über die Augen
  • Hören – auditive Wahrnehmung über die Ohren
  • Spüren - somatische Wahrnehmung über Berührung, Temperatur, Bewegung, Position

Die drei Hauptziele dieser bewussten Anregung sind dabei:

1.    die Vermeidung von Reizmangel, Deprivation und Hospitalisierung
2.    die Anregung der visuellen Wahrnehmung und
3.    die Förderung der zeitlichen Orientierung und Erinnerungspflege

Mit diesen Ideen bringen Sie Abwechslung an die Zimmerdecke
Sie haben unterschiedliche Möglichkeiten die visuelle Wahrnehmung zu fördern und dafür zu sorgen, dass Ihre bettlägerigen Bewohner eben nicht permanent an eine kahle weiße Decke schauen müssen. Die Übersicht gibt Ihnen hierzu unterschiedliche Anregungen zum Ausprobieren. Überprüfen Sie, welche Materialien und Utensilien Sie vielleicht schon vorrätig haben. Besprechen Sie im Team anhand der individuellen biografischen Informationen, welche Möglichkeit für welchen Bewohner in Betracht gezogen werden kann.

Bei der Umsetzung sollten Sie zudem speziell auf folgende 5 Aspekte achten, damit die Anregung auch sinnvoll, angenehm und erfolgreich ist.

5 Aspekte, die Sie bei der visuellen Anregung Ihrer bettlägerigen Bewohner bedenken sollten

  • Richtige Platzierung: Denken Sie an den Blickwinkel des jeweiligen Bewohners. Häufig hängen Bilder und Fotos in Bewohnerzimmern, so dass Besucher sie gut sehen können, nicht aber der bettlägerige Bewohner selbst. Hinter dem Kopfende ist häufig Platz, dort nützen sie jedoch leider nichts. Auch über dem Kopf ist nicht der geeignete Platz, da dies Angst davor verursachen könnte, dass die Objekte herunter fallen.
  • Zeitliche Begrenzung: Achten Sie darauf, dass das Reizangebot zeitlich begrenzt erfolgt. Alles, was wir permanent sehen, bietet keine Abwechslung und Anregung mehr. Es wird quasi dann selbst zur weißen Decke.
  • Langsame Bewegung: Mobiles und Windlichter sollten sich nicht zu schnell bewegen, um keine Angst oder Irritation hervorzurufen. Hänge Sie sie deshalb nicht direkt ans Fenster.
  • Geeignete Themen / Inhalte: Greifen Sie inhaltlich biografische und jahreszeitliche Themen auf. Dies schafft Orientierung und weckt Erinnerungen. Die Bilder sollten dabei groß genug und gut zu erkennen sein – lieber weniger Personen pro Bild und nicht zu detailreich.
  • Beobachtung: Beobachten Sie während der Sinnesanregung die Mimik und Körperspannung des betreffenden Bewohners um zu erspüren, was demjenigen gefällt und was eher nicht. Sein Sie sensibel für diese nonverbalen Signale und halten sie Ihre Wahrnehmung auch in der Bewohnerdokumentation fest.

Heute mal anders? Variieren Sie die Gestaltung von Decke und Zimmerwänden

Lichtprojektionen:

  • Lichterkette
    Befestigen Sie eine Lichterkette beispielsweise an einem Bettaufrichter oder in Sichtnähe des Bewohners. Auch als Nachtbeleuchtung in etwas weiterer Entfernung eignen sie sich. Achten Sie bei der Anschaffung auf das GS Siegel. Ketten mit einem Transformator reduzieren die Spannung und sind deshalb sicherer. So lassen sich potentielle  Stromschläge vermeiden. LED-Lämpchen verbrauchen weniger Strom. Z.B. in den Stunden der Abend- oder Morgendämmerung zum langsamen Einschlafen oder Erwachen oder als Nachtbeleuchtung
  • Beamer
    Ein Beamer ermöglicht es Ihnen in Verbindung mit einem Laptop jegliche Art von Bildern und Filmen an Wand oder Decke zu projizieren. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Vielleicht haben Angehörige noch alte Fotos, die Sie scannen können. Auch Bilder aus der Heimat oder Lieblingsfilme eignen sich je nach Fähigkeiten Ihres Bewohners. Begrenzt je nach Bewohner individuell für 15 min. Bis zu einer Filmlänge
  • Snoezelen-Projektoren
    Handelsübliche Snoezelen-Projektoren sind mit Farb- und Bildrädern ausgestattet. Wählen Sie hier nach biografischen Interessen oder Jahreszeit. Mithilfe von Folien können Sie auch selbst Bildräder gestalten und Fotos an die Wand Projizieren. Ca. 15-30 min. ggf. unterstützt durch thematisch passende Musik.
  • Diaprojektoren
    Vielleicht hat die Familie des Bewohners oder auch Sie als Einrichtung auch noch einen alten Diaprojektor. Fragen Sie Angehörige nach alten Bildern und schauen Sie sie gemeinsam mit Ihrem Bewohner an. Je nach Fähigkeiten 15-30 min.

Bewegliches

  • Mobiles
    Mobiles gibt es mit unterschiedlichen Motiven und aus diversen Materialien. Befestigen Sie sie in Sichtnähe, aber nicht direkt über dem Kopf. Ihr Bewohner sollte keine Angst haben, dass es herunter fallen könnte. Auch sollte es nicht in jeder Lage im Bett sichtbar sein. So wirkt der visuelle  Reiz nur für eine begrenzte Zeit. Sichtbar für die Dauer der jeweiligen Lagerung im Bett.
  • Windspiele
    Windspiele regen häufig zusätzlich das Gehör an. Die Töne sollten nicht zu laut sein. Die Befestigung erfolgt wie beim Mobile. Achten Sie bei geöffnetem Fenster darauf, dass sie das Windspiel ggf. abhängen, falls es zu laut klingt. Auch Traumfänger eignen sich. Diese machen in der Regel keine Geräusche. Sichtbar und hörbar für die Dauer der jeweiligen Lagerung.
  • Elektrische Windlichter und Laternen
    Bunte Windlichter und Laternen bieten sich gerade im Herbst an. Auch im Advent sind sie jahreszeitlich ausgerichtet schön und sorgen für angenehmes Licht. Ebenfalls sichtbar für die Dauer der jeweiligen Lagerung.

Tipp: Falls Sie Laternen, Windspiele, Mobiles oder Traumfänger während Ihrer Gruppenangebote selbst herstellen, denken Sie an Ihre bettlägerigen Bewohner. Beziehen Sie so Mitbewohner ein und tun Sie gemeinsam etwas Gutes für jene, die nicht oder nicht mehr an Gruppenangeboten teilnehmen können. Sprechen Sie auch Angehörige an und fragen nach Materialien.

Bilder und Fotos

  • Fotowand
    Gestalten Sie in Sichtnähe eine Fotowand mit gut erkennbaren Bildern von der Familie, dem Haustier, dem Wohnort oder anderen biografischen Themen. So kann Ihr Bewohner die Bilder sehen, während er im Bett zu dieser Seite der Wand gelagert bzw. gebettet wird. Sichtbar für die Dauer der jeweiligen Lagerung.
  • Banner und Poster
    An der Decke schräg über dem Bett können Sie ein Poster, Banner oder Tuch aufhängen. Vielleicht hat derjenige einen Lieblingsverein oder erfreut sich einfach an bunten Farben. Sichtbar für die Dauer der jeweiligen Lagerung.
  • Wäscheleine mit laminierten Fotos
    Sie können auch Fotos und Bilder an einer Wäscheleine befestigen, sodass sie näher am Bett hängen und erkannt werden können. Zur Befestigung eignet sich der Bettaufrichter. Sichtbar für die Dauer der jeweiligen Lagerung.

Hinweis: Bedenken Sie, dass ein Großteil Ihrer hochaltrigen Bewohner nur noch sehr eingeschränkte Sehfähigkeiten hat. Sorgen Sie deshalb bei zeitlich begrenzter visueller Anregung dafür, dass diejenigen Ihre Brille aufgesetzt bekommen. Denn nur, weil jemand eventuell nicht mehr lesen oder fernsehen kann, heißt das nicht, dass automatisch die Brille überflüssig wird. Häufig können die Betroffenen diese Notwendigkeit nicht mehr von sich aus äußern. Denken sie deshalb für sie mit.

Fazit: Wenn Sie die beschriebenen 5 Aspekte zur Umsetzung beachten, können Sie ganz individuell nach den Bedürfnissen der betreffenden Bewohner aus der Übersicht Ideen auswählen. Die Erfahrung nach haben bettlägerige Bewohner häufig mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, da Sie das Geld selbst nicht mehr ausgeben können. Erklären Sie in diesem Falle deshalb den gesetzlichen Betreuern, was Sie vorhaben und wie sinnvoll es ist. So können Sie ggf. mehr Ideen umsetzen. Dem visuellen Reizmangel wirken Sie so entgegen und Sie fördern auf einfache Weise das Wohlbefinden Ihrer Bewohner.

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