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Wenn Angehörige ein schlechtes Gewissen haben

04.09.2020

Herr Groß ist ein sehr freundlicher und stiller Bewohner. Er kooperiert gut bei der Pflege, und alle Mitarbeiter geben sich viel Mühe, um seine Ressourcen zu fördern. Im Gegensatz zu ihm ist die Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau für alle Beteiligten sehr nervenaufreibend. Es gibt keinen Tag, an dem sie nichts zu bemängeln hat. Eine Pflegekraft fasst die Situation so zusammen: „Diese Angehörige ist nur deshalb so überkritisch, weil sie ein schlechtes Gewissen hat.“ Bestimmt haben Sie diese Vermutung auch schon einmal in Bezug auf einen Angehörigen ausgesprochen oder gedacht.

Die Heimaufnahme als persönliche Niederlage

Viele Angehörige betrachten es als persönliche Niederlage, dass sie die pflegebedürftige Person nicht (mehr) selbst zuhause pflegen können. Einige fühlen sich zudem an frühere Versprechen gebunden, etwa: „Ich gebe dich nicht in ein Heim.“ Um den Ärger auf sich selbst oder die Scham zu minimieren, sucht mancher Angehörige permanent vermeintliche Fehler und Nachlässigkeiten, die er Ihnen vorwerfen kann. Auf diese Weise hat er wenigstens das Gefühl, sich engagiert für die pflegebedürftige Person einzusetzen.

Tipp: Erkennen Sie die Leistung des Angehörigen an

Stellen Sie heraus, was der jeweilige Angehörige alles für den Bewohner leistet, und erwähnen Sie in Gesprächen immer wieder, wie gut er sich um die pflegebedürftige Person kümmert. Gehen Sie hierbei geschickt vor: Beziehen Sie sich immer auf eine bestimmte Handlung. Hierdurch können Sie ihm sein schlechtes Gewissen ein wenig erleichtern. Sie werden feststellen, dass sich die Beschwerden hierdurch auf Dauer reduzieren.

Praxisbeispiele:

  • Sie halten die Wäsche Ihres Mannes so gut in Ordnung.
  • Sie bringen Ihrer Mutter ja immer ihre Lieblingszeitschrift mit. Man merkt richtig, wie sie sich darüber freut.

Schritt für Schritt aus der Beziehungsfalle

Beschwerdesituationen beinhalten häufig ein undurchsichtiges Gemisch aus der Persönlichkeit und den Problemen der Angehörigen und den kommunikativen Kompetenzen der angesprochenen Pflegekraft. Lösen Sie die Situation sachlich. Zeigen Sie auf der Beziehungsebene Verständnis für die Situation des Angehörigen. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt Ihnen weitere Anregungen für Ihr Vorgehen.

So binden Sie Angehörige mit schlechtem Gewissen ein

1. Schritt: Bearbeiten Sie den Kritikanlass.

Konzentrieren Sie sich zunächst auf den eigentlichen Kritikanlass. Arbeiten Sie diesen konkret aus der Beschwerde heraus.

Beispiel: Die Ehefrau von Herrn Groß beginnt ihre Beschwerde meistens mit der Einleitung: „Ich muss ja jeden Tag hierherkommen, sonst läuft ja gar nichts richtig. Warum bezahlen wir denn so viel Geld, wenn ich doch jeden Tag kommen muss?“ Meistens spricht sie hierbei die WBL an. Diese versucht zunächst, den aktuellen Beschwerdeanlass zu verstehen, und fragt: „Ist denn etwas vorgefallen?

Erklärung: Häufig sind es Kleinigkeiten, über die sich die Angehörige aufregt, wie etwa ein nicht weggeräumtes Kleidungsstück, ein unordentlich gemachtes Bett oder eine vergessene beschmutzte Inkontinenzeinlage. Daraufhin fragt die WBL: „Wie häufig ist das in letzter Zeit vorgekommen?“ Falls die Angehörige einräumt, dass dies das 1. Mal vorgekommen ist, entschuldigt die WBL sich und lässt den Vorfall auf sich beruhen. Bei sich wiederholenden oder gravierenden Fehlern leitet sie entsprechende Maßnahmen ein und erläutert diese der Angehörigen.

2. Schritt: Versuchen Sie, das unterschwellige Anliegen des Angehörigen zu erkennen.

Oft versteckt sich hinter einer Beschwerde das Bedürfnis, etwas für die pflegebedürftige Person zu tun und der Situation nicht ganz so hilflos gegenüberzustehen. Versuchen Sie in diesen Situationen, das emotionale Bedürfnis des Angehörigen zu erkennen und darauf einzugehen.

Beispiel: Nachdem Frau Groß mit der WBL gesprochen hat, trifft sie als Nächstes auf die PDL. Sie beschwert sich bei dieser mit fast den gleichen Worten. Auf ihre Nachfrage erfährt die PDL, dass der Beschwerdeanlass geklärt ist und sagt daher: „Ihr Mann fehlt Ihnen zuhause bestimmt an allen Ecken und Enden.

Erklärung: Die PDL zeigt auf diese Weise Verständnis für die Situation der Ehefrau. Voraussetzung hierfür ist, dass zuvor die Beschwerde der Angehörigen ernsthaft bearbeitet wurde.

3. Schritt: Binden Sie Angehörige an Ihre Einrichtung.

Ergreifen Sie allgemeine Maßnahmen, um Angehörige besser in Ihre Einrichtung zu integrieren. Hierdurch fühlen sie sich auf Dauer eingebunden und verlieren häufig auch das schlechte Gewissen, wenn sie bemerken, dass das Leben auch in Ihrer Einrichtung lebenswert sein kann.

Beispiel: Einmal pro Halbjahr bespricht die zuständige Pflegefachkraft mit der Ehefrau die pflegerische Situation von Herrn Groß. Die PDL lädt Frau Groß zu einem Vorbereitungstreffen für den nächsten Angehörigenabend ein.

Erklärung: Durch diese Maßnahmen erhält Frau Groß das Gefühl, als Angehörige eine wichtige Rolle innezuhaben.

Fazit: Gegen das schlechte Gewissen eines Angehörigen sind Sie nicht machtlos

Um das Vertrauen von Angehörigen mit schlechtem Gewissen zu gewinnen, ist es vor allem wichtig, dass Sie ruhig bleiben und jede Kritik geduldig bearbeiten. Zeigen Sie zudem Verständnis für die Ausnahmesituation des Angehörigen.

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