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Der neue Expertenstandard Demenz: Was konkret auf Sie zukommt

04.01.2019

Der neue Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ beschreibt im Wesentlichen, dass Sie als Pflegekraft eine akzeptierende Grundhaltung im Umgang mit Ihren demenziell veränderten Pflegekunden benötigen. Hierdurch soll erreicht werden, dass diese sich angenommen und respektiert fühlen.

Im Expertenstandard finden Sie dazu eine Art Stufenprogramm mit 5 Ebenen. Diese habe ich in der folgenden Übersicht kurz für Sie zusammengefasst:

Ebene 1: Situationseinschätzung

  • Sie haben eine positive Grundhaltung demenziell veränderten Pflegekunden gegenüber.
  • Sie wissen, welche individuelle Unterstützung jeder demenziell veränderte Pflegekunde benötigt.
  • Sie erkennen die Anzeichen einer demenziellen Veränderung.

Ebene 2: Planung

  • Sie lernen die Bedürfnisse des jeweiligen Pflegekunden kennen.
  • Darauf basierend erstellen Sie einen auf die Person ausgerichtete Maßnahmenplanung.

Ebene 3: Angehörige

  • Sie beraten Angehörige.
  • Sie beziehen Angehörige mit ein.

Ebene 4: Umsetzung

  • Sie setzen die geplanten Maßnahmen um.

Ebene 5: Auswertung

  • Sie beobachten das Wohlbefinden Ihres Pflegekunden.
  • Falls Sie bei der demenziell veränderten Person Unbehagen bemerken, versuchen Sie, den Grund herauszufinden, und passen Sie Ihre Maßnahmen entsprechend an.

So gelingt Ihnen die Umsetzung

Ihr demenziell veränderter Pflegekunde verliert nach und nach die Fähigkeit, sich zu orientieren, Informationen zu verstehen und einzuschätzen. Mit anderen Worten: Er versteht sich selbst und seine Umwelt nicht mehr. Dies kann zu ungewöhnlichen Verhaltensweisen und Konflikten mit der Umgebung führen.

Nach den Vorgaben des Expertenstandards sollen Sie ihm in dieser Situation Sicherheit und Halt bieten. Dies gelingt Ihnen am besten, wenn Sie erkennen, welche Unterstützung Ihr demenzerkrankter Pflegekunde benötigt. Hierzu finden Sie im Folgenden einen kurzen Überblick zu den einzelnen Verlaufsphasen einer Demenzerkrankung und den jeweils passenden Maßnahmen.

1. Stadium: leichte Demenz

Zu Beginn der Erkrankung ist das Erinnerungsvermögen nur punktuell beeinträchtigt. Betroffene sind in diese Frühphase keineswegs komplett hilflos, sondern die Alltagsbewältigung gelingt ihnen weitgehend selbstständig und der Hilfebedarf beschränkt sich auf anspruchsvollere Aufgaben wie Geldangelegenheiten oder den Umgang mit Ämtern.

Tipp: Achten Sie auf die Selbstbestimmung

Der oberste Grundsatz lautet: Achten Sie die Selbstbestimmung. Nehmen Sie die Person unbedingt ernst und respektieren Sie die Selbstbestimmung. Fördern Sie eigenständige Aktivität und bleiben Sie tolerant. Wichtig ist, dass Sie und auch Angehörige Ihren Pflegekunden in möglichst viele Alltagsaktivitäten einbinden und überlegen, wie eine Handlung gestaltet sein muss, damit er sie selbst erledigen kann.

Wenn Ihr Pflegekunde selbst nicht mehr weiterweiß, leiten Sie ihn vorsichtig an, ohne ihn zu bevormunden, etwa bei der Körperpflege, bei Alltagsaktivitäten oder Beschäftigungsangeboten.

2. Stadium: mittelschwere Demenz

Ihr Pflegekunde kann sich Neues immer schlechter merken. Er lässt sich leicht ablenken und kann sich nur noch über kurze Phasen hinweg konzentrieren. Alltagsaktivitäten kann er nicht mehr ohne Hilfe ausführen. Die Einsichtsfähigkeit (auch in die Erkrankung) lässt nach. Er verkennt häufig optische und akustische Umgebungsreize, d. h., er erkennt sie nicht und interpretiert sie falsch.

Tipp: Bleiben Sie gelassen

Unterstreichen Sie Ihre Worte immer durch Gestik und Mimik. Dies kann leichter und länger verstanden werden als Sprache. Akzeptieren Sie Verhaltensauffälligkeiten. Behalten Sie einen möglichst gleichförmigen Tagesablauf bei. Wandeln Sie ihn aber ab, wenn Sie bemerken, dass Ihr Pflegekunde gerade in diesem Moment andere Bedürfnisse hat.

3. Stadium: schwere Demenz

Ihr Pflegekunde hat kaum Erinnerungen, auch nicht an ganz frühe Lebensphasen. Das Sprachvermögen erlischt bis auf das Wiederholen einzelner Worte und Phrasen. Er kann Bedürfnisse und Schmerzen nicht mehr benennen und ist abhängig davon, dass Sie als Pflegefachkraft diese erkennen.

Er versteht zunächst noch Körpersprache, später reduziert sich dieses Verständnis auf die Mimik. Er benötigt Hilfestellung in allen Lebensbereichen, verkennt aber teilweise Ihre Absicht und könnte daher Ihre Hilfestellung manchmal sogar als Bedrohung empfinden. Eine besondere Herausforderung in der Pflege besteht darin, Begleitrisiken durch Prophylaxen zu vermeiden, etwa Kontrakturen, Pneumonie, Dekubitus, Thrombose oder Exsikkose.

Tipp: Vermeiden Sie Reizüberflutung

Die demenzerkrankte Person kann durch ihre verminderte Mobilität nicht mehr gezielt nach Reizen suchen oder Unangenehmes ausblenden. Daher ist es notwendig, dass Sie Reizüberflutung vermeiden und gezielt Sinnesanregungen anbieten. Achten Sie verstärkt auf nonverbale Signale Ihres Pflegekunden, wie etwa Lächeln, weites Öffnen der Augen oder die Körperspannung.

Fazit: Nutzen Sie die Anregungen für Ihre Maßnahmenplanung

Durch das Wissen um die verschiedenen Demenzphasen gelingt es Ihnen leichter, sich in Ihren demenziell veränderten Pflegekunden hineinzuversetzen. Hierdurch verstehen Sie seine Reaktionen besser und können, wie es der Expertenstandard fordert, individuell auf Ihren Pflegekunden zugeschnittene Maßnahmen planen.

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