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Gewalt durch Angehörige hat viele Gesichter

06.11.2017

Herr Kuhn pflegt seine demenzerkrankte Ehefrau seit fast 4 Jahren. Erst seit Kurzem lässt er sich bei der Pflege von einem ambulanten Pflegedienst unterstützen. Er schneidet seiner Frau die Haare selbst, da er einen Friseurbesuch für zu aufwendig hält. Er argumentiert: „Das bekommt sie doch sowieso nicht mehr mit.“ Gleiches gilt für die Kleidung: Frau Kuhn besitzt nur noch Jogginghosen und T-Shirts. Die Pflegekräfte sind betroffen, als sie ein Foto von Frau Kuhn entdecken, das vor etwa 6 Jahren aufgenommen wurde. Dies zeigt eine attraktive und elegant gekleidete Frau mit einer blondierten Lockenfrisur.

Reagieren Sie rechtzeitig

Den Pflegekräften ist bewusst, dass Herr Kuhn Tag für Tag an seine Grenzen geht, um seine Frau zuhause zu pflegen. So kommentieren sie sein Vorgehen nicht und blicken weg, wenn er seiner Frau den Becher zwischen die Lippen presst, sie anschreit oder kneift.

Ihnen ist nicht bewusst, dass dies eine falsch verstandene Rücksichtnahme ist, die den Ehemann letztlich nur weiter in die Überforderung treibt.

Dies ist kein Einzelfall. Aggressionen von Angehörigen gegen Bewohner werden viel zu oft von Pflegekräften ignoriert, die fassungslos zuschauen, sich aber nicht trauen, die Angehörigen direkt anzusprechen.

So lautet die Definition von Gewalt

Es gibt verschiedene Definitionen von Gewalt. Entscheidend für Gewalt in der Pflege ist, dass sie sowohl psychisch ausgeübt wird als auch in körperlicher Schädigung des Pflegekunden münden kann.

Oft sind besonders Pflegekunden Opfer von Gewalt, die sich herausfordernd verhalten, sich aber gleichzeitig nicht gegen Aggressionen oder körperliche Übergriffe wehren können.

Nehmen Sie diese Zeichen von Gewaltanwendung unbedingt ernst

Um Gewalt gegen Pflegekunden zu verhindern, ist es entscheidend, dass Sie deren Ansätze schnellstmöglich erkennen. Oft bestehen diese in einzelnen subtilen Handlungsweisen, die Angehörige entweder vertuschen oder scheinbar logisch begründen.
Durch Überforderung kann Gewalt langsam entstehen. Reagieren Sie daher schon auf die Anzeichen, die in dem Selbst-Test beschrieben sind. Beachten Sie hierbei folgende Gesprächsregeln:

  1. Beschreiben Sie: Vermeiden Sie Vorhaltungen. Schildern Sie besser, was Sie wahrnehmen. 
Beispiel: Mir ist aufgefallen, dass Sie die Tülle des Trinkbechers häufig sehr fest in den Mund schieben.
  2. Erläutern Sie die Folgen: Zeigen Sie die Konsequenzen für Ihren Pflegekunden auf.
 Beispiel: Ich sehe, dass sie den Mund immer stärker zupresst und versucht, die Tülle aus dem Mund zu schieben. Daher verschluckt sie sich häufiger und hat mehrere Wunden an den Lippen.
  3. Bieten Sie Alternativen: Machen Sie dem Angehörigen Vorschläge, z. B. zu schonenden Pflegetechniken.
 Beispiel: Wenn Sie möchten, zeige ich Ihnen, wie Ihre Frau aus einem normalen Glas trinkt.

Selbsttest: Erkennen Sie Anzeichen von Gewalt im Verhalten der Angehörigen Ihrer Pflegekunden?

Angehörige ...

  • kommunizieren respektlos mit und über den Pflegekunden.
  • machen dem Pflegekunden seine Unbeweglichkeit zum Vorwurf („Meine Güte, bist du schwer!“).
  • verfahren bei Hilfestellungen grob und schnell.
  • zwängen der pflegebedürftigen Person ihre eigene Vorstellung von Hygiene auf.
  • fixieren die betroffene Person oder schließen sie ein.
  • beschimpfen Ihren demenziell veränderten Pflegekunden aufgrund von Fehlhandlungen.
  • zwingen Ihren Pflegekunden zum Essen, Trinken oder zur Körperpflege. Gleiches verlangen sie auch von den Pflegekräften.
  • mobilisieren den Pflegebedürftigen gegen seinen Willen oder lassen ihn ohne Grund im Bett.
  • bitten den Arzt um die Anordnung von Psychopharmaka, damit der Pflegekunde sich ruhig verhält.
  • übernehmen alle Pflegehandlungen, auch solche, zu denen ein Pflegekunde selbst in der Lage ist. Oder sie fordern dieses
  • Verhalten von den Pflegekräften.
  • sorgen für eine praktische Frisur und möglichst praktische Kleidung.

Auswertung: Jede dieser Handlungen kann Ausdruck von Gewalt gegen Ihren Pflegekunden sein, ohne dass sich Angehörige dessen bewusst sind. Häufig lassen sich die Handlungen mit Überbelastung (z. B. ruckartige Transfers) erklären. Wieder andere Handlungen entspringen einer gut gemeinten Absicht (z. B. Aufzwingen von Nahrung). Sprechen Sie den Angehörigen daher auf sein Verhalten an, denn nur so können Sie ihn unterstützen.

Handeln Sie sofort, wenn Sie körperliche Gewalt gegen Pflegekunden entdecken

Falls Sie deutliche Anzeichen körperlicher Gewalt entdecken, ist sofortiges Handeln erforderlich. Besprechen Sie dies immer mit Ihren Vorgesetzten. Je nach Schwere der Misshandlung können Ihre Maßnahmen von der Beantragung eines amtlich bestellten Betreuers aufgrund von Überforderung der Pflegeperson, Anzeige aufgrund körperlicher Gewalt oder der Meldung bei der Pflegekasse reichen. Bevor Sie zu diesen drastischen Maßnahmen greifen, kündigen Sie dem Angehörigen Ihr Vorhaben an. Stellen Sie klar, dass Sie es umsetzen, wenn er sein Verhalten nicht ab sofort ändert.

Fazit: Nehmen Sie Gewalt nicht hin

Bedenken Sie, dass Sie vor allem Ihrem Pflegekunden gerecht werden müssen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie keine Alleingänge machen. Bedenken Sie: Einen Angehörigen der Gewalt zu bezichtigen ist ein schwerwiegender Vorwurf, bei dem Sie immer der Rückendeckung Ihrer Einrichtung bzw. Ihres Pflegedienstes bedürfen.

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