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Mit diesen Ritualen nehmen Sie würdevoll von Ihren Bewohnern Abschied

17.04.2020

In vielen Pflegeteams bleibt für die Trauerverarbeitung kaum Zeit. Häufig erfahren Mitarbeiter nur nebenbei vom Tod eines Bewohners. Dieses Thema ist mir wieder bewusst geworden, als vor einigen Wochen unser Bewohner Herr Weiß verstarb. Die Mitarbeiter waren irritiert, dass er in der Übergabe nicht erwähnt wurde, obwohl es ihm am Vortag sehr schlecht ging. Zwischen Tür und Angel erfuhren sie dann, dass der Bewohner verstorben war. Nach diesem Erlebnis habe ich mehrere Mitarbeiter angesprochen und mit ihnen überlegt, wie wir eine würdigere Abschiedskultur ermöglichen können. Die Ergebnisse dieser Überlegungen habe ich hier für Sie festgehalten.

Reflektieren Sie Ihren Umgang mit dem Tod

Ihre Pflegekräfte sind ständig mit Sterben und Tod von Bewohnern konfrontiert. Nur wenige Berufsgruppen haben so enge Berührungspunkte mit Sterbenden. Hinzu kommt, dass Sie und auch Ihre Mitarbeiter eine persönliche, oft langjährige Beziehung zu Ihren Bewohnern haben.

Im Widerspruch hierzu bleibt für Ihre Trauerbewältigung oft kaum Zeit. In vielen Übergaben werden so viele aktuelle Informationen weitergegeben, dass der Tod eines Bewohners oft nur kurz erwähnt wird. In anderen Einrichtungen wiederum nehmen Teams bewusst Abschied von ihren Bewohnern oder gestalten sogar kleine Andachten.

Berücksichtigen Sie die verschiedenen Bedürfnisse

Möglicherweise haben Ihre Pflegekräfte sich schon daran gewöhnt oder es resigniert hingenommen, dass der Umgang mit Sterben und Tod im Pflegeteam kaum Raum hat. Ich persönlich halte es für wichtig, dass Mitarbeiter sich angemessen von jedem Verstorbenen verabschieden können. Ich glaube, dass dies ein wichtiger Aspekt ist, um sich als Pflegekraft sein Mitgefühl zu erhalten. Möglicherweise kann der eine oder andere aber auch besser mit dem Versterben von Bewohnern umgehen, wenn er den Gedanken daran schnell beiseiteschiebt.

Initiieren Sie Rituale

Falls Ihre Mitarbeiter sich ein Ritual oder Angebot zum Umgang mit dem Versterben von Bewohnern wünschen, finden Sie im Folgenden einige Vorschläge und Anregungen:

  • Schreiben Sie zusammen im Team eine Kondolenzkarte für die Angehörigen.
  • Reflektieren Sie den Sterbeprozess: Wo gab es Schwierigkeiten, und was hat sich bewährt?
  • Stellen Sie ein Foto von Ihrem verstorbenen Bewohner auf oder betrachten Sie gemeinsam im Team Fotos von Veranstaltungen, auf denen Ihr Bewohner zu sehen ist.
  • Nehmen Sie an der Beerdigung des Bewohners teil, um sich von ihm zu verabschieden.
  • Gestalten Sie eine Abschiedsecke in der Wohngruppe, in der die Fotos verstorbener Bewohner aufgestellt sind.

Gestalten Sie eine kurze Abschiedsandacht

Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, ob sie eine kurze Andacht zum Gedenken an den verstorbenen Bewohner durchführen möchten. Dies ist ein möglicher Ablauf:

  • Gestalten Sie einen kleinen Altar mit 1 Kerze, 1 Foto des Verstorbenen und 1 Kreuz.
  • Spielen Sie ein besinnliches Lied, etwa „So nimm denn meine Hände“.
  • Lesen Sie einen Text oder eine passende Bibelstelle.
  • Beten Sie das Vaterunser.
  • Erzählen Sie zum Abschluss reihum einige Begebenheiten, die Sie mit dem Bewohner erlebt haben. Spielen Sie vielleicht sogar das Lieblingslied Ihres Bewohners dazu.

Tipp: Falls ein Team wenig mit einer eher christlichen Ausrichtung einer Andacht anfangen kann, können Sie anstelle von Gebeten und christlichen Liedern auch andere besinnliche Texte oder Musikstücke wählen.

Kooperieren Sie

Suchen Sie nach Schulungsangeboten in Ihrer Umgebung zum Thema „Trauer oder Sterbebegleitung“. Hospizvereine oder auch Bestattungsunternehmen bieten Kurse an. Gehen Sie Kooperationen ein, um regelmäßige Schulungen für Ihre Pflegeteams durchzuführen.

Beziehen Sie auch die Mitbewohner mit ein

Besprechen Sie mit Ihren Teams, ob die Mitarbeiter zur geplanten Abschiedsandacht auch Bewohner und die Angehörigen der verstorbenen Person einladen möchten. Angehörige und Bewohner erwarten möglicherweise eine regelrechte Trauerfeier. Daher ist es wichtig, dass Sie im Vorfeld erklären, dass es sich um eine sehr kurze Zusammenkunft handelt.

Für die Eingeladenen bedeutet es häufig sehr viel, dass eine solche Trauerfeier abgehalten wird. Es zeigt, dass Ihnen der verstorbene Bewohner als Person wichtig und Teil Ihrer Hausgemeinschaft war. Dies kann ein Trost für Angehörige und auch für Ihre Bewohner sein. Eine Bewohnerin sagte vor Kurzem sogar zu mir: „Ich bin froh, dass Sie jetzt diese Andachten machen. Mich beruhigt, dass wir nicht nur eine beliebige austauschbare Nummer sind und man noch an uns denkt.“

Fazit: Handeln Sie individuell und zugleich verbindlich

Trauerrituale müssen zu Ihren Teams passen. Weiterhin sollte die Teilnahme immer freiwillig sein. Laden Sie auch die Mitarbeiter aus Betreuung und Hauswirtschaft ein, sowie ggf. Angehörige und nahestehende Bewohner.

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