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Einfache Methoden zur Erkennung der Ausprägung von demenziellen Erkrankungen

19.10.2018

Eine Demenz ist ein Defizit in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, das zu einer Beeinträchtigung von sozialen und beruflichen Funktionen führt und fast immer, aber nicht ausschließlich mit einer diagnostizierbaren Erkrankung des Gehirns einhergeht. Der Verlust des Erinnerungsvermögens, des logischen Denkens, aber auch eine Wesensveränderung sorgen dafür, dass Ihre Pflegekunden erhebliche Schwierigkeiten bei der Kommunikation haben.

Ferner fällt es ihnen schwerer, komplexe Tätigkeiten und – im fortgeschrittenen Stadium – auch einfache Tätigkeiten (z.B. essen und trinken) durchzuführen. Neben dem Kurzzeitgedächtnis und der Denkleistung sind bei den Erkrankten auch Sprache und Motorik sowie in manchen Fällen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Nicht selten fallen dann die körperlichen und kognitivpsychischen Symptome zusammen.

Beachten Sie diese Anforderungen bei der Pflege von Dementen

Um eine sach- und fachgerechte Pflege Demenzkranker zu planen, sollten Sie zunächst die Anforderungen berücksichtigen. Diese können Sie aus den individuellen Bedürfnissen Ihrer Kunden und aus den Anforderungen der MDK-Prüfanleitung ableiten.

Vergleichen Sie doch einmal, inwieweit Sie in Ihren Pflegedokumentationen bei Ihren demenzerkrankten Kunden die aufgeführten Anforderungen umgesetzt haben. Wenn Sie feststellen, dass die Anforderungen noch nicht vollständig umgesetzt wurden, leiten Sie Ihre Mitarbeiter an, diese Mängel zu beseitigen.

Informieren Sie sich über anerkannte Pflege- und Betreuungsmaßnahmen

Die MDK-Prüfanleitung bietet wertvolle Hinweise auf geeignete Maßnahmen zum Umgang mit Ihren dementen Pflegekunden. Folgende Maßnahmen werden dort vorgeschlagen:

  • Kinästhetik (Lehre von der Bewegung) beschäftigt sich mit der Empfindung und dem Ablauf der natürlichen menschlichen Bewegung.
  • Validation (verbale und non-verbale Kommunikation), die sich nicht auf die Inhaltsebene, sondern auf die Beziehungsebene konzentriert. Das Pflegepersonal fühlt sich in die Realität der Demenzkranken ein.
  • Basale Stimulation (Erfahren und Erspüren der Umwelt) ist ein Handlungskonzept zur Förderung und Aktivierung schwerstbeeinträchtigter Menschen mit Bewegungs-, Kommunikations- und Wahrnehmungsstörungen.
  • Mäeutischer Ansatz (erlebnisorientierte Pflege): Dieser Ansatz basiert auf Beobachtungen, die Pflegende in der Pflegebeziehung zu den Pflegebedürftigen bewusst erleben. Aus diesen Beobachtungen entsteht ein Leitfaden für den Umgang mit Pflegebedürftigen.
  • Tellington-Touch-Methode: Hierbei handelt es sich um eine Methode, bei der kreisförmige Bewegungen, die von der Intensität zwischen Streicheln und Massieren einzuordnen sind, durchgeführt werden.

Somit haben Sie für Ihre Planung bereits Informationen, welche Maßnahmen zur Versorgung Ihrer demenzerkrankten Pflegekunden anerkannt und geeignet sind. Zudem wissen Sie bereits, was der MDK als Ihr wichtigstes Prüforgan von Ihnen verlangt.

Übersicht: Sachgerechter Umgang bei Pflegebedürftigen mit gerontopsychiatrischen Beeinträchtigungen

Anforderung MDK-PrüfanleitungUmsetzung der Anforderung
Werden Ressourcen und Probleme erkannt?In der Pflegeanamnese werden Ausmaß und Ausprägung ermittelt (z.B. Antriebsarmut, Aggressionen in bestimmten Situationen, Depressivität, erhöhtes Laufbedürfnis). In der Pflegeplanung werden die Pflegeprobleme nach dem PESR-Schema (Problem, Einflussfaktor, Symptome, Ressourcen) dokumentiert.
Wird die Biografie berücksichtigt?In der Biografie finden sich Hinweise auf Vorlieben, Abneigungen, Gewohnheiten, Hobbys, Bildung, Gefühlen und/oder Angst auslösende Situationen. Diese Hinweise werden in die Maßnahmenplanung integriert.
Pflegebedürftige werden über Risiken, geeignete Ziele und erforderliche Maßnahmen unter Berücksichtigung der Biografie beraten (z.B. Selbstgefährdung, adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten, Tagesstrukturierung).Geeignete Maßnahmen werden auf der Basis der Biografie und der Prinzipien der aktivierenden Pflege geplant bzw. Angehörige / sonstige Pflegepersonen beraten. Geeignete Maßnahmen können sein:
●Tagesstrukturierung,
● individuell angepasste Kommunikation,
● Durchführung vertrauter, den Fähigkeiten angemessener Aktivitäten,
● Vermitteln von Sicherheit und Geborgenheit,
● Zuwendung durch freundliche Gesten,
● Sturzprophylaxe.

Ferner umfasst die Beratung der Pflegeperson auch Symptome der Demenz.

Die Planung und Durchführung der Beratung sind aus der Pflegedokumentation (z.B. Pflegeplanung, Pflegebericht) zu entnehmen.
Information Hausarzt und PflegekasseEntsprechende Angaben finden sich im Pflegebericht oder auf dem Arzt-Kontaktbogen.

Wie stark ist die Demenz ausgeprägt?

Das klassische Instrument, um Informationen zu sammeln, ist der Biografiebogen. Dieser Bogen ist so aufgebaut, dass Sie die Möglichkeit haben, Informationen systematisch zu sammeln. Von Familie, Freunde über Hobbys bis zu prägenden Lebensereignissen erfahren Sie nützliche Details über die Gewohnheiten und Bedürfnisse Ihrer Pflegekunden. Bei Details über die Gewohnheiten und Bedürfnisse Ihrer Pflegekunden in der Praxis schildern Pflegefachkräfte oft, dass sie gehemmt sind, all diese intimen Daten abzufragen.

Insbesondere, wenn sie von der Pflegedienstleitung die Order kriegen, die Informationen gleich beim Erstgespräch bzw. bei der Aufnahme zu erheben. Nicht selten erleben die Pflegekräfte, dass Angehörige sich verwundert zeigen, da diese Informationen nicht unmittelbar mit der Pflegeleistung zusammenhängen. Vor allem im ambulanten Bereich wird diese Erfahrung oft gemacht.

Praxistipp: Besorgen Sie sich von verschiedenen Anbietern für Pflegedokumentationsmappen Muster für Biografiebögen und wählen Sie eine für Sie geeignete Form aus.

Der Vorteil einer umfassenden Biografie ist, dass Sie nicht nur Hinweise auf Symptome einer Demenz bekommen, sondern auch Informationen erhalten, die für andere Bereiche der pflegerischen Versorgung wertvoll sein können.

Beispiel: Sie lesen in der Biografie, dass der Pflegekunde immer erst gefrühstückt hat, bevor er unter die Dusche ging. Wenn Sie diese Information nicht kennen, werden Sie sich wundern, warum der Kunde eine ablehnende Haltung zeigt, wenn er nach dem Aufstehen gleich unter die Dusche geführt wird.

Der Nachteil ist, dass biografische Informationen im Hinblick auf das Erkennen demenzieller Symptome oft unsystematisch sind.

Da die Biografie als einzige Grundlage für ein Demenz-Assessment ungeeignet ist, sollten Sie deshalb auf eigens für das Demenz-Assessment entwickelte Checklisten zurückgreifen. Die Nutzung spezieller Checklisten hat 3 Vorteile:

  1. Sie sind um Umgang mit solchen Listen bereits versiert, da Sie auch für die Risikoerfassung bei Dekubitus und Sturz mit solchen Listen arbeiten.
  2. Die Anwendung von nüchternen Checklisten kommt beim Pflegekunden bzw. dem Angehörigen oft besser an als das intime Nachfragen zur Biografie.
  3. Die Anwendung geeigneter Checklisten führt Sie zielsicher zu einer fundierten Einschätzung, wie stark die Demenz ausgeprägt ist.

Ein einfaches Assessment-Instrument ist die Einschätzung der „Instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens“ von Lawton und Brody. Hiermit ist z. B. die Fähigkeit zu hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, zum Umgang mit Geld oder dem Telefonieren gemeint. Der Einschätzungstest am Ende dieser Seite zielt mehr auf Pflegekunden ab, die in der Häuslichkeit leben.

Aber leicht abgewandelt lässt sich dieses Assessment auch für den stationären Bereich nutzen. Am Rand sehen Sie jeweils eine Leiste, wo Sie ankreuzen können. Hier sind zudem Punkte hinterlegt. Je weniger Punkte der Pflegekunde bei diesem Assessment erreicht, desto mehr Hilfe braucht er bei den instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens.

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